Titel: Ueber die Baumwollwaaren-Fabrication in Frankreich.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. LXVI. (S. 309–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061066

LXVI. Ueber die Baumwollwaaren-Fabrication in Frankreich.

(Fortsezung von Bd. LXI. S. 232.)

3. Auszüge aus den Aussagen der HH. Joly und Bouchardat-Demarolle in Saint-Quentin.

Saint-Quentin webt aus seinen eigenen Gespinnsten und aus jenen, die es aus Lille, Roubaix und aus dem Elsaß bezieht, jährlich 800, bis 850,000 Stük, welche zusammen einen Werth von 38 bis 40 Mill. Fr. repräsentiren. Die Weberei zerfällt in die mechanische, die erst seit wenigen Jahren besteht, aber im Zunehmen ist, und von fünf Anstalten, welche man auf 600,000 Fr. schäzt, betrieben wird; und in die Handweberei, welche in einem Umfange von 12 Stunden auf dem Lande verbreitet ist. Leztere zählt gegen 50,000 Stühle, welche, einen zu 100 Fr. angeschlagen, mit Einschluß der Localität, 5 Mill. Fr. im Werthe vorstellen. Wollte man alle diese Stühle in Fabriken unterbringen, so kämen sie auf das Dreifache zu stehen. Wir müssen gleich hier bemerken, daß sich die Handweberei nicht vollkommen durch die Maschinenweberei ersezen läßt, weil leztere hauptsächlich auf die glatten Zeuge angewendet wird, während eine Menge façonnirter und anderer Zeuge fortwährend mit der Hand gewebt werden müssen. Die Maschinenweberei geht nur bis zu gewissen Nummern, und findet hauptsächlich auf ordinäre Calicos und Jaconnets ihre Anwendung; alles Feinere wird selbst in England mit der Hand gewebt.

Außer den Webereien bestehen in unserer Gegend neun Anstalten, in denen Dampfmaschinen und andere Maschinen gebaut wurden, im Werthe von 500,000 Fr.; vier Senganstalten im Werthe von 160,000 Fr.; sechs Bleichen im Werthe von 1,610,000 Fr.; sieben Appretiranstalten im Werthe von 1,485,000 Fr.; sieben Färbereien und Drukereien im Werthe von 370,000 Fr. Die Bleichen, Appretir- und Senganstalten beschäftigen 1200 Arbeiter; die Webereien im Ganzen, mit Ausnahme der Tullisten, 70,600. Man fabricirt bei uns Calicos und Percale von 3/4 bis 3/4; Jaconnets und Nansouks von 3/4 bis 6/4; schottische Battiste von 3/4 bis zu 6/4; glatte Musseline von 3/4 bis 6/4; façonnirte Musseline aller Art; gewürfelte und brillantirte Jaconnets; Halstücher von 3/4 bis 7/8; Tischzeuge und Piquets jeder Art; gemodelte und geschnürte Bazins von 5/8 bis 5/4; gestikte Musseline und Tülls. Das Betriebscapital, womit Saint-Quentin arbeitet, dürfte 35 bis 40 Mill. Fr. betragen.

Alle Weber arbeiten nach der Façon. Zur Leitung der Handweber haben wir in den Dörfern Werkführer, welche ihnen Ketten, Einschlag und Geschirre liefern. Jeder Arbeiter besizt aber seinen Stuhl als Eigenthum, und dieser kommt ihm mit der Baustelle auf 100, ohne diese nur auf 50 Fr. zu stehen. Die Weber arbeiten im Ganzen, je nachdem ihnen die Feldarbeiten Zeit lassen, nur 6 bis 9 Monate des Jahres am Stuhle; zur Erntezeit z.B. ist Alles auf dem Felde, wo es dann bei der großen Menge von Arbeitern auch sehr rasch geht. Die Werkstätten der Weber, die sich gewöhnlich im Keller befinden, werden nicht geheizt, weil dieß die Consistenz und Elasticität des Fadens beeinträchtigen würde.

Die Baumwollwaaren-Fabrication datirt sich bei uns vom Jahre 1806; sie wuchs bis zum Jahre 1812 fortwährend; die Ereignisse von 1813 und |310| 1814, in Folge deren alle unsere Producte auf die Hälfte fielen, erschütterten alle unsere Fabriken, die sich erst mit der Wiedereinführung des Prohibitivsystemes wieder so erhoben, daß man im Jahre 1816 denselben Calico, den man im Jahre 1806 für 4 Fr. 25 Cent, lieferte, für 2 Fr. 60 Cent. haben konnte. Vom Jahre 1816 bis zum Jahre 1834 dürfte sich die Zahl der fabricirten Stüke mehr als verdoppelt haben. Unter den Krisen, die wir erlitten, waren jene vom Jahre 1825, die durch Steigen der Baumwollpreise entstand, und jene vom Jahre 1830 bis 32, bei der eine bedeutende Anzahl von Spinnereien und Webereien unterging, die merkwürdigsten. Im Vergleiche mit dem Jahre 1816 gestalten sich die Preise, wie folgt.

Textabbildung Bd. 61, S. 310

Die Preise würden noch mehr gesunken seyn und unsere Fabriken würden sich noch mehr gehoben haben, wenn unser Mauthsystem nicht so schwankend wäre und wenn wir keine politischen Erschütterungen erlitten hätten.

Unsere Ausfuhr ist, da die Preise im Auslande niederer stehen, als bei uns, nur sehr unbedeutend; sie belief sich im Jahre 1830 auf 191,600 Fr., im Jahre 1831 auf 425,700 Fr.; im Jahre 1832 auf 428,500 Fr.; im Jahre 1833 auf 161,600 Fr., und in den 10 ersten Monaten des Jahres 1834 nur auf 112,700 Fr. Die bewilligte Ausfuhrprämie von 25 Fr. ersezt uns wohl die Mauthkosten der Baumwolle, keineswegs aber jene des Oehles, der Steinkohlen, des Eisens etc. Unsere Ausfuhr besteht lediglich aus dem, was uns von einer Saison zur anderen übrig bleibt, aus dem, was wir zu viel für unseren Bedarf fabriciren. Unter diesen Umständen würden demnach auch unsere Märkte bei Aufhebung des Prohibitivsystemes in Kürze so überführt seyn, daß unsere Industrie dadurch sehr in Unordnung gerathen müßte.

Man scheint zu glauben, daß sich das Einfuhrverbot eigentlich doch immer in einen Schuzzoll auflöse, und daß der Fabrikant eben so viel Schuz genieße, wie bei dem Verbote, wenn man den Zoll so hoch ansezt, als die Schmuggelprämie bezahlt wird. Dieß ist jedoch nicht richtig; denn mit Aufhebung des Verbotes fällt auch der größte Theil der moralischen Garantie weg; und während gegenwärtig die fremde Einfuhr nur eine Art von Lotterie ist, würde sie dann regelmäßig werden; die Engländer würden unseren Geschmak und unsere Bedürfnisse studiren, und bei uns Magazine errichten, welche den Ueberschuß der Fabriken von Manchester beinahe um jeden Preis losschlagen würden: theils um unsere Fabriken zu unterdrüken, theils um sich im Falle von Krisen schnell Geld verschaffen zu können. Ueberdieß läßt sich der Schuzzoll, dessen wir bedürfen, auch schon deßwegen durch keine Zahl ausbrüten, weil auch bei uns das blinde Vorurtheil für englische Fabricate herrscht, und man das englische sogar lieber um etwas theurer zahlt als das französische. Es kostete uns nicht wenig Anstrengung und Versuche, die zahlreichen englischen und schweizerischen Artikel, die vor dem Einfuhrverbote unsere Markte versorgten, zu verdrängen, und die Anglomanie unserer Consumenten durch Nachahmung der fremden Apprete, des fremden Geschmakes etc. so zu täuschen, daß gegenwärtig die Schmuggelei nur mehr unbedeutend |311| ist. Dieß ist namentlich der Fall mit den schottischen Organdis, die bis in die neuesten Zeiten geschmuggelt wurden, die wir jezt aber auch verdrängten. Alles dieß konnte jedoch nur unter dem Einfuhrverbote geschehen, und mit dessen Aufhebung wird auch Alles wieder zusammenfallen.

4. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Phil. Leutner, Abgeordneten von Tarare.

Vor einigen Jahren schlugen in der Gegend von Tarare 20,000 Stühle, welche gegen 50,000 Individuen mit Musselin-Fabrication und den dazu gehörigen Arbeiten, so wie mit Stikerei beschäftigten. Wir producirten damals für 15 Mill. Fabrikate; gegenwärtig nur für 10 bis 11 Mill. Der Grund dieser Abnahme liegt theils darin, daß seit den Ereignissen in Lyon viele unserer Landweber für die Seidenweberei in Anspruch genommen wurden; theils darin, daß man nun auch im Elsaß und in Saint-Quentin Musseline für den Druk fabricirt. – Wir haben keine Fabrikgebäude; unsere Arbeiter, die Eigenthümer ihrer Stühle sind, leben sämmtlich auf dem Lande; wir liefern ihnen die geschlichteten Ketten, die Einschlage, kurz Alles, was zur Fabrication der glatten sowohl als façonnirten Zeuge gehört. Die Kämme liefert der Fabrikant, und von diesen kommt ihm das Stük auf 15 bis 30 Fr. zu stehen. Da es keine Fabrikgebäude gibt, so Hat der Fabrikant im Uebrigen, die unbedeutenden Geräthschaften und Vorbereitungen abgerechnet, nur für den Gespinnstankauf zu sorgen. Von den gewöhnlichen Stühlen kostet einer nur 20 bis 36 Fr.; die Jacquart's hingegen, welche den Fabrikanten gehören, kommen noch sehr theuer. Der Arbeiter zahlt seinen Miethzins, bereitet seine Schlichte für die Kette, kauft seine Sprizchen, seine Bürsten und sein Licht. 3 bis 4 arbeiten gewöhnlich in einem Keller, der nicht geheizt wird, und hierauf beruhen großen Theils die Vorzüge unserer Fabrikate.

Der Preis der Façon ist verschieden; er beträgt bei einigen Artikeln nur 10 Cent. per Elle; bei anderen bis an 1 1/2, Fr. und darüber. Einige Arbeiter verdienen täglich bis an 3 Fr., während manche Kinder kaum 20 C. des Tages erwerben. Die Weiber verdienen 18 bis 25 Sous; die Stikerinnen oft nur 10 Sous; es wechselt dieß nach ihrer Geschicklichkeit, da hier Alles nach dem Stüke bezahlt wird. Der Preis der Façon hat seit dem Jahre 1829 sehr gewechselt; die Juliusrevolution drükte ihn herab; die Ereignisse von Lyon erhöhten ihn dagegen wieder.

Wir fabriciren Musseline, Organdis und Battiste aller Art, erstere von 3/4 bis 6/4 Breite und von 25 Cent, bis zu 10 Fr. die Elle. Unsere Bleiche und unser Appret geben jenem der Schweiz und jenem Schottlands nichts nach, so daß sich der erste Kenner über den Ursprung der Waare täuschen kann. Wir machen alle Musseline von Europa und Indien nach; und verarbeiten Gespinnst von Nr. 20 metrisch bis zu Nr. 300 englisch; weniger jedoch in Nr. 200 und darüber. Dieses Gespinnst wird selten direct bezogen, weil man es in den Niederlagen wohlfeiler bekommt, was auch mit den englischen Gespinnsten der Fall ist. Früher wurde das Gespinnst über Nr. 143 größten Theils geschmuggelt. Die französischen Gespinnste über Nr. 143, von denen jene des Hrn. Schlumberger die vollkommensten sind, sind nicht so glatt und gleich wie die englischen, die wir haben müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, gewisse Artikel zu fabriciren. Der Faden der Schlumberg'schen Gespinnste ist übrigens bei gleichen Nummern den |312| englischen Gespinnsten an Stärke gleich, so daß wir sie zu solchen Stoffen, an denen die Ungleichheit des Fadens verschwindet, sehr gut brauchen können. Zu schön klaren Musselinen und indischen Organdis eignet sich jedoch dieß Gespinnst nicht, weil die Zeuge nicht gerade reißen und also für schlecht gehalten werden würden. Die Gespinnste aus dem nördlichen Frankreich sind nicht so gut, wie jene des Elsaß; besonders seit einiger Zeit haben die dortigen Nr. 130 und darüber weniger Stärke. Viele der dortigen Spinner scheinen stehen geblieben zu seyn, wie denn Hr. Mimerel selbst gestand, daß viele nur ihre veralteten Maschinen ausbesserten. Würde Hr. Schlumberger seine Gespinnste in Tarare nur etwas wohlfeiler geben, als die Engländer, die doch einen großen Gewinn aus ihrem Fabricate ziehen, so würden wir unseren Bedarf bei ihm nehmen. Uebrigens darf nicht vergessen werden, daß selbst in England, wo es doch Tausende von Spinnereien gibt, nur 4 bis 5 Fabriken hauptsächlich feine Nummern spinnen und im Rufe stehen, sie gut zu liefern. Ich glaube, daß die französischen Spinnereien bei den Nrn. 170 bis 200 der Engländer durch den gegenwärtigen Zoll von 7 Fr. per Kilogr. einen Schuz von 28 Proc. genießen, und daß ihr Gewinn bei den niedrigeren, bisher noch verbotenen Nummern wirklich sehr groß ist, obwohl ich ihn nicht genau berechnen kann, da man mir nicht sagte, wie viel man für die Façon bezahlt. Wäre es richtig, wie Hr. Mimerel sagte, daß unsere Spinnereien 18jähriger Begünstigung durch das Verbot ungeachtet noch nicht weiter wären, als daß sie um 28 Proc. theurer fabriciren als die Engländer, und daß sie selbst ein Zoll von 40 Proc. nicht zu schüzen vermöchte, so kann man wohl sagen, daß sie dieses Schuzes nicht länger mehr würdig sind. Da haben die Spinnereien der Schweiz, Sachsens und Belgiens ein weit größeres Verdienst als die unserigen, da sie es dahin brachten, neben der fürchterlichen Concurrenz der Engländer bis zu Nr. 120 zu spinnen, während unsere Spinnereien im nördlichen Frankreich bei dem Verbote, es nur bis Nr. 143 metrisch brachten! Wenn man bedenkt, daß die englischen Gespinnste bis in die Schweiz und dann durch diese nach Genf oder Chambery wandern müssen, um von dort aus zu uns geschmuggelt zu werden, so sollte man nicht glauben, daß sie bei uns mit den französischen Gespinnsten in Concurrenz treten können. Und wenn in Frankreich des großen Gewinnes ungeachtet, den die Spinnereien abwerfen müssen, dieser Industrie nur so wenige Capitalien zugewendet werden, so sehe ich keinen anderen Grund dafür ein, als den, daß es bei uns nur wenige Männer gibt, die wie Hr. Schlumberger selbst Fabriken nach englischer Art einrichten könnten, die in England die Spinnerei studirten, die selbst gute Mechaniker sind, und die sich nicht darauf beschranken, die ganze Leitung Werkführern zu überlassen.

Die Weberei in Tarare ist nach schottischem Vorbilde eingerichtet; wir kommen den Schotten auch, was Weberei und Appret betrifft, gleich; während wir in Hinsicht auf die Vorbereitungen, wie auf das Spulen und auf das Schlichten der Ketten um 50 Proc. theurer arbeiten als sie.

Ich glaube demnach, daß man, um uns zu schaffen, was wir zu unserer Fabrication brauchen, und um unsere Fabriken zu zwingen besser und wohlfeiler zu spinnen, alle fremden Gespinnste zulassen sollte, und daß ein Zoll von 4 Fr. 40 Cent. per Kilogr. unseren Spinnereien hinlänglichen Schuz gewähren dürfte; denn hiebei genösse Kettengespinnst von Nr. 48 englisch 119 3/4 von 50 Nr. 107, von 60 Nr. 85, von 70 Nr. 73, von |313| 80 Nr. 64, von 90 Nr. 56, von 100 Nr. 51 3/4, von 110 Nr. 46, von 120 Nr. 40 1/2, von 130 Nr. 36, von 140 Nr. 32 2/3, von 150 Nr. 29, von 160 Nr. 24 1/2, von 170 Nr. 20 1/2, von 180 Nr. 17 1/2, von 190 Nr. 15 und von 200 Nr. 13 Proc. Schuz. Warum sollte dieß auch nicht genügen, da, wie ich überzeugt bin, die französischen Spinnereien, und besonders jene des Elsaß nur um 10 Proc. theurer fabriciren, als die englischen; da die Façon in England theurer ist als in Frankreich; da die Schweiz, welche ihre Baumwolle aus Havre oder Trieft, ihre Maschinen aber aus Mülhausen bezieht, in Nr. 8 bis Nr. 120 eben so wohlfeil und manchmal sogar wohlfeiler fabricirt, als England; da in Sachsen 60 Spinnereien bestehen, welche bis Nr. 100 und 120 spinnen, obwohl daselbst alle englischen Gespinnste von Nr. 8 bis zu den höchsten Nummern gegen einen Zoll von 1/2, bis 1 1/2, Proc. eingeführt werden durften; da endlich auch in Belgien gegen 100 Spinnereien existiren, wovon einige täglich 1000 bis 1200 Pfd. Nr. 20 spinnen, und seit dem Jahre 1825 ihre Maschinen beinahe gänzlich erneuerten, obgleich daselbst alle englischen Gespinnste gegen einen 4 bis 5 Proc. betragenden Zoll Zutritt haben.

Was unsere Musseline betrifft, so wird davon beinahe nichts ausgeführt; die Versuche, die wir machten, mußten mißlingen, weil das Gespinnst, welches wir verarbeiten, mit Ausnahme der gegenwärtig zugelassenen höheren Nummern um 50 bis 80 Proc. zu theuer ist. Ich habe nach genauen Berechnungen gefunden, daß derselbe Musselin, der in Schottland und der Schweiz mit Nr. 144 englisch gewebt wird, in Tarare aus Elsasser Gespinnst von Nr. 158 des alten Systemes gewebt um 39 Proc. theurer kommt, und daß dieser Unterschied selbst auf 48 Proc. steigt, wenn man zu obiger Summe noch den Unterschied in der Façon, welche in der Schweiz wohlfeiler ist, hinzu rechnet. Bei einem Artikel, der in Schottland mit Nr. 184, oder in Frankreich mit derselben Nummer gewebt wird, ergibt sich bei dem gegenwärtigen Preise des Gespinnstes in Tarare zu Gunsten der Schweiz ein Unterschied von 25 Proc., die Vorbereitungen und den Appret nicht mitgerechnet. Da diese Ersparnisse die Transportkosten ausgleichen, so werden halb und ganz feine Gewebe in ziemlich bedeutender Menge aus der Schweiz zu uns eingeschmuggelt. Die Schmuggelprämie beträgt für die Gränze 10 bis 15; für Paris und das Innere von Frankreich hingegen 20 bis 25 Proc.

Will man die Einfuhr der fremden Musseline gestatten, so kann dieß nur dann geschehen, wenn wir die Gespinnste nur mehr höchstens um 10 Proc. theurer bezahlen als die Engländer: d.h. wenn der Transport 5 Proc. beträgt, so dürfte der Zoll nur mehr 5 Proc. vom Verkaufspreise des Gespinnstes betragen. Ueberdieß müßte die Erlaubniß der Einfuhr von Gespinnst um einige Jahre der Erlaubniß zur Einfuhr der Musseline voraus gehen, weil wir bisher nichts ausführen konnten, und weil wir im Rufe stehen, theurer zu fabriciren, als das Ausland: ein Ruf, der nicht so schnell ausgetilgt werden kann. Den Zoll auf die fremden Gespinnste zu 5 Proc. vom Werthe angenommen, könnten unseren Webereien, nachdem sie noch einige Jahre den Schuz des Verbotes genossen und unter diesem auf den fremden Märkten festen Fuß gefaßt, bei einem Schuzzolle von 20 Proc., der aber nach dem Gewichte im Verhältnisse zum Verkaufspreise der Gewebe berechnet werden müßte, mit allen fremden Webereien Concurrenz halten. Noch habe ich zu bemerken, daß wir gegenwärtig eine Elle Musselin, welche wir |314| im Jahre 1804 zu 18 Fr. verkauften, für 2 Fr. 25 Cent. liefern; daß im Allgemeinen die Musseline in den lezten 10 Jahren um 3 Proc. gefallen sind, und daß seit die feineren Gespinnste eingeführt werden dürfen, die Preist noch um 8 bis 15 Proc. sanken.

5. Auszüge aus den Aussagen des Hrn. Sanson-Davillier von Gisors.

Ich will hier nicht von der Handweberei sprechen, die wir seit mehreren Jahren betreiben, sondern von der kürzlich von unserem Haust errichteten Maschinenweberei, und zwar im Vergleiche mit ähnlichen Anstalten Englands. Unser Unternehmen ist noch nicht ganz vollendet; es kostet uns aber an Grund und Boden, Wasserkraft und Wohngebäuden 200,000 Fr.; an Fabrik- und Nebengebäuden eben so viel; an Triebwerken 75,000 Fr.; an 300 mechanischen Webestühlen mit Zugehör 135,000 Fr.; in Summa also 610,000 Fr. In England kommt ein ähnliches Etablissement nur auf den dritten Theil, nämlich auf 8850 Pfd. Sterl. oder 221,250 Fr. Das erforderliche Betriebscapital für eine derlei Fabrik beträgt in Frankreich 2 bis 300,000 Fr., in England 10,000 Pfd. St.

In England führt ein guter Weber mit einem Gehülfen in 3/4, drei und öfter sogar vier Stühle. Seine Production hängt ganz und gar von der Qualität des Gespinnstes ab; im Durchschnitte kann man täglich auf einen Stuhl 20 Yards guten Calico von 7/8 rechnen, wonach also auf einen Arbeiter mit seinem Knaben gegen 80 Yards kommen; auf ein Mädchen, und solcher bedient man sich allgemein rechnet man 40 Yards. 80 Yards geben beiläufig 62 französische Ellen.

In Frankreich hingegen führen die besten Arbeiter nur 2 Stühle, womit sie täglich 20 Ellen erzeugen; die meisten Arbeiter führen deren nur einen, und erzeugen damit täglich 5 bis 7 Ellen. Freilich muß man aber gestehen, daß unsere Leute meistens erst Lehrlinge sind, zu deren Heranbildung Zeit und Geduld gehört.

In Manchester gelten gegenwärtig 7/8 Calicos von 28 Zoll Breite, 28 Yards Länge und von 5 und 2 Unzen Gewicht beiläufig 57 Cent. die Elle; in Gisors kommt dasselbe Gewebe roh auf 72 Cent. die Elle, woraus sich zu Gunsten der Engländer per Elle ein Unterschied von 15 Cent. ergibt.

In den Handgeweben wurden in den niederen Sorten von Geweben keine großen Verbesserungen gemacht; die Weber erzeugen seit mehreren Jahren mit ihren Stühlen 4 bis 5 Ellen des Tages, und die Landleute befinden sich dabei gut, da sie die Stühle immer zur Hand haben. Die großen Verbesserungen liegen in den mechanischen Webestühlen, weil der Arbeiter mit diesen mehr und regelmäßiger gearbeiteten Zeug mit weniger Mühe zu liefern vermag. Sind unsere Arbeiter ein Mal so geübt, daß sie sämmtlich 2 Stühle führen, und mit jedem derselben 10 bis 12 Ellen des Tages erzeugen, so wird die Façon bei der Maschinenweberei per Elle um 5 bis 7 1/2 Cent, wohlfeiler kommen, als bei der Handweberei.

Vor 2 und 3 Jahren wurde eine nicht unbedeutende Quantität gebleichter Baumwollstoffe ausgeführt, was jedoch lediglich den niedrigen Preisen und dem gedrükten Zustande unseret Webereien zuzuschreiben war. Man versuchte selbst einige Ballen nach England zu schiken, wo sie der Fracht- und Mauthkosten ungeachtet, um die französischen Preise verkauft werden sollten. Die Engländer nahmen diese Stoffe jedoch nicht, so bald sie ihren |315| Ursprung ein Mal kannten, und wir konnten sie nicht eher verkaufen, als bis wir ihnen eine andere Beschaffenheit gegeben hatten. Hätten wir hiebei nicht eine Ausfuhrprämie von 50 Fr. genossen, so wäre unser Verlust bedeutend gewesen. Wir sendeten starke und leichte Calicos nach London, und von diesen gab man ersteren den Vorzug. Den Mauthregistern gewiß wurden im Jahre 1832 für 5,000,000 Fr., und im Jahre 1833 für 5,200,000 Fr. Calicos ausgeführt, und zwar hauptsächlich aus dem Elsaß nach der Schweiz.

(Fortsezung folgt.)

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