Titel: Gentele, über die Fabrication des Pariser-, Berliner- und Mineralblau.
Autor: Gentele, Johan G.
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. LXXXIII. (S. 452–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/ar061083

LXXXIII. Ueber die Fabrication des Pariser-, Berliner- und Mineralblau; von J. G. Gentele, technischem Chemiker aus Michelbach an Hall.

Die Bereitungsart dieser drei Farben, welche sich eigentlich nur durch ihren verschiedenen Gehalt an reinem blausauren Eisenoxydul-Oxyd |453| von einander unterscheiden, ist in der neuesten Zeit durch die Fortschritte, welche man in der Fabrikation des eisenblausauren Kalis (Blutlaugensalzes) machte, auf wenige einfache Manipulationen reducirt worden. Die ausführliche Mittheilung derselben dürfte um so interessanter seyn, da meines Wissens die Verfahrungsarten, welche die Fabrikanten bei der Darstellung dieser Farben befolgen, noch nie veröffentlicht worden sind, und man nach den in einzelnen Büchern zerstreuten Vorschriften (welche meistens die unreine Blutlauge zur Fällung der Eisensalze empfehlen) weder mit Vortheil arbeiten noch ein Product erzielen kann, welches mit den im Handel vorkommenden Farben den Vergleich aushält.

I. Bereitung des Pariserblau.

a) von den erforderlichen Geräthschaften.

Die vorkommenden Arbeiten sind:

1) Das Auflösen des eisenblausauren Kalis und des Eisenvitriols, wozu zwei eiserne eingemauerte Kessel erforderlich sind, wovon jeder 800 Pfund Wasser faßt.

2) Das Absezen der Auflösungen und die Präcipitation. Hiezu braucht man wenigstens zwei Absezständchen und ein Paar große Präcipitirstanden; jene sind groß genug, wenn sie den ganzen Inhalt der Kessel aufnehmen können, diese aber müssen wenigstens acht Mal so viel fassen und so wie jene mit mehreren in verschiedener Höhe angebrachten Abziehzapfen versehen seyn. Die Absezstanden werden so gestellt, daß ihr Inhalt durch Schläuche oder Rinnen in die Präcipitirstanden ausgeleert werden kann.

3) Oxydation oder Anfeuerung der Farbe. Hiezu ist ein starker, unter einem Schlot eingemauerter, mit Hähnen und einem genau schließenden Dekel versehener kupferner Kessel erforderlich, welcher beiläufig 870 Pfund Wasser faßt; ein länglicher, aus Eichenholz verfertigter Zuber, welcher ebenfalls mit einem gut schließenden Dekel versehen ist und wenigstens 900 Pfund Wasser faßt, wird so vor den Hahn des Kessels gestellt, daß dessen Inhalt in ihn abgelassen werden kann.

4) Zum Aussüßen, Filtriren, Pressen und Troknen dienen die gewöhnlichen Apparate; außerdem braucht man noch Haarsiebe, Rührwerkzeuge, Schöpfgeräthe etc.

b) Von den chemischen Manipulationen.

1) Man bringt in den einen der eisernen Kessel 80 Pfund kupferfreien Eisenvitriol96), in den anderen 100 Pfund reines eisenblausaures |454| Kali, füllt sie mit Wasser und löst beide durch Kochen auf. Die Lösungen kommen hierauf in die Absezständchen zum Absezen und Erkalten.

2) Hierauf läßt man in die Präcipitirstande so viel reines Wasser laufen, daß es sie mit den in den Absezständchen befindlichen Lösungen ganz anfüllt.

3) Nachdem beide Lösungen klar geworden und erkaltet sind, schreitet man zur Präcipitation; man läßt nämlich durch einige Arbeiter zuerst das Wasser in der Präcipitirstande umrühren, öffnet dann den Zapfen des Ständchens, welches die Lösung des eisenblausauren Kalis enthält, und läßt dieselbe hineinlaufen; wenn beiläufig die Hälfte derselben ausgelaufen ist, läßt man gleichzeitig auch die Eisenvitriolauflösung unter beständigem Umrühren in die Präcipitirstande gelangen. Der aus blausaurem Eisenoxydul bestehende Niederschlag wird anfangs durch den Luftgehalt des Wassers etwas gebläut, erscheint aber später immer grauer und trüber. Das beständige Durchrühren der Flüssigkeit ist sehr vortheilhaft, denn von demselben rührt zum Theil der Glanz des erzeugten Pariserblau auf dem Bruche her, indem ein körniger Niederschlag, wie er in der Ruhe leicht zu entstehen pflegt, auf dem Bruch stets matt ist; nach beendigtem Zusammenlassen der beiden Lösungen muß man daher auch die Flüssigkeit noch 1 1/2 bis 2 Stunden bewegen.

80 Pfund Eisenvitriol sind mehr als hinreichend, um 100 Pfd. eisenblausaures Kali zu zersezen; es bleibt daher ein Ueberschuß von demselben, welcher der Farbe aber keinen Eintrag thut und den man absichtlich anwendet, um sicher zu seyn, daß alles blausaure Kali zersezt ist.

4) Der erzeugte bläulich graue Niederschlag bleibt nun 3 bis 4 Tage ruhig stehen, damit er sich absezt, worauf man die über ihm befindliche Flüssigkeit, worin das schwefelsaure Kali aufgelöst ist, weglaufen läßt. Der Niederschlag wird sogleich ohne vorheriges Aussüßen zum Abtropfen auf leinene Filtrirsäke geschöpft, unter welche man Rinnen legt, welche die anfangs trüb ablaufende Flüssigkeit in ein im Laboratorium eingegrabenes Gefäß leiten, aus welchem sie wieder auf die Säke gebracht wird. Der Niederschlag bleibt so lange auf den Filtrirtüchern, bis er die Consistenz eines halbsteifen Breies erlangt hat.

5) Dem mattblauen Niederschlag muß nun die tiefdunkle ins Kupferfarbene spielende Nuance ertheilt werden, was durch die Operation der Anfeuerung geschieht. Zu diesem Behufe bringt man den Niederschlag in den besagten kupfernen Kessel und rührt ihn mit Wasser zu einem laufenden Brei an, worauf man ihn zum Kochen |455| erhizt (wofür man aber nicht die erste Bewegung des Breies halten darf, welche durch die aus ihm hervorplazenden Dämpfe veranlaßt wird), was durch Bedekung des Kessels sich beschleunigen läßt. Nach gehörigem Durcheinanderrühren der Masse sezt man ihr nun 51 Pfd. Salpetersäure von 27° Baumé zu und läßt sie unter beständigem Umrühren (wobei man sich vor den sich entbindenden salpetrigsauren Dämpfen zu wahren hat) noch 8 bis 10 Minuten fortlochen, worauf man, um dem Kessel nicht länger zu schaden, die ganze Masse in den vor ihm stehenden Zuber auslaufen läßt. Sobald aller Niederschlag im Zuber ist, gießt man 36 Pfund concentrirte Schwefelsäure, ohne sie vorher zu verdünnen, hinein, während zwei bis drei Arbeiter die Masse umrühren; das Rühren wird dann noch eine Viertelstunde fortgesezt. Den Zuber muß man hierauf gut bedeken, um die Masse möglichst lange warm zu erhalten, wodurch die Oxydation der Farbe erst vervollständigt wird. Wenn man nun von Zeit zu Zeit in dem Zuber nachsieht, so bemerkt man in der Masse eine langsame und ruhige Gährung, ein Blasenaufwerfen, welches gewöhnlich 3 Tage fortdauert; mit der Beendigung dieser Entbindung von salpetrigsaurem Gase hört auch die Wirkung der Salpetersäure auf das blausaure Eisenoxydul auf und nun wird der schwarzblaue, beim Austroknen auf irgend einem Gegenstande einen sehr schönem Kupferglanz annehmende Farbebrei in die Aussüßstande gebracht und darin so lange ausgewässert, bis das ablaufende Wasser weder durch salpetersaures Bleioxyd noch durch salzsauren Baryt im Geringsten getrübt wird. Zum Aussüßen muß man ein kalk- und eisenfreies Wasser anwenden, damit das Blau davon durchaus nicht verändert werden kann.

Nach dem Auswässern wird das Blau durch Haarsiebe von größter Feinheit getrieben, auf Leinwand zu einem steifen Brei abfiltrirt, hierauf fest gepreßt und dann in die im Handel vorkommenden länglich vierekigen Stüke zerschnitten und getroknet.

6) Man läßt das Blau, um das Zerspringen der Stüke zu verhüten, zuerst langsam an der Luft oder in den gewöhnlichen Farbtrokenstuben austroknen, dann muß es aber in einem hiezu besonders eingerichteten Trokenzimmer einer Temperatur von 60 bis 70° R. ausgesezt werden, wodurch ihm erst die Kupferfarbe von höchster Intensität ertheilt wird; endlich muß man das Blau auch ganz langsam wieder erkalten lassen, damit die Stüke nicht Sprünge oder Risse bekommen.

Auf die angegebene Art erhält man das dunkelste Blau vom stärksten Kupferglanz, welches im Handel vorkommt. Eine andere Sorte, die mehr eine indigo- als kupferfarbige Nuance hat und noch |456| theurer bezahlt wird, erhält man, wenn man das Verfahren beim Anfeuern dahin abändert, daß man zuerst den Farbebrei mit der angegebenen Quantität Schwefelsäure kocht, dann die Salpetersäure im Zuber nachgießt und die Operation, wie oben angegeben wurde, beendigt; im Uebrigen verfährt man ganz so wie bei Bereitung der dunklen Sorte, nur darf man in der Trokenstube die Wärme nicht über 60° R. steigen lassen.

Mit den obigen Gewichtsverhältnissen gewinnt man 80 bis 85 Pfund trokenes Pariserblau von erster Qualität.

Das Gewichtsverhältniß der Schwefelsäure und Salpetersäure zum Anfeuern der Farbe kann zwar abgeändert werden; bei einer Verminderung desselben erhält man aber ein weniger werthvolles Product und bei einer Vergrößerung desselben fällt das Blau nicht besser aus, so daß es rathsam ist bei dem oben angegebenen erprobten Verhältniß stehen zu bleiben. Statt der Salpetersäure kann man aber auch (wenn sich das bei ihrer Bereitung zurükbleibende schwefelsaure Kali oder Natron nicht gut verwerthen läßt) im Farbebrei gelösten Salpeter anwenden, zu dem man dann so viel Schwefelsäure gibt, als zu seiner Zersezung nöthig ist; auf die aus 100 Pfund eisenblausaurem Kali erzeugte Quantität Farbe kommen 28 Pfd. Salpeter mit 14 Pfd. Schwefelsäure von 66° Baumé.

Ein ebenfalls sehr glänzendes Blau läßt sich, jedoch nicht mit so großer Sicherheit, darstellen, wenn man zur Präcipitation eine concentrirte Auflösung von Eisenvitriol bereitet, dieselbe sogleich mit der Quantität Schwefel- und Salpetersäure versezt, welche oben zum Anfeuern des Niederschlags vorgeschrieben wurde und in den eisernen Kessel, worin die Lösung gemacht und zum Sieden erhizt wurde, sogleich auch die ebenfalls kochende Lösung des eisenblausauren Kalis laufen läßt, wobei man gut umrührt, damit die Farbe nicht körnig wird, was ihren Glanz beeinträchtigen würde. Nachdem hierauf die Farbe in einen Zuber ausgeleert wurde und darin 2 bis 3 Tage stehen blieb, wird sie ausgewaschen, filtrirt, gepreßt und getroknet.

Man kann anstatt des Eisenvitriols zur Fällung auch salzsaures Eisenoxydul und zum Anfeuern der Farbe statt der Schwefelsäure immer auch Salzsäure anwenden.

c) Bereitung geringerer Sorten von Pariserblau.

Um geringere Sorten von Pariserblau zu erhalten, versezt man die auf oben angegebene Weise bereitete Farbe sogleich nach dem Auswaschen im Verhältniß von 10 bis 30 Proc. mit frisch bereiteter Alaunerde oder feiner Stärke; der Zusaz wird, um ihn fein zu zertheilen, damit keine Stippen oder weiße Punkte in der Farbe bleiben, |457| auf einer nassen Mühle damit abgemahlen und wenn Stärke angewandt wurde, muß das Troknen mit besonderer Vorsicht geleitet werden.

II. Bereitung des Berliner- und Mineralblau.

Diese beiden Farben stellt man jezt durch Vermengen des Pariserblau mit weißen Körpern dar; dieselben werden entweder in Wasser fein zertheilt unter das Blau gerührt, während dasselbe noch in Breiform ist, oder damit zusammengemahlen, jedenfalls muß aber die Farbe zulezt noch durch ein Haarsieb getrieben werden. Als Zusaz kann man anwenden:

1) Alaunerde, welche man aus eisenfreiem Alaun mit Potasche niederschlägt; sie wird erst nach vollständigem Aussüßen mit dem in der Auswasserungsbütte befindlichen Blau vermengt. Ich gebe bei den Gewichtsverhältnissen der zur Bereitung dieser Farben erforderlichen Substanzen nur das des Alauns an, weil die Menge der Potasche, womit derselbe niedergeschlagen wird, von ihrer Reinheit abhängt.

2) Stärke (Kartoffelstärke). Sie wird besonders als Zusaz angewandt, wenn helle und sehr leichte Waare geliefert werden soll; man rührt sie gut mit Wasser an und mahlt sie mit dem Blau auf der nassen Mühle durch.

3) Schwerspath. Er wird für schwerere Sorten als Zusaz angewandt und muß ganz weiß und höchst fein gemahlen seyn; man vermengt ihn auf der Mühle mit dem Blau, weil er sich in den Aussüßstanden wegen seines großen specifischen Gewichts schnell wieder absondert.

4) Thon wird zuerst gebrannt, dann höchst fein gemahlen und ebenfalls auf der nassen Mühle unter das Blau gemengt.

5) Kieselsaure Alaunerde. Man erhält sie, wenn man den Alaun mit Kieselfeuchtigkeit oder Wasserglas niederschlägt und sie wird ganz so wie die Alaunerde mit dem Blau vermengt; dieser Zusaz ist der beste; er macht die Farbe loker, kommt aber etwas theuer zu stehen.

Ich will nun die Gewichtsverhältnisse der zur Fabrikation einiger Sorten von Berliner- und Mineralblau erforderlichen Substanzen angeben.

A. Berlinerblau. Nr. 1 wird dunkel und erhält Kupferglanz; Nr. 2 wird dunkel und schwer; Nr. a, 3 hell und leicht; Nr. b, 3 hell und schwer; Nr. a, 4 hell und leicht; Nr. b, 4 hell und schwer.

|458|

Zu dem aus 100 Pfund eisenblausaurem Kali gewonnenen Pariserblau ist erforderlich:

Textabbildung Bd. 61, S. 458

B. Mineralblau. Nr. 1 erhält man, indem man zu dem Berlinerblau Nr. a, 3 360 Pfund Stärke nimmt. Nr. 2, wenn man das Pariserblau von 25 Pfund eisenblausaurem Kali mit 120 Pfund gebranntem Thon und 100 Pfund Schwerspath versezt. Nr. 3, wenn man das Pariserblau von 25 Pfund eisenblausaurem Kali mit 80 Pfd. calcinirtem weißem Thon, 150 Pfund gemahlenem Schwerspath und 20 Pfund Stärke versezt. Nr. 1 liefert 600, Nr. 2, 240 und Nr. 3 270 Pfund Blau.

Auf diese Art lassen sich die verschiedenen Sorten von Blau viel einfacher darstellen, als nach der früheren Methode mit Blutlauge und das ganze Geschäft kann auch mit größerer Sicherheit geführt werden; es arbeiten daher auch nur noch wenige Fabriken mit Blutlauge und gewiß nicht vortheilhaft, weil ihr Verfahren nicht nur viel umständlicher ist und mehr Apparate erfordert, sondern dabei auch Material verschwendet wird; denn wenn man krystallisirtes eisenblausaures Kali97) zur Fabrikation von Berlinerblau bereitet, so wird die nicht in Cyankalium verwandelte Potasche wieder gewonnen, verwendet man aber hiezu die rohe Blutlauge, so muß zur Zersezung des in ihr enthaltenen kohlensauren Kalis Alaun aufgewendet werden, dessen Alaunerde durch die anderen oben angegebenen Zusäze größten Theils entbehrt werden kann.

Da von den Fabrikanten nicht selten Farben nach Mustern anderer Fabriken verlangt werden, so halte ich es für nüzlich meine Methode die blauen Farben zu untersuchen, hier mitzutheilen; man kann dadurch ihre Bestandtheile ziemlich genau ausmitteln und ist dann auch im Stande sie vollkommen nachzuahmen.

|459|

III. Untersuchung der Berliner- und Mineralblausorten.

100 Gran von der zu untersuchenden Substanz werden mit kleinen Portionen Aezkaliauflösung versezt und zerrieben, bis die blaue Farbe ganz verschwunden ist. Die Flüssigkeit wird dann filtrirt und der Rükstand mit kaltem Wasser ausgesüßt; das Kali zersezt das in der Farbe enthaltene reine Pariserblau und löst zugleich etwas Alaunerde auf, so daß die filtrirte Flüssigkeit also aus eisenblausaurem Kali und Alaunerde-Kali besteht. Sie wird nun mit saurem salzsaurem Eisenoxyd gefällt, der Niederschlag noch mit ein wenig Salpetersäure behandelt, filtrirt und ausgesüßt; bei 60° R. ausgetroknet, entspricht derselbe dem in der Farbe enthalten gewesenen reinen Pariserblau.

Aus der Flüssigkeit, welche von diesem Niederschlage abfiltrirt wurde, fällt man durch kohlensaures Natron die Alaunerde; mit derselben fällt aber zugleich auch Eisenoxyd nieder, daher man den ganzen Niederschlag nach dem Aussüßen noch feucht mit Aezkali behandeln muß, welches alle Alaunerde auflöst und das Eisenoxyd zurükläßt. Aus der alkalischen Auflösung kann die Alaunerde mit Salmiak gefällt, dann ausgesüßt, scharf getroknet und gewogen werden. Ihr Gewicht muß später zu dem in der Folge erhaltenen addirt werden.

Den beim Abreiben der blauen Farbe mit Aezkali gebliebenen Rükstand kocht man nun mit überschüssigem Aezkali gut aus und filtrirt ihn; die erhaltene Lösung enthält die Alaun- und Kieselerde, welche als Hydrat im Blau enthalten waren, so wie etwa vorhanden gewesene Stärke als Gummi. Man neutralisirt die Flüssigkeit mit Schwefelsäure, wodurch die Kieselerde gefällt wird, die man troknet und wiegt; aus der nun bleibenden Flüssigkeit wird endlich die Alaunerde mit kohlensaurem Natron niedergeschlagen und zu der bereits früher erhaltenen gerechnet.

Von der Flüssigkeit, woraus die Alaunerde mit kohlensaurem Natron niedergeschlagen wurde, dampft man eine Portion ein, um zu sehen, ob sie Schleim oder Gummi (durch Einwirkung des Kalis auf die Stärke entstanden) enthält, was sich übrigens schon beim Kochen derselben und durch das erschwerte Filtriren zu erkennen gibt.

Den nach der zweiten Behandlung des Blau mit Kali gebliebenen Rükstand troknet und wiegt man; derselbe enthält außer dem größten Theil des weißen Körpers, womit das Pariserblau versezt wurde, auch alles Eisenoxyd, welches bei der Reaction des Kalis auf das Pariserblau abgeschieden wurde. Das bei der Analyse niedergeschlagene Blau wird daher nebst der ausgeschiedenen Kiesel- und Alaunerde, zusammengenommen mit dem Gewichte des Rükstandes, mehr betragen als die zur Untersuchung angewandte Farbe wog, und |460| zwar (wenn dieselbe keine Stärke enthielt) um so viel mehr als das bei der Analyse ausgeschiedene Eisenoxyd wiegt. Lezteres kann man zu 55 Proc. des aus der alkalischen Auflösung niedergeschlagenen Pariserblau annehmen; wenn man daher von dem gefällten Blau 55 Proc. abzieht und den Rest zu dem Gewicht der gefundenen Alaunerde, Kieselerde und dem gebliebenen Rükstande addirt, so erhält man eine Summe, die abgezogen von der zur Analyse angewandten Farbe als Differenz die in dem Blau enthalten gewesene Stärke ziemlich genau angibt.

Man kann nun noch einen anderen Versuch anstellen und 100 Gr. Blau wie vorher mit Aezkali abreiben und den Rükstand durch Decantiren gut aussüßen; wenn man denselben dann mit der hinreichenden Menge Salzsäure behandelt, so löst sich außer dem ausgeschiedenen Eisenoxyd auch die Kreide, wenn solche in dem Blau enthalten ist, nebst Alaunerde auf und der lezte Rükstand besteht nun wie bei dem vorher beschriebenen analytischen Verfahren meistens aus Schwerspath, welcher, wenn er rein ist, sich mehr oder minder rauh und krystallinisch zeigt, wenn er aber mit calcinirtem Thon vermengt ist, sich fettig anfühlt.98)

Ich will hier als Beispiel das Resultat einer solchen Analyse mittheilen:

100 Gran Berlinerblau lieferten nach dem Abreiben mit Kali eine Flüssigkeit, woraus mit salzsaurem Eisenoxyd 28 Gran reines Pariserblau (bei 60° R. getroknet) erhalten wurde; aus der vom Pariserblau abfiltrirten Flüssigkeit erhielt man 2,5 Gr. Alaunerde. Aus dem Rükstande wurden nach der oben angegebenen Methode noch 2,6 Gr. Kieselerde und 15 Gr. Alaunerde ausgezogen.

Das Gewicht des Pariserblau, nach Abzug von 55 Proc., beträgt 12,6 Gr.
der zuerst erhaltenen Alaunerde 2,5
der später erhaltenen 15,0
der Kieselerde 2,6
–––––––
42,2 Gr.
der Rükstand hätte also wiegen sollen 57,8
er wog 46,0
–––––––
das Blau enthielt also Stärke 11,8 Gr.

Der Rükstand von der zweiten Behandlung mit Kali lieferte:

Kreide 5,0
Pariserblau 30,2 Gr.; also beinahe eben so viel wie oben;
|461|
Alaunerde

7,0
Schwerspath 30,0

Es bestand demnach das Blau aus:

29,1 Pariserblau (im Mittel aus beiden Gewichten).
17,5
2,6
Alaunerde
Kieselerde
in Kali auflöslich
11,8 Stärke.
5,0 kohlensaurem Kalk.
30,0 Schwerspath.
7,0 Thon.
–––––
103,0

IV. Ueber die Anwendung des Chlors statt der Salpetersäure zur Oxydation des Pariserblau.

Anstatt das blausaure Eisenoxydul durch Behandlung mit Salpetersäure in blausaures Eisenoxydul-Oxyd überzuführen, kann man auch Chlor hiezu anwenden, und zwar dasselbe entweder als Gas auf den kochenden Brei einwirken lassen oder das gefällte Blau mit der das Chlor entbindenden Flüssigkeit digeriren.

Der beabsichtigte Zwek läßt sich auf mehrfache Art erreichen. a) Man leitet aus einem Chlorentbindungs-Apparate mit bleiernen Röhren so lange Chlorgas in den in einem bleiernen Kessel enthaltenen und darin warm gehaltenen Brei, bis die Flüssigkeit Lakmuspapier und Indigoauflösung bleicht, und sezt dann auf einen Niederschlag von 100 Pfd. eisenblausaurem Kali 10 Pfd. concentrirte Schwefelsäure zu, worauf man noch einige Stunden Chlorgas unter die Masse leitet. Durch nachher vorgenommenes Auswaschen, Filtriren etc. erhält man ein sehr schönes Pariserblau. b) Man bereitet eine Aezlauge von 20 Pfd. Potasche, vermischt sie mit Kalkmilch von 8 Pfd. gebranntem Kalk, sättigt dieses Gemisch mit Chlorgas und rührt in diese Flüssigkeit den anzufeuernden Niederschlag von 100 Pfd. eisenblausaurem Kali, wozu nach und nach noch 50 Pfd. concentrirte Schwefelsäure gegossen werden. Die Oxydation erfolgt nun eben so und das Pariserblau kann nach 3- bis 4tägigem Stehen ausgewaschen werden. c) Folgendes Verfahren ist besonders für geringere Sorten von Blau das zwekmäßigste und wohlfeilste: man bringt 50 Pfd. Braunstein in festen Stüken in einen bleiernen Kessel und auf denselben den zu oxydirenden Niederschlag von 100 Pfd. eisenblausaurem Kali; diese Masse wird dann mit 50 Pfd. concentrirter Schwefelsäure und 30 Pfd. Salzsäure von 18° Baumé übergossen, welche man 6 bis 8 Tage kalt und dann einige Tage bei schwacher Erwärmung einwirken läßt. Endlich wird die Farbe von den zurükgebliebenen Braunsteinstüken mit Wasser abgeschlämmt, durch Haarsiebe |462| getrieben, ausgewaschen etc. Wenn keine Braunsteintheilchen unter dem Blau bleiben, fällt es nach diesem Verfahren sehr schön aus.

|453|

Wenn er kupferhaltig ist, muß man ihn einige Zeit mit Eisenfeile oder anderen Eisenabfällen kochen.

|458|

Meine Abhandlung über die Fabrikation des eisenblausauren Kalis (Blutlaugensalzes) ist in diesem Bande des polytechnischen Journals Seite 289 enthalten.

|460|

Um die verschiedenen Körper, womit ein Blau versezt seyn kann und die man nach dem Abreiben desselben mit Aezkali in der Kälte beinahe vollständig nebst dem ausgeschiedenen Eisenoxyde im Rükstande hat, nach ganz scharfen Methoden von einander zu trennen, findet man in Rose's Handbuch der analytischen Chemie ausführliche Anleitung.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Orte
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: