Titel: Ueber die Conservirung von Marmor durch Einlassen desselben mit Wachs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XIV./Miszelle 12 (S. 76–77)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061014_12

Ueber die Conservirung von Marmor durch Einlassen desselben mit Wachs.

Wir entnehmen aus den Aussagen, welche Hr. John Henny im vorigen Jahre vor der Commission machte, die von dem Parliamente für Künste und Wissenschaften niedergesezt worden, folgende interessante Notiz über die Conservirung von polirtem Marmor gegen die nachtheiligen Einflüsse, welche die atmosphärische Luft zu London darauf ausübt. „Als ich vor 16 Jahren, sagt Hr. Henny, nach London kam, untersuchte ich sorgfältig den Zustand der steinernen Gebäude. Die gegen den Fluß zu gelegene Mauer von Sommerset House zog hierbei bald meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich fand nämlich eine Muschel einen halben Zoll weit aus dem Portland-Kalke, aus welchem dieselbe gebaut ist, herausstehen, und da diese nicht aus dem Steine herausgewachsen seyn konnte, so folgte nothwendig, daß der Stein eine Abnüzung erlitten haben mußte, welcher die härtere Muschel widerstanden hatte. Bei weiterer Untersuchung fand ich auch, daß die Steine hie und da nach ihrem Blättergefüge zersprungen waren, und wenn die Blätter senkrecht standen, in großen Stüken abfielen. Als ich die Façade von Hyde-Park zum ersten Male sah, war ich ganz erstaunt, das Karnieß an einigen Stellen in Verwitterung begriffen zu sehen, obschon es erst vor drei Monaten unter dem Meißel hervorgegangen war. Bei genauerer Besichtigung bemerkte ich an jenen Stellen, die am schnellsten verwittert waren, einige Salz-Krystalle. Als ich hierüber nachdachte, kam mir die Idee, daß sich dieser Zerstörung, welche hauptsächlich durch Einwirkung der Feuchtigkeit bewirkt seyn mußte, wahrscheinlich durch Einlassen des Marmors mit Wachs vorbeugen ließe. Aus Furcht mißdeutet und verkannt zu werden, wagte ich es nicht, anfangs meinen Vorschlag bekannt zu machen; vor sieben Jahren behandelte ich jedoch die Frieße an dem Athenäum und die Façade von Hyde-Park nach meiner Methode, und zwar, wie die Zeit lehrte, mit günstigem Erfolge. Ich weiß nicht, ob vor oder gleichzeitig mit mir Jemand anderer eine ähnliche Methode in Vorschlag brachte, wohl aber weiß ich, daß ich von selbst auf diese Idee kam. Meinen ersten Versuch machte ich mit einem Stüke polirten Marmors, auf welches ich mit einem Haarpinsel einen dünnen Streifen Wachs auftrug, und welches ich hierauf der Wärme aussezte, bis alles Wachs in den Stein eingedrungen war. Einen ähnlichen Streifen machte ich mit einem |77| Gemenge von Wachs mit etwas Terpenthin; das Wachs drang hier tiefer ein, doch war es auch für sich allein 1/16 Zoll tief in den Marmor eingedrungen. Den auf diese Weise behandelten Marmor sezte ich einen ganzen Winter über auf dem Hausdache der Witterung aus, und die Folge hievon war, daß er überall, ausgenommen an den mit Wachs eingelassenen Stellen, seine Politur verloren hatte. Hiedurch von dem Nuzen des Wachses überzeugt, entschloß ich mich eine Marmorbüste mit Wachs zu behandeln: der beste Erfolg krönte meine Arbeit. Der mit Wachs behandelte Marmor hat durchaus keinen unangenehmen Glanz, wie man allenfalls glauben möchte; sondern er sieht ganz so aus, wie der feinste, gut aufbewahrte, alte Marmor. Um das Wachs einzulassen, mache ich dasselbe so warm als möglich, und eben so erhize ich den Marmor selbst, nachdem ich alle fremden Substanzen von dessen Oberfläche entfernt habe; das überschüssige Wachs beseitige ich mit einem Wollen- oder Baumwolltuche. Man kann das Wachs auch in Terpenthin gelöst auftragen, doch dringt es für sich allein schon so tief in den Marmor ein, daß dieß nicht die Mühe lohnen dürfte; das Wachs dringt für sich schon 1/16 Zoll tief ein, und dieß genügt, um den Stein gegen Einwirkung von Feuchtigkeit zu schüzen. Ich wende weißes Wachs an, weil dieß die Farbe des Marmors am wenigsten verändert; in gewöhnlichen Fällen dürfte sich jedoch auch anderes Wachs als Schuzmittel eignen. Handelt es sich um eine große Statue, so beginne ich das Einlassen am Kopfe; ich mache das Wachs so warm als möglich, und bediene mich, um die Statue nicht berühren zu dürfen, erhizter Eisen, um das Wachs bis auf den Boden herab zu leiten. Der Zwek meines Verfahrens ist, das Eindringen des Wassers in den Stein, wodurch die Verwitterung begünstigt wird, zu verhüten; auch wird dem Marmor auf diese Weise die glänzende Weiße benommen, so daß er wie der best aufbewahrte alte Marmor, den ich je fand, aussieht. Die Zeit, während welcher das Wachs den Marmor schüzen kann, weiß ich nicht anzugeben; sie muß aber bedeutend scyn, da das Wachs weniger Veränderungen an der Luft erleidet, als irgend eine andere ähnliche Substanz.“ (Aus dem Repertory of Patent-Inventions. November 1835.)

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