Titel: Polizeiverordnung in Betreff der Wurst- und Spekhändler in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XIV./Miszelle 16 (S. 78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061014_16

Polizeiverordnung in Betreff der Wurst- und Spekhändler in Paris.

Die Polizeipräfectur in Paris erließ am Anfange laufenden Jahrs eine Verordnung für die Wurst- und Spekhändler, deren Inhalt im Wesentlichen folgender ist. 1) Es wird keine Licenz zur Gründung eines derlei Etablissements ertheilt, ausgenommen die Polizei hat die dazu bestimmten Localitäten für geeignet und folgenden Bedingungen entsprechend befunden. – 2) Nirgendwo dürfen die Pökelfässer oder Fleischständer, die Pressen und die sonstigen Gerätschaften mit Platten aus Blei oder irgend einem anderen Metalle überzogen seyn; vielmehr sollen sie aus Stein, Holz oder Steingut bestehen. – 3) Die Anwendung kupferner Gefäße und Geräthe ist, selbst wenn sie verzinnt sind, verboten, und an deren Stelle sind solche aus Guß- oder Schmiedeisen zu sezen. – 4) Statt der glasirten Töpferwaare ist Steingut oder irgend eine andere Töpferwaare, deren Glasur kein Metall enthält, anzuwenden. – 5) Zum Einsalzen darf kein Kabeljau- und kein Seetangsalz, so wie auch kein Salz der Salpetersiedereien genommen werden. – 6) Das Waschwasser darf nicht über Nacht in den dazu bestimmten Behältern stehen, sondern diese müssen täglich ausgeleert und ausgewaschen werden. – 7) Die Waschwasser müssen in die nächste Gasse abgeleitet werden, und dürfen keine Fleischtrümmer und dergleichen enthalten; diese Abfälle müssen vielmehr in die Schwindgruben geworfen werden.

Die Verkaufsläden müssen wenigstens drei Meter hoch, mit Steinen gepflastert und plafonnirt seyn. Um während der Nacht die Luft in denselben zu erneuern, muß unmittelbar unter der Deke gegen die Straße zu ein Loch von beiläufig 6 Zoll im Gevierte angebracht seyn, und eine ähnliche Oeffnung muß sich unten an der Thüre oder an der gegenüberliegenden Mauer befinden. Beide Oeffnungen müssen vergittert seyn. – Die Küchen und Laboratorien müssen so geräumig seyn, daß alle Operationen mit Reinlichkeit und ohne Nachtheil für die Gesundheit unternommen werden können; auch sie müssen wenigstens drei Meter hoch und plafonnirt seyn. Der Boden und die Wände sollen bis zu einer Höhe von 1 1/2 Meter so angestrichen seyn, daß man sie abwaschen kann und daß das Eindringen thierischer Substanzen verhindert ist. Dem Boden muß eine solche Neigung gegeben werden, daß das Wasser in die nächste Gosse abläuft. Auch ist für gehörige Ventilirung und für Lichtzutritt zu sorgen. – Die Oefen und die Kessel müssen stets so gebaut seyn, daß keine Dünste daraus entweichen können, und die zum Sieden großer Stüke, so wie zum Schmelzen von Fett bestimmten Kessel müssen in Mauerwerk eingesezt seyn. – In Ermangelung von Brunnen muß ein Wasserbehälter von einem halben Kubikmeter, der täglich gefüllt wird, vorhanden seyn. Weder in den Laden, noch in den Küchen darf unter irgend einem Vorwande Jemand seine Schlafstelle haben. – Die zum Einsalzen bestimmten Keller müssen von gehöriger Größe, gesund und gut gelüftet seyn; es dürfen sich in ihnen nicht die Raumöffnungen für die Schwindgruben befinden, und eben so wenig dürfen Canäle, die in die Schwindgruben führen, durch sie laufen; ihre Höhe muß wenigstens 2 3/4 Meter betragen, und ihr Boden muß zum Behufe des Aufwaschens gepflastert seyn, weßhalb er denn auch eine entsprechende Neigung haben muß, damit alle Flüssigkeiten ablaufen können. (Aus dem Recueil industriel. Jan. 1836.)

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