Titel: Ueber die Folgen der Verbreitung der Maschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XIV./Miszelle 6 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061014_6

Ueber die Folgen der Verbreitung der Maschinen.

Unter den Gegnern der Maschinen hat sich in neuester Zeit ein Arzt und Chirurg, Hr. P. Gaskell Esq. in London, besonders hervorgethan, und unter dem Titel Artisans and Machinery: the moral and physical Condition of the Manufacturing Population considered with reference to Mechanical Substitutes for Human Labour. By P. Gaskell Esq. 8. London 1836. By Parker ein Werk geliefert, welches von den Freunden der Maschinen mit eben so vielem Interesse gelesen, als von deren Gegnern mit Applaus aufgenommen werden dürfte. Da es hier nicht unsere Absicht ist, in die den Maschinen feindlichen Ansichten des Verfassers einzugehen und eine wie uns scheint nicht sehr schwierige Widerlegung derselben zu versuchen, so begnügen wir uns, um die Aufmerksamkeit auf dieses Werk zu lenken, mit Ausziehung folgender historisch-statistischer Notizen.

„Unsere enorme Ausfuhr, sagt Hr. G., hat Viele durch ganz außerordentliche Täuschungen verblendet. Wir wollen jedoch sehen, wie dieselbe zu ihrer gegenwärtigen Größe stieg. Um dieß zu können, müssen wir zuerst erläutern, was unter officiellem und declarirtem Werthe zu verstehen ist. Ersterer bezeichnet lediglich die Quantität: er ist das Ausfuhrquantum nach einem vor mehreren Jahren von der Mauth fixirten und unverändert gebliebenen Tarife auf Geld reducirt. Wenn es daher z.B. in Beziehung auf den officiellen Werth heißt, im Jahre 1800 wurden von diesem oder jenem Artikel für eine, und im Jahre 1835 dagegen für zehn Millionen ausgeführt; so heißt dieß so viel als: im Jahre 1810 wurde eine gewisse Anzahl von Yards auf eine, und im Jahre 1835 eine gewisse Anzahl auf zehn Millionen geschäzt und zwar nach einem und demselben Tarife; hieraus folgt denn, daß in lezterer Zeitperiode zehn Mal mehr Yards ausgeführt wurden, als in ersterer. – Der declarirte Werth hingegen ist der wirkliche Preis nach der Angabe des Versenders. Vergleicht man mithin den officiellen mit dem declarirten Werthe, so ergibt sich sogleich die Zu- oder Abnahme des Werthes des Artikels. Steigt der officielle Werth, während der declarirte stationär bleibt, so ergibt sich, daß eine größere Quantität Waare versendet wird, ohne daß dafür ein entsprechender Rükfluß an Geld Statt findet. Dieß nun auf unseren Baumwollwaarenhandel angewendet, gibt großen Aufschluß über die Wirkungen der Maschinen auf Production und Werth. Im Jahre 1814 betrug der officielle Werth der ausgeführten Baumwollwaaren 17,655,378 Pfd. Sterling, der declarirte hingegen 20,033,132 Pfd. Sterl.; im Jahre 1833 stand der officielle Werth auf 46,337,210 Pfd. Sterl., der declarirte hingegen nur auf 18,459,000 Pfd. Sterl. Um das Sinken im Werthe demnach recht anschaulich zu machen, kann man sagen:

imJahre1814wurden17,655,378 Yardsfür20,033,132 Pfd. Sterl.
183346,337,210 –18,459,000 – –verkauft;

so daß, obschon sich unsere Ausfuhr verdreifachte, der absolute Ertrag um beinahe 2,000,000 Pfd. Sterl. abnahm.“ Diese Daten als richtig angenommen, glauben wir, daß es um die gehörigen Folgerungen aus ihnen ziehen zu können, nöthig gewesen wäre, zugleich auch die relativen Gestehungspreise anzugeben, da nur hieraus der Gewinn des Landes bei der Fabrication abzunehmen gewesen wäre.

Interessant finden wir auch folgende Zusammenstellung des Lohnes, den ein Arbeiter in verschiedenen Jahren für ein und dasselbe Cambricgewebe einnahm, mit dem Preise der Hauptlebensmittel und des Miethzinses für eine vier- oder zweistühlige Wohnung in Bolton.

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Textabbildung Bd. 61, S. 74

Um diese vergleichende Uebersicht vollkommen zu wachen, hätte der Verfasser nothwendig beifügen sollen, wie viel der Arbeiter täglich Lohn verdient, oder wie viel er in Folge der Verbesserungen der Maschinen täglich Fabricat zu liefern im Stande ist. Davon schwieg er jedoch weislich still, weil eine solche Angabe zu sehr und zu offenbar zu Gunsten der Maschinen gesprochen haben würde!

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