Titel: Ueber die mechanischen Wirkungen der durch Reibung entwikelten Elektricität in den Baumwollspinnereien und Tapetenfabriken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XXIX./Miszelle 6 (S. 155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061029_6

Ueber die mechanischen Wirkungen der durch Reibung entwikelten Elektricität in den Baumwollspinnereien und Tapetenfabriken.

Hr. Colladon besuchte bei trokener kalter Witterung die Baumwollspinnerei der HH. Blech, Fries u. Comp. in Mülhausen, und war erstaunt sämmtliche Vorsprünge der Maschinen mit zahlreichen kleinen Baumwollfaserchen bedekt zu sehen. Die an den Kanten angesammelten Fasern schienen einander stark abzustoßen, und divergirten wie die Büschel, die man sonst zuweilen an den Elektrisirmaschinen anzubringen pflegt. Näherte man diesen Fasern die Hand, so wendeten sie sich sogleich auf die entgegengesezte Seite; zog man die Hand zurük, so standen sie sogleich wieder auf. Diese Erscheinung erklärt sich leicht dadurch, daß die Baumwolle beim Spinnen zusammengedrükt, ausgezogen und gedreht wird, hiebei mit metallischen Oberflächen in Berührung kommt, und viele Elektricität entwikelt. Die Baumwollfäden nehmen die negative, die Maschinen hingegen die positive Elektricität auf; ist die Luft feucht, so werden die Fäden zu Leitern, so daß sich beide Elektricitäten beinahe unmittelbar vereinigen und unbemerkbar werden; ist die Luft hingegen sehr troken, so wird die Leitung beeinträchtigt, die Faden behalten ihre elektrische Spannung länger und ihre Elektricität pflanzt sich an die Luft mit. Dieser Spannungszustand, der die Trennung, der Fasern von einander begünstigt, ist offenbar der Spinnerei nachtheilig, indem er ein häufigeres Blechen der Fäden veranlaßt. In Manchester unterläßt man daher auch das Spinnen sehr feiner Nummern wenn Nordost weht; und in mehreren Spinnereien wird, wenn der Hygrometer eine sehr trokene Luft andeutet, ein Dampfstrahl in die Spinnsäle eingelassen. Man erklärte dieß bisher allgemein durch die Trokenheit der Luft, dieß mag zum Theil richtig seyn; aber offenbar spielt hier die Elektricität eine noch weit wichtigere Rolle. – Ein zweites Beispiel dieser Art beobachtete Hr. Colladon in der Tapetenfabrik des Hrn. Zuber. Bei der Fabrication der rauhen oder sammetartigen Tapeten wird nämlich zuerst mit Modeln Leim auf jene Stellen des Papieres gedrukt, auf denen man den Wollstaub fixiren will. Nachdem dieß geschehen ist, läßt man das Papier durch zwei in den Seitenwänden angebrachte Oeffnungen in den oberen Theil einer großen Kiste laufen. Der Boden dieser Kiste ist ein Paar Zoll hoch mit Wollstaub gefüllt, der durch elastische Schnüre fortwährend nach allen Richtungen umher geschnellt wird, so daß der ganze leere Raum der Kiste beständig mit dichtem Staube erfüllt ist, der sich dann an die beleimten Stellen ansezt. Hr. Zuber versuchte mehrere Male auf dieselbe Weise auch Seidenstaub aufzutragen, was jedoch immer mißlang. Die Ursache hievon liegt, wie Hr. Zuber glaubt, in dem Einflusse der durch Reibung der Seidenfasern entwikelten Elektricität, in Folge deren sich die Fasern nie gleichmäßig an das Papier ansezen, wohl aber gleich nach wenigen Augenbliken die Wände der Kiste, besonders an den Kanten und Vorsprängen derselben überziehen. (Bibliothèque universelle, Februar 1836.)

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