Titel: Ueber Aufbewahrung des Getreides durch Troknung mittelst erwärmter Luft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. XLVII./Miszelle 8 (S. 237–240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061047_8

Ueber Aufbewahrung des Getreides durch Troknung mittelst erwärmter Luft.

Da schon Vieles und Tüchtiges über das längere Aufbewahren des Getreides geschrieben und projectirt worden, noch nie aber zum allgemeinen Besten in Bayern Anwendung gefunden hat, so fühle ich mich bewogen hier meine Ansichten, zum Theil auch Erfahrungen, die ich mir durch angestellte Versuche eigen machte, dem Publicum mit der Ueberzeugung vorzulegen, daß nur durch zwekmäßiges Troknen das Getreide von den schädlichen Einflüssen, als dem Wurm und dem Dumpfigwerden, durch eine einfache Vorrichtung und mit geringen Kosten befreit, und ohne Nachtheil für das Getreide selbst, zur längern Aufbewahrung geeignet gemacht werden kann.

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Im Frühjahr 1834 sah ich mich veranlaßt, bei einem Vorrath von etwa 300 Schäffel Gerste der warmen Witterung wegen das Malzmachen einzustellen, und diesen Vorrath zur Aufbewahrung auf meiner Malzdörre bei gelinder Wärme zu troknen. Im folgenden Herbste wurde wieder Malz daraus bereitet, und ich fand, daß jedes Körnchen noch dieselbe Keimkraft besaß wie neue Gerste, während wie bekannt von Gerste, die im gewöhnlichen Zustand dasselbe Alter erreicht, sehr viele Körnchen gar nicht mehr, und die anderen höchst ungleich keimen. Es wurde mir also klar, daß durch die in der Gerste enthaltene Feuchtigkeit das Erstiken des Keimstoffes verursacht wird. Dasselbe wird auch bei anderen Getreidegattungen der Fall seyn. Das Troknen wird aber nicht nur den Keimstoff und alle zum Brodbaken gehörigen Eigenschaften eines guten Getreides bewahren, sondern auch den dumpfigen Geruch verhindern, und den so schädlichen Kornwurm vom Getreide abhalten, dem es, so lange es noch in einem gewissen Grade zäh und feucht, leichter zugänglich ist, als wenn es durch das Troknen eine fast hornartige Härte erlangt, die schwerlich das Insect anzugreifen noch im Stand ist. Den Beweis davon haben wir beim Malze, das, aller Feuchtigkeit beraubt, nie vom Wurme angegriffen wird, mit Ausnahme der äußersten Schichten eines Haufens, die aus der Luft Feuchtigkeit anziehen, zähe, und so für den Wurm zugangsfähig gemacht werden. Dasselbe mag auch bei jeder anderen getrokneten Getreideart durch längeres Liegen vorkommen, jedoch wie gesagt nur an den äußersten Schichten, kaum 1/4 Zoll tief hinein, zu den inneren hat schon die Luft, also auch die Feuchtigkeit nicht mehr Zutritt. Bei einer solchen Erscheinung muß dasselbe ganz ruhig, ohne es umzuwenden, liegen bleiben, damit nicht das Zähe unter das Trokene gemischt, und eine andere Schicht der Luft ausgesezt wird. Das Troknen wird immer Grundbedingung zur Aufbewahrung des Getreides bleiben, denn wir wissen aus Erfahrung, daß alle Vegetabilien durch gänzliche Entfernung der Feuchtigkeit am längsten dem Zahn der Zeit und ihren Einflüssen widerstehen, und gerade im fraglichen Punkte gibt uns wieder die Erfahrung den trefflichsten Fingerzeig, denn Getreide bei nasser Witterung eingeerntet, ist dem Verderben mehr ausgesezt als jenes, das bei gutem Wetter geerntet, schon trokener in die Scheune gebracht wird. Wenn wir also durch künstliche Mittel auch noch die Feuchtigkeit im trokenen Getreide (und selbst im vermeintlich trokenen bleibt davon, wie wir später sehen werden, noch eine bedeutende Quantität) entfernen können, muß es nicht die Aufbewahrungsfähigkeit desselben noch erhöhen? Dergleichen Ideen und Vorschläge fand ich beim Nachlesen von früheren Wochenblättern des landwirtschaftlichen Vereins, von Dinglers polyt. Journal, und sie feuerten mich an, auch Versuche über diesen Gegenstand anzustellen. Die Beschreibung der Vorrichtung auf weiter Unten versparend, bemerke ich hier nur, daß das Troknen mittelst erwärmter Luft heuer im Frühjahr geschah; die dabei angewandte Wärme überstieg nie 30–36° R., welcher Temperatur das Getreide an heißen Tagen schon auf dem Felde durch die Sommerhize ausgesezt war, so daß sie unmöglich nachtheilig auf die Bestandtheile des Getreides einwirken konnte, was auch die spätere Anwendung desselben zum Brodbaken und Malzmachen bewies. Jede Getreideart, Weizen, Korn (Roggen) und Gerste von der Ernte 1835, wurde immer 24 Stunden in obiger Temperatur erhalten, und verlor, nachdem sie gehörig abgekühlt war, im Durchschnitt den 12ten Theil, sowohl ihres Gewichtes als ihres Volumens, also im Schäffel 1/2 Mezen. Hr. Bäkermeister Dallmayr von hier, der die Gefälligkeit hatte, sowohl aus 1 Schäffel Weizen als aus 1 Schäffel Korn, beide auf diese Art getroknet, Brod zu baken, erklärte, daß es durch das Troknen nicht im Mindesten ungeeigneter zum Brodbaken werde, jedoch müsse es vor dem Mahlen mehr als gewöhnlich genezt werden. Alle drei Sorten Getreide keimten nach dem Troknen, nachdem sie wieder bis zu einem gewissen Punkt in Wasser geweicht waren, ganz gleichmäßig, nicht mehr aber das nachbeschriebene 17 Jahre alte Korn. Ich hatte nämlich Gelegenheit von einem Vorrath von mehreren hundert Schäffeln Korn, das schon 17 Jahre durch außerordentlichen Fleiß und geschikte Entfernung des Wurms sehr rein erhalten worden, einen Schäffel zu bekommen. Diesen unterwarf ich der Troknung auf oben erwähnte Art, und es ergab sich, daß 283 Pfd. Korn noch 16 Pfd. Feuchtigkeit enthalten waren, aber zu meinem Erstaunen verlor es an Volumen im Verhältniß mehr als an Gewicht, nämlich 1/2 Mezen. Im Verhältniß zu neuem Korn hatte es 1/3 weniger Feuchtigkeit in sich, ein Zeichen, daß es durch das |239| lange Aufbewahren und Bearbeiten schon so weit von der Luft ausgetroknet worden war. – Ein anderes neues, aber zähes Korn verlor durch das Troknen mehr als den 12ten Theil seines Gewichtes und Volumens, und erhielt dasselbe gute und gesunde Aussehen wie eines der besten Qualität; woraus hervorgeht, daß Getreide bei nassem Wetter geerntet, durch gehöriges Troknen eben so zur Aufbewahrung tauglich und vor Verderben geschüzt wird. Ein weiterer Beweis dafür ist der: Ein Freund von mir hatte voriges Jahr zu seiner Gerstenernte nasses Wetter, die Gerste bekam im Stoke durch die Nässe nach vierwöchentlichem Liegen einen üblen, dumpfigen Geruch, und war so zäh, daß sie zum Bierbrauen, ja vielleicht zum Viehfutter ganz ungeeignet erschien. Auf mein Anrathen troknete er sie auf seiner Malzdörre, wodurch sie allen üblen, dumpfigen Geruch verlor. Hierauf wurde sie wieder durch Einweichen und Keimen zu Matz gemacht, wobei sie durchaus nichts zu wünschen übrig ließ. Auffallender Weise zeigte sich bei nachherigem Dörren mit Entweichung der Feuchtigkeit noch viel dumpfiger Geruch, aber gedörrt war keine Spur mehr davon vorhanden, und das Malz zum Bierbrauen tauglich. Von 41 Schäffeln solcher zähen Gerste erhielt er 36 Schäffel Mälz. Die Heizung mit erwärmter Luft verdanken, wir dem verdienstvollen Hrn. P. J. Meißner, Professor der technischen Chemie am k. k. polytechnischen Institut in Wien; von ihm erschien die dritte Auflage einer Schrift über diesen Gegenstand 1827. Erst seitdem Meißner uns lehrte, die Luft viel oder wenig zu erwärmen, und in jeden Theil des Hauses nach Belieben hinzuleiten, ist jeder Oekonom im Stande, Getreide auf das Einfachste und Wohlfeilste zu troknen. Jeder Ofen wird dazu brauchbar; man umgibt ihn mit einem gemauerten Mantel 8–10 Zoll vom Ofen entfernt, der unten eine Oeffnung von einem Quadratfuß hat, durch welche die kalte Luft einströmt, sich um den Ofen herum erwärmt, und so durch einen Canal nach Oben an das auf einem groben Tuche oder einer durchlöcherten metallenen Platte ausgebreitete Getreide geführt wird. Der Rauch wird durch eigene Röhren in den Kamin abgeführt, kommt also nie mit dem Getreide in Berührung. Auf solche Art ist auch meine Vorrichtung: der Ofen ist zu ebener Erde, die erwärmte Luft wird durch einen Canal in einem, im 1sten Stoke des Gebäudes gemauerten vierekigen Kasten, 3 Fuß hoch und 6 Fuß im Quadrat, geführt; auf diesem ist ein hölzerner Aufsaz, aber nur einen Fuß hoch, darin befinden sich von 3 zu 3 Zoll Latten, und über diese ist ein grobes Tuch ausgebreitet, worauf das Getreide zu liegen kömmt. Bei dieser Größe läßt sich ein Schäffel bequem auf einmal troknen. Wollte man die Vorrichtung so viel vergrößern, daß 10 oder 20 Schäffel auf einmal getroknet würden, so müßte die Feuerung anders eingerichtet seyn. So würden zwei Oefen statt eines gute Dienste leisten, damit einer nicht zu sehr überfeuert, und die Wärme gleicher vertheilt wird. Da ich bei meinen Proben nicht Holzersparniß oder die zwekmäßigste Art der Feuerung im Auge hatte, sondern nur das Resultat der Eintroknung, so mögen allerdings in der Construction des Ofens Verbesserungen angebracht werden, aber von dem Princip der Lufterwärmung darf man niemals abweichen. Die erwärmte Luft muß durch das zu troknende Getreide gleich einem Luftstrome streichen, durch die Wärme die Feuchtigkeit entwikeln und durch den Zug dieselbe fortführen. Wärme und Luft müssen nothwendig zusammenwirken, wenn eine zwekmäßige Troknung vor sich gehen soll; denn wirkte die Wärme allein, ohne ein Mittel die entwikelte Feuchtigkeit hinwegzuschaffen, so wird nicht nur die Troknung erschwert, sondern es hat auch nachtheilige Folgen für das Getreide selbst, wie wir den deutlichsten Beweis bei schlechten Malzdörren haben. Da die neueren Malzdörren in den Brauereien zu München, und auch einige auf dem Lande, nach denselben Grundsäzen construirt sind, also kein Rauch mehr durch das zu dörrende Malz, sondern nur Wärme und Luft strömen, und sie also ihren Zwek vollkommen erfüllen, so können dieselben füglich zum Troknen des Getreides auch verwendet werden. Da in den Sommermonaten immer eine Pause im Malzmachen eintritt, so könnten mittelst derselben in dieser Zeit viele 1000 Schäffel in München allein getroknet werden. Die Vortheile, die durch die Möglichkeit das Getreide im guten Zustand auf längere Zeit, und auf eine für jeden leicht ausführbare nicht kostspielige Art, aufzubewahren, der Menschheit und dem Vaterland erwachsen werden, sind schon zu sehr erkannt und zu vielseitig besprochen, als daß sie hier noch einer ferneren Auseinandersezung bedürften; nur glaube ich noch auf die speciellen Vortheile bei Aufbewahrung des |240| Getreides im getrokneten Zustande aufmerksam machen zu müssen. 1) Daß jeder trokene Raum zu dessen Lagerung benuzt werden kann, auf Speichern, Getreidekästen in großen Haufen aufgeschüttet, oder in Säken, Kisten, Fässern oder Gruben, in großen oder kleinen Quantitäten; nur die Mäuse und Ratten als die noch einzigen Feinde müßte man durch alle bisher bekannten Mittel zu entfernen trachten. 2) Daß man keine Mühe mehr mit Umarbeiten hat, und die Kosten dafür und der Schwand sich im Voraus ergeben. 3) Daß es jedem Privatmann leicht wird, sich einen beliebigen Vorrath von Getreide anzuschaffen, indem er sich bei irgend einem Oekonomen oder Bräuer, oder vielleicht später bei eigens darauf speculirenden Personen, Getreide troknen läßt, oder solches zur Aufbewahrung getroknetes Getreide kauft. 4) Daß eben durch die Leichtigkeit und Sicherheit der Aufbewahrung viele, die jezt nicht daran denken, bestimmt werden sich zur wohlfeilen Zeit Vorräthe anzuschaffen, und so für Mißjahre ein großes Magazin durch das ganze Land entsteht. – Zwar ließe sich noch viel über diesen Gegenstand sagen, allein zur Anregung wird dieß hinreichen. Ich bedaure nur, nicht in mehr wissenschaftlicher Gestalt meine innige Ueberzeugung von der Vorzüglichkeit dieser Methode, die sich gewiß durch 50 und 100jährige Erfahrung bewähren wird, darlegen zu können, glaube mich aber dennoch schon jezt durch die niedrigen Preise und die Güte des Getreides der lezten, und die erfreulichen Aussichten auf die künftige Ernte dazu aufgefordert, damit noch Andere darauf aufmerksam gemacht werden und Versuche anstellen. Es würde für mich die höchste Belohnung seyn, wenn durch das Zusammenwirken von Personen, die sachverständiger sind als ich, die wohlthätigen Folgen, die daraus für das Vaterland entspringen müssen, befördert und beschleunigt würden. –

Gabriel Sedlmayr, Bierbrauer.

Hr. Geheimerath v. Wiebeking bemerkt zu dem Aufsaz des Hrn. Sedelmaier, der gewiß die Beachtung der Regierungen und Oekonomen verdient: „Es gibt noch eine andere, wie mir scheint, sehr nüzliche Art, trokene und selbst zur Aussaat anwendbare Getreidekörner zu erhalten; sie ist in Curland, Livland Esthland und in einem großen Theil von Rußland in Anwendung. Die Getreidegarben werden nämlich in einer auf dem Bauerngehöfte stehenden Trokenkammer aufgerichtet, deren Heizung mit erwärmter Luft von Unten geschieht. Nicht allein daß man auf diese Weise trokene Körner erhält, sondern diese fallen leichter aus den Aehren, und diese Körner sind als Saatkorn vorzüglich zur Aussaat brauchbar, wozu sie in Schweden sehr gesucht sind. In den Gebirgsgegenden von Bayern, Schlesien und Tyrol, wo die Garben auf hölzernen Kreuzstangen aufgehängt worden, um in dem feuchten Klima zu troknen, würde man nicht allein diese Arbeit ersparen, sondern auch beim Dreschen viel Zeit, weil die Körner aus feuchten Aehren nicht ausfallen. Ein anderer wichtiger Gegenstand für die Landwirthschaft ist solche Aufbewahrung der Getreidekörner und der Hülsenfrüchte, um dieselben auf mehrere Jahre im trokenen Zustande zu erhalten, solche gegen den Kornwurm und anderes Ungeziefer zu schüzen, ihr Schwinden zu verhindern, und die Getreidemagazine allen Feuergefahren zu entziehen. Ein solches Getreidemagazin, welches diesen Bedingungen entspricht, wird nicht nur die Domainenverwaltung eines Staats, sondern auch die Magistraturen großer Städte in den Stand sezen, einen für die Landeigner sowohl, als für die Consumenten vortheilhaften Mittelpreis des Getreides zu bewirken, und daneben bedeutende Ausgaben ersparen, welche die großen üblichen und dem Brande leicht ausgesezten Kornmagazine verursachen. Wie nun solche vorteilhafte Magazine beschaffen seyn müssen, darüber finden sich in der französischen und deutschen Ausgabe meines aus 11 Quartbänden bestehenden mit 260 Kupfern begleiteten Werkes über die bürgerliche Baukunde umständliche Vorschläge und Zeichnungen. In diesem Werke sind auch die Maximen und Constructionen der landwirtschaftlichen Gebäude aller Art abgehandelt, und diese Materie ist mit Beispielen aus mehreren Ländern begleitet; auch enthält dieses Werk die Beschreibung der besten Bierbrauereien.“ (Allg. Zeit.)

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