Titel: Ueber Houzeau-Muiron's transportables Leuchtgas.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. LXXXVI./Miszelle 10 (S. 479–480)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061086_10

Ueber Houzeau-Muiron's transportables Leuchtgas.

Wir entnehmen aus dem Hermes No. 20 folgende weitere Notizen über das transportable Gas des Hrn. Houzeau-Muiron, worüber wir im Polyt. Journale Bd. LIX. S. 156 Nachricht gaben. „Das von Hrn. H. M. erfundene Beleuchtungssystem ist zu Reims schon seit 6 Jahren in vollem Gange; Sedan, Amiens, Rouen und Elbeuf haben es später angenommen, in Paris verbreitet es sich immer mehr und mehr, und Nantes, Bordeaux und Lyon stehen im Begriffe nachzufolgen. Das Gas wird aus fetten und harzigen Substanzen gewonnen und enthält weder Ammoniak, noch solche Bestandtheile, die auf Gemälde, Vergoldungen oder Metalle überhaupt einen nachtheiligen Einfluß üben können. Es gestattet deßhalb die Anwendung polirter metallener Reflectoren ohne Rauchfänge; es ist geruchlos und man kann ihm durch wesentliche Oehle sogar einen angenehmen Geruch mittheilen; es gibt wenig Hize, verschlechtert die Luft weit weniger als dieß mit einer Lampe der Fall ist, und eignet sich deßhalb hauptsächlich zur Beleuchtung von Kaufläden. – Zu Reims und Sedan wird es aus den Seifenwassern, die früher unbenuzt verloren gingen, und die man gegenwärtig den Fabrikanten abkauft, erzeugt. Die Compagnie liefert es zu 6 Centimen den Kubikfuß, und diese Quantität gibt eine Stunde über ein stärkeres Licht, als die beste Carcel'sche Lampe. Der ganze Apparat, den man in einem Hause braucht, besteht aus einem Gasometer oder aus einer Gloke aus sehr leichtem Zinkbleche, die in einen hölzernen Wasserbehälter untertaucht, und im Keller oder auf dem Speicher untergebracht werden kann. Von diesem Gasometer aus wird das Gas in kleinen bleiernen Röhren an die Lampenschnäbel geleitet, während ein dikeres Rohr zu dessen |480| Füllung mit Gas dient. Ein an einer Schnur aufgehängtes und über eine Rolle laufendes Gewicht dient zur Herstellung des Gleichgewichtes, so daß der Behälter immer, selbst wenn er in dem Maaße als das Gas verbraucht wird, in den Wasserbehälter einsinkt, unter gleichem Druke, nämlich unter jenem der atmosphärischen Luft, arbeitet. Ein an dem Behälter oder Gasometer angebrachter Zeiger deutet die Quantität des verbrauchten Gases an. Ein Gasometer kommt im Durchschnitte auf 60 bis 70 Fr. auf jeden einzelnen Lampenschnabel zu stehen. Man hat auch bereits Gasometer aus wasserdichtem Kautschukzeuge verfertigt; doch verdienen jene aus Zinkblech den Vorzug. – Der Transport des für die einzelnen Gasometer bestimmten Gases geschieht ganz einfach in einem großen Gehäuse aus leichtem Bleche, in dessen Mitte ein Cylinder aus luftdichtem Zeuge, der zur Aufnahme des Gases bestimmt ist, angebracht ist. Das Füllen geschieht mittelst einer nach Belieben abschließbaren Communicationsröhre; das Austreiben des Gases in die einzelnen Gasometer hingegen dadurch, daß man die beiden mit Holz beschlagenen Enden des luftdichten Cylinders mittelst Riemen und einer außen angebrachten Kurbel allmählich gegen einander preßt, wo dann das Gas, wie die Luft aus einem Blasbalge, ausströmt.“

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