Titel: Ueber den Bakofen der HH. Jametel und Lemare.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. LXXXVI./Miszelle 14 (S. 481–482)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061086_14

Ueber den Bakofen der HH. Jametel und Lemare.

Zur Vervollständigung dessen, was wir im Polyt. Journal Bd. LV, S. 320 und Bd. LVI, S. 475 über den Bakofen der HH. Jametel und Lemare berichtet haben, entnehmen wir aus dem Gutachten des Hrn. Payen, auf welches hin die Société d'encouragement in Paris den Erfindern ihre silberne. Medaille zuerkannte, noch Folgendes. „Das Resultat der Forschungen der beiden verdienten Erfinder, von denen lezterer leider bereits zu Grabe gegangen ist, ist ein Ofen, dessen Heerd sich weit unter der Sohle befindet und eine große Masse Brennmateriales in glühendem Zustande faßt. Da dieser Heerd nur eine ziemlich hohe Temperatur zu unterhalten braucht, ohne daß die Producte des Ofens wirklich eine große Menge Wärme verbrauchen, so erhält er im Vergleiche mit den gewöhnlichen Oefen eine nur unbedeutende Menge Luft zugeführt: so zwar, daß Uneingeweihte glauben könnten, die Verbrennung geschehe ohne Luft. Das Ofenthürchen sowohl, als das Aschenloch bleiben auch wirklich verschlossen und verkittet; die atmosphärische Luft filtrirt also gleichsam nur durch das Mauerwerk. Das Innere des Ofens, worin das Baken vorgenommen wird, communicirt nicht mit dem Feuerheerde; sondern die Wände dieses lezteren, so wie jene der gewundenen Canäle, durch welche die verbrannten Gase ziehen, stehen an der Kehrseite mit Räumen, die mit den beiden Enden des Ofens frei communiciren, in Berührung. Die Luft, welche durch die Berührung mit den rothglühenden Wänden erhizt worden ist, sucht wegen der größeren Leichtigkeit und Volumsvermehrung, die sie hiedurch erlangt, emporzusteigen; während die im Inneren des Ofens abgekühlten Gase specifisch schwerer werden. Die Luft strömt daher in die unteren Räume, um daselbst neuerdings wieder erhizt zu werden; und auf diese Weise entsteht eine fortwährende Strömung, welche die Temperatur regulirt. Ein Queksilberthermometer, dessen Schaft über den Ofen hinaus reicht, deutet die Temperatur im Inneren an; wir fanden dieselbe zu 290 bis 300 Centigr. Diese hohe Temperatur ist nur zu jener Art von Röstung, welche die Kruste des Brodes erzeugt, nüzlich; denn im Inneren erreicht das Brod, wie wir uns wohl überzeugt haben, keine höhere Temperatur, als 100°. Da die Operation in diesem Ofen eine continuirliche ist, so ist dieß ein Umstand mehr, der zur Regelmäßigkeit des Ganges beiträgt. Wir können demnach behaupten, daß das Baken des Brodes in dem neuen Apparate besser als in irgend einem anderen von Statten geht; daß man bei dessen Anwendung das vortheilhafteste Brennmaterial (welches bei den Fortschritten der Gasbeleuchtung in Paris dermalen in den Kohks zu finden ist) wählen kann; und daß das Gebäk nie verunreinigt werden kann, weil der Ofen immer rein und staublos ist. Der beste Beweis endlich für die Vorzüge des neuen Ofens ist, daß |482| die zwei ersten und erfahrensten Bäker von Paris, die Brüder Mouchot ihn in ihren Bäkereien eingeführt, und neuerlich zu Montrouge bei Paris nach demselben Systeme eine neue Bäkerei errichtet haben. In Paris gewährt das neue System eine Ersparniß von 25 bis 33 Procent gegen das alte; und anderwärts muß diese Ersparniß noch weit größer seyn; denn nicht überall dekte der Verkauf der Gluth der Bakofen die Hälfte der Kosten des Holzes, wie dieß bisher in Paris der Fall war.“ Der Bulletin dürfte nächstens eine Abbildung des Ofens der HH. Jametel und Lemare geben, die wir dann seiner Zeit auch unserem deutschen Publikum vorlegen werden.

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