Titel: Optische Eigenschaften des rothen Queksilberjodurs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1836, Band 61, Nr. LXXXVI./Miszelle 16 (S. 482–483)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj061/mi061086_16

Optische Eigenschaften des rothen Queksilberjodurs.

Hr. Talbot macht im Philosophical Magazine eine Notiz über die Farbenveränderung, welche das rothe Queksilberjodur beim Erwärmen erleidet, bekannt. Um nämlich zu erforschen, warum die schöne rothe Farbe dieser Verbindung in der Wärme gelb wird, und nach dem Erkalten, manchmal jedoch erst nach mehreren Stunden und selbst nach mehreren Tagen wieder zurükkehrt, brachte er eine sehr geringe Menge derselben zwischen zwei Glasplatten über eine Weingeistlampe. Das Iodur sublimirte sich hiebei alsogleich als ein gelbes aus kleinen Krystallen bestehendes Pulver, auf dessen Oberfläche sich beim Erkalten rothe Punkte zeigten, die sich mit einziger Ausnahme einiger am Umfange gebliebener gelber Stellen bald über die ganze Masse ausdehnten. Unter dem Mikroskope betrachtet zeigte sich die Masse als aus orangerothen Krystallen, welche mit gelben Krystallen von gleicher Form vermengt waren, bestehend. Bei länger fortgesetzter Einwirkung der Wärme wurden die Krystalle größer, so daß man die eben angedeutete Erscheinung noch deutlicher bemerken konnte. Die blaßgelben Krystalle haben rautenförmige Flächen, sind stark durchscheinend, und wirken sehr stark auf das Licht. Die merkwürdigste Erscheinung an denselben ist die plözliche Farbenveränderung, welche man an ihnen bemerken kann, und der eine nach dem einen Rande der Rhombenflächen verlaufende rothe Linie vorausgeht. Betrachtet man |483| nämlich einen Krystall, an welchem eine derlei Linie bemerkbar ist, so wird man finden, daß die Farbenveränderung innerhalb einiger Secunden erfolgt, indem sich die rothe Farbe gleichmäßig quer über den Krystall ausdehnt; d.h. die Gränze zwischen dem Roth und Gelb ist stets eine gerade, dem Rande der Rhombenflache parallel laufende Linie, welche sich von dem einen Rhombenrande gegen den gegenüberliegenden bewegt. Zugleich mit der Farbenveränderung bemerkt man im Inneren des Krystalles eine Bewegung, welche einer Senkung oder einer Ortsveränderung der aufeinander folgenden Moleculeschichten ähnlich ist. Diese Erscheinung ist, wie der Verfasser meint, der sicherste Beweis, den wir bisher haben, daß die Farbe und innere Anordnung der Molecule in innigster Beziehung zu einander stehen.

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