Titel: Smith's verbesserte Apparate zum Treiben von Maschinen etc.
Autor: Smith, Andrew
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. IV. (S. 9–11)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063004

IV. Verbesserungen an den Apparaten zum Treiben von Maschinen und zum Emporheben und Herablassen schwerer Lasten, worauf sich Andrew Smith, Ingenieur von Princes-Street in der Grafschaft Middlesex, am 12. Febr. 1836 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Oktober 1836, S. 1.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Meine Verbesserungen bestehen: 1) in einer Methode jene Kraft, welche an einer Dampfmaschine von einem sich hin und her bewegenden Kolben hervorgebracht wird, in eine rotirende Kraft umzuwandeln, und zwar mittelst Stangen, Ketten, Tauen oder Bändern, die mit der Kolbenstange und mit Rollen verbunden sind, welche leztere Däumlinge führen, die in Klauenbüchsen eingreifen, welche an der umzutreibenden Welle befestigt sind. 2) in der Anwendung eines eigens geformten Muschelrades an der eben erwähnten Welle, um dadurch das Schiebventil des Dampfcylinders in Bewegung zu sezen. 3) endlich in einer Methode, die rotirende Bewegung der Welle durch Versezung der Treibdäumlinge umzuwandeln.

Fig. 40 ist ein Längendurchschnitt einer auf einer Eisenbahn laufenden Locomotivmaschine, an der der Dampfkessel, da er nicht mit zu meiner Erfindung gehört, weggelassen ist. Fig. 41 gibt eine horizontale Ansicht derselben Maschine.

a ist das Gestell des Wagens; b der arbeitende Cylinder der Maschine, der in horizontaler Richtung mit den Wagen verbunden ist; c die Röhre, welche den Dampf aus dem Kessel in den Cylinder leitet; d die Kolbenstange, welche durch beide Enden des Cylinders läuft, und durch endlose Ketten e mit den beiden Rollen f und g verbunden ist. Die Rolle f ist an einer Welle h befestigt, welche in dem Gestelle des Wagens in Zapfenlagern umläuft; und mit dieser Rolle ist das eine Ende der Kolbenstange durch die Kette e verbunden. An derselben Welle h befindet sich auch noch eine zweite ähnliche Rolle i, so daß folglich die beiden Rollen f und i mit ihrer Welle h gemeinschaftlich umlaufen. Die Rolle g ist hohl und läuft nach einer Richrung lose an der Achse k der Laufräder, auf welche die Triebkraft einwirkt. An dieser Achse ist innerhalb der hohlen Rolle eine Klauenbüchse l befestigt, welche man in Fig. 42, wo die beiden Rollen f und g im Längendurchschnitte dargestellt sind, ersieht. An der inneren Seite der Rolle g ist mittelst eines Zapfens der Däumling oder Treiber m befestigt, dessen Spize, so wie die Rolle |10| in der Richtung des Pfeiles umläuft, auf die Klauenbüchse l trifft, und dadurch bewirkt, daß sowohl diese, als die Achse k zugleich mit den Laufrädern umgetrieben wird. Eine zweite ähnliche hohle Rolle mit einer Klauenbüchse und einem Treiber ist auf gleiche Weise an der Achse der Laufräder bei n der Rolle i gegenüber angebracht; und eine gekreuzte endlose Kette, woran sich die Stangen o, o befinden, und die über die beiden Rollen i und n läuft, pflanzt die rotirende Bewegung der Rolle i an die Rolle n fort. Die Spannkraft des in dem arbeitenden Cylinder b enthaltenen Dampfes wird, indem sie die Kolben nach der durch einen Pfeil angedeuteten Richtung bewegt, die Rollen f und g in rotirende Bewegung versezen, und bewirken, daß der in der Rolle g befindliche Treiber m auf die Klauenbüchse l wirkt, und dieselbe zugleich mit der Welle der Laufräder um eine halbe Umdrehung umtreibt. Bei der Rükkehr des Kolbens wird die endlose Kette e die Rolle f mit ihrer Welle h, so wie auch die Rolle i in der den Pfeilen entgegengesezten Richtung umtreiben, während die gekreuzte endlose Kette o, o die Rolle n in derselben Richtung umtreiben wird, in der sich früher die Rolle g bewegte, damit auf diese Weise der Treiber dieser Rolle n auf deren Klauenbüchse wirke; und damit solcher Maßen die Achse der Laufräder die zweite Hälfte ihres Umganges vollende. Während dieß geschieht, gleitet die Rolle g an der Achse k herum, jedoch in einer ihrer früheren Bewegung entgegengesezten Richtung. Auf diese Weise wird die Wechselbewegung des Kolbens in dem arbeitenden Cylinder in eine continuirliche rotirende Bewegung der Achse k umgewandelt, so daß dieselbe zum Betriebe einer Locomotivmaschine oder irgend einer anderen Art von Maschine benuzt werden kann. Da der Patentträger sich nicht darauf beschränkt, den arbeitenden Cylinder in horizontaler Stellung anzubringen, und die Ketten e, e an beiden Enden der Kolbenstange zu befestigen, so ist in Fig. 43 ein theilweiser Aufriß einer Locomotivmaschine gegeben, an der die Theile senkrecht arbeiten, und nur an dem einen Ende der Kolbenstange angebracht sind. Die Rollen f und i sind an ihrer Welle h und die Treibrollen g und n an der Achse k der Laufräder so angebracht, daß sie ihre bei Fig. 40 und 41 angegebenen Verrichtungen vollbringen; ebendieß gilt auch von den Verbindungsketten e, e und o, o, so wie von dem arbeitenden Cylinder b und von der Kolbenstange d. Die vier Rollen f, i, g, n, so wie sie an dem Wagen Fig. 43 angebracht sind, sind in Fig. 44 und 45 einzeln für sich und im Durchschnitte abgebildet. Man wird hieraus sehen, daß die Klauenbüchsen l, l eine schnekenförmige Gestalt haben, und daß die Däumlinge oder Treiber m, m hier beständig durch Federn gegen den Umfang der Klauenbüchsen angedrükt |11| werden. Das Querhaupt der Kolbenstange steht mit beiden Ketten in Verbindung; jene Seite der gekreuzten Kette o, welche an demselben befestigt ist, muß durch eine Leitungsrolle oder auch auf andere Weise in senkrechter Stellung erhalten werden, wie dieß in Fig. 45 angedeutet ist. Fig. 46 ist ein Durchschnitt des eigenthümlich geformten Muschelrades und der dazu gehörigen Theile, womit das Dampfventil verschoben wird. Die Stellung dieses an der Achse k der Laufräder fixirten Muschelrades ersieht man in Fig. 41 bei p. Es besteht aus dem Umfange zweier Kreissegmente von verschiedenen Halbmessern, und aus zwei schrägen Flächen. Der an den Zapfen r aufgezogene Krummhebel q steht mit dem oberen Ende mit der Stange s des Schiebventils in Verbindung; an dem unteren Ende dagegen führt er eine Reibungsrolle, welche auf dem Umfange des Muschelrades läuft. Durch Umdrehung der Achse k werden daher die verschiedenen Erhabenheiten des Muschelrades bewirken, daß der Hebel q auf entgegengesezten Punkten der Rotirung des Muschelrades in solche Stellung gelangt, daß das Dampfventil dadurch geöffnet und geschlossen wird. An der Außenseite der Rolle g bemerkt man in Fig. 40 einen Griff t, der an einem vierekigen, von dem Treiber m auslaufenden Zapfen befestigt ist. Durch Umdrehung dieses Griffes kann der Treiber m in die durch Punkte angedeutete Stellung gebracht werden, wo er dann in die entgegengesezte Seite der Klauenbüchse eingreifen, und also nothwendig die Achse k und die Laufräder in entgegengesezter Richtung umtreiben wird.

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