Titel: Richards's verbesserte Zündkapseln für Percussions-Feuergewehre.
Autor: Richards, William Westley
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XI. (S. 56–58)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063011

XI. Verbesserungen an den Zündkapseln für Percussions-Feuergewehre, worauf sich William Westley Richards, Büchsenmacher von Birmingham in der Grafschaft Warwick, am 22. März 1836 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem London Journal of Arts. Oktober 1836, S. 15.

Mit Abbildungen auf Tab. II.

Die Erfindung des Patentträgers bezieht sich auf jene Art von Zündkapseln, an denen das Zündkraut oder das Knallpulver in einer Kapsel aus Kupfer enthalten ist. Sie bezwekt die Uebertragung oder Beseitigung der Explosion des Zündkrautes, wodurch nicht nur die um die Aushöhlung des Hahnes laufenden Schilde entbehrlich werden, indem nichts von der verbesserten Zündkapsel beim Abfeuern von dem Zapfen weggeschleudert werden kann, sondern wodurch zugleich auch das durch die gewöhnliche Zündkapsel öfter hervorgebrachte Zerbrechen oder Zersprengen des Kopfes des Hahnes verhütet wird. Die neuen Zündkapseln sind ferner um Vieles größer als die gewöhnlichen, und können daher leichter gehandhabt und leichter an der Flinte fixirt werden; sie sind eben so wasserdicht wie die früheren, und eignen sich für den Militärdienst besser, als dieß von irgend einer anderen bisher bekannt gewordenen Art von Zündkapsel gilt.

Die Erfindung besteht: 1) darin, daß das Zündkraut oder Knallpulver mit der inneren Seite des Scheitels der Kapsel nicht mehr in unmittelbarer Berührung steht, sondern sich näher an deren Mündung befindet, so daß die Explosion des Knallpulvers nicht am Grunde des Inneren der Kapsel, sondern näher an deren Mündung Statt findet, daß folglich die durch die Explosion erzeugte Lunte freien Austritt erhält; und daß die Explosion mithin die Seitenwände der Zündkapsel nur ausdehnt oder zum Theil öffnet. Der Raum, der sich zwischen dem früheren und dem neuen Plaze des Zündkrautes befindet, ist mit einem Stük eines harten Metalles ausgefüllt. Die Erfindung besteht aber 2) in der Verhütung der Möglichkeit des Berstens der metallenen Kapsel, so daß beim Abfeuern der Flinte kein Theil derselben von dem Zapfen weggeschleudert wird. Die Kapsel ist zu diesem Behufe von einer zweiten Kapsel umgeben, welche die Ausdehnung oder die Zerstörung der Seitenwände der ersteren über einen gewissen Grad hinaus unmöglich macht.

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Der Patentträger erreicht diese Zweke auf verschiedene Weise, und beschränkt sich daher keineswegs auf die hier zu beschreibenden Formen und Dimensionen, indem dieselben verschieden abgeändert werden können.

Fig. 53 ist ein senkrechter Durchschnitt einer gewöhnlichen kupfernen Zündkapsel, welche zur Erläuterung der fraglichen Verbesserungen dient. a ist nämlich der Scheitel dieser Kapsel; b sind deren Seitenwände; und c ist die Stelle, an der sich das Knallpulver gewöhnlich befindet. Die punktirten Linien bezeichnen die Richtung, in welcher das Knallpulver beim Abfeuern auseinanderfährt, und in deren Folge die Kapsel in Stüke zersprengt wird. Fig. 54 ist ein ähnlicher Durchschnitt der kupfernen Kapsel, woraus der erste Theil der Verbesserungen, nämlich die neue Stellung des Knallpulvers in der Nähe der Mündung der Kapsel ersichtlich ist. Die punktirten Linien deuten auch hier die Richtung an, in welcher die Explosionskraft wirkt; und hieraus geht hervor, daß die metallene Kapsel nur in geringem Grade geöffnet und nicht so in Stüke zersprengt werden kann, wie dieß bei der ersten Art von Kapsel der Fall ist. Der zwischen a und c befindliche Raum ist mit einem Stüke irgend eines harten Metalles d, welches durch Löthung oder auf andere Weise in der Kapsel befestigt ist, ausgefüllt. Fig. 55 ist ein Durchschnitt einer anderen Art von Kapsel, an der das Zündkraut in einem seichten kupfernen Schälchen, welches an dem Ende eines Stükchens harten Metalles befestigt ist, angebracht ist. a, b ist hier die Kapsel; c das Zündkraut, und d das Stükchen Metall.

In Fig. 56 und 57 sieht man zwei andere Arten von verbesserten Zündkapseln im Durchschnitte. a, b ist hier das metallene Gehäuse, welches den harten metallenen Zapfen d umgibt, und durch Druk oder auf irgend andere geeignete Weise daran befestigt worden ist; c bezeichnet den Plaz für das Zündkraut.

Fig. 58, 59 und 60 geben Aufrisse und Durchschnitte von Zündkapseln, an denen der zweite Theil der Erfindung angebracht ist; d. h. an denen die Kapsel, welche Knallpulver enthält, mit einer zweiten äußeren Kapsel umgeben ist. Diese Art von Zündkapseln eignen sich vorzüglich für Vogel- oder Jagdflinten. a, b ist die innere metallene Kapsel, die das bei c befindliche Knallpulver enthält. Das Metallstükchen d ist innerhalb des oberen Theiles der äußeren Kapsel e, e, die sich über die innere Kapsel a, b herab erstrekt, angebracht. Zwischen der äußeren und der inneren Kapsel ist ein kleiner Raum gelassen, den man in Fig. 60, wo die Zündkapsel von ihrer Mündung aus betrachtet dargestellt ist, noch deutlicher ersieht. Bei der Entzündung des Knallpulvers werden die Seitenwände b |58| der Kapsel a geöffnet und aus einander getrieben, jedoch durch die äußere Kapsel e verhindert werden, aus einander zu fliegen. Man sieht dieß aus Fig. 61, wo eine der Kapseln nach dem Abfeuern und von ihrer Mündung her betrachtet dargestellt ist; und woraus erhellt, daß vermöge dieser Verbesserungen alle jene Unfälle, die sonst zuweilen durch das Zerplazen der Kapseln entstehen, verhütet sind.

Fig. 62 ist ein Durchschnitt der für den Schiffs- und Militärdienst bestimmten Zündkapsel; d ist hier das harte Metallstükchen und b ein aus Kupfer, Zinn oder einem anderen Metalle bestehender Cylinder, durch den ersteres theilweise läuft. Der Cylinder ist auf irgend eine geeignete Weise, wie z. B. durch das kreisrunde, aus Zinn oder einem anderen Metalle bestehende Stük f an dem harten Metallstükchen festgemacht, und dient zur Vergrößerung der Zündkapsel, damit diese leichter gehandhabt werden kann.

Zu bemerken ist, daß diese massiven Zündkapseln weder durch einen Tritt auf dieselben, noch durch einen Schlag auf deren Seitenwände entzündet werden können, so daß also hiedurch jenem Einwurfe gegen die Anwendung der Zündkapseln auf Schiffen, welcher auf dem Verlorengehen und zufälligen Entzünden der Kapseln auf dem Verdeke beruht, gesteuert ist.

Der Patentträger bemerkt am Schlusse, daß er sich auf kein bestimmtes Metall oder Material, aus welchem die Zündkapseln verfertigt werden sollen, noch auch auf irgend eine bestimmte Form derselben noch auch auf irgend eine Fabricationsmethode beschränkt, indem die einzelnen Theile sowohl mit der Hand, als durch Maschinen gefertigt und zusammengesezt werden können. Seine Erfindung besteht demnach lediglich, wie dieß bereits im Eingange erwähnt wurde, in der Veränderung des dem Knallpulver angewiesenen Plazes, und in der Umschließung der metallenen Kapsel mit einer zweiten Kapsel, welche das Auseinanderfliegen der Stüke der ersteren verhütet.

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