Titel: Schubarth, über die Runkelrübenzuker-Fabrication.
Autor: Schubarth,
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XIV. (S. 63–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063014

XIV. Notizen über die Runkelrübenzuker-Fabrication im nördlichen Frankreich; vom Professor Dr. Schubarth.

Aus der preußischen Staatszeitung vom 10. December 1836.

Seit dem Druk meiner „Beiträge zur näheren Kenntniß der Runkelrübenzuker-Fabrication in Frankreich“ sind mir von Arras viele schäzbare Mittheilungen geworden, welche ich |64| theils der Güte des Hrn. Crespel-Dellisse, Ritter der Französischen Ehrenlegion und des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens, als auch einem Zögling unseres Gewerbe-Instituts Hrn. Reich, verdanke, welcher mich auf meiner lezten Reise nach Frankreich begleitete, seit einigen Monaten bei Hrn. Crespel, der ihn sehr freundlich aufnahm, arbeitet und die Anstalten desselben, so wie anderer Fabrikenbesizer, genau studirt hat.

Hr. Crespel hat jezt 10 Fabriken im Gang, als im Dept. du Pas-de-Calais 4: in Arras (arbeitet mit einer Dampfmaschine), Saulty (Roßwerk), Beifvillers (desgl.), Eaucourt (desgl.); im Dept. de la Somme 3: in Frankvillers (Roßwerk), Roye (Dampfmaschine), Sailly (desgl.); im Dept. de l'Aisne 2: in Villeselve (desgl.), Frières (desgl.); im Dept. de l'Oise 1: in Francières (Dampfmaschine). Er rechnet in der Arbeitsperiode 1836/37 auf eine Gesammtausbeute von drei und einer halben Million Pfund Rohzuker!

Wie viel ich der Güte dieses Mannes verdanke, habe ich in den oben erwähnten Beiträgen geschildert. Mit welcher Uneigennüzigkeit und Offenheit mir Alles mitgetheilt wurde, was ich nur zu wissen wünschte, selbst genaue Nachweise in Betreff der Fabricationskosten, des Reinertrags, aus den Büchern des Centralcomptoirs, kann ich nicht genug öffentlich rühmen. Ich erlaube mir, eine Stelle aus einem Briefe vom 22. Junius hieher zu sezen, aus welcher die höchst liberalen Gesinnungen des Hrn. Crespel gegen unsere vaterländische Industrie deutlich hervorgehen:

Si j'ai pu, par mon exemple, ma persévérance, et par la communication de mes procédés de fabrication contribuer à la prospérité nationale de votre pays, ce sera pour moi un grand plaisir et une grande satisfaction; la distance, qui nous sépare, ne m'ayant pas permis d'être plus efficacement utile à la patrie de Marggraff!

So denkt und handelt ein Franzose gegen uns Deutsche, während Deutsche Deutschen aus reinem Patriotismus und „als Wohlthäter des Vaterlandes“ (!) wie es in den Gothaer Bulletins heißt, für schweres Geld das Geheimniß (!) der Runkelrübenzuker-Fabrication feilboten und große Summen dafür einnahmen. Doch zur Sache.

Die Zukerfabrication hat Anfang Septembers im nördlichen Frankreich begonnen; man war mit der Ernte zufrieden, der Saft wog 7¾ bis 8° am Pèse-sirop4) war sehr zukerreich und klärte sich |65| sehr leicht und schön, so daß wenig Kohle erforderlich war. Seit langer Zeit hatte man nicht so schönen Saft.

Waschen. So lange es irgend ausführbar ist, sucht man das Waschen zu vermeiden, weil die Waschmaschinen einen großen Antheil an der Unreinlichkeit in den Fabriken haben und dabei durch eine angehende Maceration ein kleiner Antheil Zuker verloren geht. Allein von Weibern und Kindern läßt man die Rüben nicht abpuzen, wie es wohl bei uns anempfohlen worden ist und auch geschieht, sondern die Rüben werden auf dem Felde gut abgeklopft und nun ohne Weiteres der Reibe vorgelegt, was freilich für die Sägeblätter lein Vortheil ist.

Reiben. Haben die Zähne der Sägeblätter einen starken Grad nach einer Seite bekommen, so werden die Keile der Trommel gelöst und die Trommel auf die Welle umgekehrt aufgekeilt; hat sich dann nach einiger Zeit der Grad auf die entgegengesezte Seite gedrükt, so wiederholt man dasselbe Verfahren. Man wiederholt diese Procedur in immer kleineren Zeiträumen (z. B. das erste Mal nach 4 Wochen, das zweite Mal nach 2, das dritte Mal nach 1 Woche etc.). Sind die Zähne ganz abgenüzt, so troknet man die Trommel auf dem Dampfkessel, schraubt die Ringe an beiden Seiten ab, nimmt mit einer Drahtzange die Blätter heraus, sezt neue ein, und begießt dann die Trommel, wodurch das Holz quillt, und die Blätter festklemmt. Ein sehr einfaches Verfahren.5)

|66|

Man hat im Herbst, um Arbeiter an den Reiben zu ersparen, mechanische Vorrichtungen construirt, welche die vorgeworfenen Rüben tactmäßig gegen die Trommel der Reiben vorschieben und andrüken sollen (poussoirs mécaniques) (vergl. S. 59 der Beiträge) Es wird nämlich vor dem Rumpf der Reibe ein starker hölzerner Bok befestigt, welcher die Zapfenlager für einen doppelten Krummzapfen trägt, an welchem Stangen drehbar befestigt sind, welche die holzernen Klöze (rabots) in dem Rumpf auf und ab bewegen, durch welche die Rüben vorgeschoben werden. An dem Ende der Krummzapfenwelle auf der einen Seite ist eine Riemscheibe befestigt, welche durch einen Riemen die Bewegung von einer Betriebswelle empfängt. Durch diese Einrichtung hoffte man an jeder Reibe 2 Personen zu ersparen. Zeichnung und Beschreibung hat mir Hr. Crespel mitgetheilt.

Die Erfahrung hat aber gelehrt, daß diese Einrichtung den Zwek nicht in dem Maaße erfüllt, als man sich versprochen hatte. Erstlich geht auf die Heraufbewegung eben so viel Zeit hin, als auf die Herabbewegung, da sie doch füglich schneller vollbracht werden kann, was auch bei der Handarbeit geschieht. Es findet also Verlust an Zeit Statt. Zweitens wird nur ein Arbeiter an der Reibe gespart, nicht zwei, indem man hoffte, daß ein Mädchen den zweitheiligen Rumpf würde bedienen können, was sich aber nicht ausführbar bewiesen hat. Drittens ist die zum Betrieb der poussoirs nöthige Kraft auch nicht zu übersehen; sie mag wohl einer Pferdekraft gleichkommen. Dergestalt hat sich bisher kein Vortheil bei der Anwendung dieser mechanischen Einrichtung zum Vorschieben der Rüben herausgestellt.

Pressen. Die drehbaren Platten zum Anfüllen und Aufstapeln der Säke macht man jezt dreitheilig, d. h. statt in Form eines Rechteks, aus drei mit einander verbundenen Rechteken bestehend mit einspringenden Winkeln. Ferner construirt man sie der Wohlfeilheit wegen auch aus Holz mit Kupferblech überzogen, auf einem Unterbau fest aufgelegt.

In den „Beiträgen“ habe ich gezeigt, weßhalb in der Fabrik des Hrn. Crespel den Preßtüchern der Vorzug vor den Preßbeuteln gegeben wird. Dieß ist ein locales Verhältniß. Im Gegentheil sind die lezteren vorzuziehen, denn bei der Anwendung der Tücher wird mehr Brei verschüttet, und derselbe wird nicht vollständig genug abgepreßt. Man legt nämlich die Tücher in der Mitte zusammen und |67| schlägt die überstehenden Enden nach Innen hinein, wodurch das Tuch an den Eken vierfach, nach der Mitte zu nur zweifach zu liegen kommt. Dieß macht bei 17 bis 18 Lagen schon so viel aus, daß der ganze Stoß in der Mitte hohl liegt und deßhalb nicht scharf genug ausgepreßt werden kann. Auch geht das Einsaken in Tücher nicht so rasch, als in Beutel.

Man preßt jezt in den Anstalten des Hrn. Crespel zwei Mal; zwei hydraulische Pressen auf je eine Reibe dienen zum Vor- und eine dritte zum Nachpressen. Die Säke von den ersteren können, da sie nach dem Pressen einen viel kleineren Raum einnehmen, in der lezteren auf ein Mal abgepreßt werden. Durch das Umlegen in die dritte Presse kommen die Säke in eine andere Lage, treffen auf andere Stellen der Horden, und so gewinnt man noch ein Mal Saft. Behufs des Nachpressens werden je 2 bereits abgepreßte Säke zusammen genommen, durch ein Faß mit kaltem Wasser ziemlich schnell durchgeführt und dann auf die Nachpresse gelegt, auf dieselben eine Horde, wieder zwei Säke u. s. w. Das Nezen mit Wasser ist nothwendig, um bei dem scharfen Vorpressen die lezten Antheile Saft zu gewinnen. — Zu einer Reibe, wenn Tag und Nacht gearbeitet wird, gehören 240 Säke und Horden. — Man stellt die Reiben und Pressen am zwekmäßigsten in der zweiten Etage auf, so daß der Saft ohne Weiteres in die Läuterkessel durch weite, offene, mit Blei ausgeschlagene, zugedekte Rinnen fließen kann. Dadurch werden die Saftbehälter, bis auf einen zur Reserve, und die Saftpumpe erspart, und viel Gelegenheit zur Säuerung vermieden, indem leztere fast ohne Ausnahme in den Saftröhren sich zeigt, die schwierig gereinigt werden können. Durch die so eben genannte Einrichtung, welche Hr. Crespel eingeführt hat, ist diesem vorgebeugt. Aufmerksamkeit auf diesen Punkt ist das Geheimniß, durch welches man vielen und schönen Zuker bei nur einmaliger Filtration durch wenig Kohle gewinnt! Leicht zerreibliches mattes Korn im Zuker ist die unausbleibliche Folge eingetretener Gährung.

Ob eine hydraulische Presse ihre Schuldigkeit thut, oder nicht, kann man auf folgendem einfachem Wege prüfen. Wenn die Presse ihr Maximum des Drukes fast erreicht hat, so markirt man sich an einer der vier eisernen Säulen, zwischen welchen die Preßplatte steigt, mit dem Nagel eines Fingers die Lage der horizontalen eisernen Preßplatte, und beobachtet, ob nach jedem Hub eine vorwärts gehende Hebung, oder rükgängige Schwankung eintritt. Ist Lezteres der Fall, so schließt das Drukventil der Pumpe nicht genügend, es geht nach jedem Kolbenstoß Wasser aus der Presse zurük. Steigt die Preßplatte von Anfang des Pressens zu wenig, so können die Saugventile |68| schlecht seyn, es fließt Wasser zurük, statt in die Presse zu gehen. Man fühlt dieß, wenn man die Hand unter die unteren Mündungen der Saugröhren hält, durch welche dann das Wasser in den Behälter zurükgetrieben wird. Oefteres Nachsehen ist daher unerläßlich.

Hr.Crespel hat zu einer seiner neuen Fabriken Pumpen hydraulischer Pressen construiren lassen, bei welchen alle Ventile so angeordnet sind, daß man leicht hinzu kann, ja sogar von Oben, ohne unter Wasser Schrauben zu lüften. Die Gewichte für die Hebel liegen nicht im Wasser, sondern außerhalb desselben, um sie unter steter Aufsicht zu haben.

Hr. Crespel hat in Roye einen Versuch mit der Pecqueurschen Presse angestellt; das Resultat war aber nicht genügend. Dieselbe verursachte so vielen Schaum, daß man selbst in 24 Stunden desselben nicht Meister werden konnte, was die Arbeit beim Läutern sehr erschwerte. Auch mußte der Brei ganz besonders gleichförmig seyn, wenn anders nicht die Speisungspumpe Aufenthalt verursachen sollte; er darf nicht zu fein seyn, sonst geht er durch die Löcher in die Preßcylinder. Folglich ist dieser interessante Gegenstand noch nicht auf den Punkt der Vollendung gebracht, der zu wünschen ist, wenn diese Pressen Anwendung finden sollen.

Bis jezt ist es noch Niemand in Frankreich eingefallen, zu den Schraubenpressen zurükzukehren, welche, damit sie noch mehr Raum einnehmen, mit gewaltigen Rädern versehen, als ein Theil des geheimen Verfahrens, Runkelrübenzuker zu produciren, anempfohlen und auch debitirt worden sind. Ich will wünschen, daß kein Fabrikant die Anschaffung dieser kolossalen, langsam wirkenden, zerbrechlichen Mechanismen zu bereuen haben möge.

Läuterung. Je schwärzer der Saft von den weißen Rüben, desto bessers; haben die Rüben eine Alteration erlitten, oder hat der Saft gegohren, so sieht derselbe röthlichbraun aus, und zulezt milchig. Der Saft im September, Oktober war vorzüglich, der daraus gewonnene Zuker schön, und in reichlicherer Menge, als im vorigen Jahre. Rüksichtlich der Läuterung keine Veränderung. Sie geschieht Mit gelöschtem Kalk und geht so sicher von Statten, wie nur zu münfchen. Das Verfahren, wie es in den „Beiträgen“ beschrieben ist, ist höchst, einfach, ohne alle Künstelei.6) Die Erscheinungen |69| an der Schaumdeke und an der Oberfläche der klaren Flüssigkeit sind so constant und deutlich, daß selbst jeder Ungebildete sie sogleich bemerkt; Vortheile gegen umständlichere und zeitraubende Proben, um zu erforschen, ob hinlänglich Kalkhydrat zugesezt worden ist.

Man hat die von mir beschriebenen Erscheinungen an der Schaumdeke als nichts beweisend geschildert und die ganze Sache lächerlich gemacht. Dagegen kann ich nur erwähnen, daß, so viele Praktiker ich auch in Frankreich darüber gesprochen, alle in der Angabe jener Erscheinungen übereinstimmen, und sie dort als eine ausgemachte Thatsache gelten, Ich selbst, mein Begleiter, haben das Phänomen so oft beobachtet, daß von einer Täuschung die Rede nicht ist. Sollten jene Erscheinungen erwa nur in Frankreich sich zeigen, und unter gleichen Verhältnissen nicht auch bei uns? Den Beweis vom Gegentheil liefert eine Anstalt, die nach französischem Muster eingerichtet ist.7)

Abdampfen. Bei der Anlage von Qualmfängen für die Pfannen ist zu beachten, daß das in den Abzugsschloten aus dem Dampf condensirte Wasser nicht in die Pfanne zurükfließen könne. Dieß |70| wird dadurch, zugleich mit Beförderung des Abzugs der Dämpfe, bewirkt, daß man einen senkrechten, unten offenen Schlot zum Dach hinausführt, und in diesen, durch schräg ansteigende Abführungsröhren, die Dämpfe dergestalt einleitet, daß über der Einmündung dieser in dem Schlot eine schräge Blechrinne an 3 Seiten angenagelt ist, welche das herabträufelnde Wasser auffängt, nicht in das schräge Rohr herablaufen läßt, sondern nach der Rükwand des Schlors leitet, wo es dann senkrecht herabfällt und in Gefäßen aufgefangen wird. Durch diese Anordnung strömt ein Luftstrom stetig von Unten durch den Schlot, und hift die in denselben eingeleiteten Dämpfe herausführen. Das gesammelte Wasser ist destillirtem gleich zu achten, enthält also keine Erdensalze, und wird zur Speisung der Dampfkessel mit Vortheil benuzt.8)

Zum Abdampfen mit Dampf bedient man sich, wie ich schon früher erzählt habe, meistens der von Hallette construirten runden Pfannen, aber auch der länglichrunden, wie sie Pecqueur in Paris construirt. Leztere findet man in meinen „Elementen der technischen Chemie, zweite Ausgabe, Band II. Seite 204“ beschrieben und auf Tafel XVI. abgebildet. Sie werden ziemlich häufig, besonders in den Departements näher bei Paris angewendet. Um aber die Uebelstände zu beseitigen, welche von dem Festanliegen des Dampfröhrensystems am Boden der Pfanne herrühren, ist es gut, das Dampfröhrensystem so in die Pfanne zu lagern, daß man dasselbe um die Ein- und Austrittsröhren, als Axen, bequem drehen kann; auch muß der abziehende Dampf nebst Condensationswasser in ein retour d'eau geleitet werden, und nicht direct in den Dampfkessel, weil sich sonst die Dampfröhren sehr bald mit Wasser füllen. Endlich müssen die Röhren statt 1 Zoll 1½ Zoll weit gefertigt werden, und besonders die Dampfzuleitungsröhre weiter, als die Ableitungsröhre; beide müssen mit Hähnen an der Pfanne versehen seyn.

Wie ich bereits in meinen Beiträgen erzählt habe, hat Herr Crespel in den 4 neuen Fabriken das Abdampfen über freiem Feuer eingerichtet, theils in länglich vierekigen, theils in schon vorhandenen käuflich übernommenen Schaukelpfannen, welche zwekmäßig nur 3 Zoll hoch gefüllt werden.

Filtriren. In den Anstalten des Hrn. Crespel hat man in diesem Jahr angefangen, die Taylor'schen Beutelfilter außer Gebrauch zu sezen. Man läße den eingedampften Saft in Behältern |71| sich von dem feinen Beinschwarz, welches zugesezt wurde, klar absezen, was sehr gut geht, schöpft ihn dann ab und bringt ihn auf die Kohlenfilter. Der Saft bis 21° eingedampft, klärt sich recht gut von dem Kohlenstaub. Allein es ist zu befürchten, daß, in der vorgerükten Jahreszeit, wenn die Rüben angefangen haben, sich zu verändern, und die Zuker fett werden, die Beutelfilter wieder nothwendig werden dürften. Jedenfalls ist aber dadurch eine Ersparniß erzielt.

Ganz natürlich kann aber ein solches Resultat nur bei der Einrichtung erreicht werden, wie sie in Frankreich, bei der dortigen Läuterungsweise, üblich ist, nämlich daß man nach vollbrachter Läuterung den klar gewordenen Saft unter der diken Schaumdeke durch einen eigens dazu construirten Hahn ab- und durch bereits gebrauchte Dumont'sche Filter laufen läßt, um ihn sogleich abzudampfen. Wo man aber den ganzen Inhalt des Läuterkessels, Saft und Schaum zusammen ausschöpft, kann man der Seihetücher, oder Colatorien, wie sie in Apotheken heißen, nicht entbehren. — Die Taylor'schen Beutelfilter nehmen in der Fabrik des Hrn. Crespel, wo täglich 65,000 Pfd. Rüben verarbeitet werden, nur einen Raum von 10 Quadratfuß und 6½ Fuß Höhe ein, während die nöthige Anzahl, nach Art der Apotheken-Colatorien eingerichteter Seihegeräthe einen weit beträchtlicheren Raum erfordert und viel mehr Arbeit und Verlust an Saft veranlaßt.

Man sucht immer mehr die Menge der Thierkohle, als ein theures Material, zu vermindern. Dieses gelingt ganz besonders in den ersten Monaten der Fabrication, denn da ist es eine leichte Sache, schönen, kräftigen, und vielen Zuker, mit weniger Kohle darzustellen; aber im Januar, besonders im März geht es ganz anders! Da kostet es mehr Kohle. Niemand gebraucht aber in Frankreich so viel Kohle, als Zuker aus dem Saft gewonnen werden soll, also wohl gar 9 bis 10 Proc. Je mehr Kalk man zum Läutern braucht, desto mehr Kohle ist zum Filtriren (Klären) nöthig; die leztere absorbirt bekanntlich den Kalk. Daher kocht auch ein Klärsel, gut durch Kohle geläutert, leicht, und liegt nicht wie Blei todt am Boden.

Kochen. Es ist eine praktische Regel, das Klärsel nicht zu schwach in die Kochpfanne zu bringen, denn sonst muß das Eindiken zu lange dauern, wodurch mehr Schleimzuker gebildet wird. Ist dagegen das Klärsel von gehöriger Dichtigkeit, so dauert das Kochen bei gesteigerter Wärme kürzere Zeit, und die Umwandlung in nicht krystallisirbaren Zuker ist nicht so beträchtlich.

Füllen. Hat man den Syrup bis zu 40½° eingekocht, so wird bei 67° R. gefüllt; hatte man aber bis zu 41½° eingekocht, so wird |72| bei 72° zum Füllen geschritten. Das zweite Product wird bis zu 42° eingekocht, und dann bei 64° gefüllt. Auf eine Reibe rechnet man, wenn Tag und Nacht gearbeitet wird, zum ersten und zweiten Product 1200 Formen (Basterformen, nicht Raffinadeformen, da nur Rohzuker gemacht wird). Die Höhe der Trokenstuben ist am zwek wäßigsten 7 Fuß; sie werden mittelst eiserner Oefen geheizt.

Um über das Verhältniß der Verdampfung von Wasser in den Taylor'schen Pfannen, beim Verdampfen des Safts und Kochen des Klärsels, so wie über die Zukerausbeute aus dem Saft ein positives Resultat zu erhalten, wurde im Monat Oktober in Arras ein Probekochen mit 8½ Hektolitres (742⅓ preuß. Quart) Saft von 7½ angestellt. Der geläuterte Saft nebst dem vom Schaum abgepreßten, wurde auf 20½ abgedampft und gemessen; es betrug die Flüssigkeit nur noch 180 Litres (157,1 Quart), also waren durch das Abdampfen 670 Litres (595,23 Quart) Wasser in Dampf verwandelt worden. Diese 180 Litres wurden nun durch Kohle filtrirt, bis das Lezte nur noch 2½ zeigte, und auf 3 Mal gekocht. Die Kochung ergab im Ganzen ein Resultat von 88 Litres (76,8 Quart) oder 230 Pfund. Nun gaben, nach früher angestellten Versuchen, 36 Litres, die 99 Pfund wogen, 54 Pfund Zuker, daher werden 88 Litres 124 Pfund Zuker, erstes Product, liefern. Natürlich gibt der Syrup davon noch zweites und drittes Product.

Berechnet man dieses Ergebniß auf die Zukerprocente, so ergibt sich, da die zur Beschaffung der 8½ Hektolitres Saft erforderlichen Rüben nicht gewogen worden sind, annäherungsweise folgendes Resultat. Nimmt man 85 Proc. Saft vom Gewichr der Rüben an, so waren zu 8 ½ Hekt. von 7° etwa 2230 Pfund (preuß.) Rüben erforderlich. Diese haben 124 Pfund (französisch) = 132,65 Pfund preuß. Zuker geliefert, also 5,94 Proc. erstes Product. Rechnet man nun den Verlust beim Filtriren dazu, so kann man 6 Proc. an-nehmen. Vom zweiten wird es dann noch 1½ bis 2 Proc. geben, ohne das dritte Product mit in Anschlag zu bringen.

Die Bildung der Melasse zu verhindern, ist noch Keinem gelungen; auch selbst so weit ist man noch nicht gekommen, „fast keine Melasse zu produciren“, wenn man nicht etwa das bekannte Verfahren darunter versteht, den Zuker so dik einzukochen, daß er den Syrup nicht läßt, wie der Zukerbäker sich ausdrükt, d. h. den Syrup (die Mutterlauge) nicht abstießen läßt. Dieß ist kein Geheimniß. Dadurch wird allerdings das Brod schwer und die Zukeraus-beute für den Laien beträchtlich vergrößert; der Zuker ist aber auch unrein, das Korn matt, leicht zerreiblich etc., wie Jeder weiß, der etwas vom praktischen Betrieb der Zukerfabrication kennt.

|73|

In meinen Beiträgen habe ich von einem Verfahren, den Syrup vom ersten Product dem frischen geläuterten Saft zuzusezen, gesprochen, welches bald bei Seite gelegt wurde, weil die Klärsel so salzhaltig und fett wurden, daß sie keine Krystalle mehr geben wollten. Dieses Verfahren wird jezt modificirt also angewendet. Gibt man z. B. am ersten Tag zum Saft keinen Syrup, so hat man erstes Product als Resultat. Gibt man nun am zweiten Tag den vom ersten Product abgelaufenen Syrup zum Saft in die Läuterung, sö hat man im zweiten Tagewerk ein Gemisch von erstem und zweitem Product. Der hievon ablaufende Syrup enthält sowohl zweites als drittes Produkt, und würde, am dritten Tag zum Saft hinzugefügt, ein Gemisch vom ersten, zweiten und dritten Product liefern und nothwendiger Weise das reine Product des unvermischten Saftes durch den Zusaz vom dritten Product sehr verschlechtern. Man schlägt, um dieses zu vermeiden, den Syrup vom zweiten Tagwerk in einen besonderen Behälter, und verarbeitet denselben für sich auf zweites Product. Am dritten Tage arbeitet man bloß mit Saft, wie am ersten, und erhält erstes Product, sezt aber den Syrup hievon dem vierten Tagwerk zu etc.

Auf diese Weise wird der Syrup nicht fett, und das Product des Saftes wird nicht durch den Zusaz von viel Schleimzuker verdorben, was unaufhaltsam nach dem ersten Verfahren eintreten mußte. Zweitens verkauft man einen großen Theil des zweiten Products mit dem ersten gemischt, ohne genöthigt zu seyn, ersteres so lange auf den Böden zu haben, als es sonst erforderlich ist. Wer sich von dem Erfolg einen klaren Begriff machen will, mische nur 5 Theile erstes mir 2 Theilen zweites Product; denn nach diesem Verhältniß wird ungefähr das Product des zweiten und vierten Tages gemischt seyn.

Ueber die Wiederbelebung der Knochenkohle behalte ich mir vor, etwas mitzutheilen, sobald nähere Thatsachen zu meiner Kenntniß gekommen sind.

Schließlich erwähne ich noch, daß die große Anstalt in Montesson bei St. Germain, die Hr. Brâme-Chevalier dirigirte, mit 3½ Millionen Francs fallirt hat; sein Aktiv ist 800,000 Francs nach zweijähriger Arbeit!

, |64|

Die Grade des in Frankreich gebräuchlichen Pèse-sirop von Bunten zeigen nach Schubarth's Bemerkungen immer eine 1–2° geringere Dichtigkeit an, als die nach Baumé graduirten Spindeln von Greiner jun. in Berlin. Lezterer verfertigt aber jezt auch den Bunten'schen gleiche Spindeln von 0°–21° für den rohen und abgedampften Syrup, und andere bis 42° gehende, für Klärsel und gekochten Syrup bestimmt.

A. d. Red.

|65|

Die Reiben haben nach Schubarth im Allgemeinen folgende Einrichtung: auf einem gußeisernen Gestelle ruht in Lagern die Achse einer Trommel von folgender Construction: zwei gußeiserne Scheiben, nach Innen mit einem angegossenen vorspringenden Rand und sechs verstärkenden Rippen, rund auf der Drehbank abgedreht, und mit einer cylindrisch ausgebohrten Nabe versehen, werden auf die ebenfalls eiserne Achse gebracht, mit Splinten befestigt und durch 6 Schraubenbolzen in der gehörigen Entfernung fest verbunden. In jeder Scheibe befindet sich ein Loch, um durch dasselbe beim Auseinandernehmen den gegenseitigen Splint herausschlagen zu können. Zwischen beide Scheiben werden nun in der Peripherie Dauben eingelegt, durch die Ränder der Scheiben und die erwähnten Bolzen zusammengehalten, und dann das Ganze auf der Drehbank zwischen Spizen genau abgedreht. Auf diese Trommel werden nun 13″ lange, 1″ hohe, 1/16″ bike, auf beiden Seiten mit ⅛″ langen Zähnen und an beiden Seiten mit ¼″ hohen und langen Angeln versehene Sägeblätter der Länge nach so befestigt, daß man eine Latte auf die Trommel nagelt, das Sägeblatt gegen dieselbe legt, wieder eine Latte aufnagelt u. s. f., daß der Umkreis 150 Blätter zwischen eben so viel Latten eingeklemmt enthält. An beiden Enden werden hierauf zwei abgedrehte eiserne Ringe, welche mit einem umgebogenen Rande über Lattenenden und Angeln der Sägeblätter greifen, mit Schrauben an die Scheiben der Trommel befestigt. Alles Holz ist trokenes Eichenholz. Die Sägeblätter können vier Mal gewendet werden, indem sie auf beiden Seiten gezahnt sind, jede Seite aber dazwischen auch ein Mal bloß umgedreht wird, um die nach einer Seite hin gebogenen Zähne in entgegengesezter Richtung wirken zu lassen. Wenn die Rüben nicht gefroren sind, kann ein Sägeblatt im Ganzen 6 Wochen und mehr dienen.

A. d. R.

|68|

Es ist folgendes: Man läßt den Saft langsam in den Läuterkessel (der aus einem oberen cylindrischen Theile und aus einem sphärischen Bodenstük besteht, übrigens zum Heizen mit Dampf oder Feuer eingerichtet ist) laufen und streicht den sich babei bildenben Schaum mit einem streichholze glatt; sobald der Saft bis an den cylindrischen Obertheil des Keffles gestiegen ist, öffnet man den Dampfhahn oder schürt das Feuer an. Während nun der Kessel sich allmählich füllt und der Saft sich erwärmt, löscht man eine abgewogene Kalkmenge in einem niedrigen und weiten Fasse mit einem Eimer Wasser, zerrührt den Kalk mit einem stumpfen Besen, gießt die Kalkmilch in einen Eimer ab, und spült den Rükstand mit ½ Eimer Wasser nach. Ist der Saft auf 55 bis 58° R. erwärmt, so wird ein Theil der Oberfläche von Schaum entblößt, alle Kalkmilch auf ein Mal zugesezt und mit einem Rührer tüchtig von Unten nach Oben durchgearbeitet, hierauf aber, der Beobachtung wegen, der Schaum vom Vordertheile mit dem Streichholze rein abgezogen.

A. d. R.

|69|

Die Erscheinungen, welche bei einer guten Läuterung an der Flüssigkeit beobachtet werden, sind nämlich folgende: Bildung kleiner Eiweißflökchen, die sich zu einem grünlich grauen Schaum auf der Oberfläche ansammeln und eine Deke bilden, welche bald in sanfte Bewegung geräth und sich von Innen nach Außen runzelt, endlich eine lebhaftere Bewegung von Außen nach Innen, welche mit Aufkochen am Kesselrande schließt und oft sogleich, ohne Vorgang jener sanften Bewegung von Innen nach Außen, eintritt. Sobald sich das Aufkochen an allen Stellen des Kesselrandes gezeigt hat, wird der Dampf abgeschlossen oder das Feuer beseitigt. Zeigt sich die zulezt erwähnte lebhaftere Bewegung nicht, so ist die Läuterung mißlungen und man muß den Schaum abschöpfen und neuen Kalk zusezen. Nach Absperrung des Dampfes oder Entfernung des Feuers läßt man den Saft noch 10 Minuten in Ruhe und zieht ihn dann ab. Während der Arbeit nimmt man von Zeit zu Zeit mit einem blanken Löffel Proben; die im Safte umherschwimmenden Floken müssen sich rein absezen; bleibt die Probe trübe, so ist es nicht recht; Bildung eines Kalkhäutchens auf der klaren Flüssigkeit ist gut. Der stark alkalische Saft muß völlig klar seyn; bei friscken Rüben ist er nur blaßgelb, bei gekeimten oder angefaulten dunkler. Die zur Läuterung erforderliche Menge von Kalk läßt sich aber absolut nicht bestimmen, weil sie sich theils nach der Beschaffenheit des Kalks, theils nach der des Saftes richtet; angefaulte und keimende Rüben erfordern mehr Kalk als frische, daher auch die Kalkmenge in der Zeit vom Herbst zum Frühjahr allmählich, fast bis auf das Doppelre, vermehrt werden muß.

A. d. R.

|70|

Eine zwekmäßigere Methode den aus den Pfannen aufsteigenden Dampf zu verdichten und zu verwenden, gab kürzlich Hr. Gosselin an; man vergl. polytechn. Journal Bd. LXII. S. 483.

A. d. R.

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