Titel: Brewin's Verbesserter Gerbeproceß.
Autor: Brewin, Francis
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XXIV. (S. 129–133)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063024

XXIV. Verbesserter Gerbeproceß, worauf sich Francis Brewin, Gerber von Old Kent Road in der Grafschaft Surrey, am 11. Januar 1836 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. November 1836, S. 297.

Mit Abbildungen auf Tab. III.

Meine Erfindung beruht auf der Bereitung einer neuen Flüssigkeit, womit rohe Häute in Leder verwandelt, oder Felle, die bereits nach einer der gewöhnlichen Methoden gegerbt worden sind, nachträglich gar gegerbt werden können. Die Erfindung erstrekt sich jedoch auch auf die Verbindung der neuen Substanzen mit anderen bereits bekannten, um hiedurch Leder in kürzerer Zeit und mit einem weit geringeren Aufwande an Kosten viel vollkommener zu gerben, als dieß nach irgend einer der älteren Methoden möglich ist.

Ich bediene mich zur Bereitung meiner neuen Gerbeflüssigkeiten jener Substanzen, die im Handel unter dem Namen Kino-Gummi, Divi-Divi und Catechu oder Terra japonica vorkommen, und welche sämmtlich eine größere Menge Gerbestoff enthalten, als in der besten englischen Eichenrinde zu treffen ist. Diese Substanzen geben mir Flüssigkeiten, die folgende Eigenschaften besizen. Eine Auflösung des Kino-Gummi gibt dem Leder eine röthlich-braune Farbe, verbessert dasselbe jedoch, was die Dichtheit und Festigkeit seines Gewebes betrifft, bedeutend. Eine Auflösung des Divi-Divi gibt dem Leder eine sehr blasse Farbe. Eine Auflösung jener Art von Catechu, welche in kleinen vierekigen Stüken zu uns kommt, gibt ihm eine dunkle fahle Farbe, während es von der in großen Kuchen eingeführten Art von Catechu eine röthlich-braune Farbe mitgetheilt erhält, ähnlich jener, welche von dem Kino-Gummi erzeugt wird. Die Auflösung des Divi-Divi bereite ich mir auf dieselbe Weise, auf welche sich die Gerber in ihren Bottichen die gewöhnlichen Eichenrindenbrühen zu verschaffen pflegen; das Kino-Gummi und Catechu |130| hingegen erheischen folgende Behandlung. Ersteres, wenn es große Stüke bildet, und lezteres, wenn man es in großen Kuchen gekauft hat, wird zuerst mit einem Hammer in Stüke zerschlagen, und hierauf gegen drei Tage lang in kaltes Wasser oder in eine kalte schwache Lohbrühe eingeweicht. Nach Ablauf dieser Zeit bringe ich es zum Behufe einer vollkommeneren Zertheilung in einen Bottich, den man in der beigefügten Zeichnung abgebildet sieht. Manchmal bediene ich mich auch heißen Wassers oder einer heißen Lohbrühe; und bei diesem Verfahren, welchem ich den Vorzug gebe, bringe ich sämmtliches Material gleich in den Bottich, um es nur eine Stunde lang darin weichen zu lassen.

Der aus Fig. 20 ersichtliche Bottich a ist beiläufig 5 Fuß tief und von Unten bis Oben 4 Fuß weit; er ist mit einem losen Dekel b versehen, der im Umfange gerade um so Vieles kleiner ist, als der Bottich, daß er leicht bis auf einen 4 Zoll hoch über dem Boden des Bottiches angebrachten Vorsprung e hinabfällt, im Falle er nicht durch die in den Bottich gebrachten Substanzen hieran verhindert wird. In die untere Fläche dieses Dekels sind gegen 100 Spizen oder Zaken aus Kupfer, Holz oder irgend einem anderen, die Gerbebrühe nicht färbenden Stoffe von beiläufig 3 Zoll Länge fest eingesezt. In der Mitte dieses Dekels befindet sich ein Loch, durch welches eine vierekige hölzerne Spindel c gestekt ist, die beiläufig 5 Zoll dik ist, und an deren oberem Ende zum Behufe ihres Umtreibens ein Rad oder eine Kurbel d augebracht ist. Das untere Ende dieser Spindel läuft am Grunde des Bottiches in einer Art von Pfanne, die so groß ist, daß sie der Spindel freie Bewegung gestattet. Wenn die zum Gerben bestimmten Stoffe lange genug in dem Bottiche geweicht haben, so wird die Spindel durch Menschenhände oder durch irgend eine Triebkraft, und mit ihr auch der an ihr befindliche De-kel so lange umgetrieben, bis die Kino-Gummi- oder Catechustüke durch die Wirkung der an dem Dekel befindlichen Spizen so weit zerkleinert worden sind, daß sie zwischen dem Dekel und den Seitenwänden des Bottiches emporsteigen können. Damit der Dekel beständig auf die in den Bottich gebrachten Substanzen drüke, und in dem Maaße niedersinke, als die Auflösung und Zerkleinerung dieser lezteren erfolgt, hält man denselben während des Verlaufes der ganzen Operation mit einem Gewichte beschwert.

Ich wende bei der Bereitung der Gerbeflüssigkeit je nach der Art des zu behandelnden Leders eine größere oder geringere Menge Wasser oder schwacher Lohbrühe an. So nehme ich z. B. für Sohlleder auf 50 bis 100 Pfd. Kino-Gummi oder Divi-Divi oder Catechu beiläufig 100 Gallons Wasser oder schwacher Lohbrühe; für |131| Ueberleder dagegen, zu dessen Zubereitung ich selten Kino-Gummi nehme, wende ich auf je 50–100 Pfd. Divi-Divi oder Catechu gegen 300 Gallons Wasser oder schwacher Lohbrühe an. Uebrigens löse ich die angegebenen Substanzen, anstatt sie gleich anfangs mit den angegebenen Quantitäten Wasser oder Lohbrühe zu behandeln, auch in geringeren Quantitäten dieser Flüssigkeiten auf, um die hiedurch erhaltenen Auflösungen dann seiner Zeit je nach Bedarf durch Zusaz von Wasser oder Lohbrühe zu verdünnen. Habe ich mir auf die angegebene Weise die verschiedenen Kino-Gummi-, Divi-Divi- und Catechuauflösungen bereitet, so mische ich dieselben für Sohlleder gewöhnlich in folgenden Verhältnissen unter einander; d. h. ich nehme ¼ Kino-Gummi-Auflösung, ¼ Divi-Divi-Auflösung, ⅛ Auflösung von dunklem und ⅜ Auflösung von lichtem Catechu.

In die solcher Maßen zusammengesezte Gerbeflüssigkeit gebe ich gewöhnlich um den vierten Theil mehr rohe Häute, als die Gerber in eine gleiche Quantität gewöhnlicher Gerbebrühe zu bringen pflegen. Auf jede Haut trage ich im Durchschnitte ein Pfund Eichenrinde ein, und zwar auf dieselbe Weise, auf welche die Gerber die Lohe gewöhnlich anzuwenden pflegen. Um Ueberleder zu gerben, menge ich die nach obigem Verfahren bereiteten Auflösungen von Divi-Divi und Catechu unter einander, worauf ich dann die Häute oder Felle eintrage, und zwar mit Zusaz von eben so viel Lohe und unter Anwendung von eben so viel Flüssigkeit, wie dieß eben in Beziehung auf das Sohlleder angegeben ward.

Wenn das Leder ein sehr dichtes und festes Gefüge bekommen soll, und wenn dessen Farbe dagegen von geringem Belange ist, so bediene ich mich einer größeren als der angegebenen Quantität Kino-Gummi-Auflösung; ebenso wende ich das dunkle Catechu in größerem Maaße als irgend eine der anderen Substanzen an, wenn dasselbe niedrig im Preise steht, und wenn es nicht sehr auf die Farbe, welche das Leder erhalten soll, ankommt. Will man ein lichter gefärbtes Leder, als man es erhält, wenn man alle vier Flüssigkeiten in dem angegebenen Verhältnisse vermengt, so vermindere ich die Quantität der dunkler färbenden Substanzen je nach der verlangten Schattirung. Sollte der eine oder der andere der fraglichen Gerbestoffe zu selten auf dem Markte seyn oder so hoch im Preise stehen, daß er nicht mit Vortheil angewendet werden kann, so kann man denselben auch ganz oder zum Theil weglassen, woraus jedoch folgende Resultate erwachsen. Wendet man Kino-Gummi allein an, so wird das damit erzielte Leder im Allgemeinen zu hart und zu dicht seyn; nimmt man Divi-Divi allein, so wird man ein blässeres Leder als gewöhnlich erhalten; und nimmt man Catechu allein, so wird das Leder |132| weder die gewünschte Festigkeit, noch die verlangte Farbe bekommen. Das beste Resultat ergibt sich immer bei gehöriger Vermengung des Divi-Divi mit Kino-Gummi und Catechu. Da die Preise der vier fraglichen Substanzen so hoch steigen können, daß sie ihrer größeren gerbenden Kraft ungeachtet manchmal die Anwendung der Eichenrinde oder der sonstigen zum Gerben gebräuchlichen Substanzen nicht vollkommen ersezen koŬnnen, so erkläre ich, daß man die angegebenen Stoffe auch in Verbindung mit diesen Substanzen mit Vortheil anwenden kann, und zwar in folgenden Verhältnissen. Man kann nämlich jede beliebige Quantität der oben angegebenen Mischung von Kino-Gummi-, Divi-Divi- und Catechu-Auflösung mit einer beliebigen Quantität Eichenrinde vermengen; oder man kann diese Vermengung mit einer beliebigen Quantität einer Mischung vornehmen, die man sich aus 6/12 lichtem Catechu, 4/12 Divi-Divi und 2/12 Kino-Gummi bereitet, und der man eine gleiche Menge Mimosarinde oder Kermacwurzel zusezt, oder man kann eine beliebige Quantität einer aus gleichen Theilen Kino-Gummi, Divi-Divi und Catechu bestehenden Mischung mit 2/8 Valonia und 2/8 Eichenrinde vermengen; oder endlich man kann 8 Theile Kino-Gummi, Divi-Divi und Catechu mit 2/8 Eichenrinde und ⅛ Sumach vermengen. Wenn man Kino-Gummi, Divi-Divi oder Catechu zugleich mit Eichen- oder einer anderen Rinde anwenden will, so müssen dieselben zuerst in einer gewöhnlichen Lohmühle klein gemahlen und dann mit der Rinde vermengt werden; oder man kann die Rinden und das Divi-Divi für sich einweichen, und die abgezogene und erhizte Flüssigkeit hierauf in solcher Quantität in den oben erwähnten Bottich bringen, als es zur Auflösung des Kino-Gummi oder des Catechu erforderlich ist: eine Methode, der ich den Vorzug einräume; oder man kann Wasser oder schwache Lohbrühe allein, und zwar entweder heiß oder kalt, zur Auflösung der neuen Materialien anwenden, bevor man dieselben mit den gewöhnlichen Gerbeflüssigkeiten vermengt. Die mit diesen verschiedenen Gemengen bereiteten Gerbebrühen haben am besten dieselbe Stärke, welche ich oben für die neuen Brühen angegeben; und obschon mir die Verhältnisse, nach denen obigen Angaben gemäß das Kino-Gummi, das Divi-Divi und das Catechu mit einander und mit den sonstigen Gerbestoffen vermengt werden sollen, als die entsprechendsten und geeignetsten erscheinen, so können dieselben von dem praktischen Gerber doch je nach Umständen, je nach der gewünschten Qualität des Fabricates, je nach der Vorliebe der Abnehmer für diese oder jene Farbe, und je nach den Preisen, in welchen die einzelnen Stoffe zu verschiedenen Zeiten stehen, mannigfach abgeändert werden.

|133|

Um Leder, welches nach dem gewöhnlichen Verfahren gegerbt worden ist, nachzugerben oder zu verbessern, bringe ich dasselbe in eine Brühe, wie ich sie oben für Sohlleder angegeben habe; in dieser arbeite ich es, nachdem es einen Tag lang darin verweilt hat, durch, um es hierauf noch 8 bis 14 Tage darin zu belassen und endlich zu troknen.

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