Titel: Ure, über die brittische Baumwollenmanufactur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XXXIX. (S. 181–191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063039

XXXIX. Bemerkungen aus und über A. Ure's Werk: „die brittische Baumwollenmanufactur.“

Wir haben im vorhergehenden Hefte des polytechnischen Journals S. 123 in gedrängtem Auszuge dasjenige mitzutheilen versucht, was uns bei Lesung des ersten Bandes von Ure's Werk als besonders bemerkenswerth vorkam. Wir glaubten nämlich, daß eine Uebersezung dieses ersten Theiles für uns Deutsche ziemlich entbehrlich heißen dürfte. Da derselbe, als fast ausschließlich historischen |182| und statistischen Inhalts, zumal unlängst erst der gleiche Gegenstand von Baines behandelt worden ist, meist nur schon Bekanntes wiederholen mußte, und gewisse geschichtliche Details für wenige Ausländer Interesse haben mögen. Wir zweifelten dagegen nicht, daß eine baldige gute Uebersezung des zweiten Theiles, der das Technische der Baumwollenmanufactur nach ihrem gegenwärtigen Zustande umständlich darzustellen verhieß, in hohem Grade zu wünschen sey. Und in der That wer könnte zu einem solchen Unternehmen geeigneter scheinen, und zu größeren Erwartungen berechtigen, als Dr. Ure, der seinen Ruf als gelehrter Technolog und seine besondere Vertrautheit mit der Baumwollenfabrication vor Kurzem erst durch eine ausgezeichnete Schrift bewährt hat, der seit vielen Jahren mit der Herausgabe einer umfassenden Arbeit über diesen Manufacturzweig beschäftigt war, der im Mittelpunkte seiner blühendsten Entwiklung lebt, ganz kürzlich noch die vorzüglichsten Anstalten des Ausländes besucht hat, und dem über[...] durch seine Stellung das Merkwürdigste zu erfahren so erleichtert ist?

Ref. verhehlt nicht, daß auch er mit nicht geringen Erwartungen diesen zweiten Band von Ure's Werk zur Hand nahm und daher Gefahr lief, nicht ganz befriedigt zu werden. Vergleicht man indessen diese Arbeit, mit dem, was schon vor Jahren selbst in einigen deutschen Originalabhandlungen20) über diesen Gegenstand geleistet worden ist, so läßt sich wohl behaupten, daß sie auch gerechte Ansprüche nicht ganz erfülle und weder durch Gründlichkeit und Vollständigkeit noch durch Mittheilung des neuesten Verfahrens und Beurtheilung der mannigfach eingeführten oder versuchten befriedige.

Wir sind weit entfernt eine Uebertragung dieses Bandes ins Deutsche für unzwekmäßig zu halten. Jedenfalls erhalten wir dadurch eine neue gut abgefaßte, klare und im Ganzen wohlgeordnete Uebersicht dieser merkwürdigen Fabrication; und der Eingeweihte wird immerhin mancher interessanten Notiz begegnen; wir glauben indessen den Lesern des polytechnischen Journals einen Dienst zu thun, wenn wir ihnen, durch eine etwäs ausführliche Analyse des Buches, anzeigen, was sie darin finden mögen, außerdem, daß wir dadurch unser eben ausgesprochenes Urtheil zu rechtfertigen wünschen.

Die erste Abtheilung S. 1 bis 238 handelt von der Baumwollenspinnerei, und der erste Abschnitt S. 1 bis 25 von der Vorbereitung der Baumwolle, und der Maschine zum Auflokern, Reinigen, Floken etc.; daß Baumwolle zuweilen mit Ruthen geschlagen |183| wird, ist beiläufig nur bemerkt, so wie daß die Ruthenmaschine von Bowden (Pat. 1801) keinen Beifall gefunden hat. Allgemein bedient man sich des Willow's (Wolfs) und der Batteurs mit Schlagflügeln (blowing machines).

Von der ersten beschreibt der Verf. den gewöhnlichen, und dann noch Lillie's conischen Willow, der continuirlich arbeitet und mit einem Ventilator versehen ist. Dieselbe Maschine wurde indessen aber so wie Lillie's Ventilator (mit excentrischem Gehäuse) in seinem früheren Werke (Uebers. S. 146 und 333) abgebildet und erläutert. Ein solcher Willow soll wöchentlich 12 bis 15,000 Pfd. und in einer Grobspinnerei an 7000 Pfd. täglich bearbeiten können!

Die durch 3 Holzstiche und 1 Kupferplatte erläuterten Batteurs, ein einfacher und ein doppelter, mit einem Lappingapparate, zur Bildung und Ausrollung der Watten, haben durchaus nichts Eigenthümliches, und die Zeichnungen kommen ganz mit den von der Soc. d'encour. 1823, Leblanc u. a. gelieferten überein. Bei den doppelten macht der erste Haspel an 2000, der zweite an 2200 Umgänge per Minute und eine Maschine flokt wöchentlich an 5000 Pfd. Der Windhaspel macht gewöhnlich 80 bis 100 Fuß per Sec. und erfordert, wie der Batteur selbst, die Kraft eines Pferdes. Der Verf. fand, daß ein 12″ breiter Windhaspel bei 120′ Geschwindigkeit eine Wassersäule von 2″, und bei 180′ Geschwindigkeit eine von 3″ trage; während der Zug eines sehr guten Windofens nur 1/7″ hebe.

Der zweite Abschnitt S. 26 bis 45 handelt vom Kardiren, und enthält noch weniger Neues, als der vorige. Nach einigen elementarischen und historischen Bemerkungen (mit Recht um Artwright die Erfindung der Kardmaschine zu vindiciren) wird eine solche, nach bester Construction, ausführlich beschrieben. Diese Musterkarde (mit Hüten, mehreren Igeln und Bandzuge versehen) weicht jedoch in Nichts von längst beschriebenen ab. — Vergebens hofften wir eine nähere Erklärung der ungleichen Wirkung der krazenden Organe, je nach der Stellung der Zähne, der Richtung der Bewegung, und ihrer Geschwindigkeit u. s. w. zu finden. Eben so ist nicht vom Bau der einzelnen Theile die Rede, was doch bis auf einen gewissen Grad den Spinner interessiren muß. Der so merkwürdigen Maschine zur Bereitung des Kardleders, der Vor- und Nachtheile der Dyer'schen Garnituren etc. ist gar nicht gedacht; mit wenigen Worten berührt er die Garnirung und das Schleifen, wozu sehr sinnreiche Maschinen vorhanden sind; eben so kurz fertigt er die Karden, die automatisch sich selbst reinigen, ab, obschon dergleichen dermalen in England mehr und mehr in Gebrauch kommen, und zu den wichtigeren Verbesserungen der lezten Zeit gehören sollen. Am meisten wundert uns aber, |184| daß, obgleich rühmlich, nur kurz der auf dem Continent so beliebten Bandleitungen erwähnt ist. Es ist allerdings seltsam, daß dieses von G. Bodmer erfundene und vor 20 Jahren schon in St. Blasien eingeführte System vor wenigen Jahren erst in anderen Spinnereien angenommen wurde, und noch jezt sogar in England fast unbekannt ist. Um so mehr aber war eine genaue Beschreibung zu erwarten, denn in die Augen fallend sind die Vortheile, die es durch Ersparung von Händen und Raum, durch größere Egalität der Bänder u. a. m. gewährt.

Der dritte Abschnitt S. 45 bis 58 erläutert auf gewöhnliche Weise die Strekwerke oder das Laminiren (drawing). — Köpfe mit 4 Cylindern, wenn auch etwas mehr leistend, sind, auch nur für Garn zu schönem Calico, nicht zu empfehlen; von den 3 Cylindern soll beinahe nur der vorderste die Strekung bewirken, und der mittlere bloß zur Leitung dienen; auch der Support des hintersten sich verschieben lassen. Der vorderste liefert per Minute 50–60′ Band (sliver). In Spinnereien für das feinste Garn passiren die Bänder (zu 6–8) 7 Köpfe, so daß sich eine fast 50,000 fache Vereinigung ergibt etc. Auch Ure ist der Ansicht, daß diese Operation, die unbestritten von Arkwright allein herrührt, vornehmlich sein Genie beweist; auch möchten wir sagen, daß er nicht nur zuerst den ganzen Werth des Zugwalzenorgans erkannt, sondern bereits bis auf den tiefsten Grund und in ihrer ganzen Ausdehnung die Principien durchschaut habe, aus denen die automatische Spinnerei hervorgehen mußte. — Am schiklichsten hätte, wie uns scheint, in diesem Abschnitt von der Verfertigung der cannellirten Walzen, der Drukwalzen und ihrer Bekleidung, der Verbindung dieser Theile und der zu ihrer Bewegung erforderlichen Räderwerke etc. das Wesentlichste beigebracht werden können, was Alles mit Stillschweigen übergangen ist.

Im vierten Abschnitt S. 58 bis 116 handelt der Verf. von den Maschinen zur Bildung der Vorspunststühle (roving frames). Lange blieb das Verfahren bekanntlich dasselbe; die Bänder kamen zu diesem Ende zuerst auf die von Arkwright eingeführten sogenannten Laternenstühle (einfache Strekwerke mit sich drehenden Kannen) und dann auf eine, nur leichte Zwirnung gebende Mulejenny. Die ersteren, obschon bei großer Sorgfalt sehr brauchbar und durch Einfachheit sich empfehlend, ließen immerhin weit vollkommenere und zuverlässigere Vorrichtungen wünschen. Lange aber scheiterten alle Bestrebungen diesen Mängeln abzuhelfen. Aus der ungemeinen Lokerheit der Bänder ergaben sich fast unübersteigliche Schwierigkeiten. Erst durch die Erfindung der Bobbin und fly frames (der Flyrovings oder bancs à broches) durch Cocker und Higgins und die |185| Verbesserungen derselben durch Green und Houldsworth erhielt man eine allen Anforderungen einer vollkommenen Spinnerei ganz entsprechende Roving-Maschine, und in neuester Zeit wurde dieser noch eine zweite, durch ausnehmende Productivität sich wenigstens auszeichnende, die Tube-frame, beigesellt. Der vorliegende Abschnitt ist daher auch fast ausschließlich der Beschreibung dieser beiden Maschinen gewidmet, und enthält nur Weniges über die alten Kannenstühle, und die Jack frames mit Aufwinden der Spulen in den Kannen.

Der Verf. beschreibt ziemlich ausführlich (von S. 71 bis 100) die fly-frames und zwar nach Houldsworths System, welches er noch immer für unübertroffen zu halten scheint. Auch maßen wir uns nicht an, gewissen späteren Abänderungen einen entschiedenen Vorzug zuzuerkennen. Wohl glauben wir aber, daß mehrere derselben (deren Ure auch im Elsaß kennen lernen mochte) eine Erwähnung verdient hätten. Eben so scheint uns, daß eine Erläuterung des primitiven Organismus, mit der sinnreichen Frictionsscheibe, der abnehmend eingetheilten Zahnstange u. a., als belehrend und zwekmäßig in ein solches Werk gehört. So ausführlich übrigens diese kunstvolle Maschine beschrieben ist, so dürfte die Erklärung doch weder dem Kenner noch dem Neuling genügen, denn der erstere vermißt Gründlichkeit und gehörige Anleitung zur Berechnung, und für den lezteren sind sicherlich manche Separaterläuterungen einzelner Organe, und namentlich einiger eigenthümlichen (wie des Mangelrades) unentbehrlich. Jedenfalls endlich wird man schwerlich irgend etwas Neues von Erheblichkeit hier angegeben finden, was auch nicht zu befremden ist, da Houldsworths fly-frame schon 1824 patentirt, und diese Maschine nach Gebühr seitdem so vielfältig schon abgebildet und beschrieben wurde.

Anders verhält es sich mit der amerikanischen Tube-frame dem double speeder, wie Viele sie auch nennen), die von Danforth erfunden und von Dyer in England eingeführt wurde, und die nach eigenthümlichen Principien mit ungemeiner Schnelligkeit die Bänder in Vorspunst verwandelt. Zwar ist auch diese Maschine nicht ganz neu, angedeutet ist ihr Daseyn schon in Bernoullis Handbuch, und seit mehreren Jahren sind ihrer unzählige von Escher in Zürich verfertigt worden. Auch Ure räumt ihr eine große Brauchbarkeit ein; denn obgleich sie lange nicht so vollkommen arbeitet, wie der Flyroving, und diesen nie zu Erzeugung des feinen Garns ersezen wird, so ist sie entschieden brauchbar für geringeres, leistet aber 4 oder 5 Mal mehr (ohne merklich mehr Kraft zu erfordern) als jener. Um so befremdender ist, daß, so viel uns bekannt, bis jezt noch nirgends |186| eine Abbildung und Beschreibung von der Tube-frame erschienen ist, und mit besonderem Vergnügen fanden wir diese daher in dem vorliegenden Werke; wünschend, daß diese verdienstliche Mittheilung recht bald in das polytechnische Journal übergehe. Wir bemerken übrigens, daß, wie wir aus Prechtl's Encyklopädie (Tab. 110 Fig. 1 und 2) ersehen, eine analoge Maschine (ob seit länger schon?) zum Vorspinnen des Flachses in Anwendung gekommen ist.

Im folgenden Capitel werden die Maschinen zum Reinspinnen betrachtet; erst die Drossel- dann die Mulestühle.

Abschnitt 1. Von der Mule als Vorspinnmaschine (stretching-mule). Seit der Verbreitung der fly- und tube frames werden die Mules immer weniger zu diesem Zwek angewendet; die Bänder, wie sie vom Strekwerke kommen, werden durch jene neueren Maschinen in rovings verwandelt, und diese dann sofort auf Droffelstühlen oder Mulejennys ausgesponnen. Nur zur Erzeugung feinerer Nummern bleiben die Stretchers unentbehrlich.

Abschnitt 2. S. 120 bis 148 von den Drosseln. Diese unterscheiden sich von den ursprünglichen Water frames dadurch, daß beide Reihen Spindeln (meist 200) durch Eine Blechwalze in Gang gesezt werden, während jene für je 4 bis 6 Spindeln ein besonderes Triebwerk haben. Auch Water frames sollen noch im Gebrauch seyn.

Die Beschreibung des Drosselstuhles bietet natürlich nichts Erhebliches dar. Eine kleine Vorrichtung ist erklärt, um die Fadenleiter hin und her zu bewegen, damit der Faden nicht einschneide, und eines einfachen Mittels erwähnt, durch Auflegen eines mit Flanell überzogenen Kegels auf die Lederwalzen, diese von den etwa losgehenden Fasern zu reinigen, indem der Kegel von selbst ganz langsam von einem Ende des Stuhls zum anderen fortrükt. Diese Stühle liefern per Woche meist 24 bis 30 hanks Nr. 34. Arkwright spann bis Nr. 80 treffliches Wassergarn. Jezt, seit die Mules vervollkommnet sind, spinnt man selten über 40. Von gleicher Nummer kostet Drosselgarn etwa 1/15 mehr als Mulegarn. Meist machen die Spindeln 4 bis 4500 Umgänge per Minute. Axton in Stokport soll jedoch bis 7000 Umgänge (bei Nr. 24) erhalten. Das producirte Quantum ist sehr ungleich; manche Spinner sollen mit gleich vielen Spindeln fast doppelt so viel erzeugen, als andere von gleichem Rang. Lange blieben diese Maschinen im Wesentlichen unverändert. Eine nahmhafte Verschiedenheit zeigt nun der 1829 patentirte amerikanische Stuhl von Danforth. Die Spule stekt auf einer unbeweglichen Spindel, und diese hat keinen Flügel (fly); 4 Spulen werden durch eine Schnur gedreht, und machen bis 6000 Umgänge per |187| Minute. Diese Danforth-Drosselstühle (mit 216 Spindeln) finden mehr und mehr Eingang, da sie um ⅓ oder ½ productiver sind, und ein dekenderes, zu gewissen Zweken geeigneteres Garn liefern.

Diese Stühle sind ziemlich umständlich erklärt, und darauf noch 2 (von einigen geschäzte) neue Arten von Spindelflügeln beschrieben, auf die 1831 Gore, und 1832 Montgommery Patente erhielten.21)

Abschn. 3, S. 148–174. Von den Handmulejennys.

Diese Abtheilung scheint uns zu den gelungensten und interessantesten zu gehören. Der Verfasser beschreibt, auf wenige, aber sehr schöne und deutliche Figuren hinweisend, eine jener bewunderungswürdigen Maschinen, mit denen sich jezt an 1000 Fäden des feinsten Musselingarns auf ein Mal spinnen lassen; und jeder wird, wenn auch wenig eigentlich Neues bemerkend, die vortreffliche Disposition aller Theile anerkennen, und staunen über die Vollendung, die erreicht worden ist. In didaktischer Beziehung können wir inzwischen die Behandlung dieses so schwierigen Gegenstandes nicht billigen. Ein Lehrer wird, um den Bau der Uhren zu erklären, nicht sofort den der künstlichsten Repetiruhr demonstriren. Weit passender scheint uns, wie Andere gethan haben (s. Bernoulli's Darstellung etc.), zuerst ausschließlich die einfachste Mule (die Stretscher) zu erläutern, dann zu zeigen, wie sie abgeändert und mit welchen fernern Vorrichtungen sie versehen seyn muß, um zum Reinspinnen zu dienen, und endlich nachzuweisen, wodurch die höchste Präcision und Vollkommenheit, um das feinste Garn zu erzeugen, erreichbar seyn mag.

Wir heben aus den Schlußbemerkungen nur folgende aus: beim Spinnen von Nr. 36 erheischt 1 Auszug kaum ⅓ Minute, bei Nr. 170 1–1½ Min., bei Nr. 220 an 2 Min. Noch vor 14 Jahren brachen bei jedem Gange auf 100 Fäden an 13 (?), jezt höchstens 3–4, und in den besten Spinnereien (auch im Elsaß) selten mehr als 1. Auch die besten Spindeln dürfen nicht über 4500 Umgänge per Minute machen. In Schottland rechnet man für Nr. 50 Kette und Nr. 60 Eintrag 25 Zwirnungen per Zoll. Die erforderlichen Zwirnungen pflegt man zu berechnen, indem man die Quadratwurzel aus den Nummern mit 3½ multiplicirt. Nr. 100 würde demnach √100 × 3½ = 35 erhalten müssen.

Der Verfasser handelt sodann, von S. 175–214, von den Selbstspinnmules (den selfacting mules oder selfactors), und beschreibt mit Hülfe von 6–8 Holzschnitten die von Sharp und Roberts. Auf diese Darstellung folgen einige Bemerkungen über |188| die Entstehung und den Nuzen dieser Automaten, und verschiedene Anzeigen über die Leistungen und Regulirung derselben. Alle diese Mittheilungen scheinen übrigens aus anderen Schriften entnommen zu seyn; was wir freilich nicht behaupten können, da der Verfasser die Gewohnheit hat, fast durchaus auf keine Quellen hinzuweisen, und äußerst sparsam mit Citaten ist. Aus den historischen Notizen führen wir bloß an, daß der Vater Strutt 1790 schon eine Art Selfactor zu Stande gebracht haben will; daß die Maschinen von Caton und de Jongh bald wieder aufgegeben wurden, und von denen von Buchanan und Brewster wenig oder nichts bekannt ist; daß die Einrichtung, auf die Roberts 1825 patentirt wurde, zuerst einen Erfolg versprach, und dieser dann wirklich durch die Verbesserungen, die er 1830 patentiren ließ, erreicht wurde. Bei de Jongh's Stuhl von 1827 seyen Roberts Ideen benuzt, und Knowles Patent von 1831 zurükgezogen worden, weil es auf diese sich gründete. Im December 1834 hatten die HH. Sharp und Roberts bereits an 60 Spinnereien, mit zwischen 3 und 400,000 Selfactingspindeln versehen.

In dem lezten Abschnitt bis S. 227 ist vom Winden, Sengen, Zwirnen und Verpaken des Garnes die Rede, und den dazu üblichen Apparaten. Das Meiste ist längst bekannt, und der Vollständigkeit wegen hätte auch der Garnwaagen, Garnproben, Knäuelmaschinen etc. gedacht werden sollen. Dagegen möchte der ganze Abschnitt, der vom Brennen und Sengen (Singering oder gassing) handelt, eine Uebersezung ins Deutsche verdienen. Das meiste Garn, das zu Nähzwirn, Tülle u. a. dienen sollte, wird mittelst Gas und mehrmals gesengt. Es wird dadurch auch leichter oder feiner; Nr. 90 so fein wie 95. – Die Leistungen dieser Apparate sind um so merkwürdiger, da viele Fäden auf ein Mal gesengt werden, jeder aber durch eine besondere Flamme; da der Faden, so äußerst zart er ist, mit unglaublicher Schnelligkeit durchgezogen wird (die Spulen sollen über 3000 Umgänge per Minute machen), und Mechanismen vorhanden sind, wodurch, so wie eine fehlerhafte Stelle vorkommt, die Operation sofort unterbrochen und die Flamme seitwärts gerükt wird.

Die folgende Abtheilung handelt von der Weberei (S. 238–338), und zwar das 3te Capitel vom Schlichten.

Die beschriebene Zettel- und Schlichtmaschine ist keine andere als die seit 12 Jahren in französischen und deutschen Schriften vielfach und ausführlich abgebildete (s. Bernoulli's Aufschwung etc., S. 136) mit 8 Partialkettbäumen u. s. w. Ein unter der Kette |189| angebrachter Dampfkasten bewirkt in Verbindung mit dem Windhaspel das Troknen. Das Einreiben geschieht (besser als durch Bürstcylinder) durch flache Bürsten mittelst des bekannten Hebelwerks. Da seitdem andere Systeme in Gebrauch gekommen sind, und vielfach vorgezogen werden, so befremdet es uns, nichts davon erwähnt zu finden. Dankenswerth ist dagegen die sodann gegebene Beschreibung von Lillie's Schlichtmaschine (sizing machine). Es ist diese jedoch nichts Anderes als eine mit einem Troknungsapparate verbundene Imprägnirmaschine, wie solche in Färbereien und Drukereien häufig in Gebrauch sind. In einem langen gußeisernen Troge, in dem die Schlichte durch Dampf erwärmt wird, sind 20 oder mehr Walzen in zwei Reihen vertheilt; und die Kette erhält die Schlichtung, indem sie unter und über allen diesen Walzen und zulezt durch Auspreßwalzen durchgezogen wird. Die Leistung dieser einfachen Maschine ist erstaunlich. Während eine gewöhnliche in 1 Tage etwa 600 Yards liefert, schlichtet die von Lillie in der Fabrik von Waterhouse in 12 Stunden 37,000 Yards. Daß auch auf diesem Wege ein gutes Schlichten möglich ist, begreift sich wohl, weniger aber, wie ein Zettel von einigen 1000 Fäden, der in 1 Minute 150 Fuß durchläuft, schnell genug (sey es durch Dampfcylinder oder einen hotflue) getroknet werden kann. Wir hätten daher darüber so wie über die erforderliche Kraft (die sehr groß seyn mag) nähere Angaben gewünscht.

Von S. 253–287 ist die Handweberei behandelt, und ungefähr so wie in jedem guten technologischen Lehrbuche. Zuerst ist die glatte und dann die Zwilch- und Bildweberei erläutert. Mitunter ist der Verfasser wohl allzu kurz. So ist das Eigenthümliche der ächten Gase bemerklich gemacht, nicht aber das mechanische Princip, sie darzustellen. Ferner ist der alte Zugstuhl ziemlich ausführlich erklärt, mit keiner Sylbe aber wird der Kunsttrommel, oder vollends der Jacquard maschine und ihres rühmlichen Erfinders Erwähnung gethan. Dieses Stillschweigen ist uns um so auffallender, da nicht nur unstreitig Jacquard's Erfindung (wie die seither ersonnene Vorrichtung zum Lesen und Stechen) zu den werthvollsten und denkwürdigsten unserer Zeit gehört, sondern durch sie eben und allein der schwierigste Theil dieser Manufactur nach Ure's Ideal des neueren Fabriksystemes vervollkommnet, der Kunststuhl zu einem automatischen, das Bildweben dem Factoreigebiete zugänglich gemacht wurde. Diese brittische Einseitigkeit, die von ausländischen Erfindungen ungern Notiz nimmt, gibt sich übrigens nicht hier allein kund. So spricht z. B. der Verfasser nirgends von Heilmann's sinnreicher Stikmaschine. Das Stiken beschäftigt so viele Hände, daß diese |190| Arbeit in einem Werke über Baumwollenmanufactur nicht fehlen darf; und hat obige Maschine Mangel, oder Analogie mit bereits vorhandenen englischen, so hätten wir Beides kennen zu lernen gewünscht.

S. 287–324. Von den powerlooms, oder der automatischen Weberei.

Der Verfasser beschreibt das von Sharp und Roberts angenommene Constructionssystem, das wir aus dem Bulletin von Müllhausen kennen, und nach dem auch André Köchlin daselbst construirt. Auch nach Baines scheinen die Webstühle jener berühmten Fabrik in England fortwährend vorgezogen zu werden. Bei uns sind in neuerer Zeit mehrere Abänderungen beliebter geworden. Der Verf. gibt darauf eine gedrängte Uebersicht der mannigfachen Bestrebungen, die seit 1821 patentirt wurden, um die mechanische Weberei zu vervollkommnen. Diese Review, obschon sie zunächst nur die Vortrefflichkeit der obigen Stühle einleuchtend zu machen beabsichtigt, und auch weil keine näheren Beschreibungen angeführt sind, nicht ganz befriedigt, ist jedenfalls interessant und zwekmäßig. Sehr lehrreich wäre es in der That, wenn von Zeit zu Zeit ein recht kundiger Beobachter der technischen Fortschritte in einer Revision der Patente mittheilte, was dieselben charakterisirt, und welche wirklich zu vortheilhaften Verbesserungen geführt haben; denn die Journale müssen ein Mal bona mixta malis mittheilen und die Verwerfung, Bestätigung oder Verbesserung vieler Vorschläge den Fabrikanten überlassen. Die meisten Patente hatten eine Verbesserung des Tuchzugs, einen regelmäßigeren Schlag der Lade, Mechanismen zum plözlichen Stillstellen, wenn auch Eintragfäden brechen, mechanisches Spannen (tempels), Einrichtungen für Zwilchgrund und mehrschüssige Zeuge u. dergl. zum Zwek. — Die Stühle von Roberts geben gewöhnlich 120 Schüsse per Minute, und die Kette bleibt dann ⅓ Secunde jedes Mal offen. Der Verf. sah jedoch welche, die nur 90–100, andere, die (zeitweise) bis 180 Schüsse machen. Von den feinsten Musselins werden jezt auf Kraftstühlen gewebt. Als bemerkenswerth werden zulezt die 1834 an Ramsbotton und Stone ertheilten Patente bezeichnet. (S. Polyt. Journal Bd. LVII. u. LX.) Der Verf. gibt dann noch von der Fabrication der Manchester (fustians) einige Nachrichten, und eine Beschreibung der Bürstmaschine, so wie von Sholefields 1834 patentirter Aufschneidmaschine — welche leztere wir schon und weit genauer aus dem Polyt. Journal Bd. LVIII. kennen. Der Zettel besteht gewöhnlich aus circa 1290 Fäden, und diese aus dublirtem und gezwirntem gutem Mulegarn Nr. 32. Der Eintrag aus einfachem Garn Nr. 24. Nach dem Schneiden wird die Waare zu wiederholten Malen gebürstet und gesengt, |191| und dieß durch Wegziehen über einen rothglühenden Cylinder von Eisen; dann noch gewaschen, gebleicht (mit Chlorkalk), gefärbt und gesteift.

Im 6ten Capitel, S. 336–396 ist die Tull- oder Bobbinnet fabrication behandelt. Nach einigen, doch bloß historischen Notizen über den Strumpfwirkerstuhl, aus dem der kunstvolle Tullstuhl hervorgegangen ist, werden die Principien, auf denen die mechanische Bildung des Spizengrundes beruht, erläutert. Einige Anekdoten von Hrn. Lee waren uns neu. Ein einziges Haus in Belper beschäftige 400 Stühle für seidene, und 2500 für baumwollene Strümpfe, und erzeuge jährlich an 100,000 Duzend Paar! Die elementare Erklärung des Tullwebens scheint uns fast wörtlich mit der in Prechtls Encyklopädie (Act. Bobbinnet) gegebenen übereinzukommen, und der Verf. bedient sich ganz derselben Figuren. Ob die darauf folgende Beschreibung von Morley's Maschine (nach den vielen seitdem erschienenen Aufsäzen) Unbekanntes enthalte, können wir nicht entscheiden. Jedenfalls möchten wenige Leser im Stande seyn, auch troz der beiden schönen Tafeln sich einen klaren Begriff von dieser complicirten Construction zu bilden. Darauf wird noch die Maschine beschrieben, mittelst welcher 100 oder 200 Spulen auf ein Mal gefüllt werden.

Nach den angehängten Bemerkungen eines Fabrikanten lassen sich alle die vielen, bis dahin ersonnenen Tullmaschinen auf 6 wesentlich abweichende zurükführen. (Heathcote's Patentmaschine, Brown's traverse warp, Morley's straight bolt, Clarke's pusher principle, Lever's Maschine und Morley's circular bolt.) Von allen ist das Circularsystem allein geeignet, um mittelst Dampfmaschinen Tull zu weben. Beispiellos ist die Preisverminderung dieses Stoffes. Ein Yard, der 1809 fünf Guineen galt, kostet jezt nur 1½ Schill. Fast eben so sehr fiel der Verdienst bei dieser Arbeit. Anfangs erwarb mancher Arbeiter täglich an 30 Schill., und jezt ist der Lohn höchst kümmerlich. — Was der Verf. über den so wichtig gewordenen Bobbinnethandel mittheilt, ist (wie in Baines) aus Felkin's Berichten entnommen. Die außerhalb England arbeitenden Maschinen sind auf 1850 berechnet.

Das 4te Buch, S. 397–450, enthält noch allerlei statistische und ökonomische Nachträge, die jedoch größten Theils bereits bekannt sind. Wir bemerken bloß, daß nach dem Verf. (und wie auch kaum zu bezweifeln ist) die dermalen im ganzen Königreiche vorhandene Zahl von Mule- und Drosselspindeln wenigstens zu 12 Millionen anzunehmen ist.

|182|

Man vergleiche namentlich die beiden bekannten Schriften von C. Bernoulli (1825 und 29) und den Artikel Baumwollenfabrication in Prechtl's Encyklopädie I. 1830.

|187|

Siehe Polyt. Journal Bd. XLVI. und XLVII.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: