Titel: Gentele, über Bleiweißfabrication.
Autor: Gentele, Johan G.
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XLI. (S. 196–219)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063041

XLI. Ueber die Bleiweißfabrication; von J. G. Gentele.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Das Bleiweiß ist eine Verbindung von Bleioxyd mit Kohlensäure. Wenn die Verkalkung des metallischen Bleies unter Umständen erfolgt, welche die Vereinigung des entstehenden Oxyds mit Kohlensäure begünstigen, so entsteht basisches kohlensaures Bleioxyd; diese Verbindung bildet sich also immer, wenn das Blei nach dem sogenannten holländischen Verfahren in Bleiweiß verwandelt wird; wird hingegen die Auflösung eines Bleisalzes mit Kohlensäure oder einem kohlensauren Salze zersezt, so ist der Niederschlag neutrales kohlensaures Bleioxyd.

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A. Fabrication des basischen Bleiweißes.

Die gewöhnliche und im Großen betriebene Fabrication dieses Products beruht darauf, daß man Bleiplatten unter Mitwirkung von Wärme und Feuchtigkeit der Oxydation und Einwirkung von Kohlensäure mittelst Essigdämpfen aussezt. Die Wärme, in welcher die Gefäße, worin das Blei den Essigdämpfen ausgesezt wird, längere Zeit erhalten werden müssen, kann man nun entweder durch eine Mistgährung entwikeln (holländisches Verfahren), oder man kann auch die Verkalkungsgefäße in Kammern aufstellen, welche durch Oefen auf die geeignete Temperatur geheizt werden.

I. Bereitung des Bleiweißes durch Verkalkung des Bleies in Pferdemist.

1) Ginsezen und Beschikung der sogenannten Loogen.

In ein gegen die Witterung geschüztes vierekiges Local von etwa 12 Fuß Länge, 8 Fuß Breite und 10 Fuß Höhe, dessen vordere Wand oder Eingang durch in Falzen laufende Bretter nach und nach theilweise geschlossen oder geöffnet werden kann, und dessen übrige Wandungen zwischen Balken geschobene oder angenagelte Dielen sind, wird eine ½′ hohe Lage von frischem Roßdünger mittelst hölzerner Stößel fest eingestampft und mit Brettern so gut als möglich zur ebenen Fläche ausgearbeitet. Nach Vollendung dieser Anlage wird ein aus vier einzelnen Brettern bestehender 1′ hoher Kasten darin so zusammengesezt, daß die Bretter desselben auf allen Seiten 1½′ von der Wand dieses Locals (welches ich nach der Fabriksprache nun immer Looge nenne) abstehen, also einen Zwischenraum von 1½′ lassen; dieser Zwischenraum wird ebenfalls mit Roßdünger aufgefüllt. Derselbe dient zur Aufnahme der sogenannten Calcinirtöpfe; diese werden gewöhnlich aus gemeinem zähem rothem Thon auf der Töpferscheibe gedreht, sind beiläufig 9 bayer. Zoll hoch, und oben 6–7″, unten aber nur 4–5″ weit und gut glasirt. In einer Höhe von 5″ vom Boden befinden sich in jedem solchen Topfe zwei einander gegenüber liegende, ½″ lange Zapfen, auf welche das in Rollen aufgewikelte und zur Verkalkung kommende Blei aufgelegt wird.

Diese Rollen werden aus langen Bleistreifen gemacht, welche man dadurch erhält, daß man auf guß- oder blecheiserne Rinnen mit ebener Fläche, die beiläufig 4″ weir sind, schmelzendes Blei gießt, welches, wenn die Rinne horizontal liegt, zur dünnen ebenen Platte ausläuft, die nach dem Erkalten abgenommen werden kann. Mit sechs solcher Rinnen ist man im Stande vermittelst zweier Arbeiter, von denen einer abwechselnd auf die leere Rinne gießät mährend |198| der andere die gegossene Platte entfernt, täglich 20 Cntr. Blei in Platten von 3′ Länge, 4″ Breite und der Dike eines viertel oder halben Kronenthalers zu gießen. Das Metall wird in einem eisernen Kessel geschmolzen und mit eisernen Löffeln ausgeschöpft; man beobachtet dabei einen gewissen Hizgrad, der deßwegen nicht zu hoch seyn darf, weil sich sonst auf der Oberfläche eine zu große Menge von Oxyd (sogenannter Kräze) erzeugt, und man also an Blei verlieren würde. Zu heiß gewordenes Blei, welches auch das schnelle Erkalten der Gußplatten beeinträchtigt, muß durch Einbringen von kaltem Blei (einem zweiten Bleiblok) in den Kessel erkaltet werden.

Die aus den so gegossenen Platten gefertigten Rollen müssen der Größe der Töpfe entsprechen und loker seyn, das heißt: die Flächen des neben einander liegenden Bleies sollen sich nicht, oder nur so wenig als möglich berühren, damit Raum zum Hindurchdringen der Essigdampfe bleibt. Diese Rollen müssen natürlich immer in Vorrath vorhanden seyn.

Man füllt nun die Calcinirtöpfe bis unter die hervorstehenden Zapfen oder Träger mit dem zur Verkalkung dienenden Essiggemenge, wovon gewöhnlich ¾ – 1 bayerische Maaß hiezu erforderlich ist; hierauf werden die Töpfe in dem für sie bestimmten Raum der Looge reihenweise eingesezt und jeder einzelne Topf mit einer Bleirolle, welche gewöhnlich 4–5 Pfd. wiegt, beschikt. Nachdem der ganze Raum innerhalb des Kastens mit den beschikten Töpfen ausgefüllt ist, bedekt man dieselben häufig, was jedoch wenig nuzt, mit thönernen Dekeln. Jedenfalls müssen sie aber nun noch mit Brettern gut zugedekt werden, indem man auf zwei über sie gelegte Bretter, welche mit ihren Enden auf dem Kasten aufliegen, ein drittes bringt, welches die zwischen beiden befindliche Fuge verschließt. Wenn auf diese Art eine Reihe Töpfe in die Looge gebracht ist (wozu zwei Arbeiter gewöhnlich acht Stunden brauchen), kommt auf die obere Bretterlage abermals eine der ersten entsprechende Schichte von Pferdemist, welche geebnet und fest getreten zur Aufnahme einer ueuen Reihe Töpfe zwischen einem mit Pferdemist umgebenen Kasten dient. Auf diese kommt eben so eine zweite und dritte Reihe u. s. w., bis der Raum der Looge angefüllt ist.

Bei der Beschikung sorgt man insbesondere dafür: daß

a) möglichst viele Töpfe neben einander in einem Raume zusammengesezt werden können, weil das Blei gleichstark verkalkt wird, es mag viel oder wenig davon in einem abgeschlossenen Raume zusammengedrängt seyn;

b) daß das eingesezte Blei nicht mit dem im unteren Theile der Töpfe enthaltenen Essig in unmittelbare Berührung kommt, weil |199| es sonst verunreinigt wird, auch der Essig bald gesättigt werden müßte und dann keine verkalkenden Dampfe mehr entwikeln könnte; ferner

c) daß dle Bretter, welche zur Bedekung dienen, recht fest aufeinanderliegen, also keine Fugen zum Durchlaufen etwa dem Pferdemiste anhängender Feuchtigkeit, oder zum Durchstauben desselben bleiben; ferner

d daß die durch die oberen Bleischichten auf die Töpfe herabgebogenen Bretter dieselben nicht zerbrechen können. Die Töpfe müssen daher gleiche Höhe haben, und man thut auch gut, wenn man in der Mitte des mit Töpfen auszufüllenden Raumes starke Dielen aufrichtet, welche einige Zoll über die Töpfe hinaufreichen und die auf sie herabgebogenen Bretter stüzen.

e) für guten Dünger. Die Schönheit des zu erzielenden Bleiweißes und die Wirksamkeit des Verkalkungsmittels hängen großen Theils von der Wahl des Pferdemistes ab. Frischer Pferdemist, welcher nicht mit Stroh gemengt ist, taugt nicht, indem er sich zu sehr erhizt und zu viel Schwefelwasserstoffgas bei seiner faulen Gährung entwikelt, wodurch die Oberfläche des Bleies geschwärzt wird. Derselbe muß etwas mehr Stroh enthalten als wirklichen Dünger, und vor der Anwendung fast tropfnaß gemacht werden, jedoch nicht so stark, daß wenn er zur Bedekung gebraucht wird, eine braune Flüssigkeit ablaufen und das unter ihm liegende Blei verunreinigen kann. Hat man keinen solchen strohigen Pferdemist, so wendet man am besten ein Gemenge von bereits gebrauchtem und frischem an; denn wenn derselbe sich zu stark erhizen könnte, würde die Verdampfung des in den Töpfen enthaltenen Essigs zu sehr beschleunigt und also die Berührungszeit der Dämpfe mit dem Bleie verkürzt werden, so daß sie zum Theil unzersezt entweichen müßten. Die geeignetste Temperatur zur Verkalkung des Bleies in Pferdemist ist die von + 30 bis 40° R., wenn sie von einer Gährung des Pferdemistes begleitet ist, bei welcher er die größte Menge Kohlensäure und möglichst wenig gelbfärbende Dampfe entwikelt. Wenn man die rechte Temperatur getroffen hat, fällt der Bleikalk blendendweiß aus und hängt loker an dem Metall, während er bei vorausgegangener starker Erhizung hart, grau, und an manchen Stellen ganz schwarzgrau wird.

Bei dieser Art der Verkalkung hat man natürlich die Operation nicht sehr in der Gewalt, und es kommt besonders darauf an, daß man schon beim Einsezen der Töpfe die geeigneten allerdings nur durch mehrere Versuche und Operationen zu erfahrenden Verhältnisse trifft. Um zu erfahren, wie weit die Erhizung gestiegen ist, stelle |200| ich eine Blechröhre senkrecht in die Mitte der Looge, in welcher ich an einem Bindfaden ein Thermometer in verschiedener Höhe aufhangen kann. Sollte sie zu stark geworden seyn, so kann man sie, obgleich nur theilweise, dadurch vermindern, daß man die äußere Umgebung der Kasten täglich einige Mal mittelst einer Gießkanne mit Wasser besprizt; damit jedoch die Erkältung hiedurch nicht zu rasch eintritt, darf man nie zu viel Wasser auf ein Mal nachgießen und diese Operation nur in Zwischenräumen von einem halben Tage wiederholen.

Um über die geeignetste Sorte von Pferdemist Gewißheit zu erlangen, thut man gut, wenn man bei jeder Verkalkungsoperation eine Tabelle anfertigt, aus welcher man zulezt die tägliche Temperatur, das vorgenommene Begießen, das Gewicht des eingesezten Bleies, so wie des daraus erhaltenen Bleikalks und des rükständigen Bleies ersieht. ES versteht sich, daß jedes Mal auch eine Probe des gewonnenen Bleikalks zur Vergleichung mit den später zu erzielenden Producten aufbewahrt werden muß.

2) Ueber den chemischen Proceß während der Verkalkung.

Wenn man einen gewöhnliches zum Theil mit Essig gefüllten Topf mit einer Bleiplatte bedekt, welche man noch mit Flanell u. dergl. überlegt (theils um den Zutritt der Luft, und dadurch die freie Verdünstung des Essigs zu verhindern, theils um die Wärme mehr zusammenzuhalten) und ihn dann in einer Wärme von beiläufig 35° R. ruhig stehen läßt, so wird sich, je nach der Länge der Zeit, die innere und zum Theil auch die äußere Flache der Platte mit einer diken Rinde von Bleiweiß überzogen haben. Das Blei oxydirt sich in diesem Falle auf Kosten des Essigs, welcher sowohl durch die Anziehung des Bleies zum Sauerstoff, als durch die disponirende Verwandtschaft des Bleioxyds zur Kohlensäure zerlegt wird, und sowohl den Sauerstoff zur Oxydation des Bleies als die Kohlensaure zu Erzeugung des Bleisalzes liefert, während wahrscheinlich der noch übrige Kohlenstoff und Wasserstoff in eine ätherartige Flüssigkeit übergeht, ähnlich derjenigen, welche erhalten wird, wenn man essigsaure Metallsalze durch trokene Destillation behandelt. Uebrigens hat die Erfahrung gezeigt, daß der Essig diese Bleiweißbildung beschleunige, wenn er nicht ganz rein ist, sondern ihm ein gährungsfähiger Stoff, als Wein- oder Bierlager etc. beigesezt wird. Der Zutritt der atmosphärischen Luft ist dabei nicht nur unnöthig, sondern selbst schädlich, indem dadurch ein unnöthiger Aufwand an Essig durch Verlust der |201| Dämpfe entsteht, und die Bleiplatten abtroknen, wodurch die Bleiweißerzeugung gehindert wird.22)

Der als Verkalkungsmittel dienende Essig ist in den Bleiweißfabriken gewöhnlich von solcher Stärke, daß eine Unze desselben 30 bis 32 Gran basisch kohlensaures Kali neutralisirt.

3) Ueber die Dauer der Verkalkung.

Binnen 6 bis 7 Tagen sucht man, um die Zeit der Einwirkung des Mistes auf die unteren und oberen Schichten in keine zu große Differenz zu bringen, mit dem Einsaze einer Looge fertig zu werden, was gut angeht, wenn jeden Tag eine Schichte Blei eingesezt wird, die immer 10 bis 12 Cntr. betragen kann. Schon den dritten und vierten Tag, also nach dem Einsaz der dritten und vierten Schichte, haben sich die unteren erhizt; es entstehen Dämpfe, wovon ein beträchtlicher Theil an der Oberfläche des Pferdemistes entweicht, und von nun an ist auch jedes Mal die während des Tags aufgelegte Schichte über Nacht in Gährung gerathen. Wenn der Pferdemist wenig Stroh enthielt und sehr schnell gährt, so wird sich binnen 5 bis 6 Tagen die Temperatur auf 60 bis 70° R. erhöhen, es sey denn daß man den Pferdemist begießt, wodurch die Erhizung zwar vermindert, aber nicht regelmäßig geleitet werden kann. Enthält hingegen der Pferdemist viel Stroh und geht langsam in Gährung über, so steigt auch die Temperatur langsamer und regelmäßiger und erreicht nur selten 55° R. Von dieser Temperatur kann man aber die Looge durch Begießen leicht herabstimmen. Die Gährung sezt sich hier natürlich auch länger fort, und es haben daher, wie schon bemerkt wurde, die Essigdämpfe zu ihrer Bildung und Einwirkung auf das Blei viel länger Zeit, was nur vortheilhaft seyn kann. Wenn man beiläufig acht Tage nach der Beschikung eine Reihe öffnet, so bemerkt man, daß die Verkalkung ziemlich vorgeschritten ist; der das Blei oder den Kasten umgebende Mist ist halbschimmlicht, feucht und raucht; die Essigtöpfe sind warm und die noch darin enthaltene Flüssigkeit, welche schwach sauer schmekt, ist theils klar geblieben, theils gelb geworden.

Nach abermaligem späterem Oeffnen findet man die Verkalkung wieder weiter vorgeschritten, aber innerhalb derselben Zeit nie mehr in so hohem Grade wie früher. War die Erhizung gehörig regulirt worden, so ist der gebildete Bleikalk selbst in der fünften Woche, wo man die Looge am vortheilhaftesten zur Entleerung öffnet, noch feucht, und daher in Rüksicht auf die Gesundheit der Arbeiter am |202| besten abzuklopfen. Bei größerer Erhizung wird derselbe compact und steinhart, wozu noch die Anwendung von reinem Essig mitzuhelfen scheint, da bei Anwendung der genannten Abgänge diese Härte bei weitem nicht so bedeutend wird.

4) Ausleeren der Töpfe und Ausbeute.

Nach Verlauf von 5 bis 6 Wochen ist es am vortheilhaftesten die Loogen zu entleeren, da die fernere Einwirkung des Essigs dann so unbedeutend ist, daß sie für den durch längeres Warten entstehenden Zeitverlust nicht entschädigt. Man nimmt daher mit der gehörigen Vorsicht, um eine Verstäubung und das Durchfallen einzelner Pferdemist-Stükchen in die Töpfe zu verhindern, zuerst von der obersten und nachdem die Töpfe beseitigt wurden, von der nächstfolgenden Schichte die Pferdemistdeke weg, reinigt aber die Bretter vor dem Abdeken mittelst eines Staubbesens so gut als möglich von dem aufliegenden Staube. In einigen Töpfen wird man noch Flüssigkeit finden, in anderen ist sie aber ganz eingetroknet; dieß muß man bei der Befreiung der Töpfe vom Blei jedes Mal genau ausmitteln, denn es erfordert Vorsicht, aus ersteren die Rollen so herauszubringen, daß von dem anhängenden lokeren Bleiweiß, welches oft mehr als das metallische Blei beträgt und in diesem Falle den Zusammenhang der Rolle aufhebt, nichts in die Flüssigkeit fällt, indem dieser Antheil verloren ginge oder nur zur Darstellung von Bleizuker oder einer ganz geringen Sorte Bleiweiß anwendbar wäre.

Bei Töpfen, worin die Flüssigkeit eingetroknet ist, schadet das Abfallen von Bleiweiß nicht, indem sich von der Masse der eingetrokneten Flüssigkeit nichts vom Topfe ablöst.

Alle aus der Looge herausgenommenen Rollen werden einzeln auf einem Marmortische oder auf einer zum Abklopfen vorgerichteten steinernen Platte auseinander gerollt, wobei der Bleikalk zum Theil von selbst abfällt, zum Theil aber mittelst eines hölzernen Hammers losgeschlagen werden muß. Bei dieser Arbeit, welche mit der größten Reinlichkeit vollbracht werden soll, verbinden die Arbeiter den Mund, um sich gegen das Einathmen des Bleistaubes zu schüzen, und suchen zugleich den Bleikalk zu sortiren, indem sie denjenigen absondern, welcher etwa durch vom Pferdemist gekommene Tropfen oder durch irgend einen Zufall unrein geworden ist. Die Reste von metallischem Blei werden beseitigt und gewogen, deßgleichen auch der gewonnene Bleikalk, wobei sich immer eine Gewichtszunahme ergibt, welche auf 100 Theile Metall 25 bis 27 Theile beträgt, je nach der Trokenheit, in der der abgeklopfte Bleikalk herausgekommen ist.

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Uebersicht einer Verkalkungs-Operation.

Textabbildung Bd. 063, S. 203

Beim Schmelzen des Bleies erhält man gewöhnlich 5 Proc. Abgang an Bleiasche, welche entweder reducirt oder zur Bleizukerfabrication verwendet wird.

Ueber die Verarbeitung des Bleikalks zu verkäuflichem Bleiweiße wird weiter unten das Nähere mitgetheilt.

5) Ueber das Veralten der Calcinirtöpfe und eine in manchen Fabriken übliche Abhülfe dagegen. Erprobte Verbesserung in der Verkalkung des Bleies durch Anwendung zwekmäßigerer

Töpfe und eine andere Anschichtung des Pferdemistes.

Alle Bleiweißfabrikanten, welche das Blei in Pferdemist verkalken, wissen, daß neue Töpfe, wahrscheinlich weil sie den Essig nicht hindurch lassen, das Blei vollständiger verkalken, als öfters gebrauchte, von denen die Glasur abgelöst ist und deren Poren geöffnet sind. Man muß deßhalb die alten Töpfe beseitigen und von Zeit zu Zeit immer wieder neue anschaffen. Manche Fabrikanten übergeben deßhalb auch ihre Töpfe nach jedesmaligem Gebrauche wieder dem Töpfer zum Glasiren; allein abgesehen von den Glasurkosten, welche freilich nicht sehr bedeutend sind, verursacht eine solche Manipulation zu viele Mühe und es gehen dabei auch immer viele Töpfe zu Grund. Andere lassen hingegen nach dem ersten Gebrauche der Töpfe dieselben reinigen und verpichen; es wird nämlich in den unteren Theil jedes einzelnen Topfes ein Löffel voll Pech aus einem |204| gußeisernen Kessel, worin dasselbe geschmolzen wird, geschöpft und der Topf so gedreht, daß dessen unter den Zapfen liegende Seitenwände mit Pech überzogen werden, worauf der Ueberschuß des Peches in den Kessel zurükgegossen wird. Bei einiger Uebung bringen es die Arbeiter leicht dahin, daß sie mit einem Centner Pech einige tausend Töpfe zu verpichen im Stande sind; dieses muß dann natürlich mit solcher Geschwindigkeit geschehen, daß nicht viel Pech an den Wandungen der Töpfe erstarren kann. Bei dieser übrigens sehr empfehlenswerthen Methode ist nur der Uebelstand, daß man sich hüten muß das Entleeren der Looge vorzunehmen, ehe die Töpfe hinreichend erkaltet und ausgetroknet sind, weil sonst das Pech noch weich ist und folglich herabfallende Bleikalkstükchen daran kleben bleiben.

Daß man seit der Einführung der holländischen Verkalkungsweise in Nord- und Mitteldeutschland in der Form und Größe der Töpfe noch keine Abänderung gemacht hat, scheint von der Versuchsscheue der Fabrikanten herzurühren, welche meistens auf dem ein Mal angefangenen Wege fortarbeiten, so lange es in merkantilischer Hinsicht angeht. Man kann aber nicht nur die Töpfe nicht unbedeutend vergrößern, sondern es lassen sich auch die Schichten derselben auf eine Art anordnen, wobei die Temperatur viel leichter als bei der vorher beschriebenen Methode gehandhabt werden kann. Durch die Anwendung größerer Töpfe erspart man an Raum und Arbeit; auch wird das Bleiweiß aus einem erklärbaren Grund nicht so leicht schwarz und bei der nun zu beschreibenden Anordnung der Töpfe und Mistschichten kann man, ohne das Tropfen von gefärbter Brühe in die Töpfe befürchten zu müssen, die Pferdmistschichten beliebig naß halten, also sehr leicht die geeignete Temperatur zur Verkalkung hervorbringen.

Ich habe durch Versuche mit verschieden geformten Gefäßen gefunden, daß sich die Verkalkung am vortheilhaftesten in Töpfen von 1 Fuß Höhe betreiben läßt, welche oben 10 Zoll und am Boden 8 Zoll weit sind, übrigens wie gewöhnlich mit Zapfen als Trägern für das Blei versehen und glasirt oder ausgepicht sind. Ein solcher Topf faßt dann von breiteren Platten, welche auf die beschriebene Art (nur in breitere Formen) gegossen werden, 18 bis 20 Pfund und 5 bis 6 Maaß Verkalkungsmittel, und da bei ihnen den Dämpfen mehr Raum gestattet ist, diese auch wegen der größeren Höhe der Töpfe nicht so leicht entweichen können, so erklärt sich dadurch leicht die im Verhältniß zum Verkalkungsmittel erfolgende stärkere Einwirkung derselben.

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Die abweichende Anschichtung des Pferdemistes, welche bei der Verkalkung in diesen Töpfen nöthig (aber auch bei kleineren Töpfen anwendbar) ist, erheischt eine Abtheilung der Looge in einzelne Parzellen. Es wird nämlich der oben beschriebene Raum, die Looge, mit einzelnen senkrecht stehenden, einander gegenüber liegenden Balken, welche zum Einschieben von Brettern mit Rinnen versehen sind, so in Parzellen getheilt, daß er z. B. wie in Fig. 1, welche den Grundriß darstellt, nach dem Einschieben der Bretter in drei Kästen a, b, c zerfällt, welche von dem übrigen Raume d, d, d, d durch die Bretter abgeschlossen sind und zur Aufnahme der Töpfe dienen, welche dann der in den Raum d, d, d, d zu liegen kommende Pferdemist umschließt. Diese Kästen haben nun natürlich auch die Höhe der ganzen Looge, und sind, um bequem darin arbeiten zu können, beliebig zerlegbar. Die zum Einschieben dienlichen Bretter (wovon die einer jeden langen oder kurzen Seite des Kastens auch für die Rinnen anderer Kästen passen müssen, damit man bei der Arbeit mit Aussuchen keine Zeit verliert) sind an dem Rande ihrer langen Seite sämmtlich schief abgehobelt, um sie so zwischen den Rinnen übereinanderschieben zu können, daß (wie in Fig. 2, wo a, a der Kasten für die Töpfe ist) die vom Pferdemist im äußeren Raum abtropfende Flüssigkeit wegen der nach Außen abhängigen Fläche nicht zwischen den Brettfugen in den Raum der Töpfe gelangen kann. Man kann so den Mist, ohne eine Verunreinigung der Töpfe befürchten zu müssen, beliebig begießen.

Die Arbeit bei der Beschikung dieser Kästen leuchtet sogleich ein, wenn man sich die Looge versinnlicht, und sich mehrere Kästen zur Aufnahme des Bleies mit dazwischen und daneben anliegendem Pferdemiste denkt; sie unterscheiden sich eigentlich von den gewöhnlichen nur dadurch, daß dort die Schichten horizontal übereinander, hier aber senkrecht nebeneinander liegen. Jede Reihe der Töpfe wird von der anderen 1) durch eine Deke von Bleiplatten, welche die Verkalkung ebenfalls ergreift, und 2) durch ein auf die Bleiplatten gelegtes Brett getrennt, auf welches dann die nachfolgende Reihe der Töpfe zu stehen kommt. Die oberste Reihe der Töpfe wird so verschlossen, daß der zulezt zur Bedekung über die ganze Looge ausgebreitete Pferdemist nichts verunreinigt und wieder sauber wegzubringen ist.

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II. Verfahrungsarten zur Bereitung des Bleikalks in Kästen, welche sich in geheizten Kammern befinden.

Erstes Verfahren.

Man richtet in einer durch passende Mauern gegen den Temperaturwechsel verwahrten Kammer23) welche wenigstens 25 Fuß lang und 16 Fuß breit ist, der Länge und Breite derselben entsprechende hölzerne Kästen von 1½ Fuß Höhe so übereinander auf, daß ein für die Arbeiten hinreichender Raum zwischen denselben bleibt. Diese Kästen werden von gutem Holz angefertigt, mit Leinöhlfirniß getränkt und ihre Fugen mit schwarzem Pech ausgepicht, was auch jedes Mal geschieht, wenn sie nach dem Gebrauche an irgend einer Stelle lek geworden sind; an einer ihrer Seitenwände ist eine Oeffnung zum Entleeren und Auspuzen derselben angebracht. Durch diese Kästen gehen zum Aufhängen der Bleiplatten starke Latten, welche an den entgegengesezten Seitenwänden an Leisten in der Mitte aber auf einem queerübergehenden Bohlen aufliegen. Die einzelnen Bleiplatten, welche 1 Fuß lang und 8 Zoll breit in der Dike eines halben Kronenthalers gegossen werben, müssen 3 Zoll von einander entfernt bleiben; das Ende derselben befindet sich dann 3 bis 4 Zoll über der als Verkalkungsmittel dienenden Flüssigkeit. Fig. 3 zeigt eine solche aufgehängte Platte. Wenn das Verkalkungsmittel (½ Fuß hoch) in die kästen gefüllt worden ist und die Bleiplatten darin aufgehängt sind, wird ein aus mehreren Stüken bestehender Dekel darauf gelegt, dessen einzelne Theile man zusammendrükt, worauf man ihn mit Holzstüken anspreißt, deren oberes Ende an den Boden des oberen Kastens, das untere aber an den Dekel drükt. Ein Kasten von 20 Fuß Länge und 14 Fuß Breite faßt 1150 bis 1400 solcher Platten im Gesammtgewichte von 33 bis 40 Cntr., so daß bei einem Zimmer oder einer Looge von 8 solcher Kästen, welche dann aus zwei Stokwerken besteht, 250 bis 300 Cntr. Blei gleichzeitig der Verkalkung unterworfen werden können. Als Verkalkungsmittel dient dasselbe Gemisch, welches ich in der Tabelle angegeben habe.

Um diese Looge auf die nöthige Temperatur zu erwärmen, ist jede Heizungsvorrichtung anwendbar, den Vorzug verdienen aber entweder steinerne auf der Erde unter dem unteren Kasten herumgeführte |207| und von Außen heizbare Canäle, die sich in blecherne Röhren endigen, oder Kanonenöfen mit an den Wänden der Looge herumgeführten Blechröhren, welche aber ebenfalls von Außen geheizt werden müssen.24) Nach der Beschikung der Looge muß man alle Wandungen, derselben so wie die Thüre aufs sorgfältigste verschließen; auch muß an einem bequemen Orte im Inneren des Zimmers ein Thermometer, welches von Außen durch ein verdekbares Fenster sichtbar ist, aufgehängt werden, damit man nach Abschieben seiner Verdekung die im Inneren herrschende Temperatur ablesen kann. Vor der Heizung bleibt die Looge 3 bis 4 Tage stehen, während welcher Zeit in dem Kasten die Stoffe eine Gährung erleiden, in deren Folge sich das Verkalkungsmittel erwärmt. Man beginnt dann die Heizung und leitet sie so, daß die Wärme nach Verlauf von sieben Tagen noch nicht über 20° Réaumur beträgt. In der zweiten Woche wird sie etwas höher getrieben, das Zimmer jedoch ebenfalls nur nach und nach auf 30° R. gebracht und in der dritten auf 35 bis 36° R. gesteigert; in der vierten und fünften, allenfalls auch sechsten aber auf 40° R. gehalten, worauf man die Heizung einzustellen pflegt, da die fernere Einwirkung des Verkalkungsmittels nach diefer Zeit nur noch sehr unbedeutend ist.

Man findet nun bei Eröffnung der Looge und der Kästen, welche ihrer Entleerung behufs der Lüftung des Locals einige Tage vorausgeht, die Bleiplatten meist gut verkalkt, die in den Kasten gefüllte Flüssigkeit aber mit einem grauen Schimmel bedekt und widerlich riechend. Die Platten werden nun an den Aufhänghölzchen in Wannen herausgezogen, worauf man den Bleikalk abklopft, das Blei aber zum weiteren Gebrauche der unten angegebenen Behandlung unterwirft.

In einigen Fabriken bedient man sich auch kleiner 3 Fuß langer, 18 Zoll breiter und 15 Zoll hoher Kästen, welche ausgepicht, ohne eiserne Nägel zusammengefügt und an den beiden langen Seiten mit Leisten, an welche die Bleiplatten gehängt werden, versehen sind. Dieselben werden eben so beschikt, in einem heizbaren Zimmer übereinander gestellt (so daß die obere Kiste auf dem Dekel der unteren ruht und ihn festdrükt) und auch derselben Temperatur ausgesezt. Die Verkalkung ist in solchen kleinen Kisten eben so gut ausführbar, wie in großen Kästen, allein die Anlagskosten sind bedeutender, die Reparaturen häufiger und da von diesen übereinanderstehenden Kisten die oberen ost lek werden, so verunreinigt die Flüssigkeit, |208| welche von ihnen in die unteren eindringt, das Blei. Bei den großen Kästen kann man aber im Falle des Tropfens eine Rinne unterlegen.

Zweites Verfahren.

Ein anderes schnell zum Ziele führendes, aber sehr umständliches Verfahren ist folgendes: man bringt entweder verschleimte (unbrauchbare) oder gute mit Essig gesäuerte Buchenholzspäne in geeignete Gefäße (Fässer) und umgibt darin mit ihnen in Körben befindliches loker aufgerolltes Blei. Wenn diese Gefäße einer Temperatur von 30° R. ausgesezt werden, geht die Oxydation des Bleies äußerst rasch mit Erzeugung einer vorzüglichen Sorte Bleikalk vor sich.

Drittes Verfahren.

Bei dieser in den Fabriken in Klagenfurt, Villach und der Umgegend üblichen Methode verwendet man als Verkalkungsmittel außer dem Essig auch noch eine der geistigen Gährung fähige Substanz, gewöhnlich getroknete Weinbeeren.

Die Vorrichtung, worin man in Klagenfurt das Blei der Einwirkung des Verkalkungsmittels aussezt, besteht aus einem 3 Fuß hohen und 10 bis 15 Fuß langen hölzernen Kasten; derselbe wird aus 2 Zoll starken Dielen angefertigt und in ein Geriegel eingeschlossen. In einem Locale von beiläufig 40 Fuß Länge kann man immer 2 bis 3 solcher Kästen der Länge nach nebeneinander aufstellen. Diese Kästen sind, wie der Durchschnitt des Zimmers und der Verkalkungsvorrichtung in Fig. 4 zeigt, in dem gewölbten Locale (dessen Seitenwände a, a, a, a bezeichnen), auf einem querüberlaufenden Balkenlager b, b, b, b aufgestellt, so daß ihr Boden das Balkenlager bedekt, während es an anderen Stellen (bei b, c b, c) durch aufgenagelte Bretter gedekt ist. In dem unteren Raum des Locals (der Kammer) ist die Feuerung angebracht, im oberen aber ist der Zutritt durch eine über dem Balkenlager von Außen eingehende Thüre offen. Die Verkalkungskästen haben nun noch folgende Einrichtung: sie stoßen an den einander gegenüberstehenden Seitenwänden so genau als möglich zusammen, damit man daraus einen einzigen Kasten bilden kann; wo Fugen entstehen, werden sie durch Latten und Verkittung gut verdichtet. Auf ihnen liegen, etwas in die Dielen eingeschnitten, Durchzüge von starken Bohlen; man sehe Fig. 5, wo a, a, a, a die Wände der Kästen; b, b, b, b die dieselben einschließenden Geriegel; c, c, c, c die Bohlen bezeichnen, welche als Träger für die Bretter dienen, womit jeder Kasten zum Theil bedekt wird. Diese Bedekung ist, wie der Grundriß Fig. 5 zeigt, ausgeführt; an einzelnen Orten sind Oeffnungen, welche theils dazu dienen, die im unteren Raum entwikelten |209| Gase auf die Fläche der Bretter heraufgelangen zu lassen, theils auch zum Einfüllen und zum Aufrühren der Flüssigkeit, zu welchem lezteren Behufe mit Stielen versehene Krüken gebraucht werden, deren mit d bezeichnetes aus dem Kasten hervorragendes Ende die Handhabe ist.

Zum Einhängen der Bleiplatten sind (man vergleiche Fig. 4, den Aufriß im Durchschnitt) auf die Bretter Posten von Bohlen aufgerichtet, die unten von den queerüberliegenden getragen, oben aber durch ihre Einzapfung in die Mauer und die Verbindung der Postenreihen untereinander festgehalten werden. An ihnen sind die Latten, welche zum Aufhängen des Bleies dienen, angebracht, und zwar sind sie in Einschnitten der Bohlen durch hölzerne Nägel befestigt. Sie nehmen dann natürlich nur diejenigen Räume ein, wo das Blei bloß auf die Bretter, nicht in die Flüssigkeit herabfallen würde; deßwegen sind auch überdieß die Bretter an den Oeffnungen mit Leisten versehen, welche einige Zoll emporstehen, und so das Hineinrollen von abfallenden Stükchen verhindern. Das ungefähr 5 Fuß hohe Gerüste zum Aufhängen des Bleies ist so wie die ganze Oberfläche des Kastens mit einem Verschlage aus starken Brettern umgeben, welche (bei e, e Fig. 4) unten an den Kasten, oben aber an das Gewölbe des Locals befestigt sind. Dieser Verschlag hat mehrere mit Schiebern genau verschließbare Oeffnungen, welche theils zum Eingang in die Kammer dienen, theils den Rührkrüken gegenüber angebracht sind, um dieselben bewegen zu können. Alle an dem Verschlage beim Aneinanderstoßen der Bretter etc. allenfalls entstehenden Fugen werden zur Verhinderung eines Entweichens der Dünste mit Leinwandstreifen und einem aus Leim und Kreide gefertigten Kitt verklebt, zulezt auch noch mit Firniß überstrichen, damit der Leim nicht erweichen kann.

In anderen Fabriken jener Gegend bedient man sich zum Aufrühren der gährenden Flüssigkeit zwar ebenfalls solcher Krüken, die Handhaben derselben gehen aber durch die Seitenwand des Flüssigkeitsbehälters heraus, und überdieß ist die Einrichtung getroffen, daß man einen Theil der Oberfläche der gährenden Flüssigkeit (zur Absorption von Sauerstoff) in Berührung mit der Luft kommen läßt, was dadurch erzielt wird, daß man die eine Seite des Bretterverschlags (Fig. 6) in den Kasten zurüksezt, so zwar, daß der Raum im Inneren des Kastens von dem äußeren getrennt ist, aber die Flüssigkeit (deren Niveau a, a bezeichnet) unterhalb demselben eine Masse ausmacht.

An jedem Kasten werden auch einige Zapfen zum Ablassen der Flüssigkeit angebracht.

Zum Heizen dieser Kammern dienen ebenfalls steinerne, auf ihrer |210| Sohle angebrachte und von Außen heizbare Canäle, welche in das zweite Stokwerk senkrecht emporsteigen und sich dann in Blechröhren endigen, die den Rauch in ein Kamin führen.

Die Verkalkung wird in einer solchen Looge folgender Maßen betrieben. Die über dem Flüssigkeitsbehälter durch den Verschlag eingeschlossenen Lattengerüste werden mit Bleiplatten von 2 Fuß Höhe und beiläufig 1 Fuß Breite, welche in der Dike eines halben Kronenthalers gegossen sind, behangen, jedoch so, daß zwischen ihnen ein gehöriger Raum zum Durchdringen der Dämpfe bleibt. In den Flüssigkeitsbehälter (die eingeschlossenen Kästen) kommt als Verkalkungsmittel ein zur dünnen Consistenz gebrachtes Gemisch von Weinbeeren und Wasser, welches überdieß mit bereits gegohrener Brühe versezt ist; die Heizung wird so geleitet, daß im oberen Theile der Looge die Temperatur stets 35° R. beträgt; das Verkalkungsgemisch geht dann in geistige und saure Gährung über und entbindet Essigedämpfe und kohlensaures Gas zu gleicher Zeit; um lezteres in noch größerem Maaße zu erzeugen, wird die Flüssigkeit von Zeit zu Zeit auch noch mit ungegohrenem Gute versezt. Während der Gährung muß die Flüssigkeit mit den Rührscheiten öfters bewegt werden. In einigen Fabriken pflegt man das Verkalkungsmittel, nachdem es vollständig in saure Gährung übergegangen ist, abzulassen, um es zur Bleizukerfabrication zu verwenden; wo dieses nicht der Fall ist, kann man überdieß auch die gewöhnlichen Bier- und Branntweinmaischen dazu verwenden. Es versteht sich von selbst, daß die Weinbeeren auch durch Trauben und überhaupt alle Früchte, welche zukerhaltige Säfte liefern, ersezt werden können.

Das Blei kann nach 8 bis 10 Wochen herausgenommen werden, in welcher Zeit es gewöhnlich die Hälfte seines Gewichts Bleikalk liefert; die nach dem Abklopfen desselben zurükbleibenden kleineren Bleistüke, welche sich nicht mehr aufrollen und aufhängen lassen, müssen umgeschmolzen werden, wobei sich eine nicht unbedeutende Menge Bleiasche abscheidet, welche entweder an die Töpfer zur Glasur abgesezt oder auf Bleizuker verarbeitet oder auch zu Metall reducirt werden kann. Am vortheilhaftesten ist es immer, wenn man diese und alle übrigen Abfälle bei der Bleiweißfabrication auf Bleizuler zu verarbeiten Gelegenheit hat.

III. Ueber die Reinigung des nach den angegebenen Methoden gewonnenen Bleikalks und die Verfahrungsarten, wodurch das Bleiweiß harr gemacht wird.

Die Art der Verkalkungsweise hat auf die Schönheit des producirten Bleikalks einen bedeutenden Einfluß. Da der Pferdemist |211| bei seiner Fäulniß etwas Schwefelwasserstoffgas entbindet, so wird bei dem sogenannten holländischen Verfahren der Bleikalk auch nicht selten von gebildetem Schwefelblei geschwärzt, was nicht so leicht bei der Verkalkung des Bleies in Kisten und nie bei der in Klagenfurt etc. üblichen Fabricationsart der Fall ist; durch leztere erhält man überhaupt das reinste und schönste Bleiweiß, welches noch immer unter dem Namen Cremserweiß im Handel als erste Sorte seinen Ruf behauptet. Der Bleikalk mag übrigens nach was immer für einer Methode gewonnen worden seyn, so enthält er stets etwas essigsaures Blei (Bleizuker); bei der Klagenfurter Fabricationsweise kann sein Bleizukergehalt sogar bis auf 10 Proc. steigen. Um das gewonnene basisch kohlensaure Blei von dem darin enthaltenen Bleizuker zu befreien, hauptsächlich aber, um einen gelblichen oder bräunlichen Farbstoff zu beseitigen, welcher seine Weiße mehr oder minder beeinträchtigt, ist es daher nöthig dasselbe auszuwaschen.

Zu diesem Behufe wird der abgeklopfte Bleikalk unter Rollsteinen zerdrükt und in einem Kasten durchgesiebt, theils um ihn im Wasser feiner zertheilen zu können, hauptsächlich aber um das zufällig in ganz kleinen Stüken unter den Bleikalk gekommene metallische Blei, welches beim Mahlen dem Bleiweiß eine graue Farbe ertheilen würde, wegzuschaffen. Hierauf wird das Pulver in großen hölzernen Kästen oder anderen Behältern in Wasser eingerührt und das nach 24 Stunden abgezogene gefärbte Wasser so oft wieder ersezt und abgezogen, als es sich noch einiger Maßen färbt. In dem Waschwasser ist nun offenbar das aus dem Bleikalk ausgezogene essigsaure Blei, wenn derselbe (wie nach dem holländischen Verfahren bereiteter) nur wenig davon enthielt, in so verdünntem Zustande, daß es sich kaum der Mühe lohnt dasselbe durch Fällung mit chromsaurem Kali etc. zu verwerthen; mit dem nach der Klagenfurter Methode gewonnenen Bleikalk hingegen, dessen Bleizukergehalt beträchtlich ist, läßt sich eine concentrirtere, zum Eindampfen und Krystallisiren geeignete Bleizukerlösung gewinnen, indem man die schwachen Waschwasser wiederholt zum Aussüßen frischen Bleikalks benuzt.

Das zum Aussäßen des Bleikalks dienliche Wasser soll möglichst wenig kohlensauren Kalk enthalten, weil der bräunliche Farbstoff mit dieser Basis eine unauflösliche Verbindung eingeht, auch frei von Eisen und Schwefelwasserstoff seyn. Kohlensaurer Kalk macht überdieß, wenn er rein ausgewaschenem Bleiweiß zugesezt wird, durch seine Reaction auf das Leinöhl den Bleiweißfirniß nach und nach gelblich.

Das ausgewaschene Bleiweiß wird nun auf den sogenannten nassen Mühlen so oft unter einem fester aufliegenden Läufer durchgemahlen, bis es einen diklichen feinen Brei vorstellt, an dem durchaus |212| keine körnigen Theile mehr wahrzunehmen sind. Derselbe ist dann nochmals mit reinem Wasser auszusüßen.

Manche Fabriken pflegen diesen gemahlenen Bleikalk nun sogleich mit einem Bindungsmittel zu versezen und dann in den Formen zu troknen; allein der Bleikalk enthält so wie er von der Mühle kommt, eine Menge Luftblasen, welche das Bleiweiß loker und löcherig machen, indem sie besonders nach dem Zusaze des Bindungsmittels nicht mehr heraustreten können. Um sie zu beseitigen, muß man den gemahlenen Brei in einer Menge Wasser zertheilen, das Bleiweiß sich absezen lassen und ihm dann erst das geeignete Bindungsmittel einverleiben.

Um das Bleiweiß fest und hart zu machen, benuzt man als Verdikungsmittel:

a) eine dünne Lösung vom besten arabischen Gummi.

b) eine Lösung von neutralem Bleizuker in Wasser, die man im Verhältniß von 6 bis 8 Proc. dem Bleiweiß zusezt; sie ertheilt ihm jedoch nur eine mäßige Härte.

c) Stärkegummi, welches man erhält, wenn man 10 Pfd. Stärke in 200 Pfd. Wasser zu Kleister kocht, denselben mit 2 Loth concentrirter Schwefelsäure, die vorher mit Wasser verdünnt wurden, in einem Ständchen vermischt und dann durch eingeleiteten Dampf 1 bis 2 Stunden lang im Kochen erhält, worauf man die Säure neutralisirt und die Flüssigkeit vom Saze abfiltrirt.

Diese Flüssigkeiten werden unter den Bleiweißbrei gerührt, ehe man denselben in die üblichen runden oder vierekigen Formen füllt, und zwar in einem um so größeren Maaße, je mehr Härte man erzielen will. Unausgewaschener Bleikalk wird wegen seines Bleizukergehalts nach dem Mahlen und Troknen von selbst hart.

Die lufttrokenen Brode muß man in einem auf beiläufig 20° R. geheizten Local noch vollends austroknen, damit sie möglichst weiß und glänzend werden.

IV. Bereitung geringerer Sorten von Bleiweiß, durch Vermengung desselben mit weißen Stoffen.

Zum Versezen des Bleiweißes, um billigere Sorten für schlechteren Anstrich herzustellen, benuzt man hauptsächlich Schwerspath (schwefelsauren Baryt), Kalkspath (kohlensauren Kalk), Kreide und weiße Thonarten. Von diesen Körpern muß man immer die weißesten Sorten wählen, alle eisenhaltigen Stüke aus ihnen entfernen, sie vor dem Vermengen mit dem Bleiweiße höchst fein mahlen, dann mit dem Bleikalk selbst einige Mal durch die Mühle gehen lassen und endlich den Brei zur Austreibung der Luftblasen erst wieder in |213| Wasser zertheilen. Uebrigens wird so verseztes Bleiweiß gerade so wie reines hart gemacht.

Schwerspath allein sollte man nur dann anwenden, wenn das Bleiweiß nicht über 50 Proc. Zusaz erhält. Versezt man es in größerem Verhältniß damit, so ertheilt er ihm zu viel Rauheit; beim Anstrich verhält sich die Masse dann pelzig und faserig und legt sich also nicht gut an das Holz.

Dagegen ertheilt gut sortirter und ausgewaschener Thon der Masse mehr Geschmeidigkeit und Zähigkeit.

Nicht selten kommen auch sogenannte geringe Bleiweißsorten vor, welche bloß aus einem Gemenge von Schwerspath mit Thon und Kreide bestehen und deren man sich zum Voranstrich oder zur Grundisrung bedient.

Kalkspath könnte zwar als ein sehr weißer Körper recht gut zum Versezen des Bleiweißes angewendet werden, allein es ist entschieden, daß er ihm die Eigenschaft ertheilt, nach dem Abreiben mit Oehl gelb zu werden; in Leim hingegen hält solches Bleiweiß gut Stand, und wenn daher eine geringe Bleiweißsorte bloß zu Wasserfarben verwendet werden soll, kann man den Bleikalk wohl mit Kalkspath versezen.

Wegen der Eigenschaft des kohlensauren Kalks, das mit Oehl abgeriebene Bleiweiß gelb zu machen, ist man auch in solchen Fabriken, wo man sich nur kalkspathhaltigen Schwerspath verschaffen kann, genöthigt, denselben mit Schwefelsäure zu behandeln und zur Entfernung des gebildeten schwefelsauren Kalks öfters auszuwaschen. Salzsäure, worin sich der Kalkspath unter Aufbrausen leicht und vollständig auflöst, wäre zur Reinigung des Schwerspaths offenbar vorzuziehen; diese Säure gibt auch den Bleiweißfabrikanten ein gutes Mittel an die Hand, ihren Schwerspath auf seine Reinheit zu untersuchen.25)

B. Fabrication des neutralen Bleiweißes.

Neutrales kohlensaures Bleioxyd wird durch die Fällung irgend eines auflöslichen Bleisalzes, z. B. einer Auflösung von Bleizuker oder von salpetersaurem Bleioxyd, durch Potasche oder ein anderes kohlensaures Alkali erhalten. Diese Methode ist jedoch für die Ausübung im Großen zu kostspielig; diejenige, deren man sich in neuerer Zeit, besonders in Frankreich, zur Darstellung des neutralen Bleiweißes in den Fabriken bedient hat, beruht auf der Fällung des kohlensauren |214| Bleioxyds aus einer Auflösung des basischen essigsauren Bleioxyds (Bleiessigs) mittelst der Kohlensäure. Das basische essigsaure Bleioxyd hat nämlich die Eigenschaft, daß aus seiner Auflösung derjenige Antheil des Bleioxyds, den es mehr enthält, als das neutrale essigsaure Bleioxyd, durch Kohlensäure ausgefällt wird. Eine Auflösung von 100 Theilen neutralen essigsauren Bleioxyds (aus 31,6 Essigsäure und 68,4 Bleioxyd) nimmt noch 137 Theile Bleioxyd auf; wird nun diese basische Salzauflösung mit Kohlensäure in Berührung gebracht, so werden jene 137 Theile Oxyd in Verbindung mit 27,1 Theilen Kohlensäure ausgeschieden, und es bleibt die neutrale essigsaure Bleioxydauflösung wieder zurük.

Wenn man die im Handel vorkommende Bleiglätte zur Bereitung des Bleiessigs anwenden will, so muß sie zuerst gelinde ausgeglüht werden, weil das neutrale essigsaure Bleioxyd das kohlensaure Bleioxyd nicht auflöst. Nach folgendem Verfahren kann man sich selbst in Zeit von 12 Stunden 8–10 Cntr. Bleiglätte (sey es für diesen Zwek oder zur Bleizukerfabrication) bereiten: Man bringt in einem gewöhnlichen Reverberir- oder Flammofen, dessen Heerd aus einer eisernen Platte oder festgemauerten flachen Schale besteht und der mit niedrigem Gewölbe, starkem Feuerraum und Sattel, ferner mit einem gut zu regulirenden Kamine versehen ist, wenn er die Rothglühhize erreicht hat, einen Blok von einigen Centnern metallischen Bleies, welches bald in Fluß kommt und sich oxydirt, was man durch Umrühren (wobei übrigens der Zug des Feuers der Verstäubung wegen gut geleitet werden muß) zu befördern sucht. Nach kurzer Zeit ist alles Blei in Bleiasche verwandelt, die man nun durch weitere Erhizung beim Zutritt von Luft durch die Eintragthüre des Reverberirofens in den Zustand von Glätte überzuführen sucht. Nach vorausgegangener längerer Erhizung wird dann ein zweiter Bleiblok eingetragen und zwar unter das Bleioxyd vergraben, die Erhizung hierauf weiter fortgesezt und endlich aufgerührt, wobei man meistens den Bleiblok schon zum größten Theil oxydirt findet, was fast augenbliklich vollends der Fall ist, wenn man das noch vorhandene schmelzende Blei mit dem Bleioxyd hin und her bewegt. Nach wieder erfolgter Oxydation wird ungefähr so viel Bleiglätte ausgezogen, als von einem Bloke producirt wurde, der Rest aber weiter erhizt, um später wieder einen Blok darin zu vergraben, und auf diese Art die Operation der Verkalkung oder Oxydation immer fortgesezt.

Um die Gesundheit der Arbeiter zu schonen, kann die Oeffnung zum Ausziehen oder Ausschieben der Glätte aus dem Ofen der Eintragöffnung entgegengesezt, in ein anderes Local gehen, so daß in |215| dem Local, worin sich der Ofen befindet, keine Verstäubung Statt findet. Die ausgezogene Glätte wird naß gemahlen, getroknet, und dann zu feinem Staube gesiebt. Man erhält von 100 Pfd. Blei ungefähr 102 Pfd. Bleiglätte.

Zur Bereitung des basischen essigsauren Bleioxyds eignen sich die gewöhnlichen kupfernen Kessel mit ihrer Feuerungseinrichtung nicht, sondern dieselben müssen mit ebenem Boden versehen seyn, und es dürfen nur ihre Seitenwände vom Feuer bestrichen werden, damit sich die auf dem Boden befindliche Glätte nicht verkrusten kann. Die Größe und Anzahl der Kessel richtet sich natürlich nach der Ausdehnung der Fabrication; der Vortheil des Fabrikanten erheischt übrigens, daß für die Kohlensäure-Pumpen beständig eine hinreichende Menge Bleiessiglösung vorhanden ist.

In diesen Kesseln erwärmt man nun behufs der Bleiessigserzeugung entweder reinen (destillirten) Essig oder Bleizukerlösung mit einem Ueberschuß der gepulverten Glätte unter beständigem Umrühren ein paar Stunden lang. Nach einiger Ruhe zieht man dann die helle Flüssigkeit ab, bringt wieder Glätte in den Kessel und füllt ihn neuerdings mit Essig oder Bleizukerlösung u. s. f.

Umständlich und kostspielig ist bei dieser Fabricationsart des Bleiweißes die Gewinnung der Kohlensäure, wenn man nicht Gelegenheit hat, ein viel kohlensaures Gas entbindendes Mineralwasser benuzen zu können; in lezterem Falle kann sie sogleich durch gewöhnliche Pumpen oder archimedische Schneken unter die Bleiessiglösung getrieben werden. Erzeugt man sie aber durch Verbrennen von Kohlen, so muß sie jedenfalls zuvor behufs ihrer Reinigung unter Wasser gepumpt werden.26)

|216|

Nachdem in die Bleiessiglösung so lange kohlensaures Gas geleitet worden ist, bis sie das blaue Lakmuspapier zu röthen anfängt, läßt man das gebildete kohlensaure Blei (neutrale Bleiweiß) sich absezen, worauf die Flüssigkeit durch Digestion mit Bleiglätte in Bleiessig verwandelt wird u. s. f. Das Wasser, womit das Bleiweiß |217| ausgewaschen wurde, wird statt reinen Wassers bei den folgenden Operationen zum Auflösen von Bleizuker benuzt.

Bei diesem Verfahren hat man den Vortheil, daß man 1) selbst mit unreiner Glätte oder schlechtem, in Glätte verwandeltem Blei ein ganz reines Bleiweiß zu erzeugen im Stande ist, indem die Kohlensäure selbst aus einer unreinen Bleiauflösung nur kohlensaures Bleioxyd niederschlägt und 2) daß eine gewisse ein Mal angewandte Menge Essig oder Bleizuker sehr lange zur Bereitung des basisch essigsauren Bleioxyds gebraucht werden kann und nur in dem Maaße ersezt werden muß, als durch die Arbeit selbst an Flüssigkeit verloren geht.

Das auf diese Art erhaltene neutrale Bleiweiß ist nun zwar sehr weiß und fein zertheilt, aber es dekt nicht so gut wie das basische, indem es eine weniger erdige Beschaffenheit hat und seine kleinsten Theile eine Neigung zum Krystallisiren besizen; es ist daher in der Regel auch weniger compact, als das basische Bleiweiß, und um es diesem in dieser Hinsicht ähnlich zu machen ist man genöthigt, es bei der Einfüllung in die kleinen Töpfe einer künstlichen Pressung zu unterwerfen.

Zusaz der Redaction.
Ueber die Bereitung von Bleiweiß aus granulirtem Blei nach Prechtl.

Hr. Director Prechtl schlägt in seiner technologischen Encyklopädie Bd. II. S. 464 eine Methode zur Darstellung des basischen Bleiweißes vor, welche im Großen da, wo man über eine wohlfeile mechanische Kraft disponiren kann, wahrscheinlich mit Vortheil ausführbar ist. Er hat dieselbe zwar nur im Kleinen versucht, allein sie ist von der Art, daß die Ausführung im Großen keine vermehrten Schwierigkeiten mir sich bringt. Man granulire reines Blei, indem man dasselbe durch einen heißen Löffel gießt, der in Gestalt eines Seihers durchbrochen ist, so daß es von einiger Höhe in kaltes Wasser fällt. Von diesem, je feiner desto besser, granulirten Blei schütte man eine Quantität in ein cylindrisches, etwas flaches Gefäß, z. B. eine Schüssel aus Steingut; gieße Wasser darauf, in welchem man etwa 1/10 seines Gewichts guter Potasche aufgelöst hat; und rühre nun das Blei mit der Potascheauflösung fortwährend untereinander. Die Flüssigkeit wird bald milchig, so daß sie etwa nach einer Stunde von dem Blei abgegossen und zum Sedimentiren hingestellt werden kann. Es sezt sich bald ein schönes, dichtes und schweres Bleiweiß aus derselben ab, von dem die Flüssigkeit abgegossen |218| und neuerdings über das granulirte Blei geschüttet wird, mit welchem man dann das Zusammenrühren fortsezt. Das sedimentirte Bleiweiß wird mit Wasser ausgewaschen, und dieses Waschwasser der übrigen Flüssigkeit zugefügt. Auf diese Art wird der Proceß immer fortgesezt, und man braucht zu demselben außer dem Blei eigentlich kein weiteres Material, da von der ein Mal aufgewendeten Potasche nichts, oder doch nur wenig verloren geht, indem auch die schwächern Waschwasser noch verwendet werden können.

In diesem Processe oxydirt sich das Blei auf Kosten des im Wasser enthaltenen Sauerstoffgases, und das Oxyd verbindet sich im Augenblike seiner Entstehung mit der Kohlensäure der Potasche, die diese wieder in dem Maaße, als sie sie an das Bleioxyd abgibt, aus der Atmosphäre anzieht. Auch durch die Bewegung des Bleischrotes mit bloßem Wasser an freier Luft erfolgt die Bleiweißbildung, aber langsamer, und das erhaltene Bleiweiß ist weniger rein, nämlich noch mit einem graulichen Oxyde gemischt, das erst, längere Zeit an der Luft im befeuchteten Zustande erhalten, sich in Bleiweiß umändert. Hievon erhellen die Gründe aus Folgendem: Schüttelt man granulirtes Blei mit reinem Flußwasser in einer verstöpselten Flasche, so bildet sich ein graues Oxyd in bedeutender Menge, das alkalische Eigenschaften zeigt, indem es das durch Säuren geröthete Lakmuspapier bläuet, und das Kurkumäpapier schwach bräunt. An der Luft zieht dieses Oxyd, wenn es beständig feucht erhalten und umgerührt wird, langsam Kohlensäure an, und verwandelt sich allmählich in Bleiweiß. Verrichtet man das Schütteln in der Flasche in der Art, daß man öfters Luft eintreten läßt, so wird ein Theil des Oxyds kohlensauer, und man erhält Bleiweiß mit grauem Oxyd gemengt, das nach und nach an der Luft weißer wird. Will man das Bleiweiß sogleich so viel möglich von dem grauen Oxyd gereinigt erhalten, so darf daher die durch das Schütteln oder Umrühren des Bleischrots mit dem Wasser eingeleitete Oxydation nicht schneller vor sich gehen, als die Zuleitung der Kohlensäure zu dem in der Bildung befindlichen Oxyde. Da nun die Auflösung des Aezkali die Kohlensäure schneller anzieht, als das Wasser, so wirkt sie schneller als lezteres, und die Bleiweißerzeugung wird in diesem Processe um so schneller vor sich gehen, je schneller die Bewegung des Bleischrots mit dem Wasser erfolgt, je mehr das Wasser Potasche enthält und je mehr Kohlensäure sich in der umgebenden Luft befindet.

Um diesen Proceß im Großen auszuführen, dürfte es am zwekmäßigsten seyn, das granulirte Blei mit der Flüssigkeit in cylindrische, aus Blei gegossene Gefäße, etwa 2 Fuß im Durchmesser und 18 Zoll hoch, zu füllen, ein solches Gefäß mit einem Rührkreuze |219| aus Holz oder Blei zu versehen, und eine Anzahl solcher Gefäße an die Peripherie eines großen Stirnrades zu stellen, dessen Zähne in das an der Achse des Rührkreuzes befestigte Getriebe eingreifen und das Kreuz umdrehen. Die Gefäße können etwas erhöht gestellt werden, um die mit Bleiweiß beladene Flüssigkeit von Zeit zu Zeit in ein rieferes Sedimentirgefäß abzulassen. Indem man in diesem Arbeitsraume ein schwaches Kohlenfeuer unterhielte, könnte man die Zuführung der Kohlensäure vermehren.

Will man nach dieser Art das Bleiweiß ohne Anwendung von Potasche erzeugen, so muß man das Schütteln des Bleies mit reinem Wasser (Flußwasser) in einem sich um seine Achse drehenden Fasse bewerkstelligen, und das sich aus dem abgelassenen Wasser absezende graue Oxyd in Form eines Breies, den man in flachen Gefäßen ausbreitet und von Zeit zu Zeit umrührt, in einem Raume, dessen Luft Kohlensäure enthält, allmählich in Bleiweiß übergehen lassen.

Das nach diesem Processe dargestellte Bleiweiß enthält immer noch metallische Bleitheile eingemengt, von denen es durch Schlämmen befreit werden muß.

|201|

Prechtl's technologische Encyklopädie Bd. II. S. 456.

, |206|

Um die Wärme besser zusammenzuhalten, pflegt man in einigen Fabriken mit den äußeren, aus Baksteinen gemauerten Wänden parallel, in einer Entfernung von 1 Fuß von denselben, Wände aus diken Brettern aufzuführen, und den Zwischenraum zwischen beiden mit alter Lohe auszufüllen; eben so auch die aus starken hölzernen Pfosten hergestellte Deke dieser Kammer mit einem solchen, 1 bis 2 Fuß diken, Lohlager zu bedeken.

A. d. R.

) |207|

Die Heizung kann auch zwekmäßig und sicher durch Wasserdämpfe geschehen, welche in einigen Röhren, die auf der. Sohle der Kammer vertheilt sind, durchstreichen.

A. d. R.

|213|

Hinsichtlich der Untersuchung des Vleiweißes auf fremde Beisäze verweisen wir auf Schubarth's Elemente der technischen Chemie. (Berlin 1832) Bd. II. S. 219.

|215|

Die Kohlensäure, mit welcher die Fällung bewirkt wird, kann nach irgend einer der gewöhnlichen Methoden erzeugt werden, je nachdem die eine oder andere für die Localität wohlfeiler kommt; durch Zersezung von Kreide oder kohlensaurem Kalk mittelst der Schwefelsäure, oder der Holzsäure, wobei man den erhaltenen holzsauren Kalk weiter verwenden kann; durch gährende Flüssigkeiten, die man dann zum Branntweinbrennen verwendet; oder aus brennenden Holzkohlen. Die leztere Art ist bei dieser Methöde die gewöhnlichste. Man sammelt das kohlensaure Gas unter einem mit Wasser gesperrten Gasometer, und läßt es von hier durch bleierne Röhren entweder unmittelbar in den Bleiessig treten, welcher in diesem Falle in flachen Gefäßen steht, die nur 3 bis 4 Zoll hoch mit demselben angefüllt sind, so daß das Gas, welches durch eine große Menge kleiner Röhren, in welche die Hauptröhre sich endigt, und welche von Oben in die Flüssigkeit treten und bis nahe auf den Boden reichen, keinen so großen Druk zu überwinden hat; oder man zieht das Gas aus dem Behälter durch eine Pumpe, und man drükt es mittelst dieser durch die Flüssigkeit, in welchem Falle diese auch in tieferen Gefäßen stehen kann. Lezteres hat den Vortheil, daß man an Raum erspart, und daß man das Gas, bevor es in die Bleiauflösung tritt, noch erst durch ein Gefäß mit Kalkwasser treiben kann, damit es hier noch fremdartige, besonders schweflige und öhlige Theile abseze. Benuzt man das Gas aus brennenden Holzkohlen, so ist der obere Theil des Windofens, in welchem die Kohlen brennen, mit einem blechernen, ringsum verschlossenen, kegelförmig zugehenden Mantel versehen, von welchem eine Röhre aufwärts, dann seitwärts, und dann wieder aufwärts bis unter den aus Eisenblech verfertigten Gasometer geht, die an ihrem über das Wasser des Gasometers hervortretenden Ende mit einer leicht beweglichen Klappe verschlossen ist. Wird der Gasometer in die Höhe bewegt, so erfolgt der Luftzug durch den Rost des Windofens und der Gasometer füllt sich mit der Luft, die durch den Feuerheerd streicht, die dann von hier aus durch eine zweite Röhre, deren Oeffnung mit einer einwärts gehenden Klappe verschlossen ist, an den beliebigen Ort geleitet werden kann.

Ohne Gasometer kann die Bleiauflösung mit der aus den brennenden Kohlen kommenden Kohlensäure auf folgende Art in Berührung gebracht werden. Eine aufrecht stehende Tonne ist oben statt des Bodens oder Dekels mit einem flachen Gefäße aus Blei verschlossen, dessen Boden gleich einem Siebe mit vielen Löchern durchbohrt ist, und dessen Seitenwände 4–6 Zoll Höhe haben. In diesen Bottich tritt die von dem Windofen kommende Zugröhre in der Hälfte seiner Höhe ein, und an der gegenüberstehenden Seite tritt dieselbe wieder aus, um weiter fort in einen Rauchfang geleitet zu werden. Die Bleiauflösung wird in das durchlöcherte Gefäß geschüttet, wo sie in Gestalt eines Regens der durchziehenden kohlensauren Luftart begegnet. Durch den Hahn am Boden des Bottichs wird sie abgezapft und wieder aufgegossen, bis die Fällung gehörig erfolgt ist. Damit der Luftzug aus dem Feuerheerde hinreichend stark erfolge, ist der Windofen mit einem Gebläse versehen, dessen Mündung entweder unmittelbar unter den Rost in den übrigens luftdicht verschlossenen Aschenfall tritt, oder erst in einen unverschlossenen Behälter (Windkammer), von welchem dann die Luft durch eine Röhre in den Aschenraum strömt; das leztere aus dem Grunde, um einen ununterbrochen gleichförmigen Luftstrom zu erhalten. Damit die kohlensaure Luft, bevor sie mit der Bleiauflösung in Berührung kommt, hinreichend abgekühlt sey, läßt man sie erst durch ein hinreichend weites Schlangenrohr streichen, das in einem Bottich mit kaltem Wasser sich befindet.

Die Kohlen, welche zum Verbrennen in dem Windofen verwendet werden, müssen völlig ausgebrannt oder verkohlt seyn, sonst geben sie beim Verbrennen noch brenzliches Oehl, welches das Bleiweiß verunreinigt. Man glüht sie daher vor dem Gebrauche erst noch ein Mal im Verschlossenen aus. Das Nachfüllen der Kohlen in den Windofen geschieht durch ein seitwärts und nahe senkrecht von dem Mantel desselben ausgehendes Rohr, dessen Oeffnung mit einem lutirten Dekel verschlossen wird.

Sonst kann zu diesem Behufe das kohlensaure Gas auch aus Kohle und Braunstein entbunden werden. Man vermengt beide gepulvert in dem Verhältnisse von 24 Theilen Braunstein und 7 Theilen Kohle mit einander, welchem Gemenge man noch 4 Theile Kreide und so viel Wasser zusezt, um einen gleichförmigen Teig daraus zu machen, den man troknen läßt, und dann in einen Cylinder von Gußeisen, der mit der gehörigen Gasentbindungsröhre versehen ist, füllt, diesen verschließt, und zur Rothglühhize bringt, wo sich dann durch die Verbrennung der Kohle mittelst des Sauerstoffes des Braunsteins eine Mengr kohlensaures Gas entbindet. Bei dieser Methode kann eben sowohl, als bei der Entwiklung der Kohlensäure aus Kreide durch Schwefelsäure in einem Gasentbindungsapparate, oder bei der Anwendung einer Drukpumpe, das entwikelte Gas einen mäßigen Druk überwinden, daher mit der Bleiauflösung in der Art in Berührung gebracht werden, daß dieselbe bei einer höheren Flüssigkeitssäule durchstrichen wird, auch, wenn die Gefäße verschlossen sind, die Luft von einem in das andere, wie in einem Woulf'schen Apparate treten kann. (Prechtl's technologische Encyklopädie, Bd. II. S. 469.)

A. d. R.

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