Titel: Watt's Verbesserungen im Reinigen und Raffiniren von Talg.
Autor: Watt, Charles
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XLIV. (S. 226–229)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063044

XLIV. Verbesserungen im Reinigen und Raffiniren von Talg und verschiedenen anderen thierischen und vegetabilischen Fetten, worauf sich Charles Watt, Gentleman von Clapham in der Grafschaft Surrey, am 8. Septbr. 1836 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. November 1836, S. 305.

Meine Erfindung beruht darauf, daß ich rohen Talg oder verschiedene andere thierische oder vegetabilische Fette oder Oehle mit Wasser und verschiedenen chemischen Agentien oder Gemischen der Einwirkung der Siedhize ausseze, um sie dadurch von fremdartigen Stoffen und Unreinigkeiten zu reinigen, und um sie den Zweken, zu denen sie bestimmt sind, besser anzupassen. Was den Talg betrifft, so soll derselbe hiedurch von den thierischen Substanzen, welche Gallerte, Faserstoff, Eiweißstoff und Farbstoff enthalten, gereinigt, und hierauf durch Auswaschen oder Raffiniren von den zur Reinigung verwendeten chemischen Agentien befreit werden. Was die thierischen Oehle anbelangt, so sollen dieselben zu demselben Zweke, nämlich zur Entfernung von Unreinigkeiten mit gewissen chemischen Ingredienzien gekocht und dann raffinirt werden, worauf man sie dann mit gewissen anderen chemischen Substanzen behandelt, um erstere zu neutralisiren, und um die Oehle dabei zugleich zu reinigen, zu raffiniren oder auszuwaschen. Was endlich die vegetabilischen Oehle betrifft, so sollen auch diese durch Behandlung mit gewissen chemischen Agentien oder Gemischen von den verschiedenen Unreinigkeiten, die deren Consistenz, deren Farbe oder deren Geruch beeinträchtigen, befreit werden.

Um meine Erfindungen in diesen verschiedenen Betreffen allgemein verständlich zu machen, will ich meine Verfahrungsweisen ausführlich beschreiben, und dabei, was die Quantität der dazu verwendeten Agentien anbelangt, solche Verhältnisse angeben, welche ich meiner Erfahrung gemäß als den fraglichen Zweken am besten entsprechend fand. Ich muß jedoch ausdrüklich bemerken, daß ich mich durchaus auf keine bestimmten Verhältnisse beschränke, indem dieselben je nach Verschiedenheit der obwaltenden Umstände und je nach der Reinheit und Consistenz der zu behandelnden Stoffe verschieden abgeändert werden können und müssen.

Das Verfahren, welches ich bei der Behandlung von rohem Talg oder Schmiere oder Fett zum Behufe des Reinigens und Raffinirens einschlage, ist Folgendes. Das rohe Fett wird, ohne daß |227| es vorher in kleine Stüke verwandelt zu werden braucht, in einen hölzernen Bottich gebracht, der mit einer hölzernen, von einem Dampfekssel herführenden Dampfröhre versehen ist. Diese Röhre theilt sich am Boden des Bottiches in mehrere Arme, welche zum Behufe der Vertheilung des Dampfes an sämmtliche Theile der zu behandelnden Masse mit zahlreichen kleinen Löchern versehen sind. Wenn auf jede Tonne rohen Fettes beiläufig 4 Gallons Wasser in den Bottich gebracht worden sind, so lasse ich so lange Dampf eintreten, bis die Masse zum Sieden kommt, wo ich ihr dann die auf folgende Weise zusammengesezte Mischung, die ich mir jedoch erst eine Stunde vor ihrer Anwendung bereite, beifüge. Ich nehme 4 Pfd. starke Schwefelsäure von beiläufig 1900 specif. Gewicht, und verdünne diese, indem ich sie allmählich und unter öfterem Umrühren in zwei Gallons kalten, in einem hölzernen Gefäße befindlichen Wassers gieße. Oder ich nehme anstatt der Schwefelsäure Salzsäure, von der jedoch 8 Pfd. und eine um die Hälfte geringere Menge Wasser erforderlich sind. Bei der Verdünnung der Salzsäure ist keine besondere Vorsicht nöthig, indem hier keine solche Erhizung Statt findet, wie bei der Schwefelsäure. Auf jede dieser verdünnten Säuren seze ich, nachdem sie erkaltet sind, 1 Pfd. gute Salpetersäure von beiläufig 1045 specif. Gewicht, und außerdem noch ein halbes Pfund Kali-Bichromat oder saures chromsaures Kali, welches noch eine nachträgliche Quantität Sauerstoff liefert, und der durch die Anwendung der Salpetersäure erfolgenden Entfärbung vorbeugt, so wie endlich auch ein halbes Pfund Kleesäure zu. Wenn dieses Gemisch gehörig umgerührt worden ist, so bringe ich auf jede Tonne rohen Fettes drei Pinten von demselben in die in dem Bottiche siedenden Substanzen, und zwar in Zwischenräumen von 20 bis 30 Minuten, worauf ich dann das Sieden so lange fortseze, bis die Fettklumpen vollkommen geflossen sind. Ist dieß der Fall, so trage ich folgende Mischung ein, die gleichfalls nur dann bereitet wird, wenn man ihrer eben bedarf. Ich vermenge nämlich auf jede Tonne Fett 1 Pfd. starke Salpetersäure mit einem Quart Wasser, und trage dann noch zwei Unzen rectificirten Weingeist, Naphtha, Schwefeläther oder Terpenthingeist ein. Wenn dieses Gemisch dem in Behandlung befindlichen Fette beigemengt worden ist, so seze ich das Sieden beiläufig noch eine halbe Stunde lang fort; und wenn alle Fettklumpen geschmolzen sind, so sperre ich den Dampf ab, und lasse das Fett gegen 10 Minuten lang ruhig stehen, damit sich die Ueberreste abscheiden können. Hat sich das Wasser mit den angewendeten chemischen Reagentien unter dem Fette angesammelt, so wird es abgezapft: und nachdem dieß geschehen ist, trage ich auf [...] Tonne [...] rohen |228| Fettes beiläufig zwei Gallons frischen Wassers in den Bottich ein, um hierauf wieder so lange Dampf zutreten zu lassen, bis der Talg beiläufig 10 Minuten lang gekocht hat. Nach Vollendung dieses Abwaschprocesses unterbreche ich das Sieden, damit sich die angewendeten Substanzen abscheiden können, und damit das Fett nach dem Erkalten aus dem Bottiche geschafft werden kann.

Wenn man Wallfischthran, Fischlebern und andere derlei Substanzen, in denen Fischöhl enthalten ist, reinigen und zum Theil raffiniren will, so muß das angegebene Verfahren auf folgende Weise modificirt werden. Man nimmt nämlich auf 4 Pfd. Schwefelsäure, die auf die oben beschriebene Weise mit 2 Gallons Wasser verdünnt worden ist, 6 Pfd. Salzsäure, welche gleichfalls mit 2 Gallons Wasser verdünnt wurde, und sezt diesem Gemisch, nachdem es erkaltet ist und nachdem es gut umgerührt worden, ein halbes Pfund saures chromsaures Kali und eben so viel Kleesaure zu. Dieses Gemisch wird in Zwischenräumen von 20 bis 30 Minuten zu 2 Quart per Tonne den siedenden, das thierische Oehl enthaltenden Substanzen beigemengt, bis diese lezteren gänzlich zergangen oder ausgezogen sind. Man erkennt dieß, wenn man bei der Untersuchung der in Behandlung begriffenen Masse unter der Oberfläche des flüssigen Oehles und über der Oberfläche des Wassers öhlhaltige Theile schwimmend findet; denn je nachdem dieß der Fall ist oder nicht, muß die Operation unterbrochen oder noch länger fortgesezt werden. Nach Beendigung derselben, und nachdem die unter dem Fette angesammelten Flüssigkeiten und chemischen Reagentien abgezapft worden sind, trägt man auf jede Tonne rohen Materiales 2 Pfd. gepülverten Kalk oder Marmor ein, womit man das Ganze, nachdem es gut damit umgerührt worden ist, 10 bis 20 Minuten lang sieden läßt, damit sich die Kalkerde mit all der Säure, die dem Oehle allenfalls noch anhängt, verbinde. Das auf diese Weise behandelte Oehl kann, nachdem man dasselbe sich sezen ließ, zum Gebrauch abgezogen werden.

Um den Talg noch weiter zu reinigen oder zu raffiniren, kann man, wenn man es für nöthig erachtet, zu der Zeit, wo man nach Abzapfung der angewendeten chemischen Agentien frisches Wasser in den Bottich schafft, auf jede Tonne Talg auch noch ein halbes Pfund saures chromsaures Kali zusezen, und durch abermaliges Einlassen von Dampf mit dem Fette kochen lassen, wodurch nicht nur die Farbe und der Geruch, sondern auch die übrigen Eigenschaften des Talges bedeutend gewinnen werden.

Um thierische und vegetabilische Oehle im Allgemeinen und in dem flüssigen Zustande, in welchem sie im Handel vorkommen, zu reinigen, bringe ich folgendes Verfahren in Anwendung. Ich seze |229| nämlich auf jede Tonne Oehl unter jedesmaligem Umrühren ein Quart oder den vierten Theil des oben erwähnten Gemenges aus Salzsäure und rothem oder saurem chromsaurem Kali zu, und fahre damit so lange fort, bis das Oehl allen unangenehmen Geruch, alle fremde Farbe und alle Unreinigkeiten verloren hat. Dann trage ich auf jede Tonne Oehl gegen 3 Gallons Wasser und 2 bis 3 Pfd. gepülverten Kalk ein, um dadurch die dem Oehle anhängenden Säuren zu entfernen; und wenn sich hierauf sowohl das Wasser als die angewendeten Reagentien durch ruhiges Stehen des Oehles abgeschieden haben, so daß das Oehl vollkommen durchsichtig geworden ist, so ziehe ich dasselbe in Fässer ab. Das Palmöhl muß, da es bei der gewöhnlichen Temperatur eine feste Masse bildet, künstlich auf 39º R. erwärmt werden; auch muß man die zur Reinigung dienende Mischung hier in diesem Falle auf jede Tonne rohen Oehles aus einem 1 ½ Pfd. Kali-Bichromats oder sauren chromsauren Kalis und 4Pfd. Salzsäure zusammensezen. Nach hiedurch vollbrachter Entfärsbung dieses Oehles ist dann Kalk in der oben angegebenen Menge und 3 bis 4 Gallons Wasser beizumengen, und das Ganze auf 52° R. zu erwärmen; denn bei dieser Temperatur tritt ein solcher Grad von Dünnflüssigkeit ein, daß sich die angewendeten Stoffe, nachdem sie vorher gehörig mit dem Oehle abgerührt worden sind, durch Stehen wieder abscheiden können, so daß das Oehl klar zurübleibt und nunmehr zu mannigfachen Zweken verwendet werden kann.

Als meine Erfindung erkläre ich: 1) die Vermischung von Schwefelsäure mit Salpetersäure, und von Salzsäure mit Salpetersäure; so wie auch die Beimengung von Kleesäure und saurem chromsaurem Kali, um damit auf die oben beschriebene Weise die Fette und Oehle zu reinigen, und um die Entfärbung des Talges, die sonst durch die Salpetersäure bewirkt wird, zu verhindern; 2) die Vermischung von Salpetersäure mit Weingeist, Naphtha, Aether oder Terpentingeist, wodurch salpeterige Säure und Stikgas entwikelt werden, die zur Reinigung des Talges dienen; 3) die Vermengung von Schwefel-, Salz- und Kleesäure zur Reinigung der verschiedenen Fischöhle; 4) die Vermengung von Salzsäure mit chromsaurem Kali, wobei die vegetabilischen und thierischen Oehle nicht bloß durch die Wirkung des Chroms gereinigt und gebleicht, sondern auch durch die Wirkung des Chlors, welches sich in Folge der Zersezung der Salzsäure in ungeheurer Menge entwikelt, vollends gebleicht werden.

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