Titel: Chevalier, über den Hopfenbau.
Autor: Chevalier, A.
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XLV. (S. 230–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063045

XLV. Einiges über den Hopfenbau in Frankreich und über die Aufbewahrung des Hopfens. Von Hrn. A. Chevalier.

Aus dem Journal des connaissances usuelles. Januar 1836, S. 13.

Die Wichtigkeit des Hopfenbaues für Frankreich ergibt sich aus den Mauthregistern; denn nach diesen wurden

i. J. 1822 eingeführt 835,142 Kilogr. im Werth von 1,670,284 Fr.
1823 521,629 1,043,258
1824 487,549 975,098
1825 803,856 1,004,820
1826 611,814 674,768
1827 549,194 686,492
1828 563,606 548,289

Frankreich bezog also innerhalb 7 Jahren nicht weniger als 4,372,790 Kilogramme Hopfen aus dem Auslande, dem es dafür 6,693,009 Fr. bezahlte, während es auf feinem eigenen Boden eben so guten Hopfen mit Vortheil hätte ziehen können. Daß dem wirklich so ist, davon überzeugten mich die Versuche, die ich in Gemeinschaft mit Hrn.Payen in der Umgegend von Paris über den Hopfenbau anstellte.

Die Brauer pflegen den Hopfen dadurch zu prüfen, daß sie dessen Zapfen zwischen den Händen abreiben, und hienach annäherungsweise dessen Gehalt an dem gelben Hopfenmehle ermitteln und dessen Geruch erproben. Payen und ich befolgten nachstehende Methode. Wir nahmen eine bestimmte Quantität vollkommen trokenen Hopfen, und blätterten die Zapfen auf einem Siebe ab, dessen Maschen wohl das Hopfenmehl, keineswegs aber die Blätter durchfallen ließen. Die einzelnen Blätter wurden gut ausgebreitet, und dann über Papier gehörig gesiebt; das auf lezterem gesammelte Hopfenmehl wurde endlich gewogen. Die 13 Hopfensorten, die wir untersuchten, gaben hienach folgende Resultate.

1 Hopfen von Poperingue gab uns in 1000 Th. 18 Th. gelbe Subst. Od. Hopfenmehl.
2 Nordamerika, alter 16,90
5 Bourges 16
4 Crécy 12
5 Bussiguier 11,50
6 den Vogesen 11
7 englischer alter 10
8 Luneville 10
9 Lüttich 9
10 französischer, unbek. Ursprungs 10
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11 Hopfen von Alort gab uns in 1000 Th. 8 Th. gelbe Substanz oder Hopfenmehl.
12 Spalt 8
13 Toul 8

Die Untersuchung des Hopfens hat sich jedoch nicht bloß auf dessen Gehalt an Hopfenmehl zu beschränken, sondern man hat namentlich auch darauf Rüksicht zu nehmen, wie viel fremdartige Substanzen den Hopfenzapfen beigemengt sind. So fanden wir in dem Hopfen von Poperingue 12, in jenem aus Nordamerika 14, in dem Lütticher 10, in jenem von Alort 16 Proc. Unreinigkeiten, die aus Blatttheilen, Ranken, Stängelstüken etc. bestanden, während die französischen Hopfen viel reiner sind. Hopfen von Bourges gab uns nämlich nur ½, jener von Oisy 1,80, jener von den Vogesen 3, jener von Luneville 1,50, jener von Toul eben so viel und jener von Bussiguier im französischen Flandern 7 Proc. Unreinigkeit.

In Hinsicht auf den Ertrag des Hopfenbaues in Frankreich kann ich nach Hrn. Demerville in Crécy bei Clermont angeben, daß daselbst der Morgen Akerland nach Abzug aller Auslagen in einem mittleren Jahre 60 Fr. abwirft, während dasselbe Stük Land mit Hopfen bebaut nach Abzug aller Kosten, und die Unsicherheit der Ernten sowohl als die Schwankungen im Preise in Anschlag gebracht, ein jährliches Erträgniß von wenigstens 100 Fr. gibt.

Die Aufbewahrungsmethoden des Hopfens waren der Gegenstand sorgfältiger Untersuchungen, seitdem man erkannt hat: 1) daß der Hopfen, wenn er gehörig emballirt wird, mehrere Jahre seine Kraft behält, während er leicht in Säke gepakt schnell einen Theil seines wesentlichen Oehles und mithin einen großen Theil seines Werthes verliert; 2) daß der auf mehrere Male gesammelte Hopfen weit weniger Kraft hat, als jener, der auf ein Mal gesammelt, schnell und zwekmäßig getroknet, und dann so verpakt wird, daß die Luft nicht zwischen den Zapfen circuliren und ihnen ihr wesentliches Oehl entziehen kann.

Im französischen Flandern wird der Hopfen in dunklen, ausgetäfelten Kammern stark eingedrükt aufbewahrt; in diesen nehmen die Brauer die Muster, und aus diesen lassen sie ihn, nachdem der Kauf abgeschlossen ist, so fest als möglich in Säke füllen. Diese Methode, die zwar an und für sich gut ist, bietet jedoch nichts weniger, als eine hinreichende Garantie gegen das Schlechterwerden des Hopfens; denn die Luft kann dabei immer noch zwischen den minder fest eingepreßten Hopfenzapfen circuliren und ihnen nach und nach einen Theil ihres flüchtigen Bestandtheiles entziehen. Es ist dieß so richtig, daß man gefunden hat, daß solcher Hopfen nach einem und nach zwei Jahren schon die Hälfte und selbst zwei Dritttheile seiner Kraft verlor, |232| während der nach der englischen Methode in festen Massen aufbewahrte Hopfen seine Kraft mehrere Jahre lang beibehält, so daß der Brauer wirklich nicht im Stande ist, an dem englischen Hopfen das Alter zu erkennen.

Um nach der englischen Methode behandelt werden zu können, muß der Hopfen höchst sorgfältig bis auf einen gewissen Grad getroknet seyn; denn wäre er zu troken, so würde er einen Theil seines Mehles, seiner Farbe, seines Geruches, feines Geschmakes und seines Werthes verlieren; und wäre er nicht genug getroknet, so würde er braun werden, einen unangene men schimmeligen Geruch bekommen, und in diesem Falle von allen guten Brauern zurükgewiesen werden. Man erkennt, daß der Hopfen gehörig getroknet ist, wenn der Stiel, an welchem sich der Zapfen befindet, hart und brüchig ist, und wenn sich die Blätter des Zapfens leicht ablösen, und unter Entwiklung eines starken und angenehmen Geruches leicht brechen. Die zum Troknen des Hopfens in der Trokenstube angewendete Hize darf nicht zu groß seyn. Der auf diese Weise getroknete Hopfen wird dann in große Säke aus starkem Zeuge eingestampft, so daß die möglich größte Menge in den kleinsten Raum gebracht wird, und hierauf in diesen Säken dem Druke einer starken Schraubenpresse oder auch jenem einer hydraulischen Presse ausgesezt. Der Sak wird hiedurch zu groß und bekommt Falten; damit sich der Hopfen daher, wenn der Druk nachläßt, nicht neuerdings wieder aufblähen kann, wird der Sak so viel als möglich angespannt, worauf man die sich bildenden Falten doppelt und sehr fest einnäht. Das Resultat dieser Behandlung ist, daß der Hopfen gegen den Zutritt der Luft und des Lichtes geschüzt ist, daß hiedurch der Verflüchtigung der flüchtigen Bestandtheile vorgebaut ist; daß die Ballen leichter zu transportiren und leichter aufzubewahren sind, indem sie bei gleichem Gewichte einen viel geringeren Raum einnehmen, und daß der Hopfen bei feuchtem Wetter keine Feuchtigkeit einsaugen kann. Die Ballen müssen jedoch an einem geschlossenen, trokenen Orte, wie z. B. auf einem hölzernen Speicher aufbewahrt werden, denn an feuchten Orten könnten sie des Drukes ungeachtet, dennoch eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit einsaugen, welche in das Innere eingedrungen eine Gährung bedingen und Schimmelgeruch entwikeln würde. Will man den Hopfen länger aufbewahren, so ist es gut, wenn man die auf die angegebene Weise behandelten Ballen außen mit fettem mineralischem, Theer überzieht, und dann Papierbogen darauf klebt. Beim Einfüllen des Hopfens in die Säke ist besonders darauf zu achten, daß nichts von dem gelben Hopfenmehle verloren geht.

Nach den Versuchen, welche ich in Verbindung mit den HH. |233| Payen und Chapelet angestellt habe, ist es ausgemacht, daß das gelbe Hopfenmehl oder das sogenannte Lupulin allein es ist, welches dem Biere einen bitteren Geschmak mittheilen und zu dessen Aufbewahrung beitragen kann; und daß die Zapfenblätter des Hopfenmehles beraubt keinen besonderen Geschmak besizen, und mit Wasser behandelt einen Absud geben, der beinahe wie ein Heuabsud schmekt. Hr. Gabriel Pelletan drükt sich im Journal de Chimie medicale folgender Maßen hierüber aus. „Die chemische Analyse der Wurzelrinde, der Stängel, der Blätter, der Blattstiele und der Dekblätter oder der Schuppen der Zapfen (mit Ausschluß des Blumenstaubes) zeigt, daß alle diese Theile dieselben Bestandtheile, und zwar in nicht sehr verschiedenen Verhältnissen enthalten. Sie färben mit Wasser aufgegossen oder damit abgekocht dieses mehr oder weniger röthlichgelb, und geben ihm einen widerlichen, ekelhaften, hinterher zusammenziehenden und herben, keineswegs aber bitteren Geschmat“. Hieraus ergibt sich also, daß das Hopfenmehl allein dem Viere den bitteren Geschmak und seine Haltbarkeit ertheilt, während die Hopfenzapfen allein ihm nur einen unangenehmen, herben Geschmak geben können.

Die Fasern der Hopfenstängel und die daraus verfertigten Zeuge können in Hinsicht auf Feinheit allerdings nicht mit der Hanffaser und mit den hänfenen Zeugen verglichen werden; allein jedenfalls läßt sich aus der Hopfenpflanze ein Faserstoff gewinnen, der zu groben Zeugen für den Landgebrauch und zur Verfertigung von Bindfaden und Striken vollkommen geeignet ist. Man läßt die Hopfenstängel zu diesem Behufe, nachdem die Blüthen gepflükt sind, auf dieselbe Weise, auf welche dieß mit dem Hanfe zu geschehen pflegt, in gewöhnlichem Wasser rösten. Dieses Rösten erfordert gehörige Vorsicht; denn würde es nicht lange genug fortgesezt, so ließen sich die Fasern nicht trennen, während sie sich nach zwekmäßiger Leitung der Röstung eben so vollkommen trennen, wie die Hanffasern. Nach dem Rösten werden die Hopfenstängel an der Sonne getroknet, wie Hanf gebrochen, und endlich auch eben so gehechelt. Im Jahre 1760 und im Jahre 1785 schrieb die Société d'encouragement pour les arts etc. einen Preis auf die Verfertigung von Zeugen aus den Hopfenstängeln aus; ich weiß nicht ob dieser Preis je ertheilt worden ist, so viel weiß ich aber, daß in den Annales des arts et manufactures 1. collect. Tab. XLVIII. S. 64 eine sehr schäzbare Abhandlung hierüber erschien.

Ich kann diesen Aufsaz nicht schließen, ohne darauf aufmerksam zu machen, wie nothwendig es ist, daß die Verwaltung auf die sogenannten Hopfen-Surrogate, zu denen man hauptsächlich den kleinen |234| und großen Wermuth, die Buchsblätter, den Fieberklee und das Strychnin zählt, die größte Aufmerksamkeit verwende. Eine große Quantität der lezteren höchst giftigen Substanz, wovon in Frankreich allein in einem Jahre für 40,000 Fr. verkauft und ausgeführt wurde, wird eingezogenen Erkundigungen zu Folge auf höchst sträfliche und Gefahr drohende Weise zur Verfälschung des Bieres verwendet. Mit größter Strenge sollten derlei Verbrechen gestraft, und die verfälschten Fabricate vernichtet werden, wenn man nicht allenfalls den in ihnen enthaltenen Alkohol zur Firnißbereitung verwenden könnte.

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