Titel: Beschreibung von Danforth's Vorspinnmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXX. (S. 348–355)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/ar063070

LXX. Beschreibung der amerikanischen, von Danforth erfundenen Vorspinnmaschine, Tube-roving frame oder auch Double speeder genannt.

Aus Dr. A. Ure's Cotton-Manufacture of Great-Britain. Vol. II. S. 101.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Zu den wichtigsten und interessantesten Maschinen der Spinnmühlen gehört unstreitig die von Danforth erfundene Tube-roving frame, welche gewöhnlich unter dem Namen der Dyer'schen geht, weil Hr. Dyer kurz nach Einführung derselben aus Amerika Eigenthümer des darauf ertheilten Patentes wurde. Ihm gebührt auch wirklich das Verdienst, sie in den Fabriken Englands und anderer Länder vollkommen in Gang gebracht zu haben.

Die Verdichtung des von den vorderen Walzen abgegebenen Vorgespinnstes wird in dieser Maschine sehr zierlich durch umlaufende Röhren vollbracht, durch die das Vorgespinnst auf seinem Wege zu den Spulen geführt wird. Das Aufwinden geschieht auf Spulen, die aus einfachen hölzernen Röhren ohne Enden bestehen, und die auf eiserne Spindeln oder Achsen gestekt, vermöge der Reibung umgetrieben werden, welche zwischen ihren Oberflächen und jener der eisernen Trommeln oder Walzen, auf die die Spulen mit ihrem Gewichte drüken. Statt findet. Die Speisungsröhre ist einer Traversirbewegung theilhaftig, damit das Vorgespinnst gleichmäßig auf der Oberfläche der Spule vertheilt wird; und diese Traversirbewegung wird allmählich und in dem Maaße, als der Durchmesser der Spule wächst, an Ausdehnung abgekürzt, damit die Közer kegelförmige Enden bekommen, wie dieß in der neuesten Bobbin-and fly frame der Fall ist.

Fig. 5 zeigt das eine und Fig. 6 das entgegengesezte Ende einer derlei Maschine nach einem Maaßstabe von einem Zoll auf einen Fuß gezeichnet. An lezterer Figur sind die drei Walzenpaare A im |349| Durchschnitte dargestellt; an ersterer dagegen sieht man die vordere Walze B von Außen, damit die Anordnung dieser Walzen an einem und demselben Walzenbaume C und an einem und demselben Haupte erhelle. Zu diesem Zweke sind auch die an der Hauptwelle a der Maschine angebrachten, gewöhnlichen festen und losen Rollen nur durch punktirte Linien b angedeutet; auch die größere Rolle c, durch die die Bewegung an die umlaufenden Röhren fortgepflanzt wird, ist auf ähnliche Weise angedeutet.

Fig. 7 stellt einen Theil der Maschine von Vorne vor, um das Triebwerk und die Art und Weise, auf welche die Spulen gefüllt werden, anschaulich zu machen. Die Zeichnung ist in demselben Maaßstabe genommen.

Fig. 8 zeigt die hauptsächlichen spinnenden Theile der Maschine im Durchschnitte und in drei Mal größerem Maaßstabe.

Fig. 9 in gleichem Maaßstabe gezeichnet, erläutert die Details einiger auf die Traversirbewegung der Röhren bezüglicher Theile.

A, B sind, wie gesagt, zwei Walzenreihen; in die erstere derselben werden die Bänder (slivers) von den hinter der Maschine aufgestellten Kannen hergeführt. Dagegen gelangt das Vorgespinnst, nachdem es an den vorderen Walzen der ersten Reihe ausgetreten ist, zwischen das hintere Walzenpaar der zweiten Reihe, wobei beide Reihen mit gleicher Geschwindigkeit umlaufen. Das zwischen dem vorderen Paare dieser Walzenreihe in dünnen Flöthen (slubbings) hervorkommende Vorgespinnst läuft dann quer durch die Maschine an die Spulen, die vorne an der Maschine in einer Reihe angebracht sind, und auf einer gleichen Anzahl geriefter oder cannelirter Cylinder D, D ruhen. Diese Walzen, welche an einer durch die ganze Länge der Maschine laufenden Welle aufgezogen sind, sind deßhalb mit Cannelirungen versehen, damit sie sich an den mit Baumwolle bedekten Trommeln der Spulen um so stärker reiben. E ist eine der mit Vorgespinnst gefüllten Spulen, die mit ihrer Spindel oder Achse in zwei Fugen oder Spalten d, d ruht, welche an einem eisernen Riegel F festgemacht sind. Dieser Riegel selbst ist wie der Walzenbaum C in dem Gestelle G der Maschine befestigt, wie Fig. 7 zeigt.

e, e, Fig. 6, sind mehrere, an dem Walzenbaume C festgeschraubte Arme, auf deren schräg abgedachter Oberfläche die Zapfenlager f mittelst Getrieben g, g, die in die Zahnstangen h, h eingreifen, auf- und niedergeschoben werden können. An diesen Zapfenlagern dient der Theil f zur Verschiebung eines kleinen eisernen Rahmens i, den man am besten aus dem Durchschnitte Fig. 8 ersteht. Auf der Oberfläche dieses Rahmens sind die Lager l, l fixirt, in denen |350| sich die Träger oder Führer k, k der umlaufenden Röhren um eine Achse oder Welle schwingen.

m, m, Fig. 8, sind die Röhren, die mit ihren Enden in Naben oder Löchern ihrer Träger k umlaufen. n ist eine Leitplatte, die das Vorgespinnst, nachdem es die Röhre verlassen, und bei seinem Durchgange durch sie eine vorübergehende Drehung erhalten hat, führt. o ist ein an dem Träger k befestigter Fänger oder Haken, womit man diesen Träger an einer der ganzen Länge nach durch die Maschine laufenden Eisenstange aufhängen kann, wenn die Spulen ausgewechselt werden müssen, während er sonst mit der Platte n gegen das Vorgespinnst der Spule E drükt, wie dieß in Fig. 8 durch punktirte Linien angedeutet ist.

Während sich die Spule füllt, wird der Rahmen oder Balken i mit sämmtlichen Trägern oder Führern k, k, allmählich nach Aufwärts geschoben, indem die Getriebe g in die Zahnstangen h, h der Zapfenlager f, f eingreifen. Es wird hiedurch in derselben Richtung fortwährend ein Druk der das Vorgespinnst abgebenden Enden der Röhren m, m gegen die Spulen E erzeugt, wobei diese lezteren, indem sie von den Walzen D umgetrieben werden, das Vorgespinnst in dem Maaße aufwinden, als es durch das Loch der Platte n hervor gelangt. Zu gleicher Zeit schwingt sich der Rahmen i in einer mit den Enden der Spulen parallel laufenden Linie hin und her, damit das Vorgespinnst gehörig auf den Spulen vertheilt wird. Diese Traversirbewegung erleidet bei jedem Umgange eine schwache Verkürzung, damit die Enden der Közer eine kegelförmige Gestalt bekommen.

Wenn die Spulen hinreichend gefüllt sind, so kommt die Maschine von selbst zum Stillstehen, indem das Treibband auf die lose Rolle übergetragen wird. Wenn dann die Röhrenträger k, k an der Stange p aufgehängt worden sind, so werden die gefüllten Spulen aus den Fugen oder Fenstern d gehoben, und zur Zeitersparniß in die Ausschnitte q gelegt, während man leere Spulen, die vorher an ihre Spindeln gestekt worden sind, an deren Stelle bringt.

Die Bewegungen der Maschine werden auf folgende Weise hervorgebracht. Die punktirten Linien b, b, Fig. 6, bezeichnen, wie bereits erwähnt ist, die Dampfrollen; die punktirten Linien c, c deuten eine andere größere Rolle an, die gleichfalls an der Welle a angebracht ist, und von der aus ein Band über die Rollen r, s und t, Fig. 6, geschlungen ist. Dasselbe Band läuft dann durch die ganze Länge der Maschine und über die an dem entgegengesezten Ende befindlichen Rollen u und v, Fig. 5 und 7. Auf seinem Laufe von der Rolle s zur Rolle u ist es auf solche Welse um die Röhren m, m |351| geführt, daß es an einem der Träger k, Fig. 6, über und an dem nächstfolgenden unter denselben wegläuft: die Röhren werden demnach durch die Reibung des Laufbandes umgetrieben, ohne daß deren Traversirbewegung dadurch beeinträchtigt wird.

An der Welle a ist ein Rad 1 aufgezogen, welches durch ein Rad 2 die vordere Walze der Walzenreihe B umtreibt; von dieser Walze aus wird dann die Bewegung durch ein kleines, an der vorderen Walze befindliches Rad und durch zwei Führräder 4 an das an der hinteren Walze angebrachte Rad 3 fortgepflanzt. Von dieser hinteren Walze aus wird die vordere Walze der Walzenreihe A mittelst eines Treib- und eines Führrades, welches jedoch in den Figuren nicht abgebildet ist, mit gleicher Geschwindigkeit umgetrieben; und von dieser vorderen Walze aus erhält die hintere ihre Bewegung ganz auf dieselbe Weise mitgetheilt, auf welche dieß so eben bei der Walzenreihe B angegeben worden war. Die mittleren Walzen beider Walzenreihen erhalten ihre Bewegung an dem anderen Ende der Maschine durch die an ihnen und den ihnen entsprechenden vorderen Walzen angebrachten Räder 5 und 6, und zwar vermittelst der beiden Führräder 7 und 8, Fig. 5.

An der Welle der vorderen Walze der Reihe B befindet sich hinter dem Rade 2, Fig. 6, ein Winkelräd, welches das große Winkelrad 9 und damit auch die schief geneigte Welle w umtreibt, die ihrerseits die Bewegung mit Hülfe der beiden Winkelräder 10 und 11 an die Welle der Spulenwalze D fortpflanzt.

An dem entgegengesezten Ende dieser Welle ist eine Rolle x angebracht, die durch ein Laufband die an der Welle z befindliche Rolle y umtreibt. An dieser Welle z, die man aus Fig. 9 ersieht, ist ein Winkelrad a′ aufgezogen, welches, je nachdem es in das eine oder in das andere der beiden Winkelräder b′, c′ eingreift, die Welle d′ nach verschiedener Richtung umtreibt. Die Versezung oder Verschiebung der Welle z wird bewirkt, indem die Stange l′, in welcher diese Welle ruht, etwas Weniges nach Auf- oder Abwärts bewegt, und dann dadurch in dieser Stellung erhalten wird, daß der eine oder der andere der beiden Fänger m′, n in die Ausschnitte einfällt, die zu dessen Aufnahme an der Stange l′ angebracht sind. Die Bewegung der Stange l′ selbst erfolgt, indem sich eines der beiden Gewichtes, o′, p′ mittelst einer über die beiden Rollen q′, r′ laufenden Kette über einen an dem Gestelle sinnen Zapfen s′ bewegt, während das andere Gewicht aufgehängt bleibt. Diese beiden Ketten laufen durch Löcher, welche sich in dem Ende eines Schwängels v′ befinden; und über jedem dieser Löcher ist an der Kette eine kleine Kugel angebracht. Gegen vie eine dieser Kugeln wird der Schwängel abwechselnd |352| angedrükt; und hiedurch bleibt deren Gewicht aufgehängt, während der eine der Fänger m′ und n′ aus dem in der Stange l′ befindlichen Ausschnitte gehoben wird, damit die Stange von dem anderen Gewichte nach der entgegengesezten Richtung gezogen werden kann, so daß das Winkelrad a′ in das andere der beiden Winkelräder b′, c′ eingreift.

An der Welle d′ befindet sich ein Wurm oder eine endlose Schraube e′, die in ein horizontales Rad f′ eingreift, und mittelst eines kleinen Getriebes g′ eine Zahnstange h′, Fig. 6, 7 Und 9, in Bewegung sezt. Diese Zahnstange steht durch eine Stange i′ mit dem Apparate H in Verbindung, der zur Verkürzung der Traversirbewegung des Riegels oder Rahmens i dient. Sie steht aber überdieß auch noch mit dem Winkelhebel t′ in Verbindung, und an den Seiten des aufrechten Armes dieses lezteren befinden sich zwei Schrauben, die abwechselnd die Fänger m′ und n′ ausheben, so oft der Hebel t′ an dem einen Ende seiner Traversirbewegung anlangt. Aus Fig. 7 erhellt die Gestalt der Schrauben, womit diese Wirkung hervorgebracht werden kann. Das entgegengesezte Ende des Winkelhebels t′hebt oder senkt am Ende einer jeden Traversirbewegung das eine Ende des Schwängels v′; es wird also hiedurch die Wirkung des einen der beiden Gewichte o′ und P′ aufgehoben, während das andere die Stange l′ in eine solche Stellung zieht, daß der Fänger m′ oder n′, der früher von der Schraube w′ nicht ausgehoben wurde, nunmehr in den ihm entsprechenden Ausschnitt einfällt, und das Rad a′ so lange eingreifen macht, bis der Winkelhebel t′ an dem anderen Ende seiner Traversirbewegung diesen Fänger aushebt und das andere Gewicht aufhängt. Hieraus erhellt, wie die Stange i regelmäßig nach Rechts und nach Links bewegt wird, so daß nur mehr zu zeigen ist, wie diese Bewegung fortwährend verkürzt und an den Riegel oder Rahmen i fortgepflanzt wird.

In Fig. 9(b) ist a″ ein etwas gekrümmter Arm, der sich um den Stüzpunkt b″ schwingt, während er mit seinem anderen Ende an der Stange i′, Fig. 7, festgemacht ist. An diesem Arme a″ schiebt sich, während die Maschine arbeitet, eine sägeförmige Platte oder eine Zahnstange c″ nach Abwärts. In die Zähne dieser Zahnstange fällt zu beiden Seiten ein Sperrkegel, der durch eine Spiralfeder, welche beide Sperrkegel d″, d″ miteinander verbindet, eingreifend erhalten wird. Wenn der Arm a″ von der Stange i′ angezogen das Ende seiner Traversirbewegung erreicht hat, so drükt er einen der Sperrkegel d″, d″ gegen die Spize der einen der Stellschrauben e″, e″ an, wodurch dieser Sperrkegel dann aus den Zähnen der Zahnstange c″ herausgetrieben wird: die Folge hievon ist, daß die |353| Zahnstange um eine halbe Zahnhöhe herabfallen kann, indem der an dere Sperrkegel d″ alsogleich in dieselbe einfällt. Während sich daher die Spize l″ fortwährend gegen das Schwunggelenk b″ annähert, muß die Traversirbewegung, die von dieser Spize l″ aus durch eine Stange g″ an den Riegel oder Rahmen i fortgepflanzt wird, allmählich kürzer werden, wobei sich der Arm a″ durch gleichbleibende Räume schwingt. Die Zähne zu beiden Seiten der Zahnstange c″ sind wechselsweise eingeschnitten, damit die Bewegung solcher Maßen jedes Mal nur auf eine halbe Zahnho″he beschränkt wird. h″ ist ein riegelhakenartiger Führer, welcher an eines der mittleren Gestelle G der Maschine geschraubt ist; er führt die Stange i″, die mit der Stange g″, Fig. 7, verbunden ist, und mit dem fensterartig ausgeschnittenen Arme k″ ein Gefüge bildet. Lezterer Arm selbst ist an dem Riegel oder Rahmen i fixirt, auf welchem, wie oben gezeigt worden ist, die Röhrenträger stehen. Beim jedesmaligen Traversiren des Armes a″ trifft ein Zapfen l″, Fig. 7, welcher in der Nähe des Grundes dieses Armes aus dem gekrümmten Stüke hervorragt, auf den Hebel m″, Fig. 5, der, indem er den Hebel n″ in Bewegung sezt, mittelst des Einfalles o″ das Sperrrad I, welches mit dem Getriebe g an einer und derselben Welle aufgezogen ist, um einen Zahn umtreibt, während ein anderer Einfall oder Sperrkegel p″ hindert, daß das Sperrrad durch das Gewicht des Riegels oder Rahmens i, welches in dem Maaße zunimmt, als die Spulen größer werden, zurük gedreht wird. Wenn die Zahnstange c″ ihre tiefste Stellung erreicht hat, so drükt ein Vorsprung q″ auf das Ende eines Hebels m″, der mit seinem anderen Ende einen Fanger s″ frei macht, den man in Fig. 5 und 9(b) durch punktirte Linien angedeutet sieht, und der bewirkt, daß der aufrechte Hebel t″ die horizontale Stange u″ in Bewegung sezt, welche Stange der ganzen Länge nach durch die Maschine läuft, und an ihrem entgegengesezten Ende mit der Gabel ausgestattet ist, womit das Laufband von der fixen auf die lose Rolle übergetragen wird. Auf den Hebel t″ wirkt ein kleines Gewicht, welches ihn um seinen Stüzpunkt r″ herum zu bewegen, und mithin die Stange u″ in horizontaler Richtung fortzustoßen strebt. Mit Hülfe dieser Stange kann auch das zur Bedienung der Maschine aufgestellte Individuum, an welchem Ende es sich auch eben befinden mag, die Maschine in oder außer Thätigkeit sezen; man braucht nämlich nur die Stange mit der Hand zu fassen und sie der Länge nach zu verschieben.

Die hier beschriebene Tube-Frame arbeitet sehr schnell, und wird in vielen Grobspinnereien zum Spinnen der Nummern unter 30 mit großem Vortheile angewendet; dagegen streitet man sich noch, ob sie |354| auch zur Erzeugung des Vorgespinnstes für feinere Garne mit Vortheil benuzt werden kann. Ihre vorderen Walzen laufen mit 3 bis 4 Mal größerer Geschwindigkeit um, als jene der Bobbin-and-fly frame; mithin liefern 16 Röhren der ersteren so viel als 60 Spindeln der lezteren; auch schlägt man die Anschaffungskosten, die Masse und die Leistung von 16 Röhren so hoch, als jene von 60 Spindeln an. In einer Spinnerei in Manchester, in welcher man sehr viel auf die Tube-Frame hält, nimmt jede Spule zwei Strähne, welche 6 bis 7 Unzen wiegen, auf; es gehen 5 Strähne des Vorgespinnstes, welches sehr schön ist, auf das Pfund. Die vorderen Walzen machen daselbst 450 Umgänge in der Minute; in einer Spinnerei, die ich besuchte, laufen sie selbst mit einer Geschwindigkeit von 470 Umgängen um.

Ein sehr gewandter Baumwollspinner versicherte mich, daß er die Tube-Frame vielen Zufälligkeiten ausgesezt fand. Wenn z. B. nach dem Kardätschen und Ausstreken oder Laminiren der Baumwolle nur etwas Unrath oder etwas von dem Samen zurükbleibt, so wird das Vorgespinnst nicht, wie es sonst dieser Maschine eigen ist, in ungedrehtem Zustande auf die Spule gelangen, sondern es werden gedrehte Stellen bleiben, welche in dem daraus gesponnenen Garne unverbesserliche Fehler erzeugen. Aus diesem Grunde eignet sich diese Maschine nicht zur Fabrication der Manchester (fustian) Garne, die sehr gleich seyn müssen; wohl aber zur Erzeugung wohlfeiler Calicogarne. Das Capriciöse der Baumwollspinnerei erhellt übrigens am besten daraus, daß der eben erwähnte Spinner mit der Tube-Frame vergebens Vorgespinnst für Nr. 20 zu spinnen suchte; während sein Bruder mit derselben Baumwolle und derselben Maschine sehr gutes Gespinnst von dieser Feinheit erzeugte. Ein anderer Fabrikant, der gleichfalls wegen seiner Sachkenntniß in Ruf steht, versicherte mich, daß die mit der Tube-Frame gesponnenen Garne zu ungleich sind, als daß gute Drukercalicos daraus gewebt werden könnten. Dessen ungeachtet unterliegt es nach Allem, was ich in mehreren gut dirigirten Spinnereien sah, nicht dem geringsten Zweifel, daß diese Maschine mit zu den vortrefflichsten und vortheilhaftesten gehört.

Das erste Patent auf diesen Apparat erhielt in England Hr. Joseph Cheeseborough Dyer Esq. von Manchester im Julius 1825, als auf eine Erfindung, die ihm von einem Ausländer mitgetheilt worden war. Folgender kurze Auszug aus der von ihm gegebenen Patenterklärung wird unsere Beschreibung ergänzen.

Durch das rasche Umlaufen der Spindeln oder Röhren wird das Vorgespinnst von den Spindeln an rükwärts bis zu den Strekwalzen gedreht damit es durch diese Drehung mehr Stärke bekommt, |355| d. h. damit die Baumwollenfasern eine größere Zähigkeit erlangen. So wie hingegen das Vorgespinnst an dem excentrischen Theile der Röhre vorübergegangen, wird die Drehung alsogleich aufgehoben, so daß das Vorgespinnst in ungedrehtem Zustande auf die Spulen anfgewunden wird.

Da die Geschwindigkeit, womit die Strekwalzen umlaufen, eine gleichmäßige ist, so muß die Geschwindigkeit des Aufwindens des Vorgespinnstes auf die Spulen nach der Zunahme des Durchmessers der lezteren regulirt werden. Diese Regulirung vollbringt die Maschine ohne alle Beihülfe, indem die Spulen durch die Reibung umgetrieben werden, die zwischen ihrer Oberfläche und jener der Führcylinder Statt findet; denn hieraus erhellt, daß, um wie Vieles auch der Durchmesser der Spule durch die aufgewundenen Vorgespinnstlagen anwachsen mag, bei jeder Umdrehung des Führcylinders immer nur ein bestimmter Theil ihrer Oberfläche herum bewegt werden wird, so daß mithin die Quantität Vorgespinnst, die innerhalb einer bestimmten Zeit aufgewunden wird, immer eine und dieselbe bleibt.

Hr. Dyer hat, seit er das oben angeführte Patent nahm, mehrere wichtige Verbesserungen an seiner Maschine angebracht, auf die er gleichfalls Patente erhielt. Die hier gegebenen Zeichnungen sind nach einer Maschine genommen, die gauz neu in Manchester gebaut wurde. Zum Schlusse mag hier noch die Bemerkung stehen, daß das mit der Tube-Frame erzeugte Vorgespinnst gar keine Drehung besizt, indem die durch das Umlaufen der Röhren hervorgebrachte Drehung nur eine momentane ist, damit die Faden auf ihrem Wege zu den Aufwindspulen mehr Cohäsion bekommen. Da das Band (sliver) an dem einen Ende zwischen den Speisungswalzen, an dem anderen hingegen von der Mündung der Röhre, welche auf die Spulen drükt, eingezwängt wird, so kann der in der Mitte liegende Theil offenbar keine bleibende Drehung bekommen; und alle die Drehung, die er vorübergehend erlangt, wird bei dem Aufwinden wieder zu nichte.38)

|355|

Einige der neueren Verbesserungen, die Hr. Dyer erfand, findet man im Polyt. Journal Bd. XXVII. S. 338, und Bd. LXI. S. 93 beschrieben und abgebildet. Ueber die Tube-Frame selbst vergleiche man aber auch die Ansichten Bernoulli's in unserem Journale Bd. LXIII. S. 185.

A. d. R.

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