Titel: Ist die Wärme eine Materie mit oder ohne Gewicht?
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XXXI./Miszelle 2 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063002_2

Ist die Wärme eine Materie mit oder ohne Gewicht?

Man hat lange darüber gestritten, ob der Wärme ein Gewicht zukommt oder nicht. Es wurde bemerkt, daß wenn ihr Gewicht zu dem des Wasserstoffs in |154| demselben Verhältnisse stehen würde, wie das Gewicht des lezteren zu dem des Platins, auch die empfindlichste Waage durch dasselbe keinen Ausschlag geben könnte; überdieß würden aber auch noch mehrere Umstände bei dem delicaten Experiment, wodurch bewiesen werden sollte, daß mit der Veränderung der Temperatur eines Körpers das Gewicht desselben unverändert bleibe, einen nicht zu bestimmenden Einfluß äußern, z. B. eine Veränderung in der Länge des Waagebalkens oder in der Dichtigkeit der erhizten oder abgekühlten Substanz. Die Thatsache, daß wenn gegebene Gewichte von Wasserstoff und Sauerstoff sich zu Wasser verbinden, das Gewicht des lezteren gleich der Summe der Gewichte der Elemente ist, obgleich sich eine sehr intensive Hize entband, kann daher nicht als Beweis für die Unwägbarkeit des Wärmestoffs angeführt werden.

Man sieht also, daß wir durch unsere Versuche weiter nichts beweisen können, als daß wenn der Wärme ja Schwerkraft zukommt, dieselbe sehr unbedeutend seyn muß. Dagegen stellt uns die Natur den Versuch in einem unnachahmlichen Maaßstabe an: denn wenn die Wärme ein Gewicht hat, so muß sie nothwendig, während sie in Bewegung ist, auch ein Moment haben; und wenn die Geschwindigkeit der strahlenden Wärme von der Sonne gleich derjenigen des Lichts ist, so sollte einiges Moment zu entdeken seyn. Zugegeben aber auch, daß das Moment zu unbeträchtlich ist, als daß es sich in kleinem Maaßstabe zeigen könnte, so müßte es doch gewiß, wenn es anders vorhanden wäre, die Umlaufszeit der Planeten vergrößern. Man hat bewiesen, daß die Planeten sich in solchen Entfernungen von der Sonne und mit solchen Geschwindigkeiten umdrehen, daß die Centrifugal- und Attractivkräfte gleich werden, wenn leztere Kraft sich umgekehrt wie das Quadrat der Entfernung verhält. Hätte aber die Wärme irgend ein Moment, so müßten ihre Theilchen, indem sie auf so bedeutende Massen wie die Planeten wirken, offenbar die Entfernungen und periodischen Zeiten derselben vergrößern. Nun werden diese aber nicht größer; es kann folglich aus dieser Ursache keine Centrifugalkraft vorhanden seyn, also die Wärme kein Moment und daher auch kein Gewicht haben.

Wenn man gegen diesen Schluß einwenden wollte, daß das Verhältniß der Attraction überschäzt wurde und dieselbe stark genug ist, um sowohl der Tangentialkraft der Umdrehung als der Centrifugalkraft des Moments der strahlenden Wärme das Gleichgewicht zu halten, so würde diese Annahme die Schwierigkeit doch nur in dem Falle beseitigen, wenn alle Planeten gleiche Größe und Masse hätten oder die Durchschnittsfläche aller der Masse proportional wäre. Die Dichtigkeit des widerstehenden Mediums, welches Enckes Comet beschleunigte, ist noch nicht bestimmt worden, sie kann aber schwerlich so groß sey, daß sie dem vermeintlichen Centrifugalmoment der Wärme das Gleichgewicht hielte; denn wenn diese Dichtigkeit eine gleichförmige ist, sollte auch die Gefchwindigkeit der Planeten durch das Medium der Abnahme der Wärmestrahlen proportional seyn, nämlich sich umgekehrt wie das Quadrat der Entfernung von der Sonne verhalten. Verhielte sich aber die Dichtigkeit umgekehrt wie das Quadrat der Entfernung (wir sezen voraus, das Medium sey einer Atmosphäre analog), so sollte die Geschwindigkeit der Planeten durch dasselbe ebenfalls eine gleichförmige seyn: nun stimmt aber weder das eine noch das andere mit den Thatsachen überein. (W. Holland im philosoph. Magazine, Nov. 1836.)

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