Titel: Amerikanisches Eisenbahn-Paradoxum.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XLVI/Miszelle 2 (S. 236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063003_2
|236|

Amerikanisches Eisenbahn-Paradoxum.

Das American Railroad Journal enthält einen Vorschlag zu einer Methode, nach welcher eine aus Holz gebaute Bahn eben so unzerstörbar und dauerhaft gemacht werden soll, wie die beste aus eisernen Schienen gebaute Bahn. Nach diesem Vorschlage, der wirklich an das Unglaubliche gränzt, soll man, weil sich Holz unter Wasser so lange Zeit gut und fest erhält, neben den aus Holz gebauten und mit Eisen beschlagenen Bahnlinien aus wasserdichtem Materials kleine Dämme mit Schleußen aufführen, damit sich die Bahn auf diese Weise so unter Wasser sezen läßt, daß die Schienen ungefähr einen Zoll hoch davon bedekt sind! Im Winter, wo das Holz ohnedieß nicht so sehr der Verwesung ausgesezt ist, soll die Bahn mittelst der Schleußen troken gelegt werden. Der Urheber dieser in ihrer Art merkwürdigen Idee glaubt, daß das leichte Hinderniß, welches das Wasser der Bewegung der Räder in den Weg legen würde, dadurch ausgeglichen werden müßte, daß die Räder auf einer stets reinen Oberfläche laufen würden, and daß die Reibung mithin gleichmäßiger wäre. Er hält sich von der Ausführbarkeit seines Planes für so überzeugt, daß er die Räder in ein leichtes hölzernes Gehäuse einzuschließen empfiehlt, damit die Reisenden und die Waaren durch das Emporschleudern des Wassers nicht belästigt werden. Auch hat er bereits einen Kostenanschlag seines Baues entworfen, wonach eine derlei Bahn per Meile im Durchschnitte um 5000 Dollars weniger kosten würde, als eine doppelte eiserne Schienenbahn. Unter den Vorzügen der neuen Methode wird endlich angeführt, daß das eiserne Beschläge mehr auf gleicher Temperatur erhalten und daher durch Ausdehnung und Zusammenziehung nicht so viel Schaden leiden würde; und daß die Bahn weniger in Unordnung gerathen kann, indem viele der gewöhnlichen Gebrechen von dem abwechselnden Troknen und Naßwerden herrühren.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: