Titel: Ueber die Veränderung gefärbter Zeuge an der Luft.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XLVI/Miszelle 5 (S. 237–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063003_5

Ueber die Veränderung gefärbter Zeuge an der Luft.

Bekanntlich verändern sich gewisse Farbstoffe, wie Curcumä, Orlean, Orseille etc., nachdem sie auf den zeugen befestigt worden sind, wenn man diese Zeuge in der Luft dem directen Sonnenlicht aussezt; bisher wußte man aber nicht genau, welchen Antheil das Licht an dieser Erscheinung hat, ob es sie nämlich für sich allein, ohne Gegenwart von Wasserdampf und besonders von Sauerstoff hervorzubringen im Stande ist. Hr. Chevreul hat nun über diesen Gegenstand Versuche angestellt und seine Resultate kürzlich der französischen Akademie mitgetheilt. Er bemerkt zuerst, daß die Veränderungen, welche die Körper im Allgemeinen erleiden, drei verschiedenen Ursachen zugeschrieben werden können: nämlich entweder 1) den Imponderabilien, also der Wärme, dem Licht und der Elektricität, wovon die Zersezung des Mangansuperoxyds beim Erhizen, des Goldoxyds durch das Licht und des Ammoniaks durch den elektrischen Funken Beispiele sind; 2) der gegenseitigen Verwandtschaft der Körper; 3) können gewisse Körper auch durch die Berührung mit anderen Veränderungen erleiden, welche nicht von der Verwandtschaft abzuhängen scheinen, wohin z. B. die Zersezung des oxydirten Wassers durch Mangansuperoxyd gehört. Leztere Ursache hat Berzelius katalitische Kraft genannt.

Gr geht dann zur Wirkung des reinen Wassers auf die gefärbten Zeuge; über und betrachtet 1) das hygrometrische Verhalten dieser Zeuge; 2) das Bestreben des Wassers den Farbstoff dieser Zeuge aufzulösen oder zu verändern; 3) das Verhalten des Wasserdampfes zu den gefärbten Zeugen; 4) das Verhalten des Wasserdampfes von wenigstens 80º R. Temperatur zu denselben sowohl mit als ohne Dazwischenkunst der atmosphärischen Agentien. Später beabsichtigt er auch die Wirkungen des Wasserdampfes als Befestigungsmittel der Farben zu studiren.

Vollkommen luftfreies Wasser kann bei der gewöhnlichen Temperatur nur auf solche gefärbte Zeuge wirken, deren Farbstoff sich entweder ganz oder zum Theil darin aufzulösen vermag. Das Wasser wird also z. B. auf einen mit Indigotin gefärbten Stoff nicht wirken, hingegen die Schwefelindigotinsäure, sie mag für sich allein, oder mit Zinnoxyd, Alaunerde etc. auf dem Zeug befestigt worden seyn, aufzulösen streben; in keinem Falle wird aber das reine Wasser die Elementarzusammensezung der Farbstoffe, welche es auflösen kann, verändern.

Mit Alaun gebeizte und mit Wau oder Gelbholz gefärbte, oder auch mit Alaun und Weinstein gebeizte und mit Wau oder Fernambukholz, Campescheholz, Krapp, Cochenille, oder Orlean gefärbte Wolle konnte einen Monat lang ohne sichtbare Veränderung in destillirtem Wasser aufbewahrt werden. Nach drei Jahren waren die Veränderungen so zu sagen unmerklich; denn sie beschränkten sich darauf, daß das Gelb sehr schwach röthlich und die mit Campescheholz erzielte Farbe schwach braun geworden war. Wahrscheinlich geschah dieß in Folge der Einwirkung des atmosphärischen Gauerstoffs, welchen das Wasser nach und nach absorbirt hatte, denn in Wasser, welches Schwefelwasserstoff enthält, behalten die gelben Farben ihre Lebhaftigkeit gänzlich. In lezterer Flüssigkeit wurde die mit Schwefelindigotinsäure gefärbte Wolle vollkommen entfärbt; an der Luft wurde sie aber wieder blau.

Mit Orseille gefärbte Wolle wurde in Schwefelwasserstoff enthaltendem Wasser ebenfalls entfärbt und an der Luft wieder violett. Die mit Fernambukholz gefärbte Wolle war nach einem Monat darin sehr blaß geworden und behielt, als man sie aus der Flasche nahm, ihre blasse rosenrothe Farbe: die Farbe war also zum Theil zersezt worden. Mit Orlean gefärbte Wolle war ganz farblos geworden; das Wasser enthielt keinen Schwefelwasserstoff mehr; als man die Wolle aus der Flasche nahm, wurde sie nicht orangegelb an der Luft.

Bei diesen Versuchen war das Gewicht der gefärbten Stoffe zum Wasser im Verhältniß von 1 zu 500, und ohne Zweifel wären die Wirkungen bei einer größeren Menge Wasser beträchtlicher gewesen. Denn wenn man z. B. mit |238| Zinncomposition gebeizte und mit Cochenille scharlachroth oder mit Krapp roth gefärbte Wolle mit einer großen Masse Wasser in Berührung läßt, verliert sie Säure, und die Farbe verliert dadurch auch ihren Stich in Gelb und zieht mehr in Roth oder Carmoisin. (Echo du monde savant No. 1.)

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