Titel: Ueber die Glasperlenfabrication in Venedig
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXIV./Miszelle 13 (S. 317–318)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063004_13

Ueber die Glasperlenfabrication in Venedig

findet man in den. Archives du Commerce einen Aufsaz, aus welchem das Mémorial encyclopèdique folgenden Auszug gibt. „Die Glasfabriken von Venedig sind die ältesten auf der Welt; ihre Oefen erzeugten die ersten Spiegel; und bewahren noch gegenwärtig das Monopol der Fabrication der Glasperlen, die in unglaublichen Quantitäten und in mancherlei Sorten nach allen 5 Theilen der Welt, besonders aber nach Afrika und Amerika, versendet werden. Die Oefen und Tiegel der Venetianer sind dieselben, wie die in den französischen Fabriken gebräuchlichen. Zur Glasmasse nimmt man Soda und Potasche und einen Quarzsand, den man in Ueberfluß an den Küsten Venedigs findet. Die Farbstoffe sind sämmtlich dem Mineralreiche entlehnt, und so mannigfach, daß man Perlen von mehr dann 200 verschiedenen Schattirungen erzeugt. Das Fabricationsverfahren ist im Wesentlichsten Folgendes. Wenn die Masse in Fluß ist, so taucht der Arbeiter das Ende seiner Blasröhre, die aus Eisen besteht und beiläufig 5 Fuß lang ist, in dieselbe, und nimmt damit eine bestimmte Quantität davon heraus. Hierauf wird mittelst eines eisernen Instrumentes eine weite Oeffnung in die Masse gemacht, und in diese Oeffnung bringt ein zweiter Arbeiter das Ende seiner Blasröhre, an der sich gleichfalls etwas geschmolzene Masse befindet. Ist dieß geschehen, so entfernen sich beide Arbeiter so schnell als es thunlich ist, von einander, und ziehen dadurch die Masse in einen hohlen Faden aus, der je nach der Streke, um welche sich die Arbeiter vor dem Abkühlen von einander entfernen konnten, eine größere oder geringere Dike besizt. Auf diese Weise werden oft Röhren von der Feinheit eines Haares und von mehr dann 200 Fuß Länge gesponnen, die man dann in Stüke von beiläufig 2 Fuß Länge bricht. Nun erst beginnt die eigentliche Formirung der Perlen, indem man die Röhren mit einer Art von Schneidmesser in kleine Stüke schneidet, deren Länge ihrem Durchmesser gleichkommt. Diese Stüke läßt man in einen mit Kohlenpulver und feuerfestem Thone gefüllten Trog fallen, damit diese Substanzen, indem sie in die Perlen eindringen, das Ankleben derselben hindern, wenn sie zum Behufe der Abrundung der Kanten ein zweites Mal der Einwirkung des Feuers ausgesezt werden. Man bringt nämlich die Röhrenstükchen mit etwas von dem angegebenen Pulver vermengt in einen luftdicht verschlossenen, ovalen, eisernen Cylinder, in welchem man sie mittelst einer Kurbel über Feuer umdreht, bis dieser Cylinder rothglühend geworden ist. Die hiedurch erweichten Perlen verlieren dabei ihre scharfen Ränder, so daß man sie dann nur mehr zu waschen und nach ihrer Größe zu sortiren braucht. Lezteres geschieht, indem man sie nach einander durch Siebe von verschiedener Größe laufen laßt. Die fertigen Perlen werden von Weibern an Fäden von 6 bis 7 Zoll Länge gefaßt, welches Geschäft diese mit solcher Geschwindigkeit zu verrichten wissen, daß man ihnen für 120 Schnüre nur 6 — 7 Centimen bezahlt. — Man fabricirt in Venedig auch sogenannte Perle alla lume, die vor der Emaillirlampe verfertigt werden. Die dazu angewendeten Glasstäbchen sind nicht durchlöchert, sondern die Perlen werden erzeugt, indem man die vor der Lampe geschmolzenen Stäbchen um ein Stük Eisen rollt. Diese Art von Perlen ist größer, fester und theurer als die einfachen Rassaden. — Auch in Böhmen werden viele Glasperlen fabricirt; doch ist der Handel, den man damit treibt, nicht so bedeutend wie der Venetianische.“— Wir fügen diesem Artikel über die Venediger Glasmacherkünste nur noch bei, daß es einem Hrn. Olivi daselbst in neuerer Zeit gelungen ist, Glasfäden von solcher Feinheit und Geschmeidigkeit zu erzeugen, daß die daraus angefertigten Zeuge wie Seidenzeuge zusammengelegt werden können. |318| Die Zeuge dieser Art sollen sich nicht nur durch ihren Glanz und ihre Farbenpracht, sondern auch durch ihre Unverbrennlichkeit auszeichnen. Hr. Olivi erhielt von der Akademie in Venedig eine Medaille für seine Erfindung, die noch weiterer Aufmunterung zu bedürfen scheint.

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