Titel: Ueber ein den Hafer ersezendes Pferdefutter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXIV./Miszelle 19 (S. 319–320)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063004_19

Ueber ein den Hafer ersezendes Pferdefutter.

Bei dem fortwährenden Steigen der Preise des Hafers beginnt man in Frankreich wieder ernstlich daran zu denken, diesen Thieren ein Nahrungsmittel ausfindig zu machen, welches den Hafer vollkommen zu ersezen im Stande ist. Zu den interessantesten, in dieser Hinsicht angestellten Versuchen gehören jene, welche Hr. Guesnier in den Abhandlungen der Société d'agriculture et des arts de Seine et Oise vom Jahre 1836 bekannt machte, und deren Resultat im Wesentlichen Folgendes ist. Hr. G. fand am besten ein Gemenge von 175 Liter Roggen erster Qualität auf 25 Liter Gerste gleicher Qualität. Dieses Gemenge bringt er roh mit 150 Liter Wasser in einen kupfernen, beinahe 400 Liter fassenden Kessel, in welchem die Körner so lange erhizt werden bis sie aufspringen, und bis der Kessel in Folge der hiebei Statt findenden Aufblähung der Samen überzugehen droht. Das Gemenge gibt dann, nachdem es auf einer Tenne zum Behufe des Abkühlens ausgebreitet worden ist gegen 500 Liter, und wird zugleich mit 10 Liter Hafer zu 75 Liter innnerhalb 24 Stunden an ein Gespann von 5 Postpferden, und zu 100 Liter ohne Hafer an ein Gespann von 5 Eilwagenpferden verfüttert. Im Winter kann man nebenbei einen Theil des Heues durch gekochte Kartoffel, welche ganz verfüttert werden, ersezen. Die Versuche des Hrn. Guesnier datiren sich bereits von so lange her, daß sie vollkommen beweisen, daß man diese Fütterungsweise ohne den geringsten Nachtheil für die Gesundheit der Pferde anstatt der gewöhnlichen Fütterungsweise mit Hafer einführen kann. Was den finanziellen Theil der Frage betrifft, so gestaltet sich dieser im Departement de Seine et Oise folgender Maßen. Fünf Oekonomiepferde brauchen daselbst, abgesehen von Heu und Stroh, welches nicht in Anschlag kommen soll, 95 Liter Hafer, welche auf 6 Fr. 65 Cent. zu stehen kommen; nimmt man dagegen 95 Liter von dem oben angegebenen Gemenge, so kommen diese nur auf 2 Fr. 90 Cent.; so daß also täglich eine Ersparniß von 3 Fr. 75 Cent. erwächst. Für eine Oekonomie, die 10 Pferde zählt, gäbe dieß also eine jährliche Ersparniß von 2737 Fr.; eine Summe, die so bedeutend ist, daß allerdings weitere Versuche die Mühe lohnen dürften. (Aus dem Mémorial encyclopédique, Nov. 1836.)

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