Titel: Meyer's Verbesserungen an den Dampfmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXIV./Miszelle 2 (S. 310–311)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063004_2

Meyer's Verbesserungen an den Dampfmaschinen.

Neuerlich wurden in französischen Zeitungen sehr wichtige Vervollkommnungen der Dampfmaschinen angezeigt, die hauptsächlich in ökonomischen Ergebnissen hinsichtlich verminderten Verbrauchs an Brennmaterial bestehen. Nun erfährt man aus Mühlhausen im Elsaß, daß daselbst von Hrn. J. J. Meyer, Erbauer von Dampf- und anderen Maschinen, noch weitere Verbesserungen und wichtigere Resultate |311| erlangt worden sind, welche ausgezeichnete Theilnahme und Aufmerksamkeit erregen, dem Erfinder zur Ehre gereichen und ihm große Abnahme zusichern. Er hat in- und außerhalb jener in industrieller Hinsicht so bedeutenden Stadt in lezterer Zeit schon mehrere seiner Dampfmaschinen in Gang gesezt, die dieß aufs bestimmteste darthun, und sein unter der Firma J. J. Meyer und Comp. gegründetes Etablissement gewinnt durch diese vermehrte Abnahme täglich mehr an Ruf. Namentlich sollen unter den mehrfachen werkwürdigen Verbesserungen, die an den gedachten Maschinen angebracht worden sind, folgende herauszuheben seyn.

Laut Versuchs mit dem dynamometrischen Zaum von Prony sollen sie beiläufig ein Drittheil weniger Dampf, mithin Brennmaterial verzehren, als die besten dort so zahlreich vorhandenen Maschinen nach Woolf'schem System, welches sich bisher als das ökonomischste erwiesen hatte, wie der bekannte ausgezeichnete Bericht der Mühlhauser Industriegesellschaft darthut.

Die Maschine kann ohne Gefahr von einer beliebigen Kraft unter der berechneten Normal- oder Mittelkraft zur doppelten derselben gebraucht werden, denn es geschieht ohne Erhöhung der Spannung des Kesseldampfes, auch ohne irgend eine Beihülfe des Wärters, um die gleichmäßige Geschwindigkeit zu erhalten, wie dieß bekanntlich an anderen Maschinen selbst in ganz engen Gränzen schon erforderlich ist, und auf Qualität und Quantität der zu verrichtenden Arbeit je nach Umstanden mehr oder weniger einwirkt.

Der einleuchtendste Vorzug dabei ist jedoch unstreitig der, daß sich der Brennmaterialverbrauch für die veränderte Belastung als constant erweist, wenigstens bis zur Hälste unter, und bis zum Drittheil über der Normalkraft, also in sehr weiten Gränzen, und so daß z. B. eine Maschine von 12Pferdekräften fast genau gleich vortheilhaft von 6 bis zu 16 Pferdekräften gebraucht werden kann, was also besonders bei Maschinen, die eine veränderliche Belastung haben (wie dieß immer mehr oder weniger Stott findet, besonders wenn sie in Verbindung mit Wasserkraft stehen) vorzüglich nüzlich ist.

Ferner soll diese Maschine, neben einer eleganten Construction, auch sichere Merkmale von sehr langer Dauer an sich tragen, sowohl wegen Einfachheit ihres Baues, als wegen Vermeidung aller Verkittungen und Hanfliederungen und Ersezung wesentlicher Theile durch Stahl. Auch sind die Aufstellungskosten sehr gering, denn die Maschine braucht bei gewöhnlicher Größe keine Seitenmauern; sie nimmt auch einen sehr geringen Raum ein, und erfordert meistens gar keine Erhöhung des Fundamentes über das Erdgeschoß; ihr täglicher Unterhalt beschrankt sich auf ein wenig Talg für die Stämpelstangen und etwas weniges Oehl.

Noch ein Hauptvorzug in ökonomischer Hinsicht ist, daß diese Maschine die fernere Anwendung des verbrauchten Dampfes, z. B. für Färbereien und Erwärmung für Troknungsstuben, Säle oder Werkstätten u. s. w. gestattet, wobei selbst eine Entfernung von einigen hundert Fuß kein Hinderniß ist, wie der Erfinder bereits davon Beweise gegeben hat.

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