Titel: Ueber eine neue Methode die Tiefe des Meeres zu messen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXIV./Miszelle 7 (S. 314–315)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063004_7

Ueber eine neue Methode die Tiefe des Meeres zu messen.

Das Langweilige der gewöhnlichen Sondirmethode mit dem Senkblei und die Unmöglichkeit, auf diese Weise über eine gewisse, sehr beschränkte Tiefe hinaus Messungen anzustellen, veranlaßte die Erfindung mehrerer Instrumente, welche diese Operation erleichtern. Diese Instrumente sinken auf den Boden hinab, und werden, daselbst angelangt, von dem Gewichte, welches sie niedersinken machte, befreit; worauf sie dann emporsteigen und angeben, wie tief sie gesunken gewesen sind. Es ist nicht schwer, das Gewicht so anzubringen, daß es durch die Erschütterung beim Auffallen auf den Boden von dem übrigen Apparate frei wird; und eben so leicht ist es einen Rotator anzubringen, dessen Schaufeln beim Hinabsinken umgetrieben werden, und einen Zeiger in Bewegung sezen, der auf einem Zifferblatte die durchlaufenen Klafter andeutet. Die große Schwierigkeit liegt |315| jedoch darin, dem Instrumente eine solche Leichtigkeit zu geben, daß dasselbe wieder vom Grunde des Meeres emporsteigt. Hr. Massey suchte dieser Schwierigkeit abzuhelfen, indem er eine hohle, mit Luft gefüllte kupferne Kugel anwendete; allein er konnte diese Kugel nicht fest und zugleich leicht genug machen; denn obgleich das Instrument aus einer Tiefe von 200 Klaftern jederzeit zurükkehrte, so erschien es doch nie wieder, wenn man es an solchen Orten versenkte, wo man bisher keinen Grund gefunden hat. Er wiederholte den Versuch mit einem neuen Instrumente, welches er mit einem Neze umgab, und welches er an einer Schnur von 400 Klaftern befestigte; hiebei zeigte sich, daß die Kugel wie durch eine Explosion zersprengt worden ist, indem sie nicht im Stande war einen Druk auszuhalten, der 80 Mal so groß war als jener der atmosphärischen Luft, und dem im Inneren kein Gleichgewicht gehalten wurde. Ein zweites ganz aus Holz verfertigtes Instrument ging gleichfalls zu Grunde, und es zeigte sich, daß leichte Substanzen, wie z. B. Holz, wenn sie einem so bedeutenden Druke ausgesezt worden sind, in allen ihren Poren so sehr von Wasser durchdrungen wurden, daß sie ihre Schwimmkraft verloren. Es bleibt demnach nichts Anderes übrig, als eine Flüssigkeit anzuwenden, die eben so wenig comprimirbar ist als das Wasser, und die dabei ein geringeres specifisches Gewicht besizt, als dieses. Oehl scheint hiezu am geeignetsten, indem diese beiden Flüssigkeiten mit einander in Berührung gerathen können, ohne daß man eine Vermengung derselben befürchten darf. Man sollte daher die kupferne Kugel mit Oehl anstatt mit Luft füllen, und in dem unteren Theile derselben eine Oeffnung anbringen, welche Wasser eintreten ließe, wenn im Inneren ein luftleerer Raum entstünde, während sie zu klein wäre, als daß Oehl durch sie entweichen könnte, wenn der Apparat zufällig umgestürzt werden sollte. Würde das Oehl eine Compression erleiden, so würde Wasser in die Kugel eintreten, ohne daß man ein Bersten derselben zu befürchten hätte. Die Kugel brauchte daher auch nicht stärker und schwerer zu seyn, als eben zur Erhaltung ihrer Form erforderlich ist. Die Kugelform scheint allen übrigen vorzuziehen, weil sie bei dem größten Rauminhalte den geringsten Flächenraum erheischt. Nimmt man an, daß mit dem Oehl im Durchschnitt ein specif. Gewicht von 0,9 zu erreichen ist, so wird eine Kugel von 1½ Fuß im Durchmesser eine Schwimmkraft von 6 Pfd. besizen, und in jeder Tiefe beibehalten, ausgenommen die Compression des Oehls stiege in einem weit höheren Grade als jene des Wassers: was durch Versuche zu ermitteln wäre. Es wäre nicht so schwierig an dem Instrumente eine Kugel anzubringen, welche beim Emporsteigen desselben an die Luft detonirte und dadurch dessen Stelle, die oft ziemlich weit entfernt seyn kann, andeutete. Es steht zu hoffen, daß man auf diesem Wege die größten und bisher noch unerreichten Tiefen des Meeres zu ergründen, und dadurch das allmähliche Entstehen künftiger Festlande, so wie zahlreiche andere Phänomene genauer zu erforschen im Stande seyn dürfte. (Aus dem London and Edinb. Philos Magaz., Sept. 1836.)

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