Titel: 2. Preis von 10,000 Fr. auf die Ausziehung des Zukers aus den Runkelrüben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXXIX./Miszelle 3 (S. 393–394)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063005_3

2. Preis von 10,000 Fr. auf die Ausziehung des Zukers aus den Runkelrüben.

Die Runkelrübenzuker-Fabrication muß, obwohl sie in Frankreich eine höhere Wichtigkeit und Vollkommenheit erlangt hat, als in irgend einem anderen Lande, noch große Fortschritte machen, wenn sie einen neuen Aufschwung bekommen soll. Man weiß, daß gute Runkelrüben, wenn sie auf einem geeigneten Boden gebaut |394| worden sind, und wenn ihr Saft kalt an Baume's Aräometer 7 Grad zeigt, dem Gewichte nach 10 Proc. krystallisirbaren Zuker enthalten, und daß dieser Zuker, wenn die Rüben keine Veränderung erlitten haben, weder mit unkrystallisirbarem Zuker, noch mit Traubenzuker, noch mit Mannastoff verbunden ist. Dessen ungeachtet gewinnen unsere gegenwärtigen Fabriken im Durchschnitte in den ersten 2 bis 3 Monaten nach dem Einsammeln der Rüben nicht mehr als 5 bis 6, und in den späteren Monaten nicht Mehr als 3 bis 4 Proc. Zuker. Durch das in den Fabriken gebräuchliche Reiben und Auspressen erhält man auf wohlfeilem Wege selten über 75 Proc. Rübensaft, obschon die Rüben bekanntlich über 95 Proc. enthalten Dazu kommt aber noch, daß durch den Einfluß des Wassers, der Temperatur, der angewendeten alkalischen und sauren Reagentien eine bedeutende Quantität krystallisirbaren Zukers in Traubenzuker umgewandelt wird, und entweder in die Melassen übergeht oder den krystallisirten Zuker verunreinigt. Es ist daher immer noch zu hoffen, daß sich der aus den Runkelrüben zu gewinnende Ertrag an Zuker weit höher steigern dürfte, als bisher, wenn man ein Mal die Gewinnung des Saftes aus den Rüben und die Behandlung des gewonnenen Saftes auf eine höhere Stufe von Vollkommenheit gebracht haben wird. Zahlreiche Versuche und Opfer werden zur Erreichung dieses Zieles noch erforderlich seyn; um auch ihrerseits hiezu beizutragen gründet die Gesellschaft einen Preis von 10,000 Fr., den sie im Jahre 1839 jenem Concurrenten ertheilen wird, welcher ein fabrikmäßiges Verfahren ausfindig gemacht hat, wonach man in den vier Monaten zwischen September und Februar und ohne Erhöhung der gegenwärtigen Gewinnungskosten aus weißen schlesischen Runkelrüben, deren Saft bei einer Temperatur von 15° an Baume's Aräometer 7 Grade zeigt, 8 Proc. krystallisirten Zuker von der unter dem Namen Belle quartrième bekannten Qualität gewinnen kann; oder den sie überhaupt auch demjenigen zuerkennen wird, der aus mehr oder minder zukerreichen Rüben von dem in ihnen enthaltenen krystallisirbaren Zuker 8 Proc. gewinnt.

Der Preisbewerber muß den von der Gesellschaft ernannten Commissären alle Mittel an die Hand geben sich von der Erzielung des bestimmten Ertrages zu überzeugen, und sich genaue Kenntniß von dem eingeschlagenen Verfahren zu verschaffen. Es bleibt ihm übrigens unbenommen sich ein Patent ertheilen zu lassen.

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