Titel: Ueber die Eisenbahnprojecte in England
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXXIX./Miszelle 6 (S. 396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063005_6

Ueber die Eisenbahnprojecte in England

Enthält das London Journal of arts, welches doch sonst ganz torystische Grundsäze durchbliken läßt, folgende merkwürdige Aeußerung: „Die wohlthätigen Wirkungen, welche die Ausführung der zahlreichen Eisenbahnprojecte dadurch über England verbreitet, daß den arbeitenden Classen auf diesem Wege viele und fortwährende Beschäftigung erwächst, lassen sich zum Theile berechnen, wenn man bedenkt, daß gegenwärtig an der London-Birmingham-Eisenbahn allein zwischen 10,000 bis 11,000 Meuschen beschäftigt sind Sonderbar erscheint unter diesen Umständen die Verwerfung mehrerer Eisenbahnprojecte, namentlich der Stephenson'schen Bahn zwischen London und Brighton, vom Hause der Lords und auch vom Hause der Gemeinen. Da wenigstens die Einwilligung von ⅔ der Grundeigenthümer erlangt seyn muß, bevor eine Bill für eine neue Eisenbahn eingebracht werden darf, so ist offenbar, daß diese Projecte nicht zum Nachtheile der Grundeigenthümer ausfallen werden. Und was die politischen und sonstigen Gründe betrifft, so scheint uns auch bei den Eisenbahnen die Concurrenz wünschenswerth. Wenn auch große Speculationen in Hinsicht auf den Gewinn, den man sich davon verspricht, mißlingen, so erwächst doch der Vortheil aus deren Ausführung, daß die großen, ungleichmäßig angehäuften Capitalien auf diesem Wege wieder vertheilt und sowohl zur physischen und moralischen Verbesserung der Existenz der arbeitenden Classen, als zur Verhütung der Zunahme ihrer Verarmung verwendet werden. Unsere Staatsmänner und Staatsökonomen sollen bei jedem Vorschlage zu großen, auf Verbesserungen abgesehenen Ausgaben und Unternehmungen doch ja nicht vergessen, daß Capitalien, selbst wenn sie schlecht (d. h. ohne Gewinn für die Darleiher) ausgelegt und verwendet werden, doch für das Publicum nie verloren gehen, sondern daß dieß nichts weiter ist, als eine Vertheilung von übermäßig angehäustem Wohlseyn durch die zahlreichen Adern eines gesunden Körpers, woraus mit erhöhtem Gewinn für das Ganze ein frischer Umlauf erwächst“

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