Titel: Ueber die Anwendung der Wasserdämpfe zum Fruchtmaischen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. LXXIX./Miszelle 7 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063005_7

Ueber die Anwendung der Wasserdämpfe zum Fruchtmaischen.

Hr. Ludwig Gall, durch seine Verbesserung der Destillirapparate rühmlich bekannt, hat in einer besonderen Schrift eine Anleitung zum Maischen durch Einleitung von Wasserdampf bekannt gemacht43) die Vortheile dieser Maischart sind:

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1) daß ein, seinem Rauminhalt nach, um 2/5 kleinerer Kessel zur Erhizung des zum Einteigen und Gahrbrühen nöthigen Wassers hinreicht;

2) daß man nicht nöthig hat, das erforderliche heiße Wasser erst aus einem Kessel in Kannen abzulassen und nach dem Maischbottich hinzutragen;

3) daß man die Temperatur der Maische beim Einrühren und Gahrbrühen ganz genau, bis zum halben Grade, reguliren kann, was für den Erfolg von der größten Wichtigkeit ist; endlich

4) daß man, was der Hauptvorzug des Dampfmaischens ist, mit 100 Quart Wasser in Dampfform in die Maische geleitet, derselben die nämliche Temperatur ertheilt, wie durch 550 Quart siedendheißes Wasser, und folglich 9/11 desjenigen Raumes, den, bei dem gewöhnlichen Verfahren, das zum Gahrbrühen nöthige Wasser einnimmt, zur schnelleren und vollkommeneren Abkühlung der Maische mittelst kalten Wassers übrig bleiben.

Die hier aufgezählten Vortheile, welche das Maischen mittelst Wasserdampfs für den praktischen Betrieb gewährt, begründen den in ökonomischer Rüksicht weit wichtigeren Vortheil, in einer zur Verarbeitung von 1400 Pfd. Schrot eingerichteten Brennerei, und mit denselben Ausgaben für Steuer, Brennmaterial, Arbeitslohn und Unterhaltungskosten, welche eine Brennerei von diesem Umfange nöthig machen würde, täglich 2000 Pfd. Getreide verwerthen zu können, so daß der Spiritus, welcher aus den täglich mehr verarbeiteten 600 Pfd. Getreide gewonnen wird, bloß den Preis des Getreides kostet.

Nach Hrn. Gall's Versuchen ist frisches Malz immer altem vorzuziehen, und Luftmalz wirksamer als Darrmalz. 5 Pfd. Luftmalz sind hinreichend, um 100 Pfd. Stärkmehl zu verzukern, und an Wasser sind dazu nicht mehr als 350 Pfd. nöthig. Da aber in den Brennereien nicht Stärkmehl, sondern Karloffeln und Getreideschrot verarbeitet werden, so mußte ausgemittelt werden, wie viel Malz bei diesen nothwendig ist. Hr. Gall fand, daß 5/6, Pfd. Luftmalz auf 100 Pfd. Kartoffeln (also ¼ so viel als bisher angewandt wurde). und 2½ Pfd. auf 100 Pfd. Getreide (also 10/11 weniger als man bisher nahm) hinreichen. Hinsichtlich der zum Maischen nöthigen Wassermenge genügen nach Hrn, Gall 252¼ Pfd. oder 101 Quart auf 100 Pfd. trokene Substanz.

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Anweisung zum Fruchtmaischen mittelst Wasserdampfs, ein Verfahren, welches die Arbeit abkürzend und erleichternd, in den Zollvereinsstaaten einen zwei- bis vier Mal größeren Gewinn, als das gewöhnliche Verfahren gewährt. Von Ludwig Gall. Mit Abbildungen. Preis 3 Thlr. Trier, 1835. F. A. Gall's Buchhandlung.

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