Titel: Preisaufgaben, welche die Société d'encouragement in Paris auf verschiedene Verbesserungen in der Glasfabrication ausschrieb.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 63, Nr. XC./Miszelle 2 (S. 461–463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj063/mi063006_2

Preisaufgaben, welche die Société d'encouragement in Paris auf verschiedene Verbesserungen in der Glasfabrication ausschrieb.

Die Soeiété d'encouragement in Paris beschloß in ihrer am 4. Januar 1837 gehaltenen Generalversammlung auf den Bericht hin, den ihr Hr. Dumas im Namen des Comité der chemischen Künste erstattete, folgende Preise auf Verbesserungen in der Glasfabrication auszuschreiben, indem sie zugestand, daß dieser Industriezweig sich in Frankreich noch auf einer niedrigeren Stufe befinde, als in mehreren anderen Ländern.

1. Preis von 4000 Fr. auf Fabrication eines weißen, schwer schmelzbaren Glases.

Man bedarf bei den zarteren chemischen Operationen beinahe in jedem Augenblike Glasröhren, Retorten, Ballons etc., welche die Rothglühhize auszuhalten im Stande sind, ohne eine Veränderung dabei zu erleiden. Die Fabrikanten chemischer Producte haben oft Sublimationen vorzunehmen, bei denen ihnen gläserne Gefäße, welche bei der Rothglühhize keine Formveränderungen erleiden, höchst wünschenswerth wären. In den Ateliers der Glasmahler endlich sucht man schon längst mit Mühe Gläser, die schwer schmelzen, und die daher zur Aufnahme von Gemählden geeignet sind.

Bis jezt lieferten die französischen Fabriken weder Röhren, noch chemische Apparate, noch Gläser, die ähnlichen Fabricaten der deutschen Glasfabriken in Hinsicht auf Feuerbeständigkeit gleichkommen. Dieses strengflüssige Glas scheint in 100 Theilen aus

Kieselerde 75
Kalkerde 9
Thonerde 3
Kali 13
–––––
100

zu bestehen, und dürfte daher in jenen Glashütten Frankreichs, die in Hinsicht auf Brennmaterial günstig gelegen sind, gleichfalls leicht zu erzielen seyn.

Die Gesellschaft ertheilt demnach im Jahre 1838 demjenigen französischen Fabrikanten, der bis dahin Röhren, chemische Apparate und Gläser in den Handel bringt, welche dem Feuer eben so gut widerstehen, wie die deutschen Fabricate dieser Art, einen Preis von 4000 Fr. Der Preis der neuen Fabricate darf jedoch jenen der bisherigen höchstens um 25 Proc. übersteigen.

2. Preis von 3000 Fr. auf Fabrication von Glas, welches in der Masse gefärbt ist, oder auf Fabrication von doppelschichtigem Glase (verre à deux couches).

Die Bemühungen der königl. Fabrik in Sèvres und jene der Glasfabrik in Ehoisy haben, ungeachtet sie sich erst von ein Paar Jahren her datiren, der Glasmahlerei in Frankreich bereits wieder bedeutenden Aufschwung gegeben. Allein alle Gewandtheit des Glasmahlers vermag weder das weiße, strengflüssige Glas, von welchem eben die Sprache war, noch auch die in der Masse gefärbten Gläser oder die Ueberfanggläser, die nur in den Glasfabriken erzeugt werden können, zu ersezen. Frankreich fabricirt gegenwärtig allerdings solches Glas, allein nur sehr weniges, und dieses wenige von einer geringen Anzahl von Schattirungen. Die deutschen Fabriken sind in dieser Hinsicht den französischen weit voraus. So findet man in Deutschland Gläser, an denen das Ueberfangglas ein so schönes Iohannisbeerenroth hat, wie es in Frankreich noch nie fabricirt ward. Man scheint diese Farbe durch Anwendung einer sehr geringen Dosis von Schwefelgold zu erzielen. So findet man daselbst ein in der Masse gefärbtes purpurrothes Glas vom herrlichsten Glanze, welches seine Farbe gleichfalls einem Goldpräparate zu verdanken scheint. So liefern die deutschen Fabriken Krystallglaser ohne Blei (objects de gobelèterie), an denen das purpurrothe Ueberfangglas aus gewöhnlichem, mit Kupferoxydul gefärbten Krystallglase besteht. In Frankreich |462| erzeugt man allerdings auch purpurfarbige Gläser, allein man fabricirte bisher noch keine bleifreien Krystallgläser dieser Art.

Die Gesellschaft ertheilt demnach im Jahre 1838 demjenigen französischen Glasfabrikanten, der in Gestalt von gewöhnlichen Gläsern oder sogenannter Gobeleterie in der Masse gefärbte Gläser oder Ueberfanggläser in den Handel bringt, welche sowohl in Hinsicht auf Schönheit, als Zahl der Farbenschattirungen den Fabricaten der böhmischen Glashütten gleichkommen, einen Preis von 3000 Fr. Wahrscheinlich dürften die Preisbewerber die von Haudicquer de Blancourt gegebenen Vorschriften mit Vortheil zu Rathe ziehen. Aus einigen Thatsachen läßt sich auch abnehmen, daß die Färbung des Glases in gewissen Fällen durch eine Art von Cementation hervorgebracht werden kann.

3. Preis von 3000 Fr. auf Mahlerei oder Verzierung der bleifreien Krystallgläser (objects de Gobelèterie).

Die böhmischen Glasfabriken liefern bleifreie Krystallgläser, die mit verglasten, unter der Muffel eingebrannten Farben verziert sind, und die in Hinsicht auf Glanz, Durchsichtigkeit, Reinheit und Dauerhaftigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Dieser Industriezweig ist für Frankreich noch neu; auch konnte man sich bisher noch nicht damit beschäftigen, weil es an strengflüssigem Glase, welches gleichsam die Basis davon bildet, fehlte. Abgesehen von der Fabrication des strengflüssigen Glases muß zu dem fraglichen Zweke aber auch erforscht werden, wie sich die verschiedenen färbenden Metalloxyde, so wie auch die Vergoldung auf eine haltbare, glänzende und dennoch wohlfeile Weise auf diesem Glase anbringen lassen.

Die Gesellschaft beschloß also, im Jahre 1838 jenem Fabrikanten Frankreichs, der bis dahin bleifreie Krystallgläser, die unter der Muffel verziert wurden, und die mit den Fabricaten der bohmischen Glashütten in jeder Hinsicht einen Vergleich aushalten, in den Handel brächte, einen Preis von 3000 Fr. zu ertheilen. Die Preise der französischen Fabricate dürfen jene der böhmischen höchstens um 33 Proc. übersteigen. Als Basis wird bei der Vergleichung und Beurtheilung die schöne authentische Sammlung dienen, die Hr. Brongniart anlegte, und welche sich in der königl. Fabrik in Sèvres befindet.

4. Preis von 10,000 Fr. auf die Fabrication von Flintglas.

Die Fabrication des Flintglases hat ihre eigenthümlichen Schwierigkeiten; namentlich scheidet sich dieses Glas wegen seines großen Gehaltes an Bleioxyd während des Flusses gern in mehrere Schichten von verschiedener Dichtheit, woraus denn die Abweichungen in der Strahlenbrechungskraft der einzelnen Schichten und die Entstellungen des Bildes folgen, die das Flintglas unbrauchbar machen, sobald sich auch nur die geringsten Streifen oder Wellen darin bemerken lassen.

Die Aufgabe, große Massen Flintglas ohne Streifen zu erzeugen, wurde von Frauenhofer und Guinand gelöst; und in der Schweiz besteht gegenwärtig eine Fabrik, die fortwährend bis zu einem Durchmesser von 7 Zoll hinauf Flintgläser von allen Dimensionen liefert. Dessen ungeachtet bleibt die Fabrication noch immer sehr schwierig; wenigstens führten alle die Versuche, die man bisher in Frankreich und England anstellte, noch zu keinem commerciellen Resultate.

Die Schwierigkeit liegt nicht in der Zusammensezung der Glasmasse, indem Dumas und Faraday das Guinand'sche Flintglas untersuchten, und beide in ihren Analysen übereinstimmten, indem sie dasselbe in 100 Theilen aus

Kieselerde 42,5
Bleioxyd 43,5
Kali 11,7
Thonerde 1,8
Kalkerde 0,5
Arsenik eine Spur

bestehend fanden. Die ganze Schwierigkeit beruht daher auf einem Handgriffe, der durchaus nöthig scheint, wenn man dichte und dennoch streifenlose Massen erhalten will. So lange es sich um Stüke handelt, die nicht über 4 Zoll messen, scheint es noch am zwekmäßigsten und thunlichsten, sie nach dem gewöhnlichen Glasbläserprocesse zu erzeugen, der bis jezt allein den Anforderungen einer currenten Fabrikation entsprechen dürfte. Bei größeren Dimensionen dagegen ist man gezwungen, |463| die Massen im Tiegel erstarren zu lassen, und die Stüke, welche man zufällig erhält, zu benuzen.

Die Absicht der Gesellschaft ist, in Frankreich eine regelmäßige Fabrication des Flintglases für den laufenden und täglichen Bedarf der Optiker einzuführen; fern ist es dagegen von ihr die Glasfabrikanten in jene kostspieligen Versuche zu vermikeln, durch die man allein zu den großen Objectivgläsern, deren Gebrauch bisher noch sehr beschränkt ist, gelangen kann. Sie wird demnach im Jahre 1839 jenem französischen Fabrikanten, der Flintglas in Scheiben von 2 bis 4 Linien Dike in den Handel bringt, und der sich über seine Fabricationsmethode, so wie auch üder seinen Absaz gehörig ausweisen kann, einen Preis von 10,000 Fr. ertheilen. Das Flintglas muß im Preise jenem von Solothurn gleich stehen, und ihm in Hinsicht auf Qualität wenigstens gleichkommen.

5. Preis von 4000 Fr. auf die Fabrication von Kronglas.

Das Flintglas muß bei der Zusammensezung eines achromatischen Objectivglases nothwendig mit einem bleifreien Glase verbunden werden, und dieses ist das sogenannte Kronglas (crown glass), welches sich in Hinsicht auf seine Bestandtheile dem Spiegelglase oder schönem Fensterglase nähert. In kleinen Massen läßt sich auch dieses durch den Blasproceß erzielen; handelt sichs hingegen um dike Gläser von großem Durchmesser, so muß man gleichfalls zur Anwendung von Massen, die man langsam erstarren ließ, seine Zuflucht nehmen. Leider kommt aber in diesem Falle das Glas oft zum Krystallisiren, so daß es gleichfalls unbrauchbar wird. Die Fabrication des Kronglases, welche auf den ersten Blik so leicht und einfach zu seyn scheint, hat daher, wenn es sich um Gläser von großen Dimensionen handelt, gleichfalls ihre Schwierigkeiten, Schwierigkeiten, die sich denen bei der Fabrication des Flintglases an die Seite stellen lassen, wenn sie sie nicht gar noch übertreffen.

Aus den bei dem Flintglase angegebenen Gründen glaubt die Gesellschaft vorzüglich die Fabrication des für den täglichen Bedarf bestimmten Kronglases ermuntern zu müssen; weßhalb sie denn im Jahre 1839 demjenigen einen Preis von 4000 Fr. ertheilen will, der Kronglas in Scheiben von 4 bis 8 Linien Dike und von einer sämmtlichen Anforderungen der Optiker entsprechenden Qualität in den Handel bringt: namentlich müssen die Gläser der Einwirkung der Feuchtigkeit widerstehen.

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