Titel: Pinkus verbesserte pneumatische Eisenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. II. (S. 13–15)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064002

II. Ueber die neueren Verbesserungen an der pneumatischen Eisenbahn des Hrn. Pinkus.2)

Aus dem Mechanics' Magazine, No. 702, S. 301.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Hr. Pinkus hat, nachdem er sich überzeugt, daß sein früheres Project nicht ausführbar sey, und nachdem er gesehen, daß auch mehrere jener, die einst zu seinen Anhängern gehörten, derselben Ansicht beizupflichten beginnen, einen neuen, angeblich verbesserten Plan zu Tage gefördert, und auch auf diesen wieder ein Patent genommen. Nach dieser neuen Methode sollte zum Versuche neben dem Kensingtoncanale eine kurze Bahn ausgeführt werden; allein der ganze Bau blieb, nachdem die Luftröhren oder Tunnels einige Zeit über gelegen und rostig geworden waren, eingestellt.

Wir sind nicht ganz darüber einig, ob es der Mühe lohnt, in die Details eines Planes einzugehen, der schon in seiner Grundlage als absurd zu betrachten ist. Da Hr. Pinkus jedoch bei seiner neuen Erfindung großen Scharfsinn beurkundet, so wollen wir doch auf eine kurze Darstellung derselben eingehen.

An dem neuen Apparate ist die bewegliche Scheidewand ganz weggelassen, und der Durchmesser des Luftrohres auf den vierten Theil seiner früheren Größe vermindert, so daß die Anwendung dieses Rohres oder Tunnels eigentlich das Einzige ist, was der ältere und der neue Plan miteinander gemein haben. Die Bahn soll in Abtheilungen von je 5 englischen Meilen eingetheilt werden, und auf jede dieser Abtheilungen soll eine fixirte, zur Bewegung der Luftpumpen dienende Dampfmaschine kommen. Der Durchmesser des Hauptluftrohres soll an den den Stationen zunächst liegenden 1 1/4 Meilen 11 Zoll, an den dazwischen gelegenen mittleren 2 1/2 Meilen dagegen nur 9 Zoll betragen. Die Luftpumpen sollen die Luft in dem Rohre fortwährend und in dem Maaße verdünnen, als sie durch den Betrieb des Locomotivapparates in dasselbe hineingelangt. An der oberen Seite dieses Rohres soll sich eine 2 Zoll breite Oeffnung |14| befinden, an deren Rändern Platten angebracht sind, welche nach Hrn. Pinkus ein sogenanntes metallisches Ventil bilden. Diese Platten bestehen aus einer Legirung von Eisen und Kupfer, welche, um ihr Elasticität zu geben, hart gewalzt wird; sie haben an dem unteren Rande 1/8, an dem oberen dagegen, dessen Innerseite polirt seyn muß, 1/16 Zoll Dike und 4 Zoll Höhe. Fig. 43 zeigt einen Grundriß dieses Ventiles. Fig. 44 hingegen ist ein Querdurchschnitt durch das Luftrohr mit dem dazu gehörigen Ventile und der zwischen dessen Platten befindlichen, später näher zu bezeichnenden Zunge. a, a sind die Platten oder Lippen des Ventiles, welche vermöge ihrer Elasticität gegen einander drüken, und auf diese Weise nach der ganzen Länge des Luftrohrs ein luftdicht schließendes Gefüge bilden. Zwischen diesen Platten oder Lippen bewegt sich aber eine hohle metallene Zunge b, deren Gestalt aus Fig. 43 deutlich erhellt. Die mit den Lippen in Berührung stehenden Ränder dieser Zunge sind polirt; die Federkraft, womit die Lippen gegen diese Ränder angedrükt werden, bewirkt, daß das Gefüge auch während der Bewegung der Zunge luftdicht geschlossen bleibt. Die hohle Zunge communicirt vermittelst Drosselventilen mit einem Verdichter oder Vacuumgefäße; und dieses leztere communicirt vermöge ähnlicher Vorrichtungen, wie man sich ihrer an den Dampfcylindern bedient, und die durch ein Excentricum von der Kurbelwelle her in Bewegung gesezt werden, abwechselnd mit zwei Cylindern, worin sich Kolben bewegen, deren Stangen zum Umdrehen der Kniehebel dienen, womit die Räder der Locomotivmaschine umgetrieben werden. Der ganze Betrieb soll folgender Maßen von Statten gehen. Die in dem Hauptluftrohre befindliche Luft wird durch die an jedem Ende angebrachte Luftpumpe verdünnt erhalten. Wenn nun zwischen dem Rohre und dem Vacuumgefäße durch Oeffnung des Drosselventiles, und zwischen dem Vacuumgefäße und dem Cylinder durch den verschiebbaren Canal eine Communication hergestellt wird, so entsteht unter dem Kolben ein theilweises Vacuum, so daß der Kolben also durch den Druk der atmosphärischen Luft herabgedrükt und hiemit der Kniehebel um einen halben Umgang umgetrieben wird. Werden dann die Luftcanäle umgewechselt, so gelangt der andere Kolben auf gleiche Weise in Bewegung, womit eine Umdrehung des Kniehebels und folglich auch des Wagenrades vollendet ist. Die Luft, welche den Cylinder erfüllte, geht, nachdem sie den Kolben herabgedrükt hat, in das Vacuumgefäß und aus diesem durch die hohle Zunge in das Hauptluftrohr über, aus welchem sie durch die an den Stationen befindlichen Pumpen wieder ausgepumpt wird. So wie sich die Zunge zwischen den Lippen des Ventiles vorwärts bewegt, eröffnet sie sich |15| einen Durchgang, welcher hinter ihr in Folge der Elasticität der Platten alsogleich wieder geschlossen wird. Damit sich die Zunge in Folge der hiebei Statt findenden Reibung nicht erhizen kann, läuft von den Cylindern her beständig ein Strom kalten Wassers durch sie.

Dieß dürfte so ziemlich Alles seyn, was nöthig ist, um sich eine Idee von den neuen Erfindungen des Hrn. Pinkus zu schaffen. Man wird hieraus ersehen, daß diese sogenannten Verbesserungen wo möglich noch schlechter ausgefallen sind, als der ursprüngliche Plan; indem die Maschinerie dadurch nur complicirter und schwerer wurde. Würde Hr. Pinkus sein Vacuum nach Savery's Methode erzeugen, so würde er dazu nur eines Kessels und eines Ofens bedürfen, wornach die an den einzelnen Stationen erforderlichen Luftpumpen und Dampfmaschinen wegfallen könnten. Uebrigens glauben wir, daß auf der pneumatischen Eisenbahn nie auch nur ein Wagen laufen wird, so lange Hr. Pinkus nicht im Stande ist, der atmosphärischen Luft Eigenschaften zu geben, die sie nicht besizt; oder ihr eine der Eigenschaften, die ihr wirklich zukommen, nämlich die Elasticität, zu nehmen.

Die früher von Hrn. Pinkus projectirte pneumatische Eisenbahn findet man im polyt. Journal Bd. LVII. S. 1 hinreichend beleuchtet. Da alle Versuche, welche damit angestellt wurden, scheiterten, so hielten wir es nicht nöthig auf die mehrere Bogen lange Beschreibung des Patentes, die das London Journal im Jahrgange 1835 bekannt machte, zurükzukommen. Eben so wird, wie uns däucht, bei der praktischen Unbrauchbarkeit des neuen Vorschlages gegenwärtiger Aufsaz genügen, um in geschichtlicher Hinsicht den Anforderungen zu entsprechen, welche man an unsere Zeitschrift zu machen berechtigt ist.

A. d. R.

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