Titel: Alberti, über das Seilbohren im Kalkgebirge.
Autor: Alberti, Friedrich
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. VII. (S. 33–43)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064007

VII. Das Seilbohren im Kalkgebirge; von Friedrich von Alberti, königl. würtemb. Bergrathe und Salinenverwalter in Wilhelmshall.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Das Auffinden des Steinsalzes am Neckar gab Veranlassung zu einer Menge Bohrarbeiten in und außer Deutschland. Durch die Masse von Versuchen, namentlich auch durch die Bemühungen von Flachet u.a. wurde die Kunst des Bohrens auf einen früher nie gekannten Standpunkt gebracht. Bei all diesen Unternehmungen diente das Gestänge und die Vorrichtungen, welche Garnier, Selbmann, Langsdorf, Schimming, Boner, Blume, Waldauf, Spetzler, Gugler, v. Jacquin, Poppe, v. Bruckmann u.a. mehr oder weniger gut beschrieben und abgebildet haben.

Imbert 3) gab uns Nachrichten über die chinesischen Bohrbrunnen, welche 5 bis 6 Zoll weit mit einer Rammkeule, d.h. einem Kronenbohrer von 3 bis 4 Cntr. Schwere niedergeschlagen werden. Diese ist mittelst eines Rotangseiles an dem kurzen Arme eines Hebels aufgehängt, welcher niedergedrükt und dann seinem Gewichte überlassen wird. Das Seil wird beim Heben des Bohrers gedreht, und das Bohrmehl sammelt sich in einer nach Oben geöffneten Höhlung des Bohrers. So wie man mit lezterem 3 Zoll weit vorgerükt |34| ist, wird Wasser in das Bohrloch geschüttet. Auf diese Weise werden bei guter Beschaffenheit des Gesteins in 24 Stunden 2 Schuh gebohrt. Einzelne dieser Bohrlöcher, deren es in der Provinz Szu Tchhouan viele Tausende geben soll, sind bis 3000 Schuh tief.

Aus diesen sehr unvollständigen Nachrichten geht hervor, daß das Gebirge über den Salzquellen in Szu Tchhouan sehr wasserleer ist, eine gleiche, mäßige Festigkeit hat, und daß, weil sich so tief bohren läßt, wenig Gestein nachrollt. Bei diesen Umständen mögen die Vorrichtungen der Chinesen ganz zwekmäßig seyn. Ob sie aber auch eine Anwendung auf unser Salzgebirge zulassen, fing ich an im Jahre 1832 zu versuchen. Meine Maschine bestand aus einem Haspel zum Seile; von diesem aus ging lezteres über eine Rolle, welche an einem federnden Balken befestigt war, ins Bohrloch. An dem Seile über der Bohrbühne war ein Krükchen (Handhebe) angebracht. Da nun das Seil am Haspel mittelst eines Nagels festgestekt war, so mußte, wenn das Krükchen unter sich gedrükt wurde, auch der federnde Balken herabgedrükt werden. Dieser ging in seine alte Lage zurük, wenn am Krükchen losgelassen wurde. Bei mehr oder weniger Anspannung des Seils konnte der Hub vergrößert oder verkleinert werden. Nach der Tiefe des Bohrlochs wurde das Hypomochlion des federnden Balkens verändert. Diese Vorrichtung war außerordentlich einfach, und sie eignet sich auch wohl für wenig tiefe Bohrlöcher; mit der Tiefe wachsen jedoch die Schwierigkeiten, und ich mußte zu anderen Vorrichtungen schreiten.

Im Jahre 1833 und 1834 machte Hr. Sello 4) seine Versuche über Seilbohren bekannt. Seine Ideen wurden von Hrn. Frommann 5) weiter ausgeführt. Zur Beurtheilung ihrer Leistungen ist zu bemerken:

1) daß die Versuche in Kohlensandstein mit den diesem untergeordneten Schiefern und in buntem Sandsteine in beim Bohren wenig nachrollenden und so weichen Gesteinen angestellt sind, daß in 12 Stunden 3 bis 7 Schuh, täglich also 6 bis 14 Schuh niedergebracht wurden;

2) daß die geringste Weite eines Sello'schen Bohrloches 4 1/2 Zoll rheinl., die eines von Frommann 7 Zoll betragen habe, und

3) daß die Versuche des ersteren nur eine Tiefe von 163 Sch. 10 Zoll, die des lezteren von 266 Sch. 10 Zoll erreicht haben.

Ob bei einem viel weicheren Gebirge als in Szu Tchhouan mit |35| ähnlichen Instrumenten so tief als dort gebohrt werden könnte, muß dahin gestellt bleiben.

Mein Augenmerk ging dahin, das Seilbohren für enge und tiefe Bohrlöcher im Muschelkalkgebirge in Anwendung zu bringen, und bald fand ich, daß von den chinesischen Werkzeugen und den Vorrichtungen der HH. Sello und Frommann für mich nur das Seil anwendbar blieb. Der Scheibenhaspel der lezteren dient nur für wenig tiefe Bohrlöcher; die Wülste an den Leitstangen, welche das ganze Bohrloch ausfüllen, so daß beim Nachrollen von Steinchen, was bei festem Gebirge oft geschieht, das Gestänge sich einkeilen würde, konnten mir nicht taugen; die gußeisernen Werkzeuge nehmen im festen Gesteine ein schlechtes Ende, und die Kronbohrer aus einem Stüke bestehend zerfallen zulezt in Stüke, da, wenn der Bohrer öfters ins Feuer kommt, die Schweißen der Verstählung ganz abstehen. Die Bohrer mit Kernstüken und Schließen sind hier eben so wenig tauglich, indem durch die heftigen Schläge die Meißel ihrer Länge nach gestaucht und lose werden. Die Instrumente endlich, an denen Bohrer und Löffel zugleich angebracht sind, würden in engen Bohrlöchern sehr hinderlich seyn.

In Nachstehendem will ich

1) eine Beschreibung meines Bohrapparates und der Behandlung desselben;

2) der Schwierigkeiten beim Seilbohren;

3) Notizen über den Effect und die Kosten der beschriebenen Methode, so wie

4) über das Erweitern der Bohrlöcher mittelst des Seils geben.

Der Bohrapparat besteht aus Bohrer, Gestänge, Seil, Rad sammt Bremsvorrichtung, Schwengel, Büchse und Löffel.

Die Schneide des Bohrers hat, Fig. 1, a, die Form eines Z; Fig. 1 b, c zeigt die Vorder- und Seitenansicht desselben. Dieser Bohrer hat den Vortheil, daß er großen Theils die Stelle der Büchse versieht, so daß diese nur wenig mehr zu thun hat; daß er mehr Angriffspunkte darbietet, sich selten stekt, und kleinere Stükchen Gebirg durch ihn fallen können. Er muß übrigens natürlich wie alle Bohrer für festes Gestein gut gehärtet seyn.

An dem Bohrer ist ein gewöhnliches Gestänge von nur 1 Zoll Dike angeschraubt. An diesem wird so lange gebohrt, bis es etwa 4 Cntr. schwer ist; bei dem Versuch, welchen ich unten näher beschreiben werde, wurden 6 Stangen zu 80 Schuh Länge angewendet.

Die Scheibe a, Fig. 3, und der Bohrteichel s sind so weit von |36| einander entfernt, daß bequem 2 Stangen zugleich ausgezogen werden können.6)

An der obersten Stange ist ein Wirbel, Fig. 2, angeschraubt, an dem das Seil befestigt ist. Wenn das Gestänge gerade gerichtet und gehalten wird, kann das Bohrloch nie schief werden, so tief es auch niedergesenkt werden soll. Dieß ist ein großer Vorzug, welchen diese Bohrweise vor der chinesischen voraus hat, wo nicht selten die senkrechte Richtung des Bohrloches verloren geht, und das Bohren dann eingestellt werden muß.

Das Seil ist einen schwachen Zoll dik, aus langem Schleißhanf gut geschlagen. Gegen Einwirkung des Wassers wird es durch eine Salbe von Unschlitt, Wachs und Oehl geschüzt. Zu einem Seile von 600 Schuh Länge wurden 10 Pfd. Unschlitt, 5 Pfd. Wachs und 4 1/2 Maaß Oehl, Alles wohl unter einander gemischt und in heißem Zustande angewendet verbraucht. Durch diese Salbe erhält es viel mehr Geschmeidigkeit als durch Theer. Das Seil leidet vorzüglich da, wo es am Wirbel befestigt ist; deßhalb wird es hier mit Draht wohl umflochten, und dennoch bricht es zuweilen an dieser Stelle. Leidet dasselbe sonst wo Noth, so wird es mit Schnüren fleißig umwikelt. Zu dem 502 1/2 Schuh tiefen Bohrloche wurden 2 Seile gebraucht, von denen das erste 262 Pfd. schwer nicht ganz gut gemacht, das zweite 306 Pfd. schwer nach Vollendung der Arbeit noch vollkommen gut war, so daß anzunehmen ist, daß im günstigen Falle mit einem guten Seile 500 Schuh tief in festem Gebirge niedergeschlagen werden kann.

Das Rad, 10 Schuh hoch, ist in Fig. 3 von Vorne, in Fig. 4 von der Seite, und in Fig. 5 von Oben abgebildet. Der Kranz besteht aus doppelt zweizölligen Dielen, in welche hölzerne Nägel eingezapft sind, an denen die Arbeiter das Rad in Bewegung sezen. Auf dem Wellbaume desselben ist das Bohrseil aufgelegt, welches von da über die Scheibe a (Fig. 3, 4, 5) ins Bohrloch geht.

Die Bremsvorrichtung dient dazu, das Rad zu arretiren, oder Gestänge und Seil geschwinder oder langsamer einlassen zu können. Bei b, Fig. 3, ist ein eichenes Stük Holz in Form eines Radschuhs, welches sperrt, wenn der Hebel c, Fig. 6, welcher bei h in einem Nagel läuft, und mittelst einer in eisernen Gewerken laufenden Stelze d, d mit dem Hebel e in Verbindung steht, herabgelassen wird. Der Hebel c wird mittelst eines Seiles f über der Rolle g aufgezogen.

Der Schwengel ist in Fig. 3 i von der Seite, in Fig. 7 aber |37| vergrößert sowohl von der Seite (A) als von Vorne (B) dargestellt. Er besteht aus einem Hebel, welcher sich nach Vorne in einen Krümmling endet. Der Hub kann durch Verrüken der Bohrdoke h, h in Fig. 3 verändert werden; zu diesem Ende sind auch im Schwängel, Fig. 7 A, bei o, o Löcher angebracht.

Für die ganze Tiefe von mehr als 500 Schuh wurde das Verhältniß des Hebelarmes der Kraft zu dem der Last = 8 1/2 : 2 = 4,25: 1 beibehalten, wodurch 1 Schuh Hub erzielt wurde. Da das Gewicht der Bohrstangen etc. = 400 Pfd. betrug, und 1 Mann mit 50 Pfd. Kraft wirkt, so waren erforderlich 400/(4,25 × 50) = 1,88 Arbeiter; zur Erleichterung des Geschäfts wegen der Reibung bei Bewegung des Schwengels und des Gestänges, wegen des Gewichts und der Elasticität des Seils, und weil bei der Manipulation so viel Leute unentbehrlich sind, wurden jedoch während des Absenkens des ganzen Bohrloches 3 Mann in 1 Schicht unterhalten.

Aus Fig. 7, B sieht man, daß bei h am Zirkelabschnitte des Krümmlings eine Hohlkehle angebracht ist. Soll gebohrt werden, so wird das Seil in diese Hohlkehle gerükt und über dasselbe ein ausgekehltes Stük Eisen i, i, i gelegt, welches bei k durch einen eingestekten Nagel gehalten wird, worauf man vor dasselbe eine Platte l, l sezt, und mit der Schraube m, m die Platte und eiserne Hohlkehle gegen das Seil drükt, so daß dieses arretirt ist. Damit die Platte nicht nachgeben kann, ist bei n eine Schließe vorgestekt.

In Fig. 8 ist die Büchse von Vorne und von Unten abgebildet. Sie ist aus einem Stüke verfertigt und an der Peripherie scharf und gut gestählt. Damit nachrollende Steinchen sie nicht einklemmen, hat sie vier Ausschnitte p, p, p, p, so daß sie die Form eines Kreuzes erhält, woher die Benennung Kreuzbüchse.

Der Löffel zum Reinigen des Bohrloches ist ein hohler 6 bis 8 Schuh langer, etwa 2 Zoll im Lichten weiter Cylinder von starkem Messingblech, welcher unten ein Ventil, oben ein Gewinde hat, in das der Wirbel (Fig. 2) paßt.

Die Manipulation beim Bohren ist folgende: das Seil wird auf den Wellbaum über die Scheibe a, Fig. 3, gelegt, mittelst des Wirbels an Stangen und Bohrer angeschraubt und durch das Rad eingelassen. Sizt der Bohrer im Tiefsten auf, so wird, wenn das Seil schraff angezogen ist, gebremst, der Schwengel eingesezt, das Seil in die Hohlkehle h, Fig. 7 B gerükt, die eiserne Hohlkehle i, i mittelst des Nagels k, k darauf gesezt, die Platte l, l mit der Schraube m angezogen, und so das Seil arretirt. Die Bremse wird nun aufgezogen, das Seil lose gemacht und mittelst des Schwengels gebohrt. |38| Damit das Seil sich nicht zu sehr krümmt, ist am Ende des langen Hebels ein Prellriemen q, q, Fig. 3, angebracht, welcher den Schwengel auf gewisser Höhe erhält, und so wird fortgefahren bis entweder der Bohrer stumpf zu seyn scheint, oder gelöffelt oder gebüchst werden muß.

Je nach der Festigkeit des Gesteins müssen die Bohrer in 8 Stunden 1 bis 4 Mal ausgewechselt werden. Je weicher das Gebirge, desto mehr muß natürlich gelöffelt werden. Gebüchst wird regelmäßig ein Mal wöchentlich.

Beim Einhängen und Ausziehen des Seils ist zum Auf- und Abschrauben 1 Mann, am Rade aber sind 2 Arbeiter beschäftigt. Beim Bohren selbst sind, da sich das Seil beim Anziehen immer so viel dreht, daß der z Bohrer keine Füchse stehen läßt, alle 3 am Schwengel.

Die Mannschaft wurde alle 8 Stunden gewechselt; in jeder Schichte waren ein Obmann mit 40 kr. und zwei gemeine Arbeiter mit je 30 kr. Schichtlohn. Zur Aufmunterung des Fleißes wurde ihnen von 100 zu 100 Schuh, wenn sie auf eine bestimmte Zeit ihre Aufgabe erfüllten, Prämien ertheilt.

So einfach der beschriebene Bohrapparat und die Manipulation ist, so müssen doch die Schwierigkeiten nicht übersehen werden, welche das Bohren am Seile im Gefolge hat. Sehr groß sind diese, wenn viel Gestein nachrollt. Kommt dieß Nachrollen nur hie und da vor, so läßt sich dieser Uebelstand durch Geduld und Vorsicht leicht überwinden. Füllt ein Stein nach, so wird der Bohrer eingeklemmt; läßt sich durch Rütteln der Stein nicht entfernen, so darf keine Gewalt gebraucht werden, wodurch das Seil zerreißen könnte, sondern dasselbe muß vom Wellbaume abgenommen, im Bohrloche schraff angezogen, das Gestängseil aufgelegt und neben dem Seile ein dünnes Bohrgestänge eingehängt werden, an dem unten ein einfacher Haken Fig. 9 (a von Unten, b von der Seite) angeschraubt ist. Das Gestäng wird bis zum Wirbel unter dem Seile eingelassen, dieses gepakt, das Gestäng angefesselt, und der Bohrer sammt dem Seile herausgezogen. Dieser Fall kam sechs Mal vor.

Weil das Bohrloch nur 3 Zoll weit war, so litt ungeachtet des Einbindens mit Draht das Seil am Wirbel Roth; deßhalb brach es auch zwei Mal an demselben, ohne daß die Arbeit jedoch aufgehalten wurde, da mit dem oben beschriebenen Haken der Wirbel bald gefaßt und somit das Gestänge ausgezogen werden konnte.

Fällt ein Bruch vor, so wird zuerst mit einem hohlen mit Letten angefüllten Cylinder, Lettenbüchse genannt, ein Abdruk von dem |39| Bruche genommen und dann je nach den Umständen ein Fanginstrument angewendet.

Mehrmals schraubten sich Stangen los, welche mit der Fangbüchse7) ausgebracht wurden.

Zwei Mal brach auch der Wirbel entzwei; ein Mal konnte er mit der Fangbüchse gepakt werden, das andere Mal wurde er in die Lettenbüchse eingestaucht.

Wenn nicht zu viel Gestein nachrollt, so ist das Seilbohren mit weniger Gefahr als das Bohren am Gestänge verknüpft. Sehr erleichtert wird das Fangen, wenn das Bohrloch 1/2 Zoll weiter, also auf 3 1/2 Zoll gebohrt wird. Bei Schwenningen lasse ich gegenwärtig eines von dieser Dimension niederschlagen, und glaube, daß wenn hier noch so viel nachrollt, dieß die Arbeit nicht wesentlich stören werde.

Da die Rammkeule, mit der in China gebohrt wird, das ganze Bohrloch ausfüllt, so kann sie, wenn der Ring zerbricht, an welchem sie hängt, nicht mit Fanginstrumenten gepakt werden. Imbert sagt, daß man dann 5 bis 6 Monate brauche, um sie mit anderen Rammkeulen zu zermalmen.

Von der Schattenseite, von den Gefahren, welchen das Seilbohren unterworfen ist, welche es aber vollkommen mit dem Bohren am Gestänge gemein hat, komme ich auf die Glanzseite, auf den Effect desselben.

Um diesen richtig beurtheilen zu können, muß bemerkt werden, daß die ersten 250 Schuh beim Bohrloche Nr. 6 in Wilhelmshall bei Rottenmünster, mit anderen weniger zwekmäßigen Vorrichtungen abgebohrt wurden, und daß bis zu dieser Tiefe mit dem bösen Willen der Arbeiter zu kämpfen war; deßhalb wurde sie auch erst in 645 Schichten oder in 215 Tagen erreicht, während man in dem 80 Schuh entfernten Bohrloche Nr. 5 zu derselben Tiefe in 412 Schichten oder 137 1/3 Tagen mit dem Gestänge gelangte. Einen ganz anderen Gang nahm die Arbeit nach Erreichung der ersten 250 Schuh.

Von dieser Tiefe an wurden gebohrt:

In den unteren Schichten des Kalksteins von
Friedrichshall, welche sich gegen unten
bleichen, sehr fest sind, und nur selten einzelne
Mergelschichten führen bis



288



Schuh
in gelben festen Kalkmergeln 328
Thon mit sehr festen Gypslagen und festen
Kalksteinschichten

388

|40|
Thongyps

433

Schuh
in sehr festem Anhydrit 452
Salzthon 476
Steinsalz 502 1/2

Diese 252 1/2 Schuh wurden erreicht:

bei Nr. 6 mit dem Seile bei Nr. 5 mit dem Gestänge
und zwar die 6ten 50 Schuh in 87 Schichten 89 Schichten
7t. 50 – 71 – 102 –
8t. 50 – 68 – 121 –
9t. 50 – 99 – 161 –
10t. 50 – 91 – 95 –

zusammen bei Nr. 6 in 416 Schichten oder 138 3/5 Tagen.

Bei Nr. 5 in 568 Schichten oder 189 1/3 Tagen; folglich wurden täglich im Durchschnitte und zwar bei gleicher Weite des Bohrloches und gleichem Gesteine gebohrt

bei Nr. 6 1,80 Schuh
Nr. 5 1,32 –

Die 10ten 50 Schuh sind deßhalb im Verhältnisse langsamer niedergeschlagen worden, weit der Salzthon sich sehr anhängte und hier ein größeres Gewicht des Gestänges vortheilhaft gewesen wäre.

Nun haben gekostet

bei Nr. 6 mit dem Seile: Nr. 5 mit dem Gestänge:
Das Abtäufen und Verbauen des Schachtes
bei Nr. 6 131 fl. 30 kr.
bei Nr. 5 189 fl. 38 kr.
Dieser Unterschied ist zufällig, ich nehme
daher die Kosten für beide Bohrlöcher
gleich an, zu


131 fl. 30 kr.


131 fl. 30 kr.
Das Bohren auf 502 1/2 Schuh 1885 fl. 35 kr. 2663 fl. 50 kr.
Die Prämien 122 fl. – – 295 fl. –8)
Zimmerarbeiten (Reparaturen) 36 fl. 40 kr. 33 fl. 25 kr.
Schmiedarbeit 70 fl. 35 kr. 138 fl. 23 kr.
Seile 302 fl. 56 kr. 134 fl. – –
Materialien 338 fl. 38 kr. 526 fl. 26 kr.
–––––––––––– ––––––––––––
2887 fl. 54 kr.
Nach Vollendung des Bohrloches war 1 Seil
noch werth wenigstens
80 fl.
––––––––––––
Folglich die ganzen Kosten 2807 fl. 54 kr. 3922 fl. 34 kr.
Nr. 6 hat also weniger gekostet als Nr. 5 1114 fl. 40 kr.
|41|

Das Bohren am Seile kostete bis 250 Schuh Tiefe mehr als das am Gestänge – 270 fl. 45 kr. Wäre von Anfang an das Bohren behandelt worden wie zulezt, so ist mit Bestimmtheit anzunehmen, daß weiter gewonnen worden wären – 550 fl.; Nr. 6 hätte daher nur gekostet – 2257 fl. 54 kr. oder 1664 fl. 40 kr. oder etwa 3/7 weniger als Nr. 5.

Aus Vorstehendem ergibt sich, daß bis zu 80 Schuh Tiefe mit dem Gestänge gebohrt werden muß, und von da an erst das Bohren am Seile beginnen kann.

Da beim Bohren mit dem Gestänge die Zahl der Arbeiter von 50 zu 50 Schuh vermehrt werden muß, und je tiefer das Bohrloch wird, desto beschwerlicher und langwieriger auch das Ausziehen des Gestänges, desto stärker das Anschlagen des lezteren und das Nachrollen von Gestein wird, während beim Bohren am Seile die Zahl der Arbeiter immer 3 bleibt, das Ausziehen nicht viel langsamer geht und die Angriffsfläche des Gestängs gegen die Wände des Bohrlochs nicht größer wird, lezteres mag mehr oder weniger tief seyn, das Nachrollen des Gesteins daher auch ungleich geringer ist, so wächst natürlich mit der Tiefe der Gewinn, welchen das Seilbohren gewährt.

Auf die hier beschriebene Weise lassen sich Bohrlöcher von allen Dimensionen ansezen, nur muß im Verhältniß zur Weite die Schwere des Gestängs und damit die Zahl der Arbeiter wachsen.

Soll ein vollendetes Bohrloch von etwa 500 Schuh Tiefe, wie es bei den zur Soolenförderung benuzten geschieht, bis auf eine gewisse Tiefe, etwa auf 200 Schuh erweitert werden, so ist zuerst ein Abschluß des Bohrlochs auf etwa 220 Schuh Tiefe nöthig, um den beim Erweitern sich erzeugenden Bohrschlamm nicht aus der Tiefe von 500 Schuh ausfördern zu müssen, sowie um beim Erweitern vorfallende Brüche unschädlich zu machen, oder bei artesischen Brunnen vorliegende Quellen nicht zu verschütten, wodurch lezteren nicht selten ein anderer Abfluß gegeben wird. Im Jahre 1824 fing ich an diesen Abschluß mittelst eines Keils zu versuchen und habe seitdem das Experiment, ohne den mindesten. Anstand, 11 Mal wiederholen lassen.

Dieser Keil ist in Fig. 10 abgebildet. a ist ein abgekürzter Kegel von Tannenholz, welcher, wenn das Bohrloch 3 Zoll weit ist, unten 2 1/2, oben 1 1/2 Zoll Durchmesser hat. Mittelst einer links geschnittenen Holzschraube b wird dieser Keil mit dem Bohrgestänge b' verbunden; c, c, c, c ist der Durchschnitt eines hohlen Cylinders ebenfalls von weichem Holze, welcher oben und unten mit schwachem Draht gebunden wird, damit er nicht auseinander fällt. Dieser hohle |42| Cylinder ist mit Schnüren d, d, welche angenagelt sind, an den Keil befestigt, so daß er nicht über sich gehen kann. Ueber der Schnur ist ein Stük Sohlleder e, e angenagelt, das einen starken Zoll mehr im Durchmesser als das Bohrloch hat.

Der Keil a wird zuerst langsam am Gestänge niedergelassen; der hohle Cylinder folgt ihm durch die Schnüre gezwungen und das Leder rutscht aufgestülpt nach. Ist nun die gewünschte Tiefe erreicht, so wird das Bohrgestänge b' angezogen. Beim Aufziehen sperrt das Leder, der Keil wird, da die Schnüre und die zusammenhaltenden Drahte zerreißen, im Cylinder aufgezogen, und da derselbe mit jenem mehr als 3 Zoll einnimmt, so wird das Bohrloch durch diesen Keil vollkommen geschlossen. Da das Gestänge ein rechtes Gewinde hat, so läßt sich die Holzschraube leicht abschrauben. Ist das Bohrloch nachgeschlagen, so wird der Keil zusammengebohrt, womit selten mehr als eine Schichte zugebracht wird.9)

Nach hergestelltem Verschluß beginnt die Erweiterung. Gesezt sie soll auf 5 Zoll geschehen, so ist der in Fig. 11, 12, 13, 14, 15 abgebildete Bohrer zu empfehlen. Er besteht aus einer eisernen Scheibe, die in Fig. 11 a, a von Unten und in Fig. 12 a, a von der Seite abgebildet ist; in sie sind die z Meißel b, b, b, b eingesezt. Leztere wurden in Fig. 13 von Vorne und in Fig. 11 bei b, b, b, b von Unten abgebildet, und zwar in verschiedener Länge, wie sie wegen des Bügels der Hauptstange d, d, Fig. 12 und 14, erfordert werden; die Seitenansicht ist wie die des z Bohrers in Fig. 1, c. Diese Bohrer haben, wie aus Fig. 13 ersichtlich ist, oben Gewinde, worüber die Hülsen c, c, c, Fig. 12, geschraubt sind; leztere können, damit sie sich nicht losmachen, oben noch durch eine eiserne Scheibe gesperrt werden. Damit der Bohrer das enge Loch nicht verlassen kann, befindet sich unten von starkem Blech der Zapfen e, in Fig. 12 und 15 ersichtlich. Derselbe ist mittelst der Scheibe f, f mit dem Bohrer verbunden und leztere, damit die Meißel hindurchgehen, wie die Scheibe a, a, Fig. 11, durchlocht.

In Fig. 10 ist der Schlüssel abgebildet, womit die Bohrer angeschraubt werden.

Dieser Bohrer, dessen Bahnen, wenn sie auf einer Seite stumpf sind, gedreht werden können, wird wie ein anderer aus Gestänge angeschraubt, und mit lezterem so lange fortgearbeitet, bis die Last mit dem Bohrer 5 bis 6 Centner beträgt; dann wird mit dem Seile |43| gebohrt, und der oben beschriebene Proceß wiederholt sich in allen seinen Theilen.

Ich habe die kurze Beschreibung meiner Erfahrungen über das Seilbohren hauptsächtlich deßwegen mitgetheilt, um andere zu bestimmen, dieses Verfahren nachzuahmen und weiter auszubilden. Sehr folgenreich können solche Bemühungen werden. Das Seilbohren geht viel schneller als das Bohren am Gestänge von Statten, auch empfiehlt es sich durch bedeutend geringeren Kostenaufwand und durch dasselbe wird daher die Anzahl der Bohrarbeiten vermehrt werden. Wenn es wegen der Schwere des Gestänges, wegen des großen Zeitverlustes beim Aus- und Einhängen desselben, wegen der sich immer mehr häufenden Brüche beinahe unmöglich wird, tiefer zu bohren, so hindert nichts, mit dem Seile doch noch in eine größere Tiefe vorzudringen; welchen Gewinn verspricht daher die allgemeinere Anwendung des Seilbohrens für Naturkunde und Technik! –

|33|

Annales de l'Association pour la propagation de la foi, No. 16, Janvier 1829.

|34|

Karsten's Archiv VI. Bd. S. 343–369, ebendas. Bd. VII. 2. H., S. 526–553.

|34|

Die Bohrmethode der Chinesen, oder das Seilbohren. Coblenz 1835.

|36|

Bei einem demnächst zu beginnenden Bohrloche werde ich einen Standbaum aufstellen lassen, um das Ausziehen von 80 Schuh Gestänge mit einem Zuge zu bewerkstelligen.

|39|

Abgebildet in der Schrift: „Ueber artesische Brunnen von Bruckmann Tab. IV. Fig. 8, 9, 10.

|40|

Die Prämien für Nr. 6 sind, da nur 3 Mann in einer Schicht waren, während es beim Bohren am Gestänge bei 500 Schuh 10 Mann seyn müssen, für 1 Mann größer als bei Nr. 5.

|42|

Mit demselben Keil wurde 1824 in Wilhelmshall bei Schwenningen eine über 500 Schuh lange, 4000 Pfd. schwere messingene Pumpe, welche ins Bohrloch eingeschossen war, glüklich herausgebracht.

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