Titel: Zeller, Beschreibung einer Brauerei.
Autor: Zeller, Christian Felix
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. X. (S. 48–52)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064010

X. Beschreibung der Großherzoglichen Brauerei in Oberweimar. Mitgetheilt von Hrn. C. Zeller, Sekretär des Großh. bad. landw. Vereins in Carlsruhe, und Lehrer der Landwirthschaft am dortigen Schullehrerseminar.

Mit Abbildungen auf Tab. I.

Diese Brauerei ist ganz auf den im nördlichen Deutschland üblichen Betrieb der Ober-Gährung eingerichtet und unterscheidet sich daher wesentlich von den bayerischen Brauereianlagen, steht übrigens sowohl wegen vorzüglicher Qualität ihrer Producte als der für einen Betrieb jener Art musterhaften Einrichtung in großem Rufe; dieß bewog mich auch, sie auf meiner Reise aufzusuchen, und da ich wirklich Gelegenheit fand, die Brauerei-Einrichtung durch die bekannte Gefälligkeit des Hrn. Kammerraths Brand in Weimar vollständig kennen zu lernen, so glaube ich mich zu einer näheren Beschreibung derselben wohl in Stand gesezt.

Das Bräuhaus ist ein langes hohes Gebäude mit der Fronte gegen Mittag und wenige Schritte von dem vorbeifließenden Bache, der Ilm, entfernt, aus dem das zum Brauereibetrieb nöthige Wasser geschöpft wird.

Die Einrichtung des Brauereigebäudes geht aus den, gegenwärtiger Beschreibung beigelegten Rissen hervor. Diese sind:

Fig. 17 der Grundriß desselben zur ebenen Erde;

Fig. 18 der Grundriß der ersten Etage und

Fig. 19 der Längendurchschnitt ohne den Dachstuhl.

Das ganze Gebäude selbst theilt sich ab in

A das eigentliche Brauereigebäude,

B das Gähr- und

C das Lagerhaus.

Die Locale des Gährhauses sind gewölbt und durch eine massive Wand von dem Braulocal getrennt. Oberhalb des ersteren befinden sich die Schüttböden. So weit das Gewölbe reicht, ist auch die Umfassungswand massiv. Weiter oben besteht sie dagegen aus Riegelwandungen und bildet zwei Etagen, die zu Schüttböden verwendet werden, so daß das Gährhaus mit den zwei weiteren im Dach befindlichen, 4 Schüttböden enthält.

Grundriß zu ebener Erde.

Dieser zeigt unter

a die Malzkammer, in der das Malz vor dem Schroten angefeuchtet |49| wird. Sie steht durch einen Schlauch mit dem im zweiten Stok des Gährhauses befindlichen Malzvorrathsboden in Verbindung.

b einen Wasserbottich;

c die bereits erwähnte Pumpmaschine, welche durch ein Pferd mittelst eines, im nebenliegenden Schrotmühlgebäude befindlichen Tretrads in Bewegung gesezt wird und sowohl das zum Betriebe nöthige Wasser aus dem hinter dem Braugebäude vorbeifließenden Bache, als auch die Würze in die Höhe schafft. Für leztere steht überdieß zur Linken eine weitere Pumpe und rechts eine solche als Nothpumpe;

d den Seiger oder Stellbottich. Er steht unmittelbar unter dem Maischbottich h, hat mit diesem gleiche Größe und zwei Böden. Zwischen lezteren also auf der Seite des Seigerbottichs ist ein Hahn befestigt, der sich unmittelbar über dem im Erdgeschoß stehenden Würzbottiche öffnet. Dieser leztere ist übrigens bloß in der Durchschnittszeichnung ersichtlich. Er besteht aus einem vierekigen Kasten von starkem Holze und ist dazu bestimmt, die aus dem Seigerbottiche ausgelaufene Würze zu sammeln. Diese wird dann von hier aus durch eine Röhre, welche ihn mit der Pumpmaschine in Verbindung sezt, nach dem in der zweiten Etage stehenden Würzbehälter (s. k im Durchschnitt) gebracht.

e den Gährbehälter unter den Kühlschiffen stehend, die das Bier mittelst Röhren abgeben. Er ist mehr einer Kammer als einem Bottich ähnlich, denn er kann beinahe luftdicht verschlossen werden; auch ist er nur mit einem Fenster versehen, um so viel Licht und frische Luft als nöthig ist, zulassen zu können.

Unmittelbar an diesen Gährbehälter gränzt das Gährhaus B, wohin das Bier, wenn es in der Gährkammer den zum Füllen auf Fässer geeigneten Grad von Gährung erreicht hat, durch eine Röhre geführt wird.

Grundriß des ersten Stoks.

Dieser enthält unter

f die große runde kupferne Braupfanne mit der Feuerung. Sie faßt 55 Weimarer Eimer Wasser à 145 Pfd. Ueber ihr befindet sich der Schlot zum Abführen der Dampfe, auch münden sich in sie 2 Röhren von dem über ihr liegenden Würz- und Wasserbehälter (s. k im Durchschnitte), um nach Bedürfniß beides. Würze sowohl als Wasser, in die Pfanne bringen zu können. Lezteres selbst entleert sich durch einen am Boden angebrachten Hahn und durch unterlegte Rinnen entweder in den Seigerbottich d oder in den Hopfenbehälter g, der sich neben dem Kessel unmittelbar unter dem Würz- |50| und Maischbottich h befindet. Jener Behälter ist ein hölzerner vierekiger Kasten mit einem durchlöcherten Einsaze, der die Bestimmung hat, den Hopfen zurükzubehalten, während die aus der Braupfanne ablaufende geschöpfte Würze sich unterhalb des Einsazes ansammelt. Diese wird dann zum Theil mittelst einer Pumpe entweder auf das eine oder das andere der im vierten Stok befindlichen zwei Kühlschiffe c, oder das unter diesen gegenüber dem Hopfenbehälter liegende dritte Kühlschiff m gebracht.

h den Maischbottich, dessen oberer Rand mit dem der Pfanne in gleicher Höhe steht, damit das Ueberschöpfen von einem in den anderen keinen besonderen Schwierigkeiten unterliegt.

ii sind zwei Kammern, theils für den Oberbrauer, theils für das übrige Braupersonal.

Im Durchschnitte

sind ersichtlich und zwar unter

b der Wasserbottich,

c die Pumpmaschine,

d der Seiger oder Stellbottich,

n der Würzbottich,

g der Hopfenbehälter,

h der Maischbottich,

m das untere Kühlschiff,

l, l die beiden oberen Kühlschiffe, die bei Beschreibung der ersten und zweiten Etage bereits näher bezeichnet worden sind; endlich

k ein Wasserbehälter, der durch eine Pumpe aus dem hinter dem Gebäude fließenden Bache seinen Zufluß erhält. Das Wasser kann dann von hier aus theils durch Röhren, theils durch Rinnen in die Braugefäße geleitet werden. Daneben befindet sich der Würzbehälter (in dieser Durchschnittszeichnung übrigens nicht ersichtlich), in den die geklärte Maische aus dem im Souterrain stehenden Würzbottich, wie dort angegeben ist, vermittelst der besonderen Würzpumpe aufgepumpt wird.

Zur Vervollständigung der Erklärung der Risse bemerke ich noch, daß die Gefäße, wie sie oben bei jeder Etage angeführt worden sind, bald tiefer, bald, höher gegeneinander stehen, je nachdem es ihr Zwek mit sich bringt, so wie auch die einzelnen Etagen selbst kein abgeschlossenes Ganzes bilden, daher namentlich die Böden nicht immer durch das ganze Gebäude durchlaufen. Dasselbe ist z.B. vom Maischbottich oberhalb bis zum Dache durch keine Böden unterschieden. Es ist nämlich darauf abgesehen, daß die Dampfe durch verschiedene, im Dache angebrachte Essen leichter ungehinderten Ausgang finden, |51| und nicht, wie es manchmal in sonst splendid eingerichteten Brauhäusern getroffen wird, genöthigt sind, sich mit Gewalt nach den vorhandenen Oeffnungen durchzuarbeiten, oder gar im Braugebäude zu verweilen, wo sie sich nur niederschlagen und in wässeriger Gestalt an den Wänden und Geschirren herabziehen würden. Durch reichlich und an passenden Orten angebrachte Fenster ist das Ganze erhellt, das Durchstreichen frischer Luft durch Zuglöcher befördert, und der Wasserabzug durch das dem Boden gegebene Gefalle erleichtert. Somit kann nicht nur kein Wasser stehen bleiben, sondern es wird auch dadurch das öftere Fegen und Reinigen des Locals erspart. Endlich habe ich noch die Lage der Braupfanne anzugeben. Diese ist, wie aus dem Risse ersichtlich ist, etwas hoch gestellt und mit einem Untersaze von Grund auf massiv von Steinen aufgeführt. Damit das Malz und Holz bequem und ohne den Weg durch das Braugebäude nehmen zu müssen, nach solcher gebracht werden kann, findet sich außerhalb des Gebäudes die Treppe o, welche bis zur Thüre nächst der Pfanne führt.

Dieß ist nun im Wesentlichen der Zusammenhang, welchen die einzelnen Brauereigeräthschaften unter sich haben. Es läßt sich daraus leicht die Ueberzeugung gewinnen, daß er nicht allein durch Ersparung von Arbeit, sondern auch durch geringen Verlust von Material große Vortheile gewährt, da namentlich der hohe Stand des Kessels und des Maischbottichs und das den einzelnen Gefäßen unter sich gegebene Gefälle das Hin- und Herbringen des Materiales ungemein erleichtern. In den gewöhnlichen Brauereien ist dagegen ein stetes Schöpfen und Pumpen nöthig, und nicht nur mit ungleich mehr Arbeit, sondern auch einem unverhältnißmäßig großen Verlust an Material verknüpft.

Das Gährhaus B

liegt unmittelbar neben dem Brauhause, aber einige Schuh tiefer als das erste und empfängt, wie gesagt, mittelst Röhren das Bier aus der Gährkammer in dem Grade von Gährung, der es zum Füllen in Fässer geeignet macht. Dasselbe hat indessen so wie das Lagerhaus selbst in Vergleich mit anderen derartigen Localen keine besonders abweichende Einrichtung. Sehr zwekmäßig ist aber die Einrichtung, daß sie mit fließendem Wasser versehen sind, um in den heißen Sommertagen eine kühle Temperatur im Gähr- und Lagerhaus hervorzubringen, auch um das zum Reinigen erforderliche Wasser stets bei der Hand zu haben.

Es wurde schon oben erwähnt, daß sich über beiden dem Gähr- |52| und dem Lagerhaus die Malzböden befinden; sie sind im Durchschnitt unter Fig. 19, B ersichtlich.

An das Gährhaus reiht sich an

das Lagerhaus C.

Es enthält unter Anderem das Laboratorium oder eine zu Versuchen bestimmte Brauerei in kleinerem Maaßstab, die aber auch zum Brauen solcher Biere gebraucht wird, deren Absaz weniger bedeutend ist und daher keinen ausgedehnten Raum der Gefäße erfordert. Die einzelnen Theile dieser kleinen Brauerei sind

in der ersten Etage:

a eine Pfanne,

b ein Bottich,

c eine Gährkammer,

d eine Requisitenkammer.

Oberhalb dieser in der zweiten Etage, wohin die Treppe e führt, f ein Kühlschiff (s. Fig. 18).

Auch enthält dieser Theil des Lagerhauses und zwar unter

g den Vorplaz zu der Malzdarre,

h den Feuercanal zur Heizung derselben,

i die Esse, welche beide lezteren auch in der Durchschnittszeichnung unter dieser Bezeichnung ersichtlich sind, und

k k die Darren selbst.

In der zweiten Etage:

l eine Stube für die Brauer,

m der Raum über der Darre.

Dieser bildet eine Satteldarre mit aufgelegtem durchlöchertem Eisenblech, hat indessen im übrigen keine besondere Einrichtung.

Das Gute davon ist, daß der Rauch nicht durch das Malz ziehen kann.

n Abzüge für den Dunst, die auch in der Durchschnittszeichnung zu sehen sind.

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