Titel: Runge, über den Krapp.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XLIV. (S. 195–208)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064044

XLIV. Ueber den Krapp, nach Dr. Runge.

Wir geben unseren Lesern im Folgenden einen Auszug aus der chemisch-technischen Monographie des Krapps von Runge, welche als Anhang zu der zweiten Lieferung der Verhandlungen des preußischen Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes, Jahrgang 1835, erschienen ist.36)

I. Rein-chemischer Theil. Zusammensezung der Krappwurzel. Eigenschaften der Bestandtheile.

Nach Runge enthält der Krapp nicht weniger als sieben besondere Stoffe, worunter sechs Verbindungen von besonderer Farbe, aber nur drei wirkliche Pigmente sind.

1) Krapppurpur: orangefarbenes, krystallinisches Pulver. – Darstellung: man wäscht den Krapp mit Wasser von 11 bis 16° R. aus, kocht ihn mit starker Alaunlösung, fällt die Lösung durch Schwefelsäure, süßt den Niederschlag aus, erst mit reinem, dann mit salzsaurem Wasser, zieht den ausgekochten Krapppurpur mit Weingeist von 90 Proc. aus, verdunstet die geistige Lösung zur Krystallisation, löst den krystallisirten Purpur wieder in heißem Weingeist und läßt ihn abermals krystallisiren. – Eigenschaften: ertheilt im Ueberschusse dem gebeizten Kattun tief braunrothe Purpurfarbe, bei Kattunüberschuß glänzendes Hochroth, bildet mit siedender |196| Alaunlösung eine kirschrothe, sich beim Erkalten weder trübende noch verändernde Lösung, aus der kein Farbstoff ausfällt, wenn er nicht im Uebermaaße da war; wird von Kalilauge mit prächtig kirschrother Farbe gelöst; eben so von kohlensaurem Natron. Leztere Lösung wird durch Kali nicht verändert. Ammoniak gibt eine prächtig hochrothe Flüssigkeit. Schwefelsäure löst ihn mit hochrother Farbe. Verdünnte Säuren mit gelber Farbe in der Hize; beim Erkalten scheidet er sich in orangegelben Fleken aus. In heißem Wasser mit dunkelrosenrother Farbe, in kaltem schwer löslich; die heiße Lösung trübt sich jedoch beim Erkalten nicht; durch Säuren wird sie gelb. Kalkhaltiges Wasser löst ihn erst dann, wenn aller Kalk durch einen Theil des Purpurs als dunkelrother Lak niedergefallen ist. In Weingeist und Aether mit orangegelber Farbe löslich, beim Verdunsten als hochorangegelbes, kristallinisches Pulver zurükbleibend. Die heiße, concentrirte geistige Lösung wird durch Wasserzusaz schillernd, indem sich eine Menge feiner seidenglänzender Kryställchen ausscheiden. – Bei vorsichtiger Erhizung in der Glasröhre schmilzt der Krapppurpur zu einer dunkelbraunen Flüssigkeit, aus der sich rothe Dämpfe erheben, welche sich als rother Anflug und braunrothe zähe Masse (nicht in Nadeln) condensiren. Das ein Mal Sublimirte kann nicht ohne Verkohlung von Neuem sublimirt werden; es hat übrigens die Eigenschaften des Krapppurpurs.

2) Krapproth: braungelbes, krystallinisches Pulver. – Darstellung: gründet sich auf die Unlöslichkeit des Krapproths in starker Alaunlösung. Kocht man, wie vorhin angegeben, den gewaschenen Krapp mit Alaunlösung, so sondert sich ein braunrother Niederschlag ab, man trennt diesen von der Lösung des Krapppurpurs, kocht ihn mehrere Male mit schwacher Salzsäure, wäscht ihn aus und behandelt ihn mit siedendem Weingeist; die dunkelbraune Tinktur wird bis zum Erscheinen einer Sazhaut abgedampft und gibt beim Erkalten einen orangegelben Niederschlag, der nach dem Auswaschen mit Weingeist immer noch viel Krapppurpur enthält. Man kocht daher so lange wiederholt mit Alaunlösung, als sich diese noch färbt. Man muß, da die Masse etwas harzig ist, dieselbe erst in etwas Weingeist lösen und so der Alaunlösung zusezen. Färbt sich die Alaunlösung nicht mehr, so süßt man den gelben Niederschlag aus, troknet ihn und löst ihn in Aether; aus der ätherischen Lösung erhält man durch freiwillige Verdunstung das Krapproth als braungelbes Pulver. – Eigenschaften: ertheilt im Ueberschusse dem gebeizten Kattun dunkelrothe Farbe, bei Kattunüberschuß ziegelrothe. Löst sich nicht in siedender Alaunlösung; löst sich daher etwas, so deutet dieß auf Beimengung von Krapppurpur oder Krapporange. |197| Wird von Kalilauge mit veilchenblauer Farbe gelöst, von kohlensaurem Natron mit rother, durch Kali sich bläuender, von Ammoniak mit prächtig purpurrother, von Schwefelsäure mit ziegelrother, von verdünnten Säuren mit gelber Farbe (beim Erkalten ebenfalls in orangegelben Floken ausscheidend). In reinem heißen Wasser mit dunkelgelber Farbe, in kaltem schwer löslich, aus der heißen Lösung beim Erkalten in orangegelben Floken niederfallend; durch Säuren wird die wässerige Lösung hellgelb. In kalkhaltigem Wasser löst sich das Krapproth mit Purpurfarbe unter Bildung eines blaugefärbten Laks. Weingeist und Aether lösen das Krapproth mit röthlichgelber Farbe; nach dem Verdunsten der Lösung dasselbe als bräunlichgelbes, krystallinisches Pulver hinterlassend. Die concentrirte weingeistige Lösung wird durch Wasserzusaz ebenfalls schillernd. – Bei vorsichtiger Erhizung in der Glasröhre schmilzt das Krapproth zu einer dunkelorangefarbigen Flüssigkeit, und verflüchtigt sich mit Hinterlassung von etwas Kohle in gelben, sich zu glänzendorangefarbigen Nadeln verdichtenden Dämpfen. Das ein Mal Sublimirte läßt sich ohne Zersezung von Neuem sublimiren, und hat im Wesentlichen ganz die Eigenschaften des noch nicht sublimirten Krapproths, nur hat das Roth auf Kattun mehr Feuer.

3) Krapporange: gelbes, krystallinisches Pulver. – Darstellung: man bereite sich einen kalten Aufguß von zerkleinerter Alizari bei 12° R., indem man die Wurzel sorgfältig aussucht, mit Wasser gut abspült, mit acht Mal so viel Wasser übergießt und 16 Stunden lang maceriren läßt, den braunen Aufguß durch Musselin seiht, reines Wasser aufgießt, dieses abermals 16 Stunden stehen läßt, ebenfalls abseiht und beide Flüssigkeiten vereinigt. Nach 4–6stündiger Ruhe gießt man die Flüssigkeiten von dem gebildeten Bodensaze rein ab. Die Flüssigkeit schillert beim Umrühren von einer Menge kleiner, gelber, seidenglänzender Krystalle von Krapporange; man trennt dieselben, indem man durch feines Papier filtrirt. Das auf dem Filter sich Befindende wird nun mit Weingeist gekocht und heiß filtrirt; beim Erkalten fällt das in kaltem Weingeist fast unlösliche Krapporange nieder, welches man so lange mit kaltem Weingeist wäscht, bis es sich in Schwefelsäure mit reingelber Farbe ohne Beimischung von Roth auflöst. Zinnbeizkattun wird von reinem Krapporange nankinfarbig, ohne Beimischung von Roth; wie denn überhaupt an dem röthschen Ausfallen der Farben eine Verunreinigung des Krapporange mit den rothen Farbstoffen erkannt wird. – Eigenschaften: färbt im Ueberschuß den gebeizten Kattun orangefarbig, bei Kattunüberschuß eben so, nur blässer; bildet mit siedender Alaunlösung eine gelbe Auflösung, welche beim Erkalten |198| nur wenig fallen läßt, mit Kali eine dunkelrosafarbige, an der Luft orange werdende, mit kohlensaurem Natron eine orangefarbige, mit Ammoniak eine braunrothe, beim Verdunsten orangegelbe Floken fallen lassende, mit Schwefelsäure eine orangegelbe, mit verdünnten Säuren gelbe Lösungen, aus denen es sich beim Erkalten zum großen Theil wieder ausscheidet. – In reinem heißen Wasser löst es sich mit gelber Farbe, beim Erkalten sich zum Theil ausscheidend, da es in kaltem Wasser sehr schwer löslich ist; in kalkhaltigem Wasser wird es beim Erhizen röthlich und sein Färbevermögen wird geschwächt oder auch ganz aufgehoben. In kaltem Weingeist löst es sich wenig, in kochendem zu einer hellgelben Lösung, aus der sich beim Erkalten der größte Theil krystallinisch ausscheidet. Wasserzusaz bringt in der heißen geistigen Lösung dasselbe Schillern hervor, wie in den Lösungen des Krapppurpurs und Krapproths. – Beim Erhizen in der Glasröhre verhält es sich wie der Krapppurpur, nur sind die Dämpfe gelb und verdichten sich zu einer gelbbraunen Masse, welche ohne theilweisen Zersezung nicht von Neuem sublimirt werden kann.

Daraus, daß alle drei Farbstoffe sublimirbar, also durch bloße Sublimation nicht trennbar sind, geht nach Runge hervor, daß Robiquet's Alizarin eine Mischung ist.

4) Krappgelb: gelbe, gummiartige Masse, kein eigentliches Pigment. Darstellung: der holländische Krapp ist besonders reich an Krappgelb. Man scheidet es daraus durch Anrühren desselben mit 16 Theilen Wasser, Abseihen nach 12 Stunden und Vermischen mit einem gleichen Volum Kalkwasser. Der sich nach 12 Stunden bildende Niederschlag enthält außer dem Krappgelb noch die anderen Farbstoffe des Krapps; man behandelt ihn daher mit Essigsäure, welche den Kalk und das Krappgelb löst, filtrirt die Lösung von dem rothen Rükstande ab, kocht sie mit in Alaun gebeizter Wolle so lange, als sich diese noch roth oder orange färbt; sobald sie nur eine helle Eisenrostfarbe annimmt und die Lösung beim Abdampfen keinen braunrothen, sondern hellgelben Rükstand läßt, sind die fremden Farbstoffe alle abgeschieden; man löst nun den gelben Rükstand in Weingeist, fällt die Lösung durch eine geistige Bleizukerauflösung, süßt den scharlachrothen Niederschlag mit Weingeist aus, löst ihn in Wasser und fällt das Blei durch Schwefelwasserstoff. – Eigenschaften: man sieht schon aus der Darstellungsart, daß das Krappgelb wenig Verwandtschaft zur gebeizten Wolle hat und kein eigentliches Pigment ist. Daher ist seine nähere Betrachtung überflüssig.

5) Krappbraun stellt eine schwarzbraune, trokene Masse dar, welche in Wasser und Weingeist unlöslich ist und dem gebeizten Kattune keine Farbe ertheilt.

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6) Krappsäure farblos, beim Färben nicht in Betracht kommend.

7) Rubiaceensäure, ebenfalls farblos, wird durch Salzsäure verwandelt und gibt damit eine blaue Verbindung, die sich jedoch nicht auf Kattun übertragen läßt.

Zur Kritik der Krappanalysen. – Keiner meiner Vorgänger, sagt Runge, hat einen der bisher abgehandelten Krappstoffe in villig reinem Zustande gehabt. Alles, was man unter dem Namen extraktives und harziges Krapproth, Erythrodanum, Alizarin, rother Farbstoff des Krapps, rosenrother Farbstoff des Krapps und Xanthin aufgestellt hat, sind mehr oder minder ungleiche Gemische von Krapppurpur, Krapproth, Krapporange und Krappgelb. Es läßt sich dieß schon nach den Darstellungsweisen und Reaktionen der genannten Stoffe schließen.

Das extraktive Krapproth von Bucholz ist ein mittelst Wasser und Weingeist bereitetes Extrakt, es enthält also sämmtliche in beiden lösliche Bestandtheile des Krapps. – Das Krapproth von Kuhlmann 37), durch Fällung eines wässerigen Absuds des gewaschenen Krapps mit Schwefelsäure dargestellt, enthält nothwendiger Weise beide rothfärbende Bestandtheile des Krapps; außerdem ist auch noch Krapporange darin, weil auch dieses durch Schwefelsäure gefällt wird. Auch deuten die Reaktionen gegen Alkalien etc., die Kuhlmann angibt, auf das Daseyn dieser Stoffe, denn die violette Färbung mittelst derselben ist zusammengesezt aus dem Kirschroth des Krapppurpurs und dem Veilchenblau des Krapproths. – In Robiquet's 38) Alizarin, aus der schwefelsauren Krappkohle durch Sublimation dargestellt, ist der rothe Farbstoff, den ich Krapppurpur genannt habe, wohl am reinsten. Allein dennoch ist er mit Krapproth gemischt, wie denn auch die Reaktion mit Kalilauge nicht rein Kirschroth, sondern Purpurroth ist, von der Beimischung des Blaus, welches Kali mit Krapproth erzeugt. Diese Beimischung ist sehr erklärlich, da das Krapproth von der Schwefelsäure eben so wenig verkohlt wird, als der Krapppurpur, und es sich noch leichter sublimiren läßt, als dieser.

Die beiden Farbstoffe, welche Gaultier de Claubry und Persoz 39) aus dem Krapp abgeschieden haben, sind ebenfalls Gemische, besonders von Krapproth und Krapppurpur. Der eine, welchen |200| sie rothen Farbstoff nennen, wird aus dem gewaschenen Krapp mit kohlensaurem Natron in der Hize ausgezogen und durch eine Säure gefällt. Er ist „eine rothbraune Materie von glänzendem Bruch.“ Schon diese Angabe beweist die Verunreinigung mit Krappbraun und auch vielleicht mit Krappgelb; denn die von mir dargestellten 3 Krapppigmente stellen krystallinische Pulver dar, von denen keins rothbraun gefärbt ist. Uebrigens können sie alle drei in dieser rothbraunen Materie enthalten seyn, da kohlensaures Natron sie sehr leicht auflöst und also auch der Krappwurzel entzieht. Die Angabe von der Unauflöslichkeit in Alaunauflösung deutet aber vorzugsweise auf einen Gehalt an Krapproth. Dann paßt aber wieder die rothe Reaktion mit Kalilauge nicht, wie angegeben wird, sie müßte blau seyn. Kurz der Stoff ist nicht rein.

Einen zweiten Stoff nennen die Herren den rosenrothen Farbstoff. Er stimmt am meisten mit meinem Krapppurpur überein, auch ist die Darstellungsweise in so fern dieselbe, daß Alaunauflösung und Schwefelsäure dazu vorzugsweise in Anwendung gebracht werden. Sein Aeußeres, nämlich „eine feste Masse von harzigem Bruch wie Gummigutti, die beim Pulvern prächtig rosenroth wird,“ beweist aber schon, daß es kein Krapppurpur seyn kann; denn dieser erscheint als ein orangegelbes, höchst lokeres krystallinisches Pulver, welches sich mit rein kirschrother Farbe in Kalilauge auflöst, daher die violette Färbung, welche die HH. G. de Claubry und Persoz angeben, nur von einem Beigemischtseyn von Krapproth herrühren kann. – Unter dem Namen Xanthin oder Krappgelb hat Kuhlmann einen Bestandtheil des Krapps aufgestellt, der nach seinem Färbeverfahren ein mit Krapporange verunreinigtes Krappgelb seyn muß. Er löst sich nämlich leicht in Wasser, und gibt auf gebeizter Baumwolle ein glänzendes Pomeranzengelb. Die Leichtlöslichkeit gehört dem Krappgelb an, und die pomeranzengelbe Färbung dem Krapporange.

II. Technischer Theil.

Nur die drei ersten Stoffe wurden in technischer Beziehung näher geprüft.

Verfahren, welches bei den Färbeversuchen beobachtet wurde:

1) Darstellung des gebeizten Kattuns. Hauptsächlich wurde Thonbeizkattun angewendet; dieser wird dargestellt durch Tränken des Zeugs mit essigsaurer Thonerde (bereitet aus 30 Theilen Alaun, 30 Theilen Bleizuker und 80 Theilen Wasser), Auspressen zwischen Walzen, und Troknen. Man läßt ihn 8 Tage hängen, |201| spült ihn in fließendem Wasser und nimmt ihn dann durch kochendes, zum Behuf der Probemuster durch destillirtes Wasser.

Der Eisenbeizkattun wurde durch bloßes Tränken des Zeuges mit Eisenalaunauflösung40) und Spülen dargestellt, da eine so schwache Beizung die Eigenthümlichkeiten der färbenden Stoffe weit leichter erkennen läßt.

Zinnbeizkattun, wie der vorige durch Tränken mit einer Lösung von 1 Zinnsalz in 50 Wasser dargestellt.

Bleibeizkattun mit einer Lösung von 1 Bleizuker in 30 Wasser, ebenfalls nach dem Tränken sogleich gespült.

Kupferbeizkattun, durch ähnliche Anwendung des Kupferammoniaks erhalten.

2) Probefärben. Man wiegt eine kleine Menge des Farbmaterials ab, erhizt es mit Wasser in einer Schale über der Weingeistflamme, bringt den in gleiche Theile getheilten Beizkattun stükweise hinein und färbt aus, indem man die Hize nach und nach zum Sieden steigert. Bemerkt man, daß das zuerst hineingebrachte Kattunstükchen nicht mehr an Farbe zunimmt, so nimmt man es heraus, spült es in etwas Wasser, und sezt dieses der Flotte zu. Man macht dieß mit einem zweiten, dritten Stükchen eben so, und so fort, bis der Farbstoff erschöpft ist. Nach dem Troknen werden die gleichgesättigten Kattunstükchen gewogen und danach die färbende Kraft des Stoffes geschäzt. Auf diese Art wurde das Sättigungsvermögen der drei Krapppigmente bestimmt. – Bei zusammengesezten Farbmaterialien kann durch Nacheinanderfärben oft eine theilweise Scheidung der Farbstoffe erfolgen; man erhält anfangs ganz andere Nüancen als später. – Da sich die ersten Stükchen eines Farbstoffs übersättigen und so oft eine nicht angenehme Nüance erhalten, so muß durch andere Versuche das für eine bestimmte Nüance nöthige Verhältniß von Farbstoff und Zeug ermittelt werden, indem man mit demselben Gewichte Farbstoff, aber verschiedenen Gewichten Kattuns mehrere Probefärbungen macht, wobei man jedoch den Kattun |202| nicht nach und nach, sondern auf ein Mal in die Flotte bringt. Das Uebersättigen des Zeugs mit Farbstoff ist vorzüglich zur Charakterisirung des Farbstoffs gut; nur so gelang die Unterscheidung des Krapppurpurs vom Krapproth. Wo es dagegen auf vergleichende Ausmittelung des Färbevermögens verschiedener Farbstoffe ankommt, muß man den Zeug im Ueberschuß nehmen, wie dieß bei Vergleichung der Krappsorten geschehen ist.

3) Färbungsapparat. Um zur Darstellung der Probemuster einen immer gleichen Hizgrad zu haben, war eine eigene Vorrichtung erforderlich. Dieselbe besteht aus einem Dampf- und Färbekessel nebst Kühlrohr und Kühlfaß. Der Färbekessel ist aus zwei, in halbzölligem Abstande ineinander stehenden Kesseln gemacht; in den Zwischenraum wird der Dampf geleitet, dessen Condensationswasser durch das Kühlrohr abläuft. Damit das so erhaltene destillirte Wasser, welches zum Ansezen der Flotte dient, möglichst rein sey, muß der Dampfraum innerlich verzinnt seyn und der Dampfkessel von allem Fett frei erhalten werden. Die Flotte im Färbekessel erreicht eine vollkommen ausreichende Hize von 78–79° R. Dabei gewinnt man meist das nöthige destillirte Wasser. Man kann auch mehrere doppelte Kessel nebst Kühlvorrichtung, wie man sie zum Reinigen der Waare ein Mal braucht, mit dem Dampfkessel verbinden.

4) Vorsichtsmaßregeln. Daß Darstellungen von Farbenscalen im Kleinen immer besser gelingen als im Großen, liegt darin, daß man im Kleinen folgende Vorsichtsmaßregeln leichter beobachten kann:

a) Den Beizkattun anlangend. Die Sicherheit der Probe beruht allein auf dem gleichbleibenden Verhältnis zwischen dem Krapp und dem gebeizten Zeuge, daher muß der zur Anfertigung einer Farbenscala bestimmte Zeug nothwendig in derselben Beize gebeizt, bei derselben Wärme getroknet, zugleich gespült, wieder bei gleicher Wärme getroknet, abgetheilt und gewogen werden, wenn man nicht unrichtige Resultate erhalten will. – Auch der verschiedene Feuchtigkeitsgrad des Zeuges ist von Einfluß, daher man ihn am besten erst bei 80° R. troknet, ehe man ihn abwägt und den Krapp danach bestimmt. Vor dem Eingehen in die Flotte wird der Zeug mit vielem heißen Wasser gebrüht und im destillirten Wasser ausgewaschen. Zum Ansezen der Flotte muß destillirtes Wasser genommen werden. Alles Dinge, die sich im Kleinen weit leichter ausführen lassen als im Großen.

b) Den Krapp anlangend. Kommt Krapp, besonders holländischer, mit der Luft in Berührung, so zieht er Feuchtigkeit an |203| und wird schwerer. Berüksichtigt man dieß nicht, so verkennt man leicht den wahren Werth der Krappsorte, besonders bei kleinen Proben, die lange an der Luft gestanden haben. Der Verfasser hat daher alle untersuchten Krappsorten sorgfältig bei 80° R. getroknet und bis zum Gebrauch in gläsernen Gefäßen wohl verschlossen. Wenigstens ist es rathsam, bei vorzunehmenden Proben durch einen vorläufigen Austroknungsversuch mit einer kleinen Menge den Gewichtsverlust der Krappsorte zu ermitteln. – Soll der Krapp zur Darstellung mehrerer Muster dienen, so sehe man auf gleichmäßige Mischung, daß man nicht bald ein grobes, bald ein feineres Pulver nehme, weil dieß auf das Färbevermögen Einfluß hat. Auf Gegenwart von Steinchen oder Mauerkalk ist sorgfältig zu achten und dieselben zu entfernen, beide verändern das Gewicht, und lezterer wirkt außerdem schon in sehr kleiner Menge chemisch nachtheilig.

Resultate.

A. In Bezug auf die einzelnen Farbstoffe.

1) Krapppurpur. Darstellung: das Auswaschen gemahlener Krappe ist umständlich und mit Verlust verbunden. Die unzerkleinerte Alizari des Handels ist leichter auszuwaschen. Man muß sie zu dem Ende (die Alizari enthält unter allen Sorten die größte Menge nicht färbender, durch Wasser ausziehbarer Bestandtheile) im gröblichzerschnittenen Zustande sechs Mal 12 Stunden in frischem Wasser einweichen und auswaschen. Dazu nimmt man, um Zeit und Wasser zu ersparen, sechs Fässer, die unten Abziehhähne haben, füllt sie halb mit Alizari und gießt erst nur das erste Faß voll Wasser. Nach 12 Stunden zieht man dieses ab und gießt es aufs zweite Faß, während man zugleich das erste mit frischem Wasser füllt, und so fort, bis das erste Faß sechs Mal frisches Wasser bekommen hat; die Alizari dieses Fasses ist nun hinlänglich ausgewaschen. 4 Pfd. gröblichzerschnittener Alizari wiegen nach sechsmaligem Auswaschen im noch nassen Zustande 15 1/2 Pfd., sind äußerst weich und lassen sich zu Brei zerstoßen. – Um gemahlenen Krapp ohne vielen Verlust an Farbstoff zu waschen, lasse man ihn mit Wasser zu Brei angerührt gähren, und verfahre dann wie oben. Um den Krapppurpur aus der gewaschenen Alizari zu scheiden, werden 15 1/2 Pfd. nasse Alizari (also 4 Pfd. ungewaschene) mit 12 Pfd. Alaun und 70 Pfd. Wasser eine Stunde lang gekocht, die rothe Flüssigkeit abgeseiht, darauf der Rükstand von Neuem mit 6 Pfd. Alaun und 70 Pfd. Wasser gekocht, das Flüssige abgeseiht, mit dem ersten Decocte gemischt und 4 Tage zum Klären hingestellt. Die ausgekochten Wurzeln kocht man noch mit 70 Pfd. Wasser und wendet die |204| Abkochung bei folgenden Darstellungen statt des Wassers an. Hat sich die Alaunlösung völlig geklärt und besizt sie schön dunkle Rosafarbe, so läßt man sie von dem größten Theils aus Krapproth bestehenden Bodensaze ab, versezt sie mit 3 Pfd. Schwefelsäure und 9 Pfd. Wasser und rührt wohl um. Die nach einigen Tagen blaßgelb erscheinende und gelbrothe Floken zeigende Flüssigkeit wird nun filtrirt, die Floken auf dem Filter mit Wasser ausgesüßt. Sie betragen getroknet 1 1/2 Loth und sind unreiner Krapppurpur, mit Krappgelb, Krapporange und Thonerde. Man kocht ihn mit vielem Wasser, dann mit Salzsäure und Wasser, süßt aus, troknet, behandelt ihn mit siedendem Weingeist von 85–90°, filtrirt, dampft die dunkelrothe Flüssigkeit bis zum Erscheinen einer Salzhaut ab, reinigt den beim Erkalten niederfallenden Krapppurpur durch nochmalige Auflösung in Weingeist, durch Krystallisation und endliche Behandlung mit Aether, der eine braune Materie hinterläßt. Dieses Verfahren ist nicht praktisch, wie man sieht, mußte aber, um reinen Krapppurpur zu erhalten, gewählt werden. In wie weit wohlfeilere Darstellungen der reinen Farbstoffe des Verf. im Großen bis jezt möglich sind, wird man weiter unten sehen.

Die ungewöhnlich große Menge Alaun, welche zur Darstellung des Krapppurpurs nöthig ist, kann wieder gewonnen und zu gute gemacht werden, wenn man die mit Schwefelsäure versezte Alaunlösung, aus welcher der Krapppurpur geschieden ist, in Bleigefäßen zur Krystallisation abdampft. Die Mutterlauge ist dann alaunhaltige Schwefelsäure, welche zum Fällen des Krapppurpurs dienen kann, so wie der gewonnene Alaun nach seiner Reinigung von Neuem zur Ausziehung dient. Durch dergleichen Mittel läßt sich die Sache wenigstens etwas wohlfeiler machen.

Färbevermögen: Den ungebeizten Kattun färbt die weingeistige Lösung des Krapppurpurs rosa, durch Alkalien geröthet. Die Farbe auf Thonbeizkattun, mit Wasser in der Siedhize ausgefärbt, ist nach den Verhältnissen verschieden, mit 1 Purpur, 16 Zeug dunkelbraunroth, 1 Purpur 40 Zeug satt purpurroth, 1 Purpur 80 Zeug satt hochroth. Das Färbevermögen ist demnach sehr groß, wenn man darunter die Menge des Zeugs versteht, der noch eine gewisse Intensität der Farbe mitgetheilt werden kann, da man mit 1 Pfd. 80 Pfd., also etwa 787 Ellen 6 1/2 Viertel breiten Kattun satt Hochroth (der Probe nach sehr schön) färben kann. Versteht man dagegen, wie wir, unter dem Färbevermögen die Menge des Zeugs, welche zur völligen Sättigung hinreicht, so ist das des Krapps nur = 16. Kleiezusaz macht die Farben heller, scharlachartiger; viel Kleie schadet, da sie unter Bildung eines rothen Laks viel Farbstoff |205| entzieht; bei 240 Kleie auf 1 Purpur und 40 Zeug fällt die Nüance nur halb so dunkel aus, als ohne Kleie. Das beste ist, eine dem Gewichte des Zeugs gleiche Menge Kleie zu nehmen. Kreidezusaz ist entschieden schädlich. Kocht man 1 Purpur mit 1 Kreide in vielem Wasser, so bildet sich eine hochrothe Lösung, die jedoch nur die Hälfte der Färbekraft hat; am Gefäßrande sezt sich ein schöner rother Lak ab. Bei Vermehrung der Kreide kommt man auf einen Punkt, wo aller Purpur in Lak verwandelt ist und nicht mehr färbt. Für den Purpur ist also die Kreide schädlich; ihr Schaden wird aber durch andere Stoffe, z.B. Krapproth, die sie mehr in Beschlag nehmen, gemildert. Oehlbeizkattun zum Türkischrothfärben gibt mit dem Purpur kein wahres Türkischroth, sondern ein bläuliches, welches erst durch Avivagen zu lezterem wird. Indeß ist die Farbe auch ohne diese schon auf geöhltem Kattun gerade noch ein Mal so stark, als auf ungeöhltem. Zinnbeize gibt Rosa, Bleibeize Ponceau, Kupferbeize Rothbraun, Eisenbeize Violett, lauter Farben von angenehmem vollen Ton bei der angegebenen schwachen Beizung, doch nicht so schön, daß sie die Anwendung des theueren Farbematerials lohnten. – Seife in großem Verhältniß z.B. 1 Seife auf 3 Zeug und 240 Wasser, benimmt den gefärbten Zeugen etwas ihren Lüstre und macht sie heller; in geringer Menge schadet sie nicht. Kohlensaures Natron im Verhältniß von 1 auf 8 Zeug und 240 Wasser wirkt bei mehrstündigem Kochen vortheilhaft, ohne die Nüancen merklich zu ändern. Kleie wirkt nicht besonders ein. – Die Lösung des Krapppurpurs in Ammoniak gibt, auf ungeheiztem Kattun gedrukt, und nach dem Druken in heißem Wasser ausgewaschen, ein helles Rosa, auf Thonbeizkattun bei gleicher Behandlung ein schönes Mittelroth. Die Lösung des Krapppurpurs in Kalilauge gibt beim Tafeldruk auf ungeheiztem Kattun ebenfalls ein Helles Rosa, auf Thonbeizkattun unter gleichen Umständen ein sattes Dunkelroth.

Man sieht, daß vorzugsweise die Verbindung von Krapppurpur und Thonerde das sogenannte Krapppurpur oder Türkischroth bildet, und auch im gemeinen Krapppurpur den Hauptbestandtheil bildet. Seife, Soda und Kleie, welche auf diese Verbindung nicht einwirken, dienen daher nur dazu, durch Entfernung des die Farbe Trübenden dieselbe gleichsam bloß zu legen und sichtbar zu machen. Eben so wirkt das Licht, gegen welches die Farbe, selbst auf ungeheiztem Kattun, ungemein beständiger ist, als das Krapproth. Aus dem Verhalten zu kalkhaltigem Wasser (s. oben) geht hervor, daß nur kalkfreies Wasser zum Färben mit Krapppurpur dienen kann.

2) Krapproth. Färbevermögen: Ungeheizter Kattun wird von der geistigen Auflösung des Krapproths rostgelb gefärbt; |206| durch Aufdruken äzender Alkalien, besonders Baryt, entstehen schöne lilafarbige Muster ohne Bestand. Der Thonbeizkattun wird schön dunkelroth gefärbt. 1 Krapproth reicht auf 22 Zeug zur Sättigung hin, wenigstens wird der Zeug durch den Farbstoff nicht dunkler, sondern läßt den Ueberschuß in der Flotte zurük. Das Färbevermögen des Krapproths zum Krapppurpur verhält sich also wie 22:16. Kleie wirkt sehr vortheilhaft, macht die Farbe dunkler und röther, doch ist viel nöthig; am besten ist 132 Kleie auf 1 Roth und 22 Zeug. Kreide wirkt ebenfalls vortheilhaft. Kocht man 1 Kreide mit 1 Krapproth und hinlänglichem Wasser, so wird die vorher gelbe Flotte dunkelpurpurroth und 22 Zeug nehmen darin eine der gesättigten Krapppurpurfarbe ähnliche Nüance an, der ziegelrothe Ton ist ganz verschwunden und dabei ist noch viel Lak entstanden, also Farbstoff verloren gegangen. Aehnlich wirkt kalkhaltiges Wasser, welches eine dunkelbraunrothe, glänzende Purpurfarbe erzeugt, wenn man damit färbt. Sehr viel Kreide macht die Farbe wieder heller, da dann durch Lakbildung zu viel Farbstoff verloren geht. Bei Oehlkattun ist die Wirkung der Kreide noch auffallender, da dieser ohne dieselbe nur schmuzig braunroth, mit derselben aber, ohne alle Avivage, wahrhaft türkischroth wird und nur durch den Rosa- oder bläulichen Ton, den nur das Krapppurpur gibt, vom besten schweizer Türkischroth, welches natürlich aus beiden gemischt ist, verschieden. Das Färbevermögen, welches beim Krapppurpur für Oehlkattun schon das Doppelte war, ist hier das Vierfache gegen nicht geöhlte Zeuge. – Zinnbeize, Blei- und Kupferbeize geben unansehnliche, gelbröthliche, rothbräunliche und violettbräunliche Farben. Eisenbeize dagegen bei der angegebenen schwachen Beizung gibt ein schönes, bei Kreidezusaz sehr dunkles Lilaviolett, durch einen angenehmen blauen Ton vor dem Violett des Krapppurpurs ausgezeichnet. Die schönen violetten und Lilafarben, welche man mit Avignonkrapp auf schwacher Eisenbeize erhält, verdankt man also hauptsächlich dem Krapppurpur. – Seife greift daß ohne Kreide dargestellte Zeug bedeutend an, das mit Kreide gefärbte fast gar nicht. Kohlensaures Natron wirkt in beiden Fällen vortheilhaft in dem Verhältniß von 1 zu 8 Zeug. Das Roth ohne Kreide erhöht es etwas, entzieht aber viel Farbe; das Roth mit Kreide wird ebenfalls lebendiger, aber ohne diesen Nachtheil. Kleie (3 auf 1 Zeug und 240 Wasser) ist ohne Wirkung und entzieht keine Farbe. Das Licht bleicht das mit Kreide dargestellte Krapproth nur wenig mehr als Krapppurpur. – Die Lösungen des Krapproths in Ammoniak und Kali geben, auf ungeheiztem Kattun gedrukt und in heißem Wasser gewaschen, dunkles glanzloses Rosa, mit Thonbeizkattun ein mattes Roth.

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Die Wirkung der Kreide und Kleie beim Krappfärben, welche in manchen Fällen so vortheilhaft ist, dürfte also vorzüglich auf das Krapproth fallen, und die Farben des Krapproths mit Kreide dem Krapppurpur an Aechtheit gleich zu stellen seyn.

3) Krapporange. Färbevermögen: Nur ganz reines Krapporange gibt eine schöne Farbe. Alle Zusäze sind demnach schädlich, namentlich Kleie und Kreide. Das Färbevermögen des Krapporange ist zu dem des Krapproth und Krapppurpur – 30:22:16. Bei 3 Kleie auf 1 Krapporange erhält man nur ein schwach röthliches Orange; dabei färbt sich die Kleie selbst und wird durch Uebergießen mit Kalilauge so roth als Krapporange selbst; eben so röthet sich die Färbeflüssigkeit durch Kali, beide haben also das Krapporange zurükgehalten. Da nun das Krappfärben mit Krapporange nothwendig gelbe Nüancen erzeugt, so ist die röthende Wirkung der Kleie beim Krappfärben klar, das Krapporange wird nämlich durch die Kleie gebunden. Kreide schadet eben so, wie beim Krapppurpur, die Farbe wird Heller, unhaltbarer, dabei geht viel verloren. Daher der Nuzen der Kreide bei manchen Krappsorten, es bildet sich dann weniger Krapporange und das Gebildete läßt sich leichter durch die Bleiche entfernen. Kupferbeize gibt ein dunkles Orange, Bleibeize röthliche Rostfleke, Eisenbeize schwaches Nußbraun, Zinnbeize hell Nankingelb. Leztere Färbung ist ein Zeichen der Reinheit des Krapporange. – Seife wirkt nachtheilig, macht die Farbe matt und röthlich. Kohlensaures Natron wirkt ähnlich, aber schwächer. Die Flüssigkeiten färben sich in beiden Fällen gelb. Auch Kleie macht die Farbe etwas unansehnlicher, doch weniger, als von der Wirkung der Kleie beim Ausfärben zu erwanen war. Im Lichte verschießt das Krapporange. – Die Lösung des Krapporange in Ammoniak gibt beim Druk auf Thonbeizkattun ein mattes Orange. Die Lösung in Kalilauge wirkt nicht besser.

Allgemeine Schlußbemerkung. Man sieht also hieraus, daß für den Krapppurpur die Thonbeize, für das Krapproth die Thonbeize mit Anwendung der Kreide, was das Roth, und die Eisenbeize, was das Violett betrifft, für Krapporange die Thon- und Kupferbeize am passendsten sind. Auch über den Antheil, den ein jedes der Pigmente an der Bildung der Krappnüancen und an der eigenthümlichen Wirkung mancher Zusäze und Avivagen hat, ist mancher interessante Aufschluß durch die Untersuchung des Verfassers gegeben und somit auf der anderen Seite die Möglichkeit, durch Anwendung des nun Bekannten, durch willkürliche Mischung der Pigmente u.s.w. die Hervorbringung dieser und neuer Nüancen mehr in die Gewalt zu bekommen. Die vollständige Erreichung dieses |208| Ziels ist aber nur dann möglich, wenn man nicht mehr mit Krapp, wie er ist, sondern mit den einzelnen Bestandtheilen färben wird; dieß muß aber vor der Hand noch an dem Preise der Krapppigmente scheitern; es ist dem Verfasser bis jezt wenigstens nicht gelungen, seine Darstellungsweise mehr zu vereinfachen und wohlfeiler zu machen. Die Darstellung des Alizarins nach Robiquet ist sehr praktisch, wenn es sich nur darum handelt, das Färbende vom nicht Färbenden zu trennen; beide rothen Farbstoffe zu trennen vermag sie aber nach Runge nicht.

B. In Bezug auf die verschiedenen Krappsorten.

Das Färbevermögen der verschiedenen Krappsorten wurde durch die Methode des Verf., die jedenfalls der Bestimmung durch Ausziehung und Abscheidung des Färbenden vorzuziehen ist, ausgemittelt. Es wurden dabei mit verschiedenen Farbstoffmengen Versuche angestellt, aus denen hervorgeht, daß die Dunkelheit der Farbe im geraden Verhältnisse der Farbstoffmenge steht, der Thonbeizkattun demnach auch zu quantitativen Bestimmungen dienen kann. Es wurden übrigens Versuche mit und ohne Kleiezusaz gemacht. Es ergibt sich aus allen diesen Versuchen, daß die Munjeet (die Alizari wurde nur zu Darstellung der Farbstoffe benuzt, nicht mit geprüft) am farbereichsten ist, darauf der speier'sche, holländische, elsasser Krapp folgen, hinter denen die avignoner Sorten, von denen die Picard'sche, obgleich wohlfeiler, doch etwas stärker ist als die Isuard'sche, weit zurükstehen, endlich die Röthearten die schwächsten sind, und zwar die Herbströthe noch etwas schwächer als die Krimröthe.

|195|

Bei diesem Auszuge haben wir uns im Wesentlichen an das polytechn. Centralblatt Nr. 39 gehalten.

A. d. R.

|199|

Polytechn. Journal Bd. XIII. S. 224, und Bd. XXVII. S. 205.

A. d. R.

|199|

Polytechn. Journal Bd. XXIV. S. 530, und Bd. XXVII. S. 200.

A. d. R.

|199|

Polyt. Journal Bd. XLIII. S. 381.

A. d. R.

|201|

Unter Eisenalaun versteht Runge das Doppelsalz, welches entsteht, wenn man aus dem Alaun die Thonerde hinwegnimmt und an ihre Stelle die entsprechende Menge Eisenoxyd sezt. Der Eisenalaun wird dargestellt, indem man

78 Pfd. rothes Eisenoxyd mit

117 Pfd. Schwefelsäure

verbindet, beides in Wasser auflöst und

87 Pfd. schwefelsaures Kali unter Kochen

hinzusezt und dann den Eisenalaun herauskrystallisiren läßt. Der im Großen dargestellte Eisenalaun hat anfangs eine schöne Amethystfarbe, später beschlägt er mit einer gelblichweißen Rinde, die jedoch seine Güte nicht beeinträchtigt. Er ist sehr leicht im Wasser auflöslich. Die Auflösung ist gelb gefärbt und erleidet durch Kochen eine Zersezung, indem sich Eisenoxyd abscheidet.

A. d. R.

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