Titel: Pritchard's Oxyhdrogengas-Mikroskop.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. LXXI. (S. 350–353)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064071

LXXI. Pritchard's Oxyhydrogengas-Mikroskop.63)

Mit Abbildungen auf Tab. V.

Beschreibung des Gasmikroskops.

Man kann, ohne für praktische Zweke einen Fehler zu begehen, annehmen, daß die von der Sonne ausgehenden Lichtstrahlen einander parallel sind, und für das Sonnenmikroskop braucht man sie also nur von ihrem parallelen Laufe abzulenken und gegen den zu beleuchtenden Gegenstand convergirend zu machen. Die Strahlen, welche von einem künstlichen Licht ausgehen, das sich in kurzer Entfernung vom Verdichter befindet, sind aber divergirend und fallen also mit Ausnahme der centralen alle schief auf die Oberfläche der Linsen; es muß folglich eine doppelte Operation mit ihnen vorgenommen werden, ehe man sie, wie im vorigen Falle, auf den zu beleuchtenden Gegenstand convergirend machen kann: es ist nämlich nöthig sie zuerst parallel zu bringen und dann gerade so wie die Sonnenstrahlen gegen das zu beleuchtende Object zu convergiren. Dieß kann jedoch, wie wir sogleich sehen werden, auch mit einem einzigen Reflector bewirkt werden. In beiden Fällen handelt es sich hauptsächlich darum, die möglich größte Anzahl von Strahlen zu sammeln; um dieß mit einer Linse zu bewerkstelligen, sollte ihre dem Licht zugekehrte Seite concav oder wenigstens plan seyn, weil sonst die zunächst an ihrem Rande befindlichen Strahlen in Folge ihrer großen Schiefe von ihr zurükgeworfen und nicht durch sie refractirt würden. Bei den zahlreichen Versuchen, die ich über die Construction der Gasmikroskope angestellt habe, fand ich folgende Anordnung als dem Zwek am besten entsprechend: man bringt zuerst eine planconvexe |351| Linse D (Fig. 28) mit ihrem flachen Theile in die Nahe des Lichtes G und in solche Entfernung von demselben, daß die divergirenden Strahlen nahezu parallel werden; mit dieser verbindet man dann eine doppelt-convexe Linse D', um die Strahlen auf dem Object B zu verdichten. Vor dem Object B werden endlich die verschiedenen Vergrößerungsgläser angebracht, um sein vergrößertes Bild auf eine in einiger Entfernung von ihm befindliche weiße Wand zu werfen.

Fig. 3 zeigt den Apparat, womit das Licht hervorgebracht wird, von der Seite abgebildet. Er besteht aus einem vierekigen hölzernen Gestell, welches auf Rollen läuft und mit horizontalen Abtheilungen oder Tischen versehen ist, worauf die die Gase enthaltenden Blasen oder Säke64) O und H gelegt werden; der obere Tisch wird gewöhnlich für das Sauerstoffgas benuzt, damit der Sperrhahn bei o um so leichter regulirt werden kann, und der untere Tisch für das Wasserstoffgas. Enge Röhren mit Sperrhähnen, wie man sie bei o, a, i und h sieht, sind an den verschiedenen Blasen angebracht, und communiciren mit der Auslaßröhre J. Auf dem oberen Tische steht eine Reinigungsflasche, welche noch näher beschrieben wird und dazu dient, die Gasarten von ihren Unreinigkeiten zu befreien, so daß sie, ohne durch andere Zwischengefäße zu streichen, sogleich nach ihrer Erzeugung in die Blasen O oder H geleitet werden können, um dann beliebig gebraucht zu werden. W, W sind Gewichte oder Sandsäke, welche mittelst geneigter Brettchen auf die gespannten Blasen drüken und so in Verbindung mit den Sperrhähnen als Regulatoren für die stätige und proportionale Ausströmung der Gase dienen. Während des Füllens der Blasen müssen natürlich die Gewichte und Brettchen beseitigt seyn.65)

Es wurde schon bemerkt, daß eine Flasche, die sogenannte Reinigungsflasche, auf einen Stander steht, und ihr gegenüber eine bleierne Flasche, welche leztere zur Bereitung des Wasserstoffgases dient; man sieht diese Flaschen in Fig. 29. Um Wasserstoffgas zu bereiten bringt man beiläufig eine Pinte Wasser und ein Pfund granulirtes Zink in die bleierne Flasche G und füllt dann die Reinigungsflasche |352| P zu zwei Drittel mit Wasser. Die Flaschen werden hierauf mit ihren Korken versehen, durch welche Röhren gehen, die bei u durch ein Gelenk mit einander verbunden werden können. Auf ähnliche Weise kann man die Röhre bei p nach einander mit der Röhre 1 oder 2 der verschiedenen Blasen, welche gefüllt werden sollen, verbinden. Gießt man nun beiläufig ein halbes Weinglas voll Schwefelsäure in den Trichter bei c, so wird sich schnell Wasserstoffgas entbinden und durch die Reinigungsflasche in die Blase H treten; in dem Maaße, als die Gasentbindung nachläßt, sezt man wieder frische Säure zu, bis man eine hinreichende Menge Gas gewonnen hat.

Die Methode das Sauerstoffgas zu bereiten und zu reinigen ist auch ziemlich einfach. Man sezt eine mit Braunsteinstükchen gefüllte eiserne Retorte der Rothglühhize aus, nachdem man sie mittelst einer langen Röhre mit der Reinigungsflasche P verbunden hat. Das entbundene Sauerstoffgas geht dann durch 2 und a in die Blasen bei 0. Dieselbe Reinigungsflasche dient also für beide Gasarten; man muß jedoch die größte Vorsicht anwenden, damit die Gasarten ganz gesondert bleiben und sich durchaus nicht mit einander vermischen. Die Reinigungsflasche sollte auch nicht über zwei Drittel mit Wasser gefüllt werden, damit kein Wasser in die Blasen übergeführt werden und sie zerstören kann. Die Quantität Sauerstoffgas, welche man in den Blasen dieses Apparates sammeln kann, reicht hin, um das Licht eine Stunde lang zu unterhalten; die Wasserstoffgasblasen werden etwa für eine halbe Stunde ausreichen; da sich aber lezteres Gas sehr schnell darstellen läßt, so wird dadurch kein großer Aufenthalt verursacht werden.

Die Einrichtung des Apparates zur Verbrennung der Gasarten sieht man in Fig. 31, wo a und b die Speisungsröhren der Austrittsröhre zeigen, welche mit den correspondirenden Röhren der Behälter O und H (Fig. 30) verbunden sind. Bei S sind zwei Hemming'sche Sicherheitsröhren, welche Bündel von feinem Kupferdraht, Metallgaze oder Asbest enthalten, wodurch die Gasarten abgekühlt und eine Explosion derselben verhindert werden soll, falls durch einen Zufall das entzündete Gas gegen die Behälter zurükströmen sollte. Die Grundflächen der Behälter H und O sollen genau in demselben Verhältnisse zu einander stehen, in welchem Wasserstoff- und Sauerstoffgas dem Volum nach zur Wasserbildung oder Verbrennung erforderlich sind.66) Wenn man nun zwei Mal so viel Wasserstoffgas als |353| Sauerstoffgas durch die Sperrhähne der Speisungsröhren treten läßt, so werden die zwei Gasarten im richtigen Verhältnis in der Vermischungskammer C anlangen, und zwar unter gleichem Druk, so daß keine über die andere das Uebergewicht erlangen und das Gemisch aus der Kammer C in einen der Behälter zurüktreiben kann.67)

R zeigt den Stab, worauf die Kalckugel oder der Kalkcylinder aufgestekt ist. Die cylindrische Form wird gewöhnlich vorgezogen; jedenfalls muß derselbe aber mittelst eines Uhrwerks oder mit der Hand beständig gedrehr werden, damit er dem entzündeten Gase immer eine neue Oberfläche darbietet, weil er sonst ungleich wegbrennen und Risse bekommen würde. Bisweilen stellt man den Kalkcylinder horizontal und läßt die Flamme auf seine Basis spielen; diese Anordnung liefert jedoch kein so stätiges Licht, und da durch die Verbrennung bald ein Loch im Kalk entsteht, so wirft dieses einen starken Schatten auf die weiße Wand.

Das Mechanics' Magazine theilt in Nr. 712 diese Beschreibung des Gasmikroskops aus folgender Schrift mit: Micrographia; containing practical essays on reflecting, solar, oxy-hydrogen gas Microscopes, Micrometers, Eye pieces etc. by C. R. Goring, M. D. and A. Pritchard, Esq. M. R. J. etc., Witacker and Cop.

A. d. R.

|351|

Säke oder Beutel aus luftdichtem Zeuge, wie man sie gegenwärtig zum Gebrauch als Luftkissen fabrikmäßig verfertigt, sind als Behälter für die Gasarten der Bequemlichkeit (beim Wasserstoffgas aber auch der Sicherheit wegen) den Blasen bei weitem vorzuziehen.

A. d. R.

|351|

Man hat gegen die Methode, wie der Druk auf die Gase in dem Apparat Fig. 30 bewirkt wird, Einwendungen gemacht, da er mit der Neigung der Brettchen, woran die Gewichte angebracht sind, vaxiirt: um diesen Uebelstand zu beseitigen, dürfte man die Gasbehälter nur auf ähnliche Art wie die Recipienten der Orgelblasebälge einrichten. A. d. O. (Nach Drumond soll der Druk auf die Gasarten einer Wassersäule von 20 Zoll Höhe gleich seyn. A. d. R.)

|352|

Bei dem Gebrauch eines solchen Apparates findet man bald, daß wegen des Zutritts von atmosphärischer Luft etwas mehr als zwei Raumtheile Wasserstoffgas auf einen Raumtheil Sauerstoffgas verzehrt werden.

A. d. R.

|353|

Wenn man den Apparat gebrauchen will, erheischt es die Vorsicht, zuerst bloß das Wasserstoffgas in die Vermischungsröhre 8 gelangen zu lassen; dasselbe wird dann am Schnabel der Auslaßröhre angezündet und brennt mit einer rothen unstätigen Flamme. Hierauf dreht man allmählich auch den Sauerstoffbahn, worauf dieses Gas mit dem Wasserstoff vermischt austritt, der Sauerstoffhahn muß nun zur Erzielung des richtigen Verhältnisses beider Gasarten noch so lange gedreht werden, bis der Kalkcylinder sein glänzendstes Licht erreicht hat, worauf die Wasserstoffstamme gänzlich verschwindet.

A. d. R.

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