Titel: Piette, über die Fabrication des Strohpapiers.
Autor: Piette, L.
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. LXXIII. (S. 358–372)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064073

LXXIII. Ueber die Fabrication des Strohpapiers; von Hrn. Piette, Besizer einer Papierfabrik in Dillingen.68)

Wenn man die verschiedenen Substanzen, bei welchen man die Möglichkeit vermuthet, Papier aus ihnen zu machen, betrachtet, so bemerkt man keine, welche mehr dazu geeignet zu seyn scheint, als |359| Stroh. Es gehört, wie Hanf, Flachs und Baumwolle, zum Pflanzenreich, besteht wie Hanf und Flachs aus starken Langenfasern, ist wie sie der Fäulniß wenig ausgesezt und läßt sich überall um geringen Preis in großer Menge haben. Wir wollen daher genauer untersuchen, in wie weit das Stroh nach seiner natürlichen Beschaffenheit wirklich zur Papierfabrication dienlich seyn kann, und welche Verrichtungen nöthig sind, um es zu verarbeiten und zu bleichen.

Eine Substanz, welche zur Papierfabrication geeignet seyn soll, muß sehr feine und fein zertheilte Fasern haben, welche von der Flüssigkeit durchdrungen werden können, die man anwendet, um einen Brei aus ihnen zu machen. Diese Fasern müssen sich leicht von einander trennen lassen, ohne zu zerreißen und einen dünnen Brei geben, dessen Theilchen weich, fein und flokig sind; sie müssen sich von Neuem in einander schließen und nach ihrer Vereinigung durch Troknen fest werden.

Bei der Untersuchung zeigt sich nun, daß das Stroh aus gelben Fasern besteht, die durch eine harzige Materie mit einander verbunden sind. Diese Materie löst sich in Alkalien auf. Die in Freiheit gesezten Fasern sind weich und flokig, wie die des Hanfes, lassen sich von Flüssigkeiten durchdringen, zu einem Brei umschaffen und wieder zu dünnen Blattern vereinigen. Es ist also vorauszusehen, daß es möglich ist, Papier aus Stroh zu verfertigen, und man hat auch darüber schon seit vielen Jahren eine Menge verschiedener, mit mehr oder weniger Erfolg gekrönter Versuche angestellt.

Da aber sowohl die von mir in meinem Traité de la fabrication du papier angegebenen, als auch die von anderen empfohlenen Methoden, Papier aus Stroh zu verfertigen, mir großen Schwierigkeiten verbunden sind und eine besonders kostspielige Verarbeitung erfordern, so habe ich die Versuche wiederholt, um eine Abkürzung jenes weitläufigen Verfahrens zu finden, und im Großen danach zu arbeiten. Das Resultat meiner Versuche will ich hier mistheilen.

Das Pflanzenreich liefert uns zweierlei Stroh, das von Getreide und das von Hülsenfrüchten. Die erstere Art ist Stroh von Roggen, Weizen, Gerste oder Hafer, die zweite Art kommt von Bohnen, Erbsen oder Linsen. Der Mais reiht sich wegen seiner Blätter, die man allein zur Verfertigung des Papiers gebrauchen kann, den Hülsenfrüchten an.

Dieser Ordnung nach wollen wir nun untersuchen: 1) wie man die einzelnen Arten von Stroh in ihrem natürlichen Zustande zu Papier oder Pappendekeln verarbeiten kann, und welche Eigenschaften die so erhaltenen Producte haben; 2) wie man Stroh bleicht, um weißes Papier daraus zu erhalten.

1. Von der Verarbeitung des Strohes im natürlichen Zustande.

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a) Getreidestroh.

Einige vorläufige Operationen, die man für jede Art von Getreidestroh anwenden muß, sind das Sortiren, das Schneiden und das Wannen.

Viele Pflanzen, die im Getreide wachsen, widersezen sich den Mitteln, die man anwendet, um das Stroh zu erweichen und weiß zu machen; sie müssen also nothwendiger Weise entfernt werden. Das ausgesuchte Stroh wird in Stüke geschnitten, welche 2 bis 3 Linien lang sind. Dazu kann man mancherlei Maschinen gebrauchen, die bekannteste ist die gewöhnliche Hächsellade. Auf ihr kann ein Mann in 12 Stunden gegen 6 Entr. schneiden. Die angegebene Größe von 2 bis 3 Linien ist nöthig, damit man die Gliedknoten besser von den Röhrchen scheiden kann. Läßt man die Knoten unter den Röhrchen, so erhält man ein unvollkommenes Product und leidet einen bedeutenden Verlust. Die Röhrchen verwandeln sich nämlich leichter in einen Brei, und würden beim Waschen größten Theils verloren, wenn man die ganze Masse so verarbeiten wollte, daß auch die Knoten weich würden. Wenn aber die Knoten nicht hinreichend erweicht werden, so erhält man ein sehr rauhes Papier. Mit einer guten Wannmühle, wie man sie gewöhnlich gebraucht, um das Getreide zu wannen, ist die Sonderung der Knoten von den Röhrchen leicht, da ein Mann und ein Kind in einer Stunde 4 bis 5 Cntr. wannen.

Nach diesen vorläufigen Verrichtungen fangen diejenigen an, welche zum Zwek haben, die Fasern des Strohes durch Zersezung der klebrigen Materie in Freiheit zu sezen. Versuche haben mir gezeigt, daß es völlig unmöglich ist, aus geradeweg gemahlenem Stroh Papier zu machen.

Roggenstroh. Das Roggenstroh, welches an klebrigen oder harzigen Materien am reichsten und deßwegen am härtesten ist, erfordert die meiste Arbeit, um jene Materie zu zerstören, behält aber immer noch einen bedeutenden Theil derselben zurük und liefert deswegen das härteste Papier.

Nachdem man das Stroh, wie wir oben bemerkt haben, sortirt, zerschnitten und gewannt hat, werden die Röhrchen in einem großen Kessel durch Dampf oder directes Feuer in reinem Wasser gekocht. Man drükt das Stroh ein und wendet einige Kraft an, um den Kessel so voll als möglich zu bringen, beschwert auch den Dekel. Wenn das Wasser anfängt zu kochen, so drangt sich das Wasser |361| nach Oben, bald aber sezt sich das Stroh so, daß es kaum mehr die Hälfte des Raums einnimmt. Man verstärkt nun das Feuer, und läßt die Masse während 3 Stunden kochen. Diese erste Operation, welche zum Zwek hat, das Stroh so zu erweichen, daß man es zu Halbzeug umarbeiten kann, um dessen Fasern für die Wirkung der Lauge vorzubereiten, nimmt dem Stroh seine natürliche hellgelbe Farbe und ändert sie in rothbraun. Das Stroh ist zwar noch hart, hat aber wegen der Feuchtigkeit, die es ganz durchdringt, seine Elasticität verloren, und schon scheint die Oberhaut sich loszuheben.

Das aus dem Kessel genommene Stroh wird nun wie die Lumpen in Halbzeug verwandelt, in eine Lauge von 2 Pfd. Potasche und 50 Pfd. frischen Kalk auf 100 Pfd. Stroh gebracht- und wieder während 3 Stunden gekocht. Die Lauge, welche starker auf das in Halbzeug verwandelte Stroh einwirkt, hat nach diesen 3 Stunden ihre äzende Kraft verloren, nachdem sie angefangen hat die klebrige Materie zu zerstören und die Röhrchen zu erweichen. Sie ist doch nicht hinreichend, um dem Roggenstroh die nöthige Biegsamkeit geben zu können. Deßwegen vermindert man nach 3stündigem Kochen das Feuer, läßt die Lauge durch einen am Boden befindlichen Hahn ablaufen, dreht den Hahn wieder zu und gießt, ohne das Stroh wieder herauszunehmen, sogleich eine frische Lauge in den Kessel. (1 Pfd. Potasche und 30 Pfd. Kalk für 100 Pfd. Stroh). Nachdem die Masse 3 Stunden gekocht hat, wiederholt man noch zwei Mal die nämliche Operation mit derselben Lauge. Es kommen also k laugen auf das Stroh. Nach dem vierten Kochen ist das Stroh weich, die Fasern trennen sich von einander und geben nach ihrer Zermahlung einen gehörigen Brei.

Die Lauge hat die klebrige Materie des Strohes aufgelöst und führt sie mit sich, wodurch sie syrupartig, dunkelbraun geworden ist, und einen Bodensaz liefert. Dieser besteht aus Strohtheilchen und den Substanzen, welche die Lauge und die harzige Materie bilden, als Potasche, Kalk, Kieselerde und mehreren Salzen. Obschon die Potasche bei den verschiedenen Laugen in geringer Quantität zugesezt wird, so wirkt sie doch merklich auf die klebrige Materie; wollte man keine Potasche anwenden, so würde das Stroh nicht ganz erweicht, und man erhielte kein vollkommenes Product.

Was die Knoten betrifft, so werden sie auch in reinem Wasser, aber während 12 Stunden gekocht, dann als Halbzeug, wie die Röhrchen, in die Lauge gebracht und sechs Mal hintereinander unter den nämlichen Umständen, wie jene gekocht. Dann lassen sie sich verarbeiten. Sie erfordern also beinahe noch ein Mal so viel Arbeit als die Röhrchen.

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Das Roggenstrohpapier ist gelblichbraun, hat eine außerordentliche Stärke und kann in mancher Hinsicht mit dem Pergament verglichen werden. Ungeleimt hält es die Tinte beinahe so gut, wie ganz geleimtes Papier, besonders wenn der Zeug wenig gewaschen wurde, und die durch die Lauge aufgelöste Materie größten Theils in der Masse zurükbleibt. Es ist nicht so biegsam als Weizenstrohpapier, ist aber stärker und zu Pakpapier ganz besonders geeignet.

Weizenstroh. Das Weizenstroh ist weicher, als das Roggenstroh. Es wird zuerst während 3 Stunden in reinem Wasser gekocht, hierauf in Halbzeug verwandelt und 3 Stunden in einer Lauge von 2 Pfd. Potasche und 50 Pfd. frischem Kalk auf 100 Pfd. Stroh gekocht. Die Lauge wird abgegossen und noch zwei Mal (1. Pfd. Potasche und 30 Pfd. Kalk auf 100 Pfd. Stroh) erneuert. Dann ist das Weizenstroh ebenfalls brauchbar. Die Gliedknoten werden wie die des Roggenstrohes verarbeitet. – Das Weizenstroh zermahlt sich leicht, es bildet einen sehr magern Zeug, der auf der Form bald troknet und schnell verarbeitet seyn will.

Das Papier hat eine helle, lebhaft gelbe Farbe, ist nicht so stark, als Roggenstrohpapier, bricht aber nicht so leicht, wenn man es biegt und hat auch einen, wiewohl schwächeren, natürlichen Leim.

Gerstenstroh. Das Gerstenstroh nähert sich viel dem Weizenstroh, obschon es weicher und reicher an Blattern ist. Doch hat es das Eigene, daß seine Gliedknoten, wenn sie auch nicht so zahlreich sind, als bei dem anderen Stroh, vielmehr den Erweichungsmitteln widerstehen. Nachdem die Knoten in Wasser gekocht und in Halbzeug reducirt sind, werden sie mit 8 frischen Laugen während 24 Stunden gekocht. Um die viele Mühe zu sparen, kann man die Gliedknoten nach dem ersten Kochen in einen Faulkeller werfen und während 4 Wochen maceriren lassen, wie man früher den Gebrauch für die Lumpen hatte. Die Röhrchen werden nach dreistündigem Kochen in reinem Wasser in Halbzeug verwandelt, und noch ein Mal in 2 frischen Laugen hintereinander gekocht.

Die Masse von Gerstenstroh arbeitet sich eben so leicht, als die von Weizenstroh. Das Papier ist etwas dunkler und hat ungefähr die nämliche Stärke und den nämlichen Leim. Da es nun weniger Arbeit erfordert, so ist es dem Weizenstroh vorzuziehen, wenn man es übrigens so billig haben kann.

Haferstroh. Die Materie, welche die Fasern des Haferstrohes zusammenhält, ist nicht so reich an Bindungsstoff, als bei dem anderen Stroh, enthält weniger Salze, aber mehr Wasser und befindet sich darin in geringer Menge. Deßwegen ist dieses Stroh das zarteste und erfordert weniger Arbeit, um weich genug zu werden.

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Nachdem es sortirt, geschnitten, gewannt, in Wasser gekocht und in Halbzeug verwandelt ist, wird es ein Mal während 3 Stunden in einer Lauge, die aus 2 Pfd. Potasche und 50 Pfd. Kalk bereitet ist, gekocht. Dann zerreibt es sich unter den Fingern und hat die erforderliche Biegsamkeit. Dieser Zeug verarbeitet sich noch leichter, als der von dem anderen Stroh, troknet so schnell, daß er anstatt auf dem Filz zu kleben, leicht an der Form hangen bleibt. Deßwegen muß er mit kaltem Wasser und schnell verarbeitet werden. Er gibt vorzügliche Pappendekel, welche biegsam sind ohne zu brechen und eine gehörige Stärke haben.

Das Papier hat eine angenehme, hellgelbe Farbe, ist vielleicht nicht so stark als das früher beschriebene, dient aber gut zum Einpaken und Schreiben und besizt eine natürliche halbe Leimung.

Da das Haferstroh so wenig Arbeit erfordert, so ist zu bedauern, daß man es nicht in großer Menge haben kann, indem es meistens zum Füttern verbraucht wird. – Eben so ist es auch mit dem Stroh von Hülsenfrüchten; manche Art derselben ist besonders zur Papierfabrication geeignet, aber nicht in bedeutender Masse vorhanden.

b. Stroh von Hülsenfrüchten.

Obschon das Stroh von Hülsenfrüchten, wenigstens das der Erbsen, Bohnen und Linsen, einige Aehnlichkeit mit dem Getreidestroh hat, so nähert es sich doch mehr dem Hanfstroh. Mit ihm hat es nicht nur die Fasern, und die klebrige Materie, sondern auch noch das gemein, daß es Sprossen gibt. Da es aber schwierig wäre, die Fasern von den Sprossen zu trennen, und diese lezteren auch wegen der Höhlung des Halms nicht so beträchtlich sind, so kann man alles zusammenlassen und verarbeiten. Die Sprossen bilden, wenn sie gemahlen sind, zwar kein Gewebe, doch tragen sie mit den Fasern gemischt zur Ausfüllung des Papiers bei und schaden seiner Stärke nur wenig.

Die vorläufigen Operationen, von welchen beim Getreidestroh die Rede war, das Sortiren, Schneiden und Wannen sind hier weder nöthig, noch anwendbar; man findet darunter wenig fremde Pflanzen. Die Unregelmäßigkeit dieser Gewächse läßt es nicht zu, sie wie Stroh in regelmäßige Stükchen zu schneiden; auch sind die Knoten beinahe nicht härter, als die Röhrchen und können darunter bleiben. Das Stroh wird zuerst in unregelmäßige Stüke von 3 bis 8 Zoll gehakt, nachher durch einen gewöhnlichen Lumpenschneider, oder eine Maschine der Art zerrissen.

Erbsenstroh. Dieses Stroh scheint durch einige besondere Eigenschaften zur Papierfabrication geeignet. Es hat an sich etwas |364| Klebriges, welches den Leim des Papiers vermehren könnte, seine Gliedknoten sind nicht so hart, seine Hülsen sind zart, die Blätter sind es ganz besonders, und die Stengel haben wenig Holz. Um es gehörig zu verbrauchen, müßte man die Gliedknoten, die Röhrchen, die Schoten und die Blätter, jedes besonders, verarbeiten. Da dieses aber zu schwierig ist und man selbst die Stengel nicht einmal absondern kann, so muß alles zusammen verarbeitet werden, natürlich mit der Gefahr viel von der feinen Masse zu verlieren und kein so vollkommenes Product zu erhalten.

Obschon die Hülsen und die Blätter des Erbsenstrohs weich sind, so muß doch das Ganze wegen der Stengel, der Röhrchen und der Knoten, einer ziemlich langen Reihe von Manipulationen unterworfen werden, um zur Papierfabrication brauchbar zu seyn. Nachdem alles zerschnitten, während 3 Stunden in reinem Wasser gekocht, und zu Halbzeug umgearbeitet worden ist, wird es in eine Lauge gebracht, wo für 100 Pfd. Stroh 2 Pfd. Potasche und 60 Pfd. Kalk genommen werden. Die Lauge wird nach dreistündigem Kochen abgegossen und noch zwei Mal und zwar mit 1 Pfd. Potasche und 50 Pfd. Kalk erneuert. Der stärkere Zusaz von Kalk hat zum Zwek die Stengel so zu erweichen, daß sie im Holländer ganz fein zerrieben, und mit dem Waschwasser größten Theils ausgeschwemmt werden. Deßhalb muß man auch das Stroh von Erbsen, Bohnen und Linsen langer waschen, als das andere Stroh.

Das Erbsenstroh zermahlt sich leicht, arbeitet sich gut auf der Form, troknet schnell ein, und gibt ein rothgelbes Papier von ziemlich angenehmem Aussehen. Wenn es nicht in einer zu starken Lauge gekocht ist, so bemerkt man, wenn man es durch das Licht betrachtet, in seinem Gewebe einen Theil von den nicht zerriebenen Stengeln. Es sieht nur dann gleichförmig aus, wenn das Stroh gehörig gekocht, rein zermahlen und gut ausgewaschen wurde. Für Pakpapier ist dieses freilich nicht nöthig, kann aber bei weißem Papier nicht unterlassen werden. Das Papier von Erbsenstroh ist übrigens fest, bricht nicht, wenn man es zusammenfaltet, und ist als Pakpapier recht brauchbar.

Bohnenstroh. Das Stroh der welschen Bohnen gibt ein hellbraunes Papier, von geringer Festigkeit; durch einen Zusaz von Lumpen erlangt es hinlängliche Starke, um zu Pakpapier zu dienen. Dieses Stroh enthält mehr Stengel, als das Erbsenstroh; es braucht darum eine Lauge mehr, muß feiner gemahlen werden, und verarbeitet sich nicht so leicht. Bei ihm ist der besondere Umstand, daß das Wasser, in welchem man es kocht, statt wie bei jedem anderen Stroh gelblichroth zu seyn, ins Graue fällt. Durch Alkalien bekommt es die |365| braune Farbe. Die graue Farbe kommt daher, daß die oberste Haut des Bohnenstrohs schwarz wird, wenn es eine Zeit lang gelegen hat, und die inneren Theile weiß bleiben. Das Bohnenstroh ist leicht zu bleichen und verdient in dieser Hinsicht beachtet zu werden.

Linsenstroh. Das Linsenstroh nähert sich sehr dem Erbsenstroh; seine Fasern haben die nämliche Gestalt und beinahe die nämliche Farbe, sie bilden auch einen magern Zeug. Er hat aber mehr holzige Theile und kann deßwegen, obschon wie Erbsenstroh verarbeitet, doch für sich kein Papier geben. Mischt man es aber mit eben so viel Zeug von Lumpen; so gibt es ein rothgelbes, ziemlich starkes Pakpapier.

Maisstroh. Weit fester und von einer ganz anderen Beschaffenheit sind die Blätter des Mais. Nachdem man sie geschnitten, in Wasser gekocht und in Halbzeug umgearbeitet hat, werden sie mit 40 Pfd. Kalk und 1 Pfd. Potasche gelangt. Dieses ist hinreichend, um die harzigen Theile zu zerstören. Der Zeug mahlt sich etwas schwieriger, arbeitet sich nicht so leicht auf der Form und zieht sich während des Troknens sehr zusammen, gibt aber ein festes Papier, welches viele Aehnlichkeit hat mit dem Pergament- oder Lederpapier, und fast die nämliche Starke besizt. Seine Farbe ist schmuzig gelb. Es ist reicher an natürlichem Leim, als das andere Strohpapier und bleibt, auch wenn es geglättet wird, rauh beim Schreiben. Beim Reiben bricht es. Zu Pakpapier und Pappendekel wäre dieses Stroh das vorzüglichste, wenn man es recht in Menge haben könnte.

Wir haben nun gesehen, daß eine jede Art von Stroh, besonders verarbeitet, in ihrem natürlichen Zustand durch einfache, leichte und wohlfeile Arbeit zur Papierfabrication brauchbar wird. Es zeigte sich, daß das Roggenstroh wegen seiner Menge und seiner Beschaffenheit vorzuziehen ist- und daß Stroh von Weizen, Gerste und Hafer zwar weniger Arbeit erfordern, aber kein so festes Product geben. Erbsenstroh ist brauchbar zu Pakpapier, Bohnenstroh läßt sich gut bleichen; vom Linsenstroh ist wenig zu hoffen. Maisstroh ließe sich mit vielem Vortheil verarbeiten, wenn es leichter zu haben wäre.

Es bleibt nun die Frage übrig: wie man die verschiedenen Alten Stroh bleichen könne, um sie so gut wie Lumpen zu feinem Papier anzuwenden. Vorher wollen wir aber noch einige allgemeine Bemerkungen über die Fabrication des Strohpapiers überhaupt mittheilen.

Je nachdem das Stroh im Holländer gemahlen, oder im Hammerstok gestampft wird, zeigt sich ein auffallender Unterschied im Papier. Wenn es nämlich im Hammerstok, wo es 8 bis 10 Stunden gehen muß, gewaschen und zerrieben wird, so hat das Papier |366| ein öhliges Ansehen, ist durchsichtig, gleichförmig, frei von Knoten und ungeriebenem Zeug, klingender und stärker. Wird es aber im Holländer gemahlen, so braucht es zwar nur 2 Stunden, das Papier hat das öhlige und durchsichtige Ansehen nicht, es hat aber nicht die nämliche Starke, bricht eher und zeigt ein ungleiches Gewebe. Die Ursache dieser Erscheinung läßt sich wohl einsehen. Im Hammerstok wird das Stroh zerquetscht und nicht zerschnitten, daher bleiben seine Fasern länger. Diese längeren Fasern vereinigen sich leicht und bilden darum ein kernhaftes Papier. Durch das lange Zerreiben verschwinden alle Knoten und die in den Pflanzen enthaltene öhlige Materie wird auch dadurch frei. Im Holländer wird dagegen das Stroh mehr zu kurzen und körnigen Fasern zerschnitten. Diese schlingen sich nicht so durcheinander, sezen sich vielmehr übereinander und geben darum kein so festes und gleichförmiges Fabricat. Da nun das Pakpapier stark und fest seyn muß und ein öhliges Ansehen ihm nichts schadet, so muß man dafür den Hammerstok gebrauchen; für weißes Papier ist aber das öhlige Ansehen schädlich, darum kann für solches nur der Holländer angewendet werden. Mischt man aber mehr oder weniger Lumpen mit dem Stroh, so ist es einerlei, wo man dasselbe mahlt. Geschieht es im Holländer, so erhält es doch seine gehörige Stärke; geschieht es in der Stampfmühle, so verliert sich das öhlige Ansehen. Auch ist es in keinem Fall und bei keinem Stroh schädlich, wenn man ihm Lumpen beimischt. Der Fabrikant muß dieses nach seinen Umständen ermessen.

So ist es auch mit dem Kochen im Wasser und in heißen Laugen. Dieses ist nicht nöthig und läßt sich durch ein mehr oder weniger langes Eintauchen in Wasser und Lauge ersezen. In diesem Fall legt man das Stroh während 14 Tagen in Wasser, verwandelt es in Halbzeug und wirft es dann in die Lauge. Hier bleibt es 3 bis 8 Wochen, je nachdem es hart ist. Die Lauge wird alle 8 Tage erneuert und jeden Tag durcheinander gerührt. Steht aber das Brennmaterial nicht zu hoch und erlauben es die Umstände, so ist es immer besser, das Stroh durch Kochen zu behandeln. Dieses kostet nicht so viel Arbeit und erfordert weniger Zeit. Der Zeug wird mehr zart und verursacht weniger Verlust. Der Verlust hängt sehr davon ab, wie der Zeug gewaschen wird; aber auch hier kann man, wie wir bald sehen werden, die Sache so einrichten, daß er doch nur unbedeutend ist.

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2. Vom Bleichen

Die Hauptmittel, welche sich zum Bleichen des Strohes darbieten, sind: Potasche und Soda, Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsture und Chlor.

Das Chlor wird auf eine dreifache Art gebraucht, luftförmig, an Wasser gebunden, oder mit einer Base, z.B. Natron und Kalk verbunden. Da man in Fabriken das Einfachste suchen und so viel als möglich weitläufige Processe, besonders chemische, die immer schwierig sind, zumal wenn der Fabrikant sind nicht eigens damit beschäftigen kann, vermelden muß, so ziehe ich das mit Kalk oder Natron verbundene Chlor dem anderen vor, ohne jedoch dieses ganz auszuschließen. Nichts ist leichter, als der Gebrauch dieser Mittel. Die Weise, diese Salze zu bereiten und ihre Auflösung zu machen, findet sich in allen technischen Büchern und ich kann dorthin verweisen.

Die erste Methode das Stroh zu bleichen, ist diese: Nachdem es, wie oben beschrieben, gekocht, in Halbzeug reducirt und gelaugt ist, wird es in eine Natronlauge gelegt (5 Pfd. Soda auf 100 Pfd. Stroh); hier bleibt es 24 Stunden, dann wird es ausgewaschen und kommt in ein schwefelsaures Bad (3 Pfd. Säure auf 100 Pfd. Stroh). Die zwei Bäder werden wiederholt und die Masse zwischen jedem gut ausgewaschen. Nun wirft man das Stroh in eine Auflösung von Chlorkalk (8 Pfd. Chlorkalk auf 100 Pfd. Stroh). Wir ziehen den Chlorkalk dem Chlornatron vor, da er kräftiger und billiger ist. In dieser Auflösung läßt man den Zeug 24 Stunden und rührt ihn alle 6 Stunden um. Dann ist das Stroh gewöhnlich weiß. Sollte dieses aber der Fall nicht seyn, was von der Art des Strohes abhängt, so müssen die verschiedenen Operationen wiederholt werden, bis es die gehörige Weiße besizt.

Der Verlauf dieser Arbeiten liefert einige interessante Beobachtungen. In den Laugen hat der Zeug eine mehr oder weniger braungelbe Farbe; kommt er ins Natronbad, so wird diese dunkel, aus dem Rothen ins Gelbe ziehend. In der Säure wird diese weißgelb. Kommt er von da wieder in das Natron, so wird sie wieder röthlich, dann in der Säure wieder weißgelb, jedoch wird bei jedem Bad die Farbe, welche sie auch seyn mag, schwächer, bis sie endlich durch den Chlorkalk ganz zerstört wird.

Zuweilen sind diese plözlich entstehenden Farben sehr stark, dieses hängt von der Menge des Alkalis, der Säure, oder des Chlors ab. Es ist nöthig, sich an die angegebenen Verhältnisse der bleichenden Stoffe zu halten, da, wenn man zu wenig davon anwendet, der |368| Zeug nicht weiß wird, und wenn man zu viel davon nimmt, andere Nachtheile entstehen. Zu viel Alkali gibt dem Zeug eine braunrothe Farbe, die man ihm nicht mehr nehmen kann, zu viel Säure verbrennt den Stoff, zu viel Chlor erfordert ein langes Waschen und schadet dem Papier. Die oben angegebenen Verhältnisse zeigten sich mir nach vielen Versuchen als die richtigsten.

Es ist nöthig, zwischen jedem Bad die Strohmasse gehörig zu waschen und sie jedes Mal von dem Alkali, von der Säure und von dem Chlorkalk zu befreien. Geschieht dieses bei dem ersten nicht, so neutralisirt sich das Alkali durch die Säure, und diese bleibt ohne Wirkung; bleibt Chlorkalk im Stoff, so zieht dieser die Feuchtigkeit der Luft an und zerstört nach und nach das Papier. Aber dieses Waschen ist beim Bleichen das Schwierigste, es mag nun im Holländer, im Hammerstok, oder in Bütten geschehen. Es ist immer langweilig und mit Nachtheil verbunden. Wird nämlich der Zeug im Holländer oder im Hammerstok gewaschen, was nur da geschehen kann, wo noch Kraft übrig bleibt die anderen Maschinen zu betreiben, so geht gar viel von dem Zeug verloren. Er wird nämlich dabei immer noch mehr zertheilt, die feinsten Theile gehen mit dem Wasser fort, und oft geben 100 Pfd. Stroh kaum 20 Pfd. Papier. Will man aber den Zeug in Bütten, oder sonst in Gefäßen waschen, so hat man eine lange weitläufige Arbeit und erhält doch nur ein unvollkommenes Resultat.

Der Verein für Gewerbfleiß in Preußen sezte in den Verhandlungen vom Januar und Februar 1831 demjenigen Papierfabrikanten die silberne Denkmünze und 100 Thaler aus, welcher bei der Anwendung des Chlors, oder Chlorkalks, als Bleichmittel der Lumpen, oder des Papierstoffes folgendes Verfahren, um die lezten Spuren des Chlors und der Schwefelsäure aus dem Zeug zu entfernen, einer genauen Prüfung unterwerfen und zugleich ermitteln würde, wie es am besten ausgeführt werden könnte, und dann die Resultate dieses Verfahrens, in Vergleich zu dem gewöhnlichen bei der Anwendung der Chlorbleiche, sowohl hinsichtlich des Kostenpunkts, als der Vorzüge des Fabricats am vollständigsten nachweisen würde.

„Die mit Chlor oder Chlorkalk gebleichten Lumpen, oder der Papierstoff wird mit Wasser gewaschen, darauf mit verdünnter Schwefelsäure behandelt, um Kalk und Eisenoxyd zu entfernen, hierauf wieder mit Wasser ausgewaschen, dann mit reiner Natron lauge, um die noch rükständige Säure zu neutralisiren. Ist dieses geschehen, so wird im Holländer, oder einer anderen Vorrichtung, gehörig nachgewaschen, um alle Salztheile vollkommen zu entfernen.“

Ich bin überzeugt, daß man auf die angegebene Weise seinen |369| Stoff von Säure, Chlor oder sonstigen fremden Theilen befreit, aber welche Reihe von Manipulationen, wie viele Auswaschungen sind erforderlich!

Hr. H. W. v. Kurrer schlägt vor: die Masse in nicht zu eng geflochtenen Weidenkörben in den Bach, oder in Flußwasser zu bringen, und sie mit Stöken so lange zu waschen, bis man denkt, daß sie frei von Säuren oder Chlor sey; oder noch besser, statt der Weidenkörbe hölzerne Kasten, gleich den Fischkasten, zu nehmen, welche an den drei das Wasser berührenden Wänden viele Löcher hätten, damit das unreine Wasser beim Auswaschen schnell ablaufen, und durch frisches stets ersezt werden könne. In diesem Kasten wird die Rasse vermittelst hölzerner Stößer ausgestoßen und gut gewaschen.

In meinem genannten Werk gab ich selbst folgende Methode an, die mir vortheilhaft scheint. Man verfertigt eine runde Kiste aus Drahtgewebe, macht durch sie eine Are und legt die Zapfen dieser Are so auf Pfannen, daß der Kasten wenigstens der Hälfte nach wagerecht im Wasser liegt. Nun läßt man ihn durch irgend eine Vorrichtung, z.B. einen ledernen Riemen, oder eine Kette, in Verbindung mit dem Wasserrad beständig herumtreiben. So wird die Masse ohne Mühe recht gut gewaschen.

Erlauben die Umstände es nicht, dieses Verfahren anzuwenden, so kann man eine vierekige Bütte auf dem Boden mit einem Drahtgewebe versehen, und in dieser einen Zeugrührer anbringen, der auf irgend eine Weise beständig gedreht wird. Ein regelmäßiger Wasserstrom bringt fortwährend so viel Wasser in die Bütte, als durch das Drahtgewebe herausfließt. Die Masse wird dann in der Bütte durch den Rührer in beständiger Bewegung gehalten, und ohne kostspielige Weit ausgewaschen. Zwei oder drei Bütten sind hinreichend, um in wenig Zeit eine große Menge Stroh ohne vielen Verlust zu waschen. Man kann die Operation so lange fortsezen, bis Reagentien zeigen, daß die Masse weder Alkali, noch Säure, noch Chlor enthält.

Es mag nun mit diesen verschiedenen Waschmethoden, die immer ihre Schwierigkeiten behalten, seyn wie es will, so wäre es in jedem Fall gut, wenn man sowohl bei Stroh, als bei Lumpen, das Waschen vermindern, oder ganz entbehren könnte. Ich habe vor, für diesen Zwek einige Versuche zu machen, und will darüber vorläufig einige Worte sagen. – Wenn man eine Methode finden könnte, das Stroh auf ein Mal zu bleichen, so wäre die Sache sehr vereinfacht und nur ein einmaliges Waschen nöthig. Dazu kann man nur durch gasartiges Chlor, schweflige Säure, oder durch Entwikelung des Chlors aus dem Chlorkalk mittelst einer Säure gelangen. Bedient man sich |370| des Chlors im gasförmigen Zustand, so richtet man eine lustdicht verschlossene Bütte vor, in welche man das Stroh, nachdem es in Wasser gekocht, in Halbzeug reducirt, in Kalk und Potasche gelaugt und so ausgepreßt wurde, daß es nur etwas feucht ist, auf hinlänglich geräumige Horden legt. Diese Horden sind von hölzernen, oder bleiernen, vielfach durchlöcherten Röhren umgeben, aus welchen das in sie aus den Entwiklungsflaschen geleitete Gas über den Zeug strömt. Das Gas greift das Stroh an, die Farbe verschwindet, und es behält nur ein gelblichweißes Ansehen, welches sich verliert, wenn man den Zeug, ohne ihn zu waschen, in ein Bad von verdünnter Schwefelsäure bringt. Diese rasche Bleiche erfordert aber besondere Sorgfalt, und einige Kenntnisse bei der Bereitung des Chlors. Auch ist oft nur ein Theil der Masse weiß, der andere mehr oder weniger gelb, indem das Chlor sich nicht gleichförmig verbreitet und einen Theil mehr als den anderen angreift. Greift es zu viel an, so verbrennt es den Stoff und gibt ihm eine gelbliche Farbe, die ihm nicht mehr zu entziehen ist.

Die schweflige Säure zeigt ungefähr die nämlichen Erscheinungen. Man legt auch das wie oben zubereitete Stroh auf Horden in einen dichten Kasten und sezt diesen mit der Mündung einer mit Schwefel gefüllten, durch irgend eine Vorrichtung erhizten Retorte in Verbindung. Das Stroh wird durch die schweflige Säure angegriffen, verliert etwas von der Starke seiner Farbe, wird aber erst ganz weiß, wenn es 12 Stunden der Wirkung der Säure unterworfen war.

Diesen beiden, obschon schnellen Bleichmethoden wird man diejenige vorziehen, wo durch irgend eine Säure das Chlor aus dem Chlorkalk entwikelt wird. Nachdem das Stroh gehörig zubereitet ist, wird es in ein schwefelsaures Bad geworfen (3 Pfd. Säure auf 100 Pfd. Stroh). Nach zwölfstündigem Weichen ist die Säule in den Zeug gedrungen und das Bad enthält keine Kraft mehr. Es wird abgegossen, über die Masse sogleich eine Auflösung von Chlorkalk gebracht, und das Ganze durch einander gerührt. Das Chlor entwikelt sich augenbliklich und in solcher Menge, daß man besonders Acht haben muß, um sich vor seinem schädlichen Einfluß auf die Gesundheit zu bewahren.

Es ist nicht leicht zu bestimmen, in welchen Verhältnissen man den Schwefel und den Chlorkalk nehmen soll, da man Chlorkalk von 50 bis 100 Proc. hat. Darum ist es zwekmäßig, die Stärke des Chlorkalkes zu kennen, da ein Atom Säure ein Atom Kalk zersezt, also die Operation nicht gelingt, wenn mit schwachem Chlorkalk wenig Säure gebraucht wird, oder wenn man zu viel Säure nimmt. In diesem lezteren Fall entwikelt sich kein Chlor, wahrscheinlich wegen |371| der besonderen Weise, auf welche die großen Quantitäten wirken. Man muß also mit Hülfe eines Chlorometers die Kraft des Kalkes untersuchen und nach seiner Starke die Säuren vermehren oder vermindern. Das Chlor zerstört bei seiner Entwikelung die Farbe des Strohes gänzlich; die Säure verbindet sich mit dem Kalk und bildet Gyps, welcher, wenn die Operation gut geführt ist, sich in kaum sichtbaren Theilchen niederschlagt. Nimmt man zu viel Kalk und Säure, so enthält die Masse zu viel Gyps, das Papier ist mit grauweißen Pünktchen besezt und unbrauchbar. Um diesen Umstand zu vermeiden, kann man statt der Schwefelsäure eine Säure nehmen, die mit Kalk ein auflösliches Salz bildet, z.B. Salzsäure, Salpetersäure, oder Essig, da die mit diesen Säuren gebildeten Kalksalze im Wasser leicht löslich sind. In diesem Fall aber ist die Arbeit dadurch etwas schwierig, daß die Gegenwirkung des Chlors bei einem auflöslichen Salz nicht so leicht, als bei einem unauflöslichen geschieht, jedoch ist sie sicher, da das Chlor zu dem Wasserstoff, welcher ein Bestandtheil der Pflanzenfarben ist, und Kalk zu den Säuren größere Verwandtschaft hat. Die Operation muß in diesem Fall ister wiederholt werden. Obschon zu diesem Zwek jede Säure mehr oder weniger dienlich ist, so ziehe ich doch die Salzsäure wegen ihres geringen Preises und ihrer größeren Starke vor, und arbeite damit, wie mit der Schwefelsäure. Wo aber die Säure theuer ist, kann man das Stroh zuerst der Wirkung der schwefligen Säuren aussezen, wie oben beschrieben, und dann in die Chlorkalkauflösung werfen. Es bildet sich ein auflösliches, schwefligsaures Kalksalz und das Stroh wird eben so weiß.

Diese zulezt genannten Bleichmethoden ersparen den größten Theil der Arbeit, da bei ihrem Gebrauch nur eine Waschung nöthig ist. Obschon auch sie mit einigen Schwierigkeiten verbunden sind und manche Arten Stroh, besonders die weichen, leicht zu stark angreifen, so ziehe ich dieselben doch überhaupt den anderen Methoden vor und rathe, nach langer Beobachtung, für die verschiedenen Arten Stroh folgende Bleiche an.

Die starke Farbe des Roggenstrohs muß durch das gasförmige Chlor, oder die Zersezung des Chlorkalks durch Schwefelsäure, zerstört werden. Die Masse behält in jedem Fall eine etwas gelbliche Färbung, welche man ihr durch ein Bad von verdünnter Schwefelsäure und durch einen schwachen Zusaz von Blau benimmt. Weizenstroh bleicht sich leicht auf die zu allererst beschriebene Weise; noch leichter durch die Zersezung von Chlorkalk vermittelst Salzsäure. Weizenstroh ist am zwekmäßigsten zum Bleichen, und Roggenstroh ist am besten zum natürlichen Gebrauch. Gersten- und Haferstroh |372| bleichen sich wie Weizenstroh, jedoch etwas schwieriger. Die gelblichweiße Farbe, welche sie nach der Bleiche behalten, verbessert man durch einen Zusaz von Blau.

Erbsenstroh würde, wegen der Zartheit seiner Fasern, die zuerst beschriebene Bleiche erfordern, muß aber wegen der Stärke seiner Farbe durch Chlorgas gebleicht werden. Bohnenstroh im Gegentheil bleicht sich sehr leicht durch jene Bäder. Es verliert schon in der Säure einen Theil seiner Farbe, welche der Chlorkalk ganz zerstört. Ware dieses Stroh häufiger, so könnte man es im Großen zur Verfertigung von weißem Papier benuzen. Das Linsenstroh verhalt sich beim Bleichen wie das Erbsenstroh. Das Maisstroh, welches schon das vorzüglichste Stroh zur Bereitung des Pakpapiers ist, bleicht sich durch Zersezung des Chlorkalks leicht. Es erhält eine angenehme Weiße und kann, wenn man es im Holländer mahlt, das feinste Papier liefern.

Also kann man jede Art Stroh bleichen, um sie zu weißem Papier zu benuzen, so gut wie man sie ungebleicht zu gewöhnlichem Papier verarbeiten kann. Allein dieser Bleiche bedarf es kaum, da mehrere Sorten von Strohpapier, ich nenne nur das von Haferstroh, im ungebleichten Zustand eine so angenehme und helle Farbe haben, wie die Weiße bei feinem Lumpenpapier nur seyn mag.

Es wäre mein Wunsch, daß wakere Fabrikanten diese meine Versuche prüfen und sie nach ihrer Meinung und ihren Umständen in Anwendung bringen wollten. Schwierigkeiten dürfen nicht abschreken; Beharrlichkeit und Muth vollenden mehr, als man erwartet. Die Fortschritte der Civilisation fordern von uns, daß wir frühzeitig dem ihr durch den bevorstehenden Mangel an Material für Papier drohenden Hemmnissen begegnen und auch der Hand der Unbemittelten dieses unerläßliche Agens für alle Bildung in Kunst und Wissenschaft um geringen Preis darbieten. Eine milde, alles Gute stüzende und hebende Regierung, ein sicherer Friede, vortheilhafte Verträge für den vaterländischen Handel, Alles unterstüzt uns dazu.

Aus den Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen. 1ste Lieferung 1837, S. 51.

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