Titel: Hall's Apparat zum Treiben von Fahrzeugen.
Autor: Hall, Samuel
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. LXXX. (S. 403–413)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064080

LXXX. Verbesserungen an den Apparaten zum Treiben von Fahrzeugen, so wie auch an den Dampfmaschinen und an der Methode einige Theile derselben in Bewegung zu sezen, worauf sich Samuel Hall, Civilingenieur von Basford in der Grafschaft Nottingham, am 24. Junius 1836 ein Patent ertheilen ließ.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions. Mai 1837, S. 227.

Mit Abbildungen auf Tab. VI.

Meine Erfindung bezwekt, was das Treiben von Fahrzeugen betrifft, eine Verminderung der zitternden Bewegung der Dampfboote, so wie auch eine Verminderung des Rükwassers, welches die gewöhnlichen Ruderräder zu erzeugen pflegen, ohne daß dabei die Triebkraft selbst beeinträchtigt wird. Diesen Zwek suche ich, wie aus Fig. 1 und 2 hervorgehen wird, durch eine eigenthümliche Befestigungsmethode der Schaufeln an den Ruderrädern zu erreichen. Las Wasser soll nämlich hiedurch Flächen der einen Hälfte des Umganges eines jeden Ruderrades nach der einen, während der zweiten Hälfte hingegen nach der entgegengesezten Richtung bewegt wer, den, damit die Schaufeln stets in schiefer Richtung gegen die durch sie selbst erzeugten Strömungen des Wassers treffen. Ich bringe daher die eine Hälfte der Ruderschaufeln in diagonaler Stellung an den Rädern an, damit sie nicht in einer mit ihrer Oberfläche parallelen, sondern in einer diagonalen Richtung In das Wasser eintreten; ich bringe ferner die zweite Hälfte der Schaufeln so an, daß sie in entgegengesezter Richtung in das Wasser eintreten.

Fig. 1 zeigt ein nach meinem System gebautes Ruderrad in einem seitlichen Aufrisse; in Fig. 3 sieht man ein solches vom Ende her betrachtet. Man ersieht hieraus, daß die Schaufeln nicht wie gewöhnlich unter rechten Winkeln mit den Kränzen der Räder und parallel mit deren Achse, sondern gegen beide in schiefer Stellung angebracht sind. Der Winkel, den die Schaufeln mit der Achse zu bilden haben, kann von 30 bis zu 60° wechseln; am geeignetsten finde ich jedoch einen von 45°. An großen Ruderrädern kann die schiefe Stellung der Schaufeln in einem Umgange der Räder 4 anstatt 2 Mal wechseln. Ich weiß wohl, daß Schaufeln, welche in diagonaler Richtung in das Wasser eintreten, nichts Neues sind: meine Patentansprüche gründen sich deßhalb auch nur darauf, daß ich die eine Hälfte der Schaufeln in der einen und die andere in der entgegengesezten diagonalen Stellung anbringe, und daß ich an großen |404| Rädern deren Stellung selbst vier Mal auf einen jeden Umgang verändere.

Was meine Verbesserungen an den Dampfmaschinen betrifft, so zähle ich ihrer sechs auf. Durch die erste glaube ich einen Apparat hergestellt zu haben, in welchem die Verbrennung des Brennmaterials vollkommener, als an irgend einem anderen von Statten geht, und der das Entweichen von Rauch oder von unverbrannten entzündbaren Gasen, Kohlenstoff oder anderen Brennstoffen durch den Schornstein der Dampfmaschinen sehr vermindert oder gänzlich verhindert. Der Apparat, womit ich dieß bewirke, treibt an dem Eingange der Feuerstelle erhizte atmosphärische Luft ein, damit diese, indem sie das Feuer von einem Ende zum anderen durchstreicht, die aus dem Brennmateriale aufsteigenden brennbaren Gase und brennbaren Stoffe entzünde, bevor sie noch in Gestalt von Rauch in den Rauchfang oder auch nur in die an diesen führenden Feuerzüge oder an die Stege der Oefen gelangen. Zugleich kann in Folge dieser Einrichtung die Quantität jener Luft, welche man bei dem Aschenloche und unter dem Feuer eintreten läßt, auch mit Vortheil vermindert werden; denn der mir dieser Luft eintretende Sauerstoff wird größten Theils zur Erzeugung von Kohlensäure verwendet, welche das Brennen der entzündbaren Stoffe eher beeinträchtigen als begünstigen muß. Man soll daher unter dem Feuer nur so viele Luft einströmen lassen, als durchaus nöthig ist; Flächen über und durch das Feuer so viele erhizte Luft streicht, als mit Vortheil benuzt werden kann. An einer meiner Dampfmaschinen von 10 Pferdekräften, unter deren Aschenfall sich unter den Roststangen ein Raum von 3 Fuß 3 Zoll Breite und 12 Zoll Tiefe oder von 468 Quadratzoll Oberfläche befand, habe ich diesen Flächenraum bis auf den dritten Theil reducirt. Die Erfahrung allein kann jedoch hiebei den richtigen Maaßstab geben. Wenn die Feuerstelle nicht in die Länge gezogen ist, wie dieß z.B. an den Kesseln der Locomotiven und einiger anderer Maschinen der Fall ist, so lasse ich die erhizte Luft im ganzen Umfange des Feuers oder von so vielen Seiten her, als ich es für geeignet finde, eintreten, um auf diese Weise die aus dem Brennmateriale emporsteigenden Gase und Brennstoffe zu entzünden. Die hiezu nöthige heiße Luft verschaffe ich mir durch gehörige Benuzung der Hize der in den Schornstein entweichenden Gase und Flammen.

Fig. 3, 4 und 5 zeigen diesen meinen Apparat an dem Kessel eines Dampfbootes angebracht; und zwar in Fig. 3 in einem Längendurchschnitt durch den Apparat und durch einen Theil des Kessels; in Fig. 4 in einem Frontaufriffe und in Fig. 5 in einem Grundrisse, a ist der Schornstein, in welchem in irgend einer geeigneten |405| Entfernung von einander (welche Entfernung, wie später gezeigt werden soll, durch die Länge der Röhren c, c regulirt wird) zwei Platten b, b aus Gußeisen oder aus einem anderen tauglichen Metalle angebracht sind. Ich nehme 10 Fuß als diese Entfernung an; die untere Platte soll ihren Siz so tief als möglich in dem Schornstein haben, c, c sind metallene Röhren, die irgend einen geeigneten Durchmesser haben können; ich nehme sie von 7 bis zu 9 Zoll. Sie sind an beiden Enden offen und in die Löcher der beiden Platten b, b eingesezt, wobei sie durch Winkeleisen an Ort und Stelle erhalten werden. So nahe als möglich an dem oberen Ende dieser Röhren und dicht unter der oberen Platte b, sind rings in den Umfang des Schornsteines Löcher gebohrt, die auch in kleine Trichter auslaufen können, wie man dieß an der Locomotive in Fig. 6 sieht. Unmittelbar über der unteren Platte b, b befinden sich in dem Schornsteine bei e, e Fig. 3, ähnliche Löcher, welche in ein den Fuß des Schornsteines umgebendes Gehäuse f, f führen. Von diesem Gehäuse aus führen die Canäle g, g in die Oeffnungen h, h, welche sich vor der Feuerstelle und über den Feuerthürchen befinden. Die atmosphärische Luft tritt bei den Oeffnungen d, d ein, strömt an der Außenseite der Röhre c, c durch den Schornstein herab, entweicht durch die Löcher e, e in das Gehäuse f und gelangt endlich durch die Canäle g, g an die Oeffnungen h, h. Sie wird auf diesem Wege bedeutend erhizt und gelangt vorne auf einer solchen Temperatur an die Feuerstelle, daß sie die aus dem Brennmaterials emporsteigenden brennbaren Gase und Stoffe größten Theils, wo nicht ganz in Brand stekt.

In Fig. 6, 7 und 8 sieht man meinen Apparat an dem Kessel einer Locomotive angebracht. Fig. 6 ist ein Längendurchschnitt der Maschine durch deren Mitte genommen. Fig. 7 ist ein Querdurchschnitt nach der punktirten Linie x, x. Fig. 8 ist ein eben solcher nach der Linie y, y, a, a ist ein aus Eisenblech oder einem anderen entsprechenden Metalle bestehendes Gehäuse, welches den Schornstein so umschließt, daß zwischen beiden ein beiläufig einen Zoll weiter Raum bleibt. Mit ihm communicirt ein anderes Gehäuse b, b, welches einen Theil des Kessels einschließt; beide zusammen bilden ein ununterbrochenes Gehäuse, welches von dem Scheitel des Schornsteines bis zu der Feuerstelle reicht, c, c, c sind kurze, rings um die Feuerstelle herum angebrachte Röhren, die das Gehäuse oberhalb der Roststangen mir der Feuerstelle verbinden. Auf zwei Oeffnungen, welche sich an dem oberen Ende des den Schornstein umgebenden Gehäuses befinden, sind zwei Trichter d, e aufgesezt. Wenn nun dieser Apparat arbeitet, so dringt die äußere atmosphärische Luft bei einem dieser Trichter d, wenn die Maschine nach der einen, und bei |406| dem anderen e, wenn sie nach der entgegengesezten Richtung läuft, ein. Sie trifft hiebei auf zwei Scheidewände, welche sich, wie in der Abbildung durch punktirte Linien angedeutet ist, von dem Scheitel des Gehäuses bis etwas unter die Oeffnungen d, d herab erstreken, um dann in dem zwischen dem Gehäuse und dem Schornsteine gelassenen Raum herab zu strömen, hierauf zwischen dem Gehäuse b, b und dem Kessel hin zu ziehen, und endlich durch die Röhren c, c, c von allen Seiten und dicht ober dem Brennmaterials in die Feuerstelle zu gelangen.

Wenn die Luft durch das Herabströmen längs der Außenseite des Schornsteines bis auf einer Temperatur erhizt worden ist, welche jene des im Kessel befindlichen Dampfes übersteigt, so gibt sie auf ihrem Wege an die Feuerstelle etwas von ihrer Hize an den Kessel ab; ist dieß hingegen nicht der Fall, so gibt umgekehrt der Kessel einen Theil seiner Hize an die Luft ab, damit diese auf den gehörigen, zur Erreichung meines Zwekes nöthigen Grad erhizt wird.

In einigen Fallen läßt sich die Verbrennung des Rauches auch dadurch erzielen, daß man die Luft nur über den Kessel allein in die Feuerstelle strömen läßt. Dieses Verfahren ist nämlich der Hize des Kessels nicht so nachtheilig, als man allenfalls glauben möchte; denn die Hize, die diesem von Oben entzogen wird, wird ihm von Unten wieder gegeben, verstärkt durch jene Hize, welche aus einer vollkommeneren Verbrennung der brennbaren Gase und anderer den Rauch bildenden Stoffe erfolgt. Wo man daher die Erhizung der Luft nicht wohl auf eine andere Weise bewerkstelligen kann, möchte dieses Verfahren immer empfehlenswerth seyn. Uebrigens kann man, anstatt den Kessel der Locomotiven mit einem Gehäuse zu umgeben, auch Röhren in den Schornsteinen anbringen, und zwar auf die oben aus Fig. 3 ersichtliche Art und Weise.

Fig. 9 ist ein Langendurchschnitt einer Landdampfmaschine, welche mit meinem Apparate ausgestattet ist. Fig. 10 ist ein horizontaler Durchschnitt des Schornsteins und der in ihm befindlichen Röhren. In dem Schornsteine a, a befinden sich zwei gußeiserne Platten b, b, welche den oben in Fig. 3, 4 und 5 beschriebenen ähnlich sind, mit dem Unterschiede jedoch, daß sie der Form des Schornsteines entsprechend vierekig sind, und daß sie in Fugen ruhen, die zu deren Aufnahme in die Wände des Schornsteines geschnitten sind. Die Röhren c, c, welche gleichfalls vierseitig sind, denen man aber eben so gut auch eins cylindrische Form geben kann, sind auf die bei dem Dampfbootkessel angegebene Methode in den Platten b, b fixirt. Die in den Schornstein gemachten Oeffnungen d, d lassen die Luft eindringen, damit sie in ihm längs der Außenseite der Röhren c, c und |407| zwischen ihnen herabströme. e ist eine Oeffnung, welche an dem unteren Theile des Schornsteins in der dem Kessel zunächst liegenden Wand desselben angebracht ist. Zwischen dem aus Baksteinen oder einem anderen geeigneten Materiale gebauten Gewölbe f, f und dem Kessel ist ein hohler Raum g, g gelassen, der mit der eben erwähnten Oeffnung e communicirt, und der durch einen langen schmalen Schliz dicht über dem Thürchen der Feuerstelle mit dieser in Verbindung steht. An diesem Schlize ist ein Schieber anzubringen, womit sich die Quantität der in die Feuerstelle eingelassenen erhizten Luft reguliren läßt.

Hieraus erhellt offenbar, daß dieser Apparat ganz auf dieselbe Weise wirkt, wie der oben bei Fig. 3, 4 und 5 beschriebene: d.h. die Luft strömt durch den Schornstein a an der Außenseite und zwischen den Röhren c, c herab, um dann durch die Oeffnung e in den Raum g, g und endlich durch den Schliz h in die Feuerstelle zu gelangen.

Ich weiß, daß man bereits auf verschiedene Weise versucht hat, in den Kesseln der Dampfmaschinen eine vollkommenere Verbrennung des Brennmateriales und der aus diesem entwikelten brennbaren Gase und Stoffe zu erzielen, und daß auch schon auf mehrere dieser Methoden Patente genommen wurden. Erstens wollte man dieß dadurch bezweken, daß man die Luft, nachdem sie durch ein eigenes Feuer, oder durch den Ofen selbst, oder durch die Feuerzüge des Kessels erhizt worden ist, an dem Stege oder an dem Eingange der in den Schornstein führenden Feuerzüge, mithin also außer der Feuerstelle, einleitete. Zweitens glaubte man diesen Zwek dadurch zu erreichen, daß man die Luft an dem Stege und folglich abermals außerhalb der Feuerstelle eintreten ließ, nachdem man sie vorher zum Behufe der Erhizung mittelst eines Gebläses oder vermöge der Zugkraft des Feuers durch gewundene, innerhalb des Schornsteines oder innerhalb einer in diesen führenden Kammer angebrachte Röhren strömen ließ; oder nachdem man sie zu demselben Zweke durch mehrere Röhren emporsteigen und dann durch eine weite Hauptröhre wieder herabströmen ließ. Drittens versuchte man dieß auf mannigfache andere Weise dadurch zu bewirken, daß man die Luft mit Gebläsen durch ausgedehnte, im Zigzag geführte, und mit den gleichfalls im Zigzag laufenden Rauchröhren abwechselnde Röhren trieb, und endlich unter dem Feuer in einen geschlossenen Aschenfall leitete. Meine Methode weicht nun aber von allen diesen ab, wie man aus dem bisher Gesagten ersehen haben wird. Meine Ansprüche gründe ich in dieser Hinsicht: 1) auf die Erhizung der Luft in Röhren, welche auf die beschriebene Art in einem Schornsteine oder in einer an diesen führenden |408| Kammer angebracht sind, oder in einem den Rauchfang umgebenden Gehäuse. 2) auf die Leitung der Luft über den Kessel hin in einem hiezu bestimmten Gehäuse. 3) endlich auf die Einführung der erhizten Luft an dem einen Ende der Feuerstelle und zwar an den Thürchen oder dicht oberhalb diesen, damit dieselbe auf ihrem Wege an die Feuerzüge die mit einem offenen Aschenfalle versehene Feuerstelle durchstreiche. Ich behalte mir vor die Erhizung durch Röhren mit der Erhizung in dem Gehäuse zu verbinden, und die erhizte Luft direct und ohne sie über den Kessel strömen zu lassen, in die mit offenen Aschenfällen versehenen Feuerstellen über deren Thürchen einzuleiten. Ich behalte mir vor die Luft vor ihrem Eintritte in die Feuerstellen lediglich dadurch zu erhizen, daß ich sie mit Hinweglassung der Röhren in dem Schornsteine über die Kessel hinleite. Ich behalte mir vor an Locomotivmaschinen die nach den beiden ersten Methoden erhizte Luft entweder bei offen gelassenem Aschenfalle nur über den Roststangen, oder bei geschlossenem Aschenfalle sowohl über als auch unter den Roststangen einzuleiten. Ich behalte mir endlich vor, auch an Locomotiven die in die Feuerstelle gelangende Luft lediglich dadurch zu erhizen, daß ich sie durch das den Schornstein umgebende Gehäuse führe; oder auch lediglich dadurch, daß ich sie nur über den Kessel leite. Unter allen diesen Umständen muß die zu erhizende Luft durch das die Röhren enthaltende Gehäuse stets in gerader Richtung und durchaus nicht im Zigzag strömen, indem durch alle Veränderungen ihres Laufes eine Verminderung des Luftzuflusses entstehen muß, ausgenommen man wendet ein Gebläse oder andere mechanische Mittel an.

Durch meine zweite Verbesserung an den Dampfmaschinen soll der raschen Abnüzung gesteuert werden, die gegenwärtig aus der Einwirkung des Feuers auf die Röhren, aus denen die Feuerzüge der Dampfmaschinen und anderer Röhrenkessel bestehen, erwächst. Um diesen Zwek zu erlangen, bringe ich in die Röhren der Kessel dünne bewegliche Fütterungen aus Kupfer, Messing oder anderen entsprechenden Metallen, welche, wenn sie kalt sind, so dicht an die Kesselröhren paffen müssen, als dieß möglich ist, ohne die Leichtigkeit des Einsezens und des Herausnehmens derselben zu beeinträchtigen. Diese Metallbleche können entweder zu vollkommenen Röhren zusammengeschweißt seyn, oder sie können einander nur an ihren Rändern berühren, oder sie können mit ihren Rändern über einander klappen: je nachdem sich das eine oder das andere als besser bewährt. Wenn diese Fütterungen in der Kälte schon genau an die Kesselröhren passen, so werden sie sich in der Hize so innig an deren Wände anlegen, als wenn beide gleichsam nur aus einem Stäke bestünden. Die |409| Folge hievon ist, daß die Fütterungen die Röhren, welche mit dem Wasser in Berührung stehen, gegen Abnüzung schüzen. Man sieht in Fig. 11 bei a eine solche Kesselröhre mit ihrer Fütterung c, die an jenem Ende, welches am weitesten von dem Feuer entfernt ist, etwas Weniges über die Röhre hinausragen muß, damit sie leicht heraus genommen werden kann, wenn eine neue Fütterung eingesezt werden muß. Die Abnüzung trifft hier nicht die Röhren selbst, sondern die auszuwechselnden Fütterungen, auf deren Anwendung ich Patentansprüche geltend mache.

Meine dritte Erfindung betrifft eine Verbesserung jenes Apparates, womit im Vacuum so viel Wasser destillirt werden soll, als zum Ersaze der bei dem Betriebe der Maschinen verloren gehenden Quantität erforderlich ist, und worauf ich am 13. Febr. 1834 ein Patent nahm.76) Mein neuer Apparat, der nur einen sehr kleinen Raum einnimmt, vermag eine weit größere Menge Wasser zu destilliren, als der frühere seiner weit größeren Ausdehnung ungeachtet zu liefern im Stande war; denn er bietet in einem kleinen Raum eine weit größere Metalloberfläche dar, die zur Uebertragung der Hize des in den Kesseln befindlichen Wassers und Dampfes an das zu destillirende Wasser verwendet werden kann.

Fig. 12 ist ein Längendurchschnitt meines verbesserten Destillirapparates. Er besteht aus einer metallenen Kammer a, a, an der mittelst Stangen c, c eine zweite kleinere Kammer b, b aufgehängt ist. Beide Kammern stehen durch kupferne Röhren d, d von beiläufig einem Zoll im Lichten, welche an beiden Enden offen sind, miteinander in Verbindung. Die Löcher, durch die diese Röhren in die Platten der Kammer geführt sind, sind zum Behufe der Aufnahme eines Wäschers etwas weiter als die Röhren; dieser Wäscher selbst wird mittelst einer messingenen Zwinge fest oder vielmehr dicht an die Röhren geschraubt, damit auf dieselbe Weise, die ich in meinem früheren Patente an den Röhren der Verdichter beschrieben habe, ein wasser- und dampfdichtes Gefüge erzeugt wird. Die Röhre e dient zur Speisung des Destillirapparates mit Wasser; sie ist mit einem Hahne f versehen. Die Büchse g enthält ein Ventil, welches das Speisungswasser eintreten läßt, und welches durch den Schwimmer h regulirt wird. Durch die Röhre k, an der bei l ein Hahn angebracht ist, gelangt der Dampf aus der oberen Destillirkammer a in die obere Kammer des Verdichters oder Condensators. Bei der Röhre m, die an den Hahn n gestekt ist, kann das unreine Wasser mit dem |410| Saze, der sich während der Destillation abscheidet, abgelassen werden. Man braucht nämlich zu diesem Zweks nur die Hähne f und l zu schließen, und dafür die Hahne n und o zu öffnen; denn dann wird bei lezterem und durch die Röhre p von dem Kessel her Dampf in die Kammer a eintreten, so daß das unreine Wasser in Folge des Drukes, den der Dampf ausübt, bei der Röhre m ausgetrieben wird. In der Abbildung sind die kupfernen Röhren und die Kammer b, b als in den Kessel eingesenkt dargestellt; man kann jedoch den ganzen Apparat auch außen an dem Kessel anbringen, wenn man die Röhren mit einem Gehäuse umschließt, welches oben und unten durch Rohren mit dem Kessel in Verbindung steht. Meine Ansprüche betreffen, was diese meine dritte Erfindung angeht, die Anwendung von Röhren oder anderen Vorrichtungen, welche in einem kleinen Räume eine ausgedehnte Metalloberfläche zur Uebertragung der Hize von siedendem Wasser oder Dampfe an das zur Destillation im Vacuum bestimmte Wasser gewähren.

Meine vierte Erfindung beruht darauf, daß ich in einigen Fallen den erwähnten Verlust an reinem Wasser ausgleiche, ohne zur Destillation im Vacuum meine Zuflucht zu nehmen. Ich bediene mich, wenn der Kessel aus mehreren Fächern oder Kammern besteht, einer solchen, und wenn dieß nicht der Fall wäre, eines eigenen kleinen Kessels zur Aufnahme des unreinen, zur Destillation bestimmten Wassers. In ersterem Falle muß diese Kammer auf solche Weise von den übrigen getrennt seyn, daß jede Vermengung der in den verschiedenen Kammern enthaltenen Flüssigkeiten unmöglich ist. In lezterem Falle leite ich den in dem kleinen Kessel erzeugten Dampf in jene Röhre, die den Dampf von den Kesseln an die arbeitenden Cylinder führt, damit er, wenn er in den Verdichter gelangt, in Wasser verwandelt werde.

Meine fünfte Erfindung fußt darauf, daß ich in solchen Fällen, in denen die Unreinigkeiten des Wassers durch Filtration abgeschieden werden können, nicht nur den mehr erwähnten Verlust an reinem Wasser, sondern wohl auch sämmtlichen, zur Speisung der Kessel nöthigen Bedarf auf diese Weise liefere. Der Filtrirapparat, den ich zu diesem Zweke erfand, ist so einfach und nimmt einen so kleinen Raum ein, daß der Filtrirproceß selbst für große Kessel in dem Maschinenraume der Dampfboote vorgenommen werden kann. Fig. 13 zeigt diesen Apparat in einem Längendurchschnitte; Fig. 14 ist ein Querdurchschnitt; Fig. 15 ein Grundriß nach der Linie x, x; Fig. 16 endlich ist ein Frontaufriß. Die Kammer a, a enthält das zur Filtration verwendete Material, welches entweder aus Sand, Schwämmen oder irgend einem Zeuge bestehen kann, und wozu ich Wollentuch |411| oder Calico vorziehe. Unter ihr und durch eine mit seinen Löchern versehene Metallplatte davon getrennt befindet sich die Kammer b, b. Die runde Oeffnung d läßt das unreine, zu filtrirende Wasser in den Flächen Canal e eintreten. Bei einer ähnlichen Oeffnung f hingegen und durch einen dem Canale e ähnlichen Canal g entweicht jenes unreine Wasser, welches nicht durch das Filtrationsmedium dringt. Diese beiden Canale und Oeffnungen bilden einen Theil der Kammer c, und sind mit dieser in einem Stüke gegossen. Um die beiden Walzen h, h, die mit den Kurbeln j, j umgedreht werden können, ist ein Stük Zeug geschlungen, so daß dasselbe unter den Canälen e, g von einer Walze zur anderen, und mithin zwischen dem zu filtrirenden Wasser und dem in der Kammer a, a befindlichen Filtrationsmedium hindurch läuft. Damit es hiebei in einer geraden Linie zwischen den Canälen e, g und dem Filtrationsmedium hindurch geleitet werde, sind die beiden Leitwalzen k, k angebracht. Die kreisrunde Bürste m, die mit einem Rigger und einer Rolle versehen ist, dient zur Beseitigung des Schlammes, der sich sonst auf dem Zeuge absezen würde. Die Röhre n verbindet die Kammer b, b mit dem Verdichter oder mit dem Boden der Luftpumpe, um das Durchdringen des Wassers durch das Filtrationsmedium zu begünstigen, und das Filtrat in die Kessel gelangen zu machen. Uebrigens kann man, um ein Vacuum zu erzeugen und um das filtrirte Wasser in die Kessel zu treiben, auch eine Pumpe von irgend einer geeigneten Art in Anwendung bringen.

Meine sechste Erfindung besteht in einer Verbesserung des Apparates, womit meinem Patente vom 13. Febr. 1834 gemäß der Eintritt des Dampfes aus den arbeitenden Cylindern in die Verdichtungsröhren regulirt werden kann. Ich bringe nämlich, abgesehen von der daselbst beschriebenen Vertheilungsplatte, auch noch andere Platten an, welche den Dampf auf solche Weise von dem arbeitenden Cylinder an die Vertheilungsplatte zu leiten haben, daß die Vertheilung noch weit gleichmäßiger Statt findet. Man sieht diesen Apparat in Fig. 17, wo der obere Theil eines nach meinem Patente vom 13. Febr. 1834 eingerichteten Verdichters in einem Querdurchschnitte dargestellt ist. Der Dampf tritt durch die Oeffnung a von dem arbeitenden Cylinder her in die obere Kammer des Verdichters oder Condensators, und gelangt daselbst an die Vertheilungsplatte b, b, b, an der die drei Platten c, c, c angebracht sind, damit der Dampf in möglichst gleichen Quantitäten an die Vertheilungsplatte b, b, b geleitet wird. Die Enden dieser Leitplatten stoßen an die Oeffnung a und theilen also den Dampf, so wie er bei dieser austreten will, in vier beinahe ganz gleiche Quantitäten, in |412| welchen er dann an die Vertheilungsplatte gelangt. Hieraus erhellt, daß jeder vierte Theil des aus dem arbeitenden Cylinder entweichenden Dampfes beiläufig auch auf den vierten Theil der Verdichtungsröhren verbreitet wird. In den Flächen Theilen der Leitplatten befindet sich eine große Menge kleiner Löcher, damit sie nicht aus der Form kommen können, wenn allenfalls der zwischen ihnen befindliche Dampf einen ungleichen Druk ausüben sollte. Diese Löcher werden die Leitungskraft der Platten nur sehr wenig beeinträchtigen. An jeder Leitplatte, so wie auch an der Vertheilungsplatte selbst sind kleine Säulchen angebracht, damit weder zu starke Schwingungen, noch auch Verbiegungen derselben eintreten können.

Meine Verbesserungen an der Betriebsweise meines am 14. Febr. 1834 patentirten Apparates bestehen: 1) in folgender Methode die Verdichtungsröhren zu reinigen, wenn dieß aus irgend einer zufällig eintretenden Ursache nöthig werden sollte. Ich lasse nämlich, Flächen die Maschine so langsam als möglich arbeitet, einen Strom alkalischer Lauge oder einer Seifenauflösung oder eines Gemisches aus beiden durch die Oeffnung, welche von dem arbeiten, den Cylinder in die obere Kammer des Verdichters führt, treiben. Dieser Strom, der nicht in den Kessel gelangen darf, und der also bei einem Hahne, welcher an irgend einer geeigneten Stelle zwischen dem Entleerungsventile der Luftpumpe und dem Kessel angebracht ist, entweicht, muß so lange fortwähren, als er noch verunreinigt bei dem erwähnten Hahne abfließt. Fließt keine Unreinigkeit mehr ab, so muß die Maschine noch so lange ohne Speisung des Kessels mit Wasser in Gang erhalten werden, bis das durch die Verdichtung des Dampfes entstandene Wasser alle die seifenhaltigen und alkalischen Theile weggeschwemmt hat, wo dann das ganze Spiel der Maschine auf die gewöhnliche Art und Weise beginnen kann. Dieses Verfahren ist nicht zur allgemeinen Anwendung, sondern für gewisse Fälle bestimmt, und diese sind folgende. Man brachte nämlich schon einige Male Pferdemist oder andere Unreinigkeiten in die Kessel einiger nach meinem Systeme erbauten Dampfmaschinen, wo dann Theilchen von diesen in die arbeitenden Cylinder und aus diesen in die Verdichter übergingen, deren Röhren sie verunreinigten. Andererseits gibt es Leute, welche zweifeln, daß diese Röhren rein bleiben dürften, obschon nur Dampf, der aus reinem destillirtem Wasser entwikelt wird, in dieselben gelangt. In ersterem Falle nun wird mein Apparat allen wirklichen Unrath schnell entfernen; im zweiten dagegen wird er allen Zweifeln begegnen. Meine Verbesserungen in dieser Hinsicht bestehen aber 2) auch noch in der Anwendung einer Pumpe an dem untersten Theile der Luftpumpe der Maschine, um dadurch |413| alles Wasser, welches sich allenfalls daselbst oder in dem Verdickter ansammelt, abzuleiten und in den Kessel zu treiben.

Die Nuzanwendung, welche einige meiner hier beschriebenen Erfindungen und Verbesserungen auch noch zu anderen Zweken finden, ergeben sich beim Erhizen, Versieden und Eindampfen aller Arten von Flüssigkeiten.

|409|

Dieses Patent ist ausführlich beschrieben im Polyt Journ. Bd. LV. S. 401.

A. d. R.

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