Titel: Heath's Apparat zum Ziehen paralleler Linien.
Autor: Heath, Percy
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. LXXXIII. (S. 432–441)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/ar064083

LXXXIII. Ueber einen neuen, für Kupferstecher bestimmten Apparat zum Ziehen paralleler Linien. Von Hrn. Percy Heath in London.78)

Aus den Transactions of the Society of arts. Vol. LI. P. I. S. 25.

Mit Abbildungen aus Tab. VI.

Die geraden und parallelen Linien, mit denen man bei Zeichnungen von Gebäuden und Maschinen die Schatten hervorzubringen pflegt, werden gewöhnlich mit einem feinen Grabstichel, den man mit der Hand längs des Randes eines Parallellineales hinzieht, in die mit dem Aezgrunde bedekte Kupferplatte gravirt; das Auge des Künstlers gibt hiebei den Maaßstab für die Entfernung, in welcher die Linien von einander gezogen werden. Bei langer Uebung, ruhiger Hand und großer Sorgfalt war man im Stande selbst unter diesen ungünstigen Umständen Untadelhaftes zu Tage zu fördern; im Allgel meinen jedoch waren die Arbeiten meistens mehr oder minder unvollkommen, indem bald wegen der Ungleichheit des mit der Hand auf den Grabstichel ausgeübten Drukes und wegen der Schwierigkeit diesen stets gleich scharf und spiz zu erhalten, eine Ungleichheit in der Dike der Linien; bald wegen der zitternden Bewegung der Hand keine vollkommene Geradheit derselben; bald endlich wegen nicht hinlänglich genauer Regulirung der Bewegung des Lineales ein Mangel in dem Parallelismus und in der Gleichheit der Entfernung der Linien von einander zu bemerken war.

Der sel. Wilson Lowry, wohl einsehend, daß die Anwendung des Parallel-Linienstiches bei größerer Gleichförmigkeit weit ausgedehnter werden würde, und daß in vielen Fallen aus der Vollbringung dieser Arbeit mittelst einer eigenen Vorrichtung eine bedeutende Zeitersparniß erwachsen dürfte, erfand schon vor mehr dann 40 Jahren einen derlei Apparat, welcher den eben gerügten Mängeln steuern sollte. Er befestigte zu diesem Zweke die Platte, nachdem sie auf die beim Aezen übliche Methode grundirt worden war, in gehöriger Entfernung unter der Linirmaschine, welche aus einem flachen Metallstabe, dessen äußerer gerader Rand als Führer für den Grabstichel oder das sonstige Instrument diente, bestand. Dieses Instrument selbst wurde nicht mit der Hand geführt, sondern auf solche Weise in einem Wagen befestigt, daß es der Platte nicht nur immer eine |433| und dieselbe Schneide darbot, sondern auch während seiner Bewegung immer einen und denselben Winkel mit ihr bildete. Um es stets unter einem gleichen Druke wirken zu machen, ward es beschwert; und eben so konnte es nach Belieben auf und nieder bewegt werden, damit der Künstler die Linien da, wo er es für nöthig hielt, unterbrechen konnte. Endlich bestand die Spize, womit gravirt wurde, nicht aus Stahl, sondern aus einem Diamante, da mit diesem feinere Linien gezogen werden konnten, als mit irgend einem Grabstichel, und da dieser auch nicht so sehr der Abnüzung unterlag. Die Anwendung des Diamantes anstatt des Stahles war ein wesentlicher Theil der Erfindung; denn nur vermöge dieser konnte der Künstler von der Genauigkeit, welche der Apparat gewährte, vollen Nuzen ziehen.

Zur Regulirung der Entfernung zwischen den Linien wendete Lowry anfänglich eine Mikrometerschraube an. Diese ward jedoch bald aufgegeben, und zwar wegen der Abnüzung, die sie nothwendig erleiden mußte, da sie den Linirapparat, welcher um ihm gehörige Stätigkeit zu geben und um ihn gegen das Werfen zu sichern, schwer und massiv war, zu bewegen hatte. Endlich blieb der Erfinder bei der Anwendung zweier auf einander wirkender Keile stehen. Man denke sich, um sich dieß zu versinnlichen ein Parallelogramm, welches beiläufig 8 oder 10 Mal langer als breit, und der Diagonale nach in zwei Dreieke getheilt ist. Man denke sich ferner, daß eines dieser Dreieke an dem linken Rande des Richtscheites befestigt ist; Flächen sich das andere auf solche Weise längs eines geraden unnachgiebigen Stabes bewegen kann, daß die schrägen Ränder beider Dreieke an einander zu liegen kommen. Die Folge dieser Anordnung muß nun nothwendig seyn, daß, wenn das bewegliche Dreiek längs des unnachgiebigen Stabes fortgezogen wird, dasselbe jenes Dreiek, welches an dem flachen den Grabstichel führenden Stabe befestigt ist, fortwährend nach Auswärts drängen wird, und daß mithin jede mechanische Vorrichtung, die das bewegliche Dreiek allmählich und nacheinander um gleiche Räume vorwärts bewegt, zwischen den mit dem Diamante gezogenen Linien auch gleiche Entfernungen erzeugen wird. Die Breite dieser zwischen den Linien gelassenen Räume wird gleich seyn der Quantität, um welche das Dreiek bewegt wird, dividirt durch die Differenz zwischen der Länge und der Basis desselben.

Der sel. Turrel, ein Schüler Lowry's, fertigte gleichfalls einen zu demselben Zweke bestimmten Apparat an, welcher sich in mehreren Beziehungen und namentlich dadurch von jenem seines Lehrmeisters unterschied, daß die Entfernung der Linien von einander nicht durch eine Versezung des Grabstichels, sondern durch eine Verschiebung |434| der Kupferplatte selbst hervorgebracht wurde. Es scheint jedoch nicht, daß hiedurch irgend etwas gewonnen wurde, wenigstens waren die Arbeiten Turrel's in keiner Hinsicht vorzüglicher als jene, die Lowry mit seinem einfacheren Apparate vollbrachte.

Da zur Darstellung des Firmamentes und mancher anderer Gegenstände keine vollkommen geraden, sondern lieber etwas wellenförmige Linien gewählt werden, so suchte man auch solche von jeder beliebigen Form zu erzeugen, indem man in die Oberfläche des Flächen Richtscheites eine entsprechende Fuge schnitt, und indem man einen der Zapfen oder Füße des Wagens in dieser laufen ließ. Die unter diesen Umständen gezogenen Linien waren daher sämmtlich Facsimile's jener Linie, in der sich der Grabstichel bewegte. Allein obschon die auf diese Weise erzeugten Linien einzeln den mit freier Hand erzeugten ähnlich waren, so wurde das Auge, da alle diese Linien unter sich vollkommen gleich und ähnlich waren, bei dem Anblike der aus ihnen bestehenden Tinten, durch das gegenseitige Entsprechen der Wellen der Linien unangenehm afficirt, d.h. das Ganze bekam etwas Musterartiges und eine gewisse Härte (rowiness), welche den Effect, den der Künstler hervorrufen wollte, zerstörte. Es wurden verschiedene Vorschlage gemacht, wonach diesem Mangel abgeholfen werden sollte; in diese einzugehen, liegt jedoch hier außer meinem Bereiche.

Das Eigentümliche meines Apparates, zu dessen Beschreibung ich nunmehr gleich übergehen will, besteht hauptsächlich darin, daß er Mittel an die Hand gibt, womit die Linien in Hinsicht auf einander so abgeändert werden können, daß alle Harte vermieden wird, und Zeichnungen zum Vorscheine kommen, die den mit der Hand angefertigten vollkommen gleichkommen, Flächen zugleich auch eine vollkommene Gleichheit der Distanzen der Linien und eine vollkommene Gleichförmigkeit ihrer Stärke, wie sie nur den Maschinenzeichnungen eigen ist, erzielt werden.

Fig. 36 zeigt den ganzen Apparat von Oben betrachtet, und in dem sechsten Theil seiner natürlichen Größe gezeichnet. Fig. 37 ist ein seitlicher Aufriß. a, a ist das Lager oder das Bett, auf welches die Kupfer- oder Stahlplatte b, b gelegt, und mittelst einer oder zweier Federn c, c, deren Enden auf die untere Seite der Schienen d, d drüken, niedergehalten werden. Die gegenüber liegenden Seiten oder Flächen dieser Schiene müssen vollkommen gerade und parallel seyn, damit sie ein Schiebbrett e, e, welches man in Fig. 38 einzeln für sich und in kleinerem Maaßstabe abgebildet sieht, zwischen sich aufnehmen können. Dieses Brett ist an die untere Fläche einer Metallplatte f, f, welche auf den Schienen d, d ruht, geschraubt; es |435| hängt daher von dieser Platte herab, und ist so zwischen die Schienen eingesezt, daß es mit aller Genauigkeit über der Kupferplatte hin und her geschoben werden kann. Das eine Ende des Brettes ist so eingeschnitten, wie man es bei h, h sieht; an seinen beiden Enden sind die Knöpfe g, g, g, g angebracht, womit es ohne alle Erschütterung zwischen den Schienen d bewegt werden kann, i, i, i, sind drei spizige Füße, mit denen der Wagen j auf einer stählernen Platte k, welche auf der größeren Platte f fixirt ist, steht oder läuft. Zwei dieser Füße sind beweglich, damit sie so gestellt werden können, daß sie entweder in einer oder in zwei beliebigen Linien der auf der Stahlplatte k gezogenen Linien laufen. l ist der über die Kante der Platte f hinausragende Zeichenstift oder Grabstichel. m, m sind zwei Aufhälter, womit die Bewegung des Wagens in irgend einer beliebigen Ausdehnung beschränkt werden kann. An dem Wagen selbst ist eine Feder n mit einem Däumlinge o angebracht, die den Rahmen p, an welchem der Zeichenstift festgemacht ist, empor hält. Drükt man die Feder n herab, so wird der Zeichenstift l dadurch so herabgesenkt, daß er die Platte berührt; und bewegt man den Wagen in der durch einen Pfeil angedeuteten Richtung von einem der Aufhälter m zum anderen, so wird der Stift eine Linie auf der Platte ziehen. Entfernt man hierauf den Finger von dem Däumlinge o, so wird die Feder n den Stift wieder empor halten, Flächen der Wagen zurükkehrt, um sich zum Ziehen einer neuen Linie in Bereitschaft zu sezen. Ist diese Rükkehr erfolgt, so verschiebt man die große Platte f mir dem auf ihr befindlichen Wagen auf den Schienen d, d genau um so viel, als zwischen der ersten und zweiten Linie Distanz gelassen werden soll. Diese Bewegung wird durch zwei Zapfen oder Stüzpunkte, welche abwechselnd fest und lose werden, so daß sich der eine vorwärts bewegt, Flächen der andere fixirt ist, hervorgebracht. Einer dieser Zapfen oder Stüzpunkte ist absolut fix oder lose; der andere dagegen wird bloß durch das Gewicht des Theiles, an welchem er angebracht ist, fixirt. Die Distanz zwischen beiden läßt sich so reguliren, daß sie den feinsten Linien entspricht.

Zu diesem Zweke befindet sich der erste Stüzpunkt in dem Stabe q, der sich unter der Federplatte r bewegt ohne sie zu berühren. Wenn es jedoch nöthig ist, so drükt eine Bindeschraube, die mittelst des Griffes s in Thätigkeit gesezt wird, die Platte herab, wodurch dann der Stab q festgehalten wird. Da Vorsorge getroffen seyn muß, daß der Stab q ganz ruhig und bequem auf dem flachen, unter der Bindeschraube befindlichen Lager aufruht, so besteht nicht die geringste Neigung zu einer Verschiebung oder Bewegung dieses Armes, während derselbe durch die Schraube gebunden wird. Von |436| dem Arme s hängt, wie Fig. 37 zeigt, ein Zapfen herab, welcher mit dem Aufhälter t in Berührung kommt, wenn der Stab hinlänglich festgehalten oder eingespannt ist. Diese große Genauigkeit in Hinsicht auf die Bindung oder Fixirung des Stabes q, der zu diesem Zweke überall von vollkommen gleicher Dike ist, verbürgt auch eine große Genauigkeit und Sicherheit in der Bewegung. Um Zeit zu ersparen, ist auch noch ein zweiter Aufhälter u vorhanden, gegen den der Zapfen des Armes s drükt, wenn der Stab in hinlänglichem Grade nachgelassen worden ist. Wenn der Stab q fixirt ist, so wird das in demselben befindliche Loch v zum Stüzpunkte eines Zapfens, der von dem Schwanze des Zeigers w aus durch dieses Loch emporragt. Der Hebel oder Zeiger w selbst dreht sich um einen Zapfen x, der von der Platte t emporragt und den zweiten Stüzpunkt bildet. Fig. 39 zeigt einen Durchschnitt durch diese beiden Stüzpunkte v und x, deren Entfernung von einander den fünfzehnten Theil des Zeigers w bildet.

Der Zeiger ruht, Flächen er an dem Gradbogen auf Null deutet, auf dem Aufhälter y. Die Entfernung der Linien, welche gezogen werden sollen, hängt von der Quantität der Bewegung des Zeigers ab, wobei der Raum, den er an dem graduirten Bogen durchläuft, 15 Mal größer ist, als der zwischen je zwei Linien gelassene Zwischenraum. Um den Zeiger mit Genauigkeit in seiner Bewegung zu beschränken, ist eine Schraube z angebracht, die, damit die Bewegung ruhig von Statten geht, durch ein mit hartem Holze ausgefüttertes Loch geht. Der Zeiger wird mittelst des Griffes oder Knaufes 1, der sich gleichfalls gegen die Schraube z stemmt, in Bewegung gesezt, so daß also durch die dem Zeiger mitgetheilte Bewegung keine Gewalt auf ihn ausgeübt wird.

An dem Rande oder an der Kante des Brettes e ist eine gebogene Feder 2 angebracht, die mit ihrem losen Ende durch das in dem Stabe q befindliche Loch 3 ragt, und deren Aufgabe es ist, den Stab nach Auswärts oder in der Richtung q, r zu treiben.

Während des Ziehens einer Linie bleibt der Stab q mittelst seiner Bindeschraube fixirt, und der Zeiger w wird mit dem Finger der einen Hand in der durch Punkte angedeuteten Stellung erhalten; dagegen bewegt man mit der anderen Hand den Wagen und damit auch den Stift oder den Grabstichel l in der Richtung des Pfeiles. Ist diese Linie gezogen, so läßt man die Bindeschraube des Stabes q nach, indem man den Arm s vom Aufhälter t an den Aufhälter u bewegt, worauf dann der Zeiger w, indem man ihn los läßt, in Folge der Wirkung der Feder 2 unmittelbar auf Null zurükkehrt. Die Feder bewirkt nämlich, indem sie den Stab q in der Richtung |437| von q, r bewegt, daß sich der Zeiger um den Zapfen x dreht, der durch das Gewicht der Platte f, aus der er hervorragt, verhindert wird, sich zu bewegen. Nunmehr wird der Stab q wieder fixirt, indem man den Arm seiner Bindeschraube von dem Aufhälter u gegen den Aufhälter t und den Zeiger w von dem Aufhälter y weg in die durch punktirte Linien angedeutete Stellung bewegt; so daß jezt der Zapfen v zum Stüzpunkte wird, und daß der Zapfen x die Platte f mit dem Zeiger in Verbindung bringt. Flächen sich demnach der Zeiger längs des graduirten Bogens bewegt, bewegt sich die Platte um den fünfzehnten Theil der von dem Zeiger durchlaufenen Streike, wodurch der Zwischenraum zwischen der bereits gezogenen und der nächsten Linie gebildet wird. Zugleich wird die Feder 2 hiebei wieder in einen solchen Grad der Spannung versezt, daß sie den Stab q nach Vollendung der zweiten Linie abermals um einen Zwischenraum bewegt. Die beiden Zapfen v, x schreiten demnach abwechselnd um die zwischen je zwei Linien zu lassende Distanz vorwärts, wobei der Zeiger w als Hebel das Lager des ganzen Apparates und die Feder 2 den Stüzpunkt v genau um dieselbe Quantität bewegt. Diese Bewegung bedingt also eine beständige Wiederholung eines und desselben Maßes, wobei weder durch Abnüzung, noch durch eine Erschütterung der Löcher ein Irrthum Statt finden kann, weil die Feder 2 die Zapfenlager für die Zapfen v und x immer an einer und derselben Seite der Löcher erhält. Die Federplatte r ist unter der Schraube s vollkommen steif und so breit als der Stab q; auch ist sie solcher Maßen fixirt, daß sie gar keine seitliche Bewegung zuläßt, damit der Stab also weder im Zustande der Ruhe, noch auch Flächen der Bewegung irgend eine Neigung zu einer seitlichen Bewegung bekommen kann.

Wenn der Apparat über irgend einen Theil der Platte bewegt werden soll, so hat dieß ohne Ausübung von Gewalt, und ohne daß irgend eine seitliche Neigung dabei Statt findet, zu geschehen. Um dieß zu bewerkstelligen, ragt aus der Mitte des Brettes e ein Griff 4 empor; da sich jedoch auch der Stab q in der Mitte befindet, und da dieser nicht berührt werden darf, so ist der Griff durch ein längliches, in den Stab geschnittenes Loch geführt. Durch denselben Ausschnitt ist ferner auch die mit einem T förmigen Kopfe versehene Schraube 5 geführt, wodurch der Stab noch stätiger an Ort und stelle erhalten wird.

Damit man die Maschine mit noch größerer Genauigkeit, als dieß mittelst des Zeigers w und seines Gradbogens möglich ist, so stellen kann, daß irgend eine gegebene Zahl von Linien auf den Zoll kommt, ist auch noch ein zweiter, den Gradbogen 7 durchlaufender |438| Zeiger 6 angebracht, und zwar so, daß er durch den Zeiger w in Bewegung gesezt wird, und daß er also die Bewegung dieses lezteren in vergrößertem Maaßstabe darstellt. Wenn daher der Künstler irgend eine bestimmte Tinte mit dem Apparate hervorgebracht hat, so wird er, wenn er sich die Stellung des lezteren Zeigers notirt hat, jeder Zeit im Stande seyn später wieder genau dieselbe Tinte hervorzubringen.

Nachdem ich hiemit die Bewegung des Apparates im Allgemeinen angedeutet, habe ich nunmehr noch den Wagen und die übrigen Theile genauer zu beschreiben. Fig. 40 zeigt den Wagen von Oben und an der ihm zukommenden Stelle angebracht. Fig. 41 stellt einen Frontaufriß desselben vor; Fig. 42 ist ein Endaufriß und Fig. 43 endlich gibt eine Ansicht vom Rüken her.

Der Wagen ruht, wie bereits gesagt, auf drei scharfen stählernen Spizen i, i, i, von denen der mittlere seine Stelle beibehält und auf einer glatten stählernen Oberfläche gleitet, während die beiden anderen beweglich sind und auf die stählernen Stäbe 8,9 gesezt werden. Diese Stäbe, die mit der Bewegungslinie unter rechten Wikeln gestellt sind, sind absichtlich, und um ihnen etwas Federkraft zu geben, nur an dem einen Ende fixirt. Die stählernen Spizen paffen genau, jedoch so, daß ihre freie Bewegung dadurch nicht gehemmt ist, in die in diese Stäbe gravirten Linien. In die stählerne Platte k sind 10 Linien von verschiedener Beschaffenheit, d.h. vom vollkommen Geraden bis zum Wellenförmigen gravirt, und entweder in einer dieser Linien oder in je zwei derselben können die beiden adjustirbaren stählernen Spizen i, i laufen. Außerdem sind aber auch noch in einen langen und vollkommen geraden, stählernen Stab 11,11 Fig. 36, 40 und 41, welcher sich unter den Stegen 12, 12 schiebt, mehrere Linien geschnitten. In jedem dieser Stege befinden sich zwei Federn, von denen die eine den Stab herabdrükt, Flächen ihn die andere gegen die Stellschraube 13 drängt. Mit Hülfe dieser Schrauben und Federn kann der Stab immer mit den auf der Platte k befindlichen Linien parallel gestellt und auch in dieser Stellung erhalten werden, wenn er auch der Länge nach verschoben wird. Die auf diesen Stab gravirten Linien sind von ganz eigenthümlicher Beschaffenheit: die erste ist eine mit freier Hand gezogene, gerade Linie, welche mithin die durch die Führung der Hand bedingten Eigenschaften besizt; die übrigen Linien hingegen wechseln von einer feinen ungleich wellenförmigen (unequally joggled) bis zu einer hinlänglich groben Linie. Die Wirkung, die diese Linien auf den Wagen hervorbringen, wird aus Folgendem erhellen.

Wenn einer der scharfen Füße i längs des Stabes 9 verschoben |439| wird, bis er in eine gerade Linie auf der Platte k eintritt, und wenn ein auf dem Stabe 8 befindlicher Fuß in eine der wellenförmigen Linien auf dem Stabe 11 eintritt, so wird sich beim Verschieben des Wagens die Spize 9 gerade, die Spize 8 hingegen in einer Linie bewegen, die je nach der Linie, in der sie lauft, von einer geraden abweicht. Wenn nun der Grabstichel 1 solcher Maßen auf seinem Stabe 14 angebracht ist, daß er dem Ende des Stabes 9 gegenüber die Kupferplatte berührt, so wird die Bewegung der an dem Stabe 8 befindlichen Spize kaum irgend eine Abweichung von einer geraden Linie verursachen; so wie sich der Grabstichel aber gegen 8 annähert oder über 9 hinaus bewegt, so wird er. je nachdem er mehr oder weniger weit von dem Ende 9 entfernt ist, von dem Ende 8 Bewegung mitgetheilt erhalten. Man kann daher der Bewegung des Grabstichels jede Bewegung mittheilen, die zwischen den Eigenschaften der beiden Linien möglich ist. Wenn die an dem Stabe 9 befindliche Spize in eine wellenförmige Linie gesezt wird, so wird nur eine solche allein, jedoch mit einem beliebigen Grade von Undulirung gezeichnet werden. Wollte man die Maschine jedoch unter diesen Umständen ebenso adjustirt anwenden, wie dieß oben beschrieben worden ist, so würde die bereits erwähnte Harte (rowiness) der Zeichnung daraus folgen, indem sich dieselben Wellen immer an denselben Stellen wiederholen würden. Ein ganz anderer wird der Effect dagegen seyn, wenn man den Stab 11 nach Vollendung einer jeden Linie etwas weniges verschiebt; denn dann werden die Wellen zweier auf einander folgender Linien hinreichend von einander abweichen, so daß der angedeuteten Unvollkommenheit gesteuert ist, ohne daß der Parallelismus der Linien irgend eine Beeinträchtigung erleidet; und daß folglich der Effect, den man mit freier Führung des Grabstichels erreicht, so viel als möglich auf mechanische Weise hervorgebracht wird.

Die Zusammensezung einer jeden Linie aus zwei ungleichen und in verschiedenem Grade wellenförmigen Linien, und die fortwährende Abänderung dieser Zusammensezung beim Ziehen einer jeden Linie macht es ganz unmöglich, daß zwei an einander glänzende Linien unter einander gleich werden können; und selbst wenn zwei Linien gleich wären, so würde doch das Zusammentreffen ihrer gleichen Theile durch die dem Stabe 11 mitgetheilte Bewegung verhindert werden. Die Wellen der Linien lassen sich demnach so gleichmäßig über die liniirte Oberfläche vertheilen, daß eine sehr weiche Tinte dadurch zum Vorschein kommt; und wenn man eine der Spizen i in einer geraden oder schwach gewellten Linie laufen läßt, so kann man, welcher Grad der Wellung auch durch die andere Spize mitgetheilt werden |440| mag, diese Wellung doch der möglich feinsten Tinte anpassen, wenn man den Grabstichel in der Nahe jener Spize fixirt, die in der geraden oder schwach gewellten Linie läuft.

Wenn irgend eine besondere Tinte wiederholt werden soll, so genügt es nicht, wenn man mittelst des zweiten Zeigers 6 wieder die frühere Entfernung der Linien von einander hervorbringt; sondern die Entfernung des Grabstichels l von der an dem Stabe 9 befindlichen Spize muß ebenfalls genau dieselbe seyn. Zu diesem Zweke ist eine Messingplatte 15, 16, Fig. 41, in der aus Fig. 44 ersichtlichen Form gebogen: so zwar, daß der Scheitel 16 auf den verschiebbaren Stab 11 und auf die Linien 10 der Platte k zu liegen kommt, Flächen ihr Boden 15 die Kupferplatte berührt. Diese Platte ist in Fig. 41 so verschoben, daß sie die an dem Stabe 9 befindliche Spize berührt; wenn dann der Grabstichel I so lange adjustirt wird, bis er mit jener der Abtheilungen 15, die früher notirt ward, in Berührung kommt, so wird er ganz genau wieder die frühere Tinte hervorbringen.

Es bleibt nunmehr nur noch ein Theil des Wagens zu beschreiben. Der Grabstichel wird mit einer Schraube in dem Hause 17 befestigt, welches sich um einen Zapfen dreht, der sich in dem auf dem Stabe 14 verschiebbaren Stüke 18 befindet. In Fig. 42 sieht man eine Schraube 19, die das Haus 17 an einen kleinen, am Grunde des Stükes 18 angebrachten Bogen bindet. Auf diese Weise wird dem Grabstichel die gehörige Neigung gegeben. Der stählerne Stab 14 ist an einen messingenen Rahmen p, Fig. 40, geschraubt, der mit einem stählernen Rüken 20,20, womit er sich zwischen den beiden Schrauben 21,21 schwingt, und wodurch er mit dem Wagen j in Verbindung steht, versehen ist. Dieser Rahmen nun führt den Grabstichel, der die Möglichkeit gestatten muß, daß er so hoch emporgehalten werden kann, daß er die Kupferplatte nicht berührt. Es ist zu diesem Zweke in dessen Mitte eine Schraube 22, Fig. 40 und 43, angebracht, deren Spize auf eine Feder n drükt. Der Grabstichel wird auf diese Weise gerade um so viel, aber um nicht mehr, emporgehoben, als daß er die Kupferplatte eben nicht berührt. Diese Adjustirung ist nöthig, weil der Rahmen p zuweilen beschwert wird: eines der Gewichte sieht man z.B. bei 23. Von der Feder n ragt ein Däumling o empor, womit die Feder niedergedrükt und der Grabstichel herabgesetzt wird. Damit der Grabstichel keiner zufälligen Beschädigung ausgesezt ist, so ist zu seinem Schuze ein Steg 24, der über den Däumling o weglauft, und außerdem weiter vorne auch noch der Steg 25 angebracht. Man bewegt den Wagen, indem man den Daumen und einen Finger an diese beiden Stege sezt, |441| während man den Mittelfinger bereit hält, um mit ihm den Däumling o und damit auch den Grabstichel herabzudrüken. Damit sich die Feder n nicht unnüzer Weise zu weit bewegen kann, ist unter ihr, und gewisser Maßen als ein adjustirbarer Aufhälter für dieselbe eine Schraube 26 mit Tförmigem Kopfe, Fig. 42 und 43, angebracht.

Man fühlt es mit dem Finger, wenn die Feder diesen Schraubenkopf berührt, und weiß daraus, daß der Grabstichel eindringt. Das Gewicht des auf den Stegen 24,25 ruhenden Fingers und Daumens trägt dazu bei, daß die Füße oder Spizen i, i Flächen der Bewegung des Wagens sicherer in den für sie gezogenen Linien verbleiben. Der Rahmen p, der den Grabstichel führt, wird nie berührt, indem die Herabsenkung oder das Emporsteigen dieses lezteren lediglich dadurch bewirkt wird, daß der Künstler auf die Feder n denkt oder nicht. Damit der Wagen auf geeignete Weise abgehoben werden kann, ist ein Griff 27 an denselben geschraubt.

Man wird finden, daß bei der ganzen Anordnung dieses Instruments sorgfältig darauf geachtet wurde, jede Bewegung auf das Minimum zu reduciren und alle Gewalt so viel als möglich zu vermeiden, damit alle Gefüge stets in guter Ordnung verbleiben, und damit bei aller Freiheit der Bewegung keine weitere Erschütterung Statt findet, als durchaus nöthig ist.

Ich muß endlich noch bemerken, daß ich wich durch Erfahrung überzeugt habe, daß selbst, wenn es sich nur um das Verzeichnen gerader Linien handelt, stählerne Spizen, welche sich in Linien oder Furchen bewegen, besser sind, als gerade Schneiden, die man in Furchen laufen läßt.

Der Erfinder erhielt für dieses Instrument von Seite der Society of arts eine silberne Medaille zuerkannt.

A. d. R.

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