Titel: Ueber einen neuen, von den HH. Pelletan und Legavriand erfundenen Apparat zur Runkelrübenzuker-Fabrication.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XVI./Miszelle 21 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064016_21

Ueber einen neuen, von den HH. Pelletan und Legavriand erfundenen Apparat zur Runkelrübenzuker-Fabrication.

Ungeachtet der zahlreichen Apparate, die bereits zum Behufs der Zukerfabrication erfunden worden sind, vermehrt sich deren Anzahl beinahe immer noch täglich. Zu den neuesten gehört der von den HH. Pelletan und Legavriand erfundene, der dazu bestimmt ist, die Runkelrüben mit kaltem Wasser in Berührung zu bringen, und dem die Erfinder den etwas ungeeigneten Namen Lévigateur beilegten. Man kann sich diesen Apparat, durch den eine leichtere und vollkommenere Ausziehung des Saftes aus den Rüben bezwekt werden soll, als aus zwei Theilen bestehend denken. In dem einen derselben befindet sich die Runkelrübe mit dem Wasser in Berührung; in dem anderen hingegen wird die Rübe dem Wasser auf eine systematische Weise dargeboten: d.h. die frischen Runkelrüben werden mit Wasser in Berührung gebracht, welches beinahe mit Saft gesättigt ist. Der erstere Theil des Apparates besteht aus einem rechtekigen, schief geneigten, und durch Blechplatten in eine gewisse Anzahl von Fächern getheilten Behälter.

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Jedes dieser Fächer communicirt mit den benachbarten nur durch Ventile, die während der Arbeit geschlossen bleiben, und die man nur dann öffnet, wenn man eine Reinigung vornehmen will. Der zweite Theil des Apparates ist eigentlich nichts Anderes als eine Archimed'sche Schraube, durch die die in Mark verwandelte Runkelrübe aus einem Fache in das andere geschafft, und auf diese Weise dem zu dessen Auswaschung bestimmten Wasser dargeboten wird. Natürlich mußten an der gewöhnlichen Archimed'schen Schraube einige Modificationen angebracht werden, und diese sind folgende. Die aus Messing bestehenden Schraubengänge sind mit zahlreichen Löchern versehen, durch die wohl das Wasser, keineswegs aber das Mark hindurch dringen kann. Durch die Bewegung der Schraube wird eine Reihe von Messern, welche sämmtlich an einer einzigen Eisenstange angebracht sind, mit sich fortgeführt, und dadurch geschieht es, daß diese Messer jeden Schraubengang so berühren, daß der Saft von dem Marke geschieden wird. Das Schraubengewinde ist seiner ganzen Länge nach von dem Anfange eines Cylinders unterbrochen, und dadurch ist es möglich, daß ein an dem Ende der Stange angebrachtes Gegengewicht die Messer an einem bestimmten Theile ihres Laufes wieder in ihre frühere Stellung zurükführt, damit sie wieder von Vorne zu arbeiten anfangen. Hieraus erhellt, daß das in das untere Fach gebrachte Rübenmark je nach der Geschwindigkeit, die man der Schraube gibt, in längerer oder kürzerer Zeit in das lezte Fach gelangen wird; und daß man mit diesem Apparate, welcher eine Regulirung zuläßt, keineswegs eine vollkommene Ausziehung des Rübensaftes, wohl aber eine Auflösung des Zukers, der in den durch die Reibe zerrissenen Zellen der Rübe enthalten ist, erzielen kann. Es ist uns nicht möglich, bemerkt die Redaction des Mémorial encyclopédique aus dessen Januarheft diese Notiz entlehnt ist, gegenwärtig schon über diesen Apparat abzuurtheilen; wir können nur so viel sagen, daß die damit erzielten Producte, welche uns zu Gesicht kamen, sehr schön waren, und keine Veränderung erlitten zu haben schienen. Der Apparat veranläßt allerdings nur geringe Arbeitskosten; allein er ist ziemlich complicirt und könnte daher leicht zu vielen Reparaturen und häufigen Unterbrechungen der Fabrikation Anlaß geben. Ueberdieß scheint es uns, daß das aus dem Apparate austretende Mark so viel Wasser enthält, daß es sich nicht wohl zur Fütterung eignen dürfte. Auch trifft diesen Apparat, wie so manchen anderen der Vorwurf, daß der Zuker mit einer zu großen Menge wässeriger Flüssigkeiten verdünnt wird, und daß daher zum Eindiken eine große Menge Brennmaterial erforderlich wird. Uebrigens muß dieser Apparat, welcher bereits wirklich in Gang gesezt worden ist, noch weiter studirt werden; obschon es uns scheint, daß die Vorzüge, die ihm unbestreitbar eigen sind, nicht so groß und so augenscheinlich sind, daß sie gegenwärtig schon eine Verwerfung der bisher üblichen Methoden bedingen könnten.

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