Titel: Ueber ein neues optisches Instrument des Hrn. Plateau.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XVI./Miszelle 5 (S. 71–72)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064016_5

Ueber ein neues optisches Instrument des Hrn. Plateau.

Hr. Plateau, der Erfinder des Phenakistikops (Polyt. Journal Bd. LI. S. 33) und mehrerer anderer zu optischen Zweken bestimmter Instrumente, theilte der Akademie in Brüssel kürzlich die Beschreibung eines neuen, auf dem Principe des Phenakistikops beruhenden Instrumentes mit, womit man 1) die Gestalt eines belebten Körpers, der eine zu rasche Bewegung besizt, als daß ein bleibender Eindruk davon auf das Auge hervorgebracht werden könnte, zu bestimmen vermag, indem der Körper dadurch scheinbar in den Zustand der Ruhe versezt wird; womit man 2) alle Eigenthümlichkeiten der Bewegung beobachten kann, indem sich die Geschwindigkeit der Bewegung scheinbar beliebig vermindern läßt; und womit man endlich 3) die wirkliche Geschwindigkeit des Gegenstandes ermitteln kann. Der Erfinder hat zu diesem Zweke eine schwarze Scheibe aus Metall oder Pappendekel, gegen deren Umfang hin in gleichen Entfernungen von einander mehrere nach der Richtung von Radien laufende Spalten ausgeschnitten sind, mit einem Uhrwerke in Verbindung gebracht, und dieses Uhrwerk so eingerichtet, daß sich |72| dessen Geschwindigkeit nach Belieben abändern läßt. Wenn man nun z.B. eine in Schwingungen befindliche Saite durch die umlaufende Scheibe betrachtet, so wird, wenn die Geschwindigkeit der Scheibe eine solche ist, daß jeder ihrer Ausschnitte genau in dem Augenblike an dem Auge vorübergeht, in welchem sich die Saite an dem einen Ende ihrer Schwingung befindet, das Auge die Saite immer nur in ganz identischen Stellungen sehen können, und da die Spalten mit solcher Geschwindigkeit auf einander folgen, daß sich die einzelnen von dem Auge oder vielmehr von der Retina empfangenen Eindrüke an einander knüpfen, so wird daraus folgen, daß die Saite dem Auge als vollkommen unbeweglich erscheint, und daß man mithin über die wirkliche Gestalt des in Bewegung befindlichen Körpers Aufschluß erhält. Vermindert man die Geschwindigkeit der Scheibe, so wird die Saite dagegen nicht mehr als unbeweglich erscheinen, sondern als in einer Bewegung begriffen, welche viel langsamer von Statten geht, als ihre wirkliche Bewegung. Man kann daher mit dem neuen Instrumente eine sehr rasche Bewegung scheinbar in eine so langsame umwandeln, als man will, und als man es für nöthig findet, um die verschiedenen bei der Bewegung Statt findenden Umstände zu erforschen. So beobachtete Hr. Plateau z.B., indem er eine Saite durch die angegebenen Mittel zwang sich freiwillig in eine bestimmte Anzahl einzelner schwingender Theile zu scheiden, daß die Saite mehrere Mal und langsam von einer wellenförmigen Gestalt in eine entgegengesezte wellenförmige Gestalt überging. – Was die Bestimmung der wirklichen Geschwindigkeit eines Gegenstandes, z.B. der Zahl der Schwingungen, welche eine Saite innerhalb einer Secunde macht, betrifft, so variirt man, nachdem man dem Instrumente vorher eine beliebige Geschwindigkeit gegeben hat, diese Geschwindigkeit so lange bis der Gegenstand unbeweglich erscheint, worauf man dann die Zahl der Umdrehungen notirt, die die Scheibe innerhalb der Einheit der Zeit vollbringt. Das Instrument ist zu diesem Zweke mit einem Zähler ausgestattet. Ist dieß geschehen, so variirt man die Geschwindigkeit abermals, bis der Gegenstand unbeweglich erscheint, und notirt die der Zeiteinheit entsprechende Zahl der Umgänge. Die Differenz zwischen den Zahlen dieser Umgänge getheilt durch deren Product und durch die Zahl der in die Scheibe geschnittenen Spalten gibt dann die Zeit, welche zwischen der zweimaligen Rükkehr des Gegenstandes in eine und dieselbe Stellung verflossen ist. (Mémorial encyclopédique, Januar 1837, S. 7.)

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