Titel: Bereitung des sogenannten weißen indischen Feuers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XVI./Miszelle 6 (S. 72–73)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064016_6

Bereitung des sogenannten weißen indischen Feuers.

Das Journal des connaissances usuelles, November 1836, gibt folgende Vorschriften zur Bereitung des Präparates, welches unter dem Namen des weißen indischen Feuers (feu blanc indien) in hölzernen Büchsen verkauft wird; und welches sich wegen der großen Entfernung, bis in welche dasselbe leuchtet, vortrefflich zu Signalen bei Nacht eignet. „Man vermengt 24 Theile Salpeter, 7 Theile Schwefelblumen und 2 Theile rothen Arsenik, nachdem diese Substanzen gehörig gepülvert worden sind, auf das Innigste, und bringt das Gemenge in dünne, hölzerne Büchsen von vierekiger oder runder Gestalt. Gewöhnlich gibt man den runden Büchsen ihren halben Durchmesser als Höhe, während man den vierekigen Büchsen die doppelte Höhe als Breite gibt. In der Mitte des Dekels, womit die Büchsen verschlossen werden, ist zum Behufe des Entzündens des Pulvers eine kleine Oeffnung angebracht. Um diese Büchsen zu versenden, leimt man rings um deren Fugen, so wie auch über die Oeffnung des Dekels Papierstreifen. Will man eine Büchse anzünden, so schneidet man das um den Dekel geleimte Papier, so wie auch jenes, womit die Oeffnung verklebt ist, durch und entzündet das Pulver mit einer Lunte. Die Entzündung erfolgt mit einem Mal, jedoch ohne Explosion, unter Verbreitung eines äußerst glänzenden Lichtes; wegen des Rauches, der sich dabei entwikelt, und der wegen der Arsenikdämpfe sehr gefährlich werden könnte, hat man sich beim Entzünden über den Wind zu stellen. Eine Büchse von 6 Zoll im Durchmesser und 3 Zoll Höhe brennt beiläufig drei Minuten lang, man kann ihr Feuer kurz vor Sonnenuntergang bis auf 36,000 Klafter Entfernung sehen; und der Glanz dieses Feuers ist so lebhaft, daß die Augen aller, die ihm in die Nähe kommen, für eine kurze Zeit beinahe eben so geblendet wird, wie durch das Bliken in die Sonne. In Hinsicht auf den Preis kommt dieses Pulver beinahe dem gewöhnlichen Schießpulver gleich; im Großen |73| ließe sich dasselbe aber weit wohlfeiler bereiten, als man es in den Apotheken haben kann. Die Lunten kann man sich auf folgende Weise zubereiten. Man vermengt 4 Theile gepulverten raffinirten Salpeter, 2 Theile Schießpulver, 2 Theile Kohle und 1 Theil Schwefelpulver, und läßt das Ganze durch ein Sieb laufen. Dieses Pulver füllt man in Patronen von der Dike einer Federspule und von zwei Fuß Länge, welche man sich verfertigt, indem man stark geleimtes Papier um ein Stäbchen rollt. Das Pulver wird mit einem Stäbchen von gleicher Dike fest eingestoßen. Man befestigt diese Patronen an hölzernen Stäben von gehöriger Länge, schneidet sie, wenn man sich ihrer bedienen will, an dem Ende mit der Scheere ab, und zündet sie dann an einem Kerzenlichte oder an glühenden Kohlen an. Diese Lunten versagen nie und werden weder durch Wind, noch durch Regen ausgelöscht; um sie auszulöschen ist es am besten, die Lunte hinter der brennenden Stelle mit einer Scheere abzuschneiden. Man empfiehlt auch ein Gemenge von 8 Theilen Schwefelblumen, 4 Theilen Salpeter und 2 Theilen Schießpulver, welche höchst fein gepulvert und gut vermengt werden müssen, zur Verfertigung von derlei Lunten.“

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