Titel: Zubereitung der sogenannten türkischen Perlen und der Pastilles du Serail.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XVI./Miszelle 9 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064016_9

Zubereitung der sogenannten türkischen Perlen und der Pastilles du Serail.

Die sogenannten türkischen Perlen, welche aus einer schwärzlichen matten Masse bestehen, und zu Colliers, Braceletten u. dergl. angefaßt werden, werden auf folgende Weise fabricirt. Man löst 2 Unzen gepülvertes Cachougummi bei |74| gelinder Wärme in 8 Unzen Rosenwasser auf; seiht die Auflösung durch ein Tuch und dampft sie bis auf 3 Unzen ein, um den Rükstand dann mit einer halben Unze gepülverter florentinischer Veilchenwurzel, mit 12 Gran Moschus und 20 Tropfen Bergamotten- oder Lavendelöhl gut abzukneten. Dann löst man 2 Quentchen gepulverte Hausenblase bei gelinder Wärme in einer hinreichenden Menge Wasser auf; sezt der Auflösung 2 Quentchen gut ausgeglühtes Lampenschwarz zu, und vermengt sie hierauf mit der angegebenen Masse, indem man einen diken Teig daraus knetet. Um aus dieser Masse Perlen von gleicher Größe zu bilden, kann man sich der in den Apotheken gebräuchlichen Pillenmaschine bedienen. Die geformten Perlen werden mit einer in Mandelöhl getauchten Nadel durchstochen, außen mit Mandel- oder Jasminöhl überzogen und endlich getroknet. Der Geruch und die Farbe dieser Perlen können durch wesentliche Oehle und Farbstoffe mannigfach abgeändert werden. –

Um die sogenannten türkischen Rosenperlen zu fabriciren, stößt man frische Rosenblätter in einem gut polirten gußeisernen Mörser zu einem Teige, den man auf einem Bleche an der Luft troknet. Dieser Teig wird, wenn er beinahe troken geworden ist, unter Zusaz von Rosenwasser noch ein Mal zerstoßen und neuerdings getroknet; und diese Operation wird so oft wiederholt, bis der Teig höchst fein geworden ist, wo man ihn dann mit den Fingern oder in der Pillenmaschine formt. Wenn die Perlen sehr hart und glatt geworden sind, so reibt man sie, um ihnen mehr Glanz und Geruch zu geben, mit Rosenöhl. Diese Perlen werden sehr dunkelschwarz; man kann ihnen jedoch auch eine rothe und blaue Farbe geben. Als Parfum kann man ihnen außer dem Rosenöhle auch Storax und Moschus zusezen.

Zur Bereitung der sogenannten Pastilles du Serail übergießt man kleine Stüke Cachougummi mit ihrem 8fachen Gewichte einer Flüssigkeit, die man aus gleichen Theilen gutem Essig und Rosenwasser zusammensezt. Diese Masse bringt man in einem Glaskolben, den man mit einer befeuchteten Blase, in welche man mit einer Nadel einige Löcher sticht, verbindet, so lange in ein Sandbad oder auf einen mäßig erwärmten Ofen, bis alles Cachougummi aufgelöst ist. Die Auflösung gibt man nach dem Erkalten und nachdem sie durch Fließpapier geseiht worden ist, in eine Retorte, an der man eine Vorlage anbringt, und aus der man bei gelindem Feuer alles Geistige abdestillirt, bis nur mehr klares Wasser übergeht. Dem auf dem Boden der Retorte gebliebenen Rükstande sezt man dann in einem Porzellangefäße auf jede halbe Unze aufgelösten Cachougummi's ein halbes Quentchen Traganth-Gummiauflösung zu, worauf man das Gemenge bis zur Consistenz eines Teiges eindampft. Während dieser Teig noch etwas geschmeidig ist, sezt man ihm auf je eine halbe Unze 4 bis 6 Gran Moschus und Ambra, oder auch nur eines von beiden, zu. Zulezt preßt man ihn in messingene oder zinnerne Formen von beliebiger Größe und Gestalt, welche im Inneren polirt seyn müssen, und die man, um das Ankleben des Teiges zu verhüten, mit etwas Mandel- oder Jasminöhl ausstreicht. Daß man den Geruch dieser Zeltchen durch Zusaz von Rosenöhl, Nelkenöhl, Bergamottöhl etc. verschieden abändern kann, versteht sich von selbst. (Aus dem Journal des connaissances usuelles. Novbr. 1836, S. 232.)

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