Titel: Ueber die Erzeugung von verschiedenen Dessins im Holze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XXXII./Miszelle 13 (S. 154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064032_13

Ueber die Erzeugung von verschiedenen Dessins im Holze.

Schon vor vielen Jahren, schreibt Hr. Coulier im Journal des connaissances usuelles, hatte man die Kunst aufgefunden, in dem Gewebe oder in die Fasern des Holzes selbst allerlei Dessins und sogar sehr complicirte Zeichnungen anzubringen: eine Kunst, die in späteren Jahren hauptsächlich dadurch verloren gegangen zu seyn scheint, daß man die inländischen Holzarten dem Acajouholze und anderen fremden Holzarten immer mehr und mehr vorzog. Die von den älteren Künstlern befolgte Methode, so wie auch jenes Verfahren, nach welchem die Holztafeln erzeugt wurden, die man kürzlich in Paris für Geld sehen ließ, und an denen man grobe Umrisse von Vögeln, welche man Adler nannte, bemerken konnte, dürfte in Folgendem bestehen. Nachdem das Holz abgehobelt worden ist, verzeichnet man den gewünschten Dessin darauf, und diesen treibt man dann mit Instrumenten, welche an den Kanten abgerundet sind, damit sie die Holzfasern nicht durchschneiden, in dem Maaße mehr oder weniger tief ein, als es die einzelnen Stellen desselben erfordern. Ist diese Operation vollbracht, so nimmt man mit dem Hobel das Holz bis zu den tiefsten eingetriebenen Stellen weg, worauf man das Holz bimst und öhlt. Der Dessin erscheint bei diesem Verfahren, wenn man nur etwas Gewandtheit oder Uebung hat, mit einer wirklich Staunen erregenden Vollkommenheit in dem Holze. Hr. Coulier erinnert bei dieser Gelegenheit, daß sich die flämmischen Künstler ehemals eines ganz ähnlichen Verfahrens bedienten, um für die Kirchen etc. die erhabenen Schnizwerke, die früher so sehr in Schwung waren, zu erzeugen. Der einzige Unterschied bestand darin, daß die abgehobelten Stüke nicht mit Oehl abgerieben, sondern in kaltes oder weiches Wasser eingeweicht wurden, damit die zuerst eingedrükten Stellen sich wieder erhoben und im Relief erschienen, so daß sie nur mehr einer Ausbesserung mit dem Grabstichel oder mit dem Messer bedurften. – Wir müssen unsererseits hiezu bemerken, daß, wie unseren Lesern aus dem Polyt. Journal Bd. LXII. S. 437 bekannt ist, dieses Verfahren neuerlich in England als neu bekannt gemacht, und von einem Hrn. Stracker als seine Erfindung in Anspruch genommen wurde.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: