Titel: Ueber eine blaue und eine gelbe Mahlerfarbe aus Wolfram.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XXXII./Miszelle 14 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064032_14

Ueber eine blaue und eine gelbe Mahlerfarbe aus Wolfram.

Es gelang Hrn. Anthon aus dem jezt sehr billig zu habenden Wolfram (wolframsauren Kalk), das blaue Wolframoxyd und die Wolframsäure so darzustellen, daß erstens eine schöne blaue, leztere eine gelbe Mahlerfarbe abgeben kann.

Wolframblau: Man trage in schmelzendes kohlensaures Kali so lange fein pulverisirten Wolfram ein, bis das Aufbrausen aufhört, lasse erkalten, zerstoße die Masse, koche mit Wasser aus, filtrire, erhize zum Sieden, seze Salzsäure in Ueberschuß zu, koche noch 1/4 Stunde, schütte dann in Wasser, wasche und trokne den Niederschlag. Von diesem löse man so viel in Ammoniak, als dieses aufnimmt, filtrire und dampfe gelind ab; das doppeltwolframsaure Ammoniak |155| krystallisirt in Menge. Man kann auch die durch Auslaugen der geschmolzenen Masse mit Wasser erhaltene Flüssigkeit concentriren und geradezu mit einer concentrirten Salmiaklösung fällen. Der krystallisirte Niederschlag von doppeltwolframsaurem Ammoniak vermehrt sich noch beim Erkalten: das doppeltwolframsaure Ammoniak wird nun 12–15 Minuten lang in einem Strome von Wasserstoffgas zum starken Rothglühen erhizt. Dazu wird folgender Apparat empfohlen: Ein oben offener, unten geschlossener, 10'' hoher, 3'' im Lichten weiter gußeiserner Cylinder von 1 1/1 – 1 1/2'' Eisenstärke, hat innen nicht weit vom Boden einen vorstehenden Rand, um einen siebartig durchlöcherten Boden, welcher im Mittelpunkte ein größeres Loch hat, darauf legen zu können; für die obere Oeffnung ist ein in der Mitte mit einem Loche versehener gußeiserner Dekel vorhanden. In das Loch des Dekels, so wie in das mittlere des doppelten Bodens paßt der senkrechte Theil eines rechtwinklich gebogenen Flintenlaufs. Man legt nun den Boden in den Cylinder, stekt das Rohr in dessen Mittelloch, füllt den oberen Raum des Cylinders mit gröblich zerriebenem doppeltwolframsaurem Ammoniak, sezt den Dekel auf, stellt den ganzen Cylinder in einen Windofen und verbindet das Ende des Eisenrohrs mit dem Wasserstoffgas-Entwikelungsapparate. Unter stetem Zuströmen von Wasserstoffgas unter den Siebboden und durch dessen Löcher in das Pulver des doppeltwolframsauren Ammoniaks erhizt man bis zum starken Rothglühen und erhält die Hize 12–15 Minuten lang auf diesem Punkte. Hierauf läßt man erkalten. Es haben sich 83–85 Proc. vom angewendeten Gewichte doppeltwolframsauren Ammoniaks einer schönen, intensiv dunkelblauen zarten Farbe gebildet, welche sowohl für sich als auch in Mischungen im Lichte beständig, in der Wasser-, Oehl-, und wahrscheinlich auch Porzellanmahlerei brauchbar und billiger als Königsblau ist.

Wolframgelb ist leichter darzustellen und billiger als Wolframblau. Man kann es aus vier Arten darstellen:

a) Man sättigt kohlensaures Kali wie oben mit Wolfram, zieht das wolframsaure Kali durch Wasser aus und fällt aus der Lösung durch salzsauren Kalk wolframsauren Kalk, welchen man troknet und wäscht. Man erhizt nun eine mit 1 1/2Theilen Wasser verdünnte Salpetersäure oder Salzsäure oder eine mit 3 Theilen Wasser verdünnte Schwefelsäure zum Sieden und trägt den mit etwas Wasser abgeriebenen wolframsauren Kalk hinein, wobei man jedoch nicht bis zur Neutralisation schreitet, läßt noch 1/4 Stunde sieden, gießt in Wasser aus und wäscht das sich absezende Wolframgelb aus; sobald das Waschwasser milchig durchzugehen anfängt, hört man mit Auswaschen auf. – Am besten nimmt man den Proceß in Retorten im Sandbade vor. – Die das Kalksalz enthaltenden Flüssigkeiten werden immer wieder zur Fällung des wolframsauren Kalks gebraucht.

b) Man trägt den nach a dargestellten wolframsauren Kalk in eine Mischung von 5 Th. Salzsäure, 4 Th. Salpetersäure und 6 bis 8 Th. Wasser.

c) Man trägt den wolframsauren Kalk in eine mit 1/3 Schwefelsäure versezte Auflösung von doppeltchromsaurem Kali.

d) Man bringt in eine siedend heiße Mischung von 5 Th. Salzsäure, 1 Th. Salpetersäure und 5 bis 6 Th. Wasser allmählich fein pulverisirtes einfach wolframsaures Kali (oder Natron), kocht noch 1/4 Stunde und verfährt weiter wie bei a.

a gibt ein feuriges Citronengelb mit grünlichem Stich, b deßgleichen ohne diesen Stich, c ein mittelhelles etwas mattes Orangegelb, d ein feuriges, helles, leider am Lichte grün werdendes Orangegelb. Leztere Eigenschaft, welche a, b und c nicht haben, und welche von einem geringen nicht wegzubringenden Alkaligehalte herrührt, macht die vierte Farbe nur für Mischungen zu Grün anwendbar. Das Wolframgelb ist als Oehl- und Wasserfarbe anwendbar. (Journ. f. prakt. Chemie, Bd. IX. S. 8.)

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