Titel: Ueber die Anwendung des Kautschuks zur Verfertigung wasserdichter Feuersprizenschläuche.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XXXII./Miszelle 16 (S. 156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064032_16

Ueber die Anwendung des Kautschuks zur Verfertigung wasserdichter Feuersprizenschläuche.

Der hannöver'sche Gewerbeverein hat im vorigen Jahre eine Prämie auf Schläuche gesezt, welche durch Kautschuk wasserdicht gemacht sind. Hr. Benzinger, welcher für die von ihm eingesandten Schlauche die silberne Medaille erhielt, hat mit rühmlicher Liberalität sein Verfahren nicht nur der Prüfungscommission mitgetheilt, sondern auch dessen öffentliche Bekanntmachung gestattet. Dasselbe besteht in Folgendem:

Der mit Kautschuk zu überziehende hanfene Schlauch wird vorläufig in Holzaschenlauge ausgekocht, in reinem Wasser gespült, getroknet und gemangt.

Man nimmt 1 Pfd. Kautschuk, welches man, wenn es zuvor in heißem Wasser eingeweicht wurde, leicht in kleine Stüke zerschneidet, legt es in einen mehr hohen als weiten Steintopf, gießt darauf 11 Pfd. rectificirtes Terpenthinöhl, verschließt den Topf mit nasser Blase luftdicht und läßt ihn 14 Tage lang stehen. Das zur Auflösung angewandte Terpenthinöhl (auf dessen Beschaffenheit es wesentlich ankommt) muß, wenn man einen Tropfen desselben auf ein reines Blatt Papier fallen läßt, in einigen Minuten verfliegen und abtroknen, ohne einen Flek zurükzulassen.

Um das durch rectificirtes Terpenthinöhl auf die angezeigte Art erweichte Kautschuk völlig zu zertheilen und in einen gleichförmigen Brei zu verwandeln, zerreibt man die Masse nach und nach in kleinen Portionen auf einem 1□' großen Brette mittelst eines kleineren Handbrettes so lange, bis durchaus keine Klümpchen, Körner oder unaufgelöste Theile zurükbleiben. Endlich gibt man die Masse in einen Topf, bis sie aufgehört hat zu schäumen.

Nachdem aller Schaum vergangen ist, begießt man den Inhalt des Topfes mit heißer Auflösung von Schwefelleber, und knetet die Mischung so lange durch, bis der Teig ganz weiß geworden ist, welches nach 4 bis 5 Tagen, wenn man täglich zwei Mal knetet, erfolgt. In diesem Zustande ist das Kautschuk zum Auftragen bereit.

Man spannt den Schlauch am besten auf einem trokenen Boden so stark als möglich aus, und nimmt alsdann etwa 1/4 Pfd. gut durchgekneteten Kautschukteiges, womit man den Schlauch mit bloßen Händen in gleichmäßiger Dike überzieht. Dieser Teig muß jedoch mit möglichster Kraftanstrengung aufgetragen werden, um sich mit dem Gewebe gehörig zu verbinden und in die Zwischenräume desselben einzudringen. Nachdem der erste Auftrag troken geworden ist (wozu im Sommer etwa 24 bis 48 Stunden erforderlich sind), muß man ihn mehrmals mit kochender Schwefelleber-Auflösung abwaschen, troknen und mit heißem Wasser sorgfältig abspülen. Erst dann darf man auch den zweiten Ueberzug, auf gleiche Weise wie den ersten, auftragen. Dieser und jeder etwa noch folgende Anstrich muß auf die schon beschriebene Art fleißig gewaschen werden.

Die lezte Arbeit ist das Umkehren des Schlauchs, welches am besten (nachdem man ein Ende von 2 bis 3'' Länge mit der Hand umgekehrt hat) mit einer Flachzange geschieht, mit deren Hülfe man allmählich den ganzen Schlauch durch sich selbst herauszieht. Eine Länge von 30' kann man in 2 bis 3 Stunden umkehren. (Hannover'sche Mittheilungen.)

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