Titel: Preisaufgaben, den Krapp betreffend.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XXXII./Miszelle 2 (S. 150–151)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064032_2

Preisaufgaben, den Krapp betreffend.

Die Société industrielle in Mülhausen läßt den Concurs für folgende wichtige Preisaufgaben noch zwei Jahre, nämlich bis im Monat Mai 1839 offen.

Erster Preis.

Ein Preis von 14,800 Fr. wird demjenigen zuerkannt, welcher ein Verfahren entdekt, um durch eine einzige Färbeoperation allen Farbstoff des Krapps oder wenigstens ein Drittel mehr als bisher möglich war, auf gebeizten Baumwollzeugen zu befestigen.

Seitdem man weiß, daß der Krapp, welcher schon zum Färben gedient hat, noch eine große Menge rothen Farbstoff enthält, welcher sich durch heißes Wasser und durch unser gewöhnliches Färbeverfahren nicht ausziehen läßt, wünscht man ein Mittel zu besizen, um diesen verlorenen Farbstoff noch benuzen zu können. Verdünnte Schwefelsäure ertheilt dem bereits gebrauchten Krapp zwar die Eigenschaft, wieder wie frischer zu färben, aber diese Farbe ist nicht mehr solid. Ihre Flüchtigkeit rührt keineswegs von einer Veränderung des Farbstoffs her, denn man kann sie durch mehrere Mittel haltbar machen, aber diese Mittel sind entweder zu kostspielig oder zu umständlich und auch meistens in ihren Resultaten wandelbar, besonders im Großen. Man kann aus Krapp, welcher bereits zum Färben gedient hat und dann mit Schwefelsäure behandelt wurde, noch zwei Fünftel so viel Farbstoff ausziehen, als er beim ersten Färben abgab, und ohne daß er dadurch allen Farbstoff verlieren würde. Wenn man also allen Verlust berüksichtigt, den man beim gewöhnlichen Färbeverfahren erleidet, so kann man ohne Uebertreibung behaupten, daß man wenigstens um die Hälfte mehr Farbstoff aus dem Krapp gewinnen sollte, als man jezt daraus erhält.

Bei dem neuen Verfahren, welchem der Preis zuerkannt werden soll, ist es Bedingung, daß alle mit Alaunerde und Eisenoxyd erzielbaren Krappfarben dieselbe Intensität, Lebhaftigkeit und Haltbarkeit haben müssen, wie die jezt gebräuchlichen Krappfarben, und daß sie eben so gut den Chloralkalien, Seifen, Säuren, Alkalien und dem Sonnenlicht widerstehen.

Die nicht mit Mordant bedrukten Stellen, so wie die in Böden weiß geäzten Stellen dürfen beim vollständigen Ausbleichen keine größeren Schwierigkeiten darbieten, als nach dem jezt gebräuchlichen Färbeverfahren.

Die Avivirmittel für die Krappfarben müssen dieselben seyn, welche man jezt anwendet oder wenigstens weder kostspieliger noch schwieriger.

Das neue Färbeverfahren muß dieselben Vortheile auch für das Türkischrothfarben geöhlter Zeuge darbieten, so wie für gemischte Böden, wobei man außer Krapp auch Quercitronrinde oder Wau anwendet.

Das neue Färbeverfahren muß eben so gut bei Avignon- als bei Elsasser Krapp anwendbar seyn und die Unkosten dürfen auf 50 Kilogr. Krapp nach dem neuen Verfahren höchstens um 4 Fr. mehr betragen als bei demselben Krappgewicht nach dem gewöhnlichen Färbeverfahren.

Zweiter Preis.

Ein Preis von 14,400 Fr. wird demjenigen zuerkannt, welcher ein Krapp-Tafelroth entdekt, welches keinen anderen Farbstoff als Krapp enthält, dieselbe Intensität, Lebhaftigkeit und Haltbarkeit wie das schönste mit Krapp gefärbte Roth oder Rosenroth besizt, sowohl mit der Walzendrukmaschine als mit dem |151| Model gedrukt werden kann, und zwar auf weiße Baumwollenzeuge, die keine Vorbereitung erhielten. Es ist Bedingung, daß die mit dem Tafelroth bedrukten Zeuge bloß noch in Wasser ausgewaschen oder gedämpft zu werden brauchen; auch muß die Farbe der Einwirkung der Sonne, der Chloralkalien, Seifen, Säuren und Alkalien eben so gut widerstehen als das mit Krapp gefärbte Roth. Diese Farbe muß endlich alle Nuancen vom Dunkelroth bis zum Hellroth geben können, und ein Liter davon darf nicht über 5 Fr. zu stehen kommen.

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