Titel: Verschiedenheit der Milch nach der Zeit, zu der sie gemelkt wird.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XXXII./Miszelle 24 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064032_24

Verschiedenheit der Milch nach der Zeit, zu der sie gemelkt wird.

Ein Oekonom, erzählt das Journal des connaissances usuelles, füllte mehrere große Kaffeetassen nach einander mit der Milch einer Kuh, bis diese Kuh bis auf die lezten Tropfen ausgemelkt war. Nachdem er sich hierauf überzeugt hatte, daß in jeder Tasse genau eine gleiche Menge Milch enthalten war, schritt er zur Untersuchung der Milch in den verschiedenen Tassen. Das Resultat der Unersuchung war, daß die zuerst gemelkte Milch weniger Rahm enthielt, als jene, welche zulezt gemelkt wurde, und daß der Rahm sogar in dem Maaße mehr wurde, als sich die Milch zu Ende neigte. Das Verhältniß, in welchem dieß Statt fand, war bei verschiedenen Kühen verschieden, in den meisten Fällen jedoch verhielt sich der Rahm der lezten zu jenem der ersten Tasse wie 16 zu 1; und im Allgemeinen kann man das Verhältniß wohl wie 10 oder 12 zu 1 annehmen. Ein noch größerer Unterschied zeigte sich jedoch in Hinsicht auf die Qualität des Rahmes; jener der ersten Tasse war nämlich dünn, sehr weiß und beinahe ohne alle Consistenz; während sich jener der lezten Tasse dik, butterig und von schöner Farbe zeigte. – Die nach Abnahme des Rahmes in den Tassen zurükgebliebene Milch zeigte gleichfalls merkliche Unterschiede; denn die zuerst gemelkte Milch |160| war bläulich und sah aus, als wäre sie mit viel Wasser verdünnt worden, während die Milch der lezten Tasse eine schöne gelbliche Farbe hatte, und sowohl dem Geschmake als dem Aussehen nach mehr dem Rahme ähnlich war. Es ist daher erwiesen, daß man, wenn man die Kühe, nachdem sie 7 bis 8 Pinten Milch gegeben haben, aus Nachlässigkeit nicht ganz ausmelkt, und auch nur eine halbe Pinte in dem Euter zurükläßt, daß man, sagen wir, nicht nur beinahe eben so viel Rahm verliert, als die ersten 7 bis 8 Pinten Milch auswerfen, sondern daß gerade der schönste Rahm, der am meisten geeignet ist, der Butter guten Geschmak und eine schöne Farbe zu geben, verloren geht.

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