Titel: Ueber die Reinigung des Wallrath oder Spermacet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XLIX./Miszelle 12 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064049_16

Ueber die Reinigung des Wallrath oder Spermacet.

Das Journal des connaissances usuelles gibt folgende zwei Methoden den Wallrath zu reinigen an:

I. Man unterwirft den rohen Wallrath in einer hydraulischen oder anderen |239| Presse einem starken Druke, und schmilzt ihn dann in offenen Kesseln. Nenn er beiläufig die Temperatur von 100° Celsius erreicht hat, so gießt man nach und nach und in kleinen Quantitäten Potasche-, Soda- oder Kalk-Auflösung zu, wodurch sich anfangs viel Schaum und nach Ablauf einer bestimmten Zeit unter merklichem Klarwerden der Masse ein bläulicher Niederschlag bildet. Hat sich dieser abgeschieden, so gießt man die ziemlich klar gewordene aber braun gefärbte Flüssigkeit in eigene Gefäße, in denen sie zu einer krystallinischen Masse erstarrt. Nach dem Erkalten zerschneidet man diese Massen mittelst einer Mühle, an deren hölzernem Cylinder in schiefer Stellung Messerklingen angebracht sind. Die zerschnittenen Stüke bringt man in wollenen Säken, welche man in Roßhaarmatrazen einschließt, in eine horizontale hydraulische Presse mit Dazwischenlegung erhizter gußeiserner Platten. Die Presse muß einen doppelten Boden haben, in welchen man von einem Dampfkessel her Dampf eintreten läßt. Die heiß gepreßte Substanz schmilzt man dann abermals auf die oben angegebene Weise, wobei man ihr, wenn ihre Temperatur auf 100 bis 110° Celsius gestiegen ist, neuerdings von der alkalischen Flüssigkeit zusezt, wodurch ein starkes Aufschäumen und endlich ein kastanienbrauner, in Wasser schwebender Niederschlag entsteht, während der Wallrath weiß geworden ist. Da lezterer noch einige fremdartige Stoffe enthält oder enthalten kann, so ist es gut unter Erhaltung des Feuers die Operation mit reinem Wasser fortzusezen. Die Erfahrung hat gelehrt, daß es gut ist, wenn man zulezt auch noch etwas alkoholisirtes Wasser anwendet, indem dieses die Seife, die allenfalls in dem Wallrathe enthalten war, auflöst. Gut ist es, die Masse auch noch ein drittes Mal unter Anwendung von Wasser und Alkohol zu schmelzen, bevor man sie in die Krystallisationsgefäße gibt.

II. Man preßt den Wallrath auf die angegebene Weise kalt, schmilzt ihn im Marienbade in einem Kessel und wirft ihn auf Filter, welche in Kästen mit doppeltem durch Dampf geheizten Boden stehen. Nach dem Erkalten und Krystallisiren preßt man dann auf die angegebene Weise heiß, und schmilzt unter Zusaz einer bestimmten Menge thierischer Kohle und unter Umrühren bis zur Entfärbung abermals im Marienbade, um dann neuerdings zu filtriren und zu krystallisiren. Gut, jedoch nicht durchaus nothwendig ist es, ein doppeltes Filter zu haben, und zwischen beide etwas Aezkalk zu bringen. Wenn der Wallrath eine schöne bläuliche Farbe bekommen soll, so wird es gut seyn, wenn man ihn auch noch ein drittes Mal und unter Anwendung von Kohle schmilzt und filtrirt. – Dieses zweite Verfahren scheint vor ersterem den Vorzug zu verdienen.

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