Titel: Ueber die verbesserten Dampfmaschinen des Hrn. Collier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. XLIX./Miszelle 2 (S. 233–234)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064049_6

Ueber die verbesserten Dampfmaschinen des Hrn. Collier.

Die Siederöhren der von Hrn. Collier erbauten Dampfmaschinen zeichnen sich, wie das Nautical Magazine in seinem dießjährigen Januarhefte berichtet, durch mehrere Eigenthümlichkeiten aus. 1) Sind die Dampferzeuger schmal und |234| durch Räume, welche zur Circulation der Flamme und der erhizten Luft bestimmt sind, von einander geschieden, woraus eine schnelle Erhizung des Wassers folgt. 2) Fließt das Wasser, während die Dämpfe an dem oberen Theile des Hinteren Endes entweichen, fortwährend an dem unteren Theile herbei, woraus eine Circulation erfolgt, die der Ansammlung von Bodensaz und von Incrustationen im Inneren des Kessels vorbeugt. 3) Gelangt dieß Wasser bereits warm herbei; auch bildet es eine Säule, die auf das in den Dampferzeugern enthaltene Wasser einen weit stärkeren Druk ausübt als der Dampf. Hieraus folgt nicht nur, daß das Wasser fortwährend mit den Kesselwänden in Berührung erhalten wird; sondern es ergibt sich auch eine Ersparniß an Brennmaterial und eine Verhütung der Ueberheizung der Kessel und der daraus erwachsenden Gefahren. 4) Umgibt das Wasser nicht nur den Schornstein, sondern auch die Kessel, die Oefen und das Aschenloch. 5) Ist der den Dampferzeuger bildende Recipient selbst in ein mit einem schlechten Wärmeleiter ausgefüttertes Gehäuse gebracht, so daß durch diese doppelte Maßregel nicht nur die Reisenden gegen die lästige, von den Kesseln ausstrahlende Hize geschüzt sind, sondern daß, im Falle die Heizung unterbrochen wurde, in kürzerer Zeit abermals der gehörige Hizgrad hergestellt werden kann. 6) Sind an dem oberen und vorderen Theile der Dampferzeuger zur Verhütung der Unglüksfälle, welche aus einem Ueberschusse des Dampfes erwachsen könnten, Austrittsöffnungen angebracht, welche mit dem Haupt-Dampfbehälter communiciren. 7) Taucht eine senkrechte, an beiden Enden offene Röhre mit dem einen Ende durch die leztere dieser beiden Oeffnungen bis auf 6 Zoll vom Boden des Dampferzeugers unter, während sie mit dem anderen Ende in den Schornstein hinein ragt. Wenn daher durch das Ankleben der Ventile oder aus anderen Ursachen Gefahr entstehen könnte, so wird durch den Druk des Dampfes Wasser in den Schornstein getrieben und mithin das Feuer ausgelöscht werden; während umgekehrt bei einer plözlichen Verdichtung des Dampfes atmosphärische Luft von Außen eindringt und das Gleichgewicht wieder herstellt. 8) Endlich nimmt der neue Apparat bei einem geringeren Gewichte auch einen kleineren Raum ein, als die gewöhnlichen Apparate. – Bei einigen Versuchen, welche auf einer Fahrt nach Lissabon an Bord eines Bootes mit einer Maschine von 70 Pferdekräften angestellt wurden, ergab sich eine Geschwindigkeit von 9 bis 10 Seemeilen in der Zeitstunde. Die Heizer erklärten, daß sie einen Collier'schen Apparat lieber 6 Monate lang heizen, als einen gewöhnlichen nur einen Monat hindurch. Die Maschine konnte, nachdem sie 29 Stunden gefeiert, innerhalb 10 Minuten wieder in Thätigkeit gebracht werden. Bei der Rükkehr fanden sich keine Incrustationen im Kessel. – Man vergleiche, was wir bereits im Polyt. Journal Bd. LV. S. 317 über Hrn. Collier's Dampfkessel berichteten.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: