Titel: Nachrichten von einigen neueren Verbesserungen im Runkelrübenbaue und in der Fabrication von Zuker aus denselben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1837, Band 64, Nr. LXII./Miszelle 9 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj064/mi064062_9

Nachrichten von einigen neueren Verbesserungen im Runkelrübenbaue und in der Fabrication von Zuker aus denselben.

Hr. Payen erstattete einer Sizung, welche die Société centrale d'agriculture in Paris am 1. Februar l. J. hielt, einen Bericht über die neueren,

die Zukererzeugung in ihrem ganzen Umfange betreffenden Vorschläge, welcher im Wesentlichen Folgendes enthielt.

I. Hr. Lahérard empfiehlt beim Bau der Runkelrüben die Anwendung einer 6 Fuß breiten Walze, an der in Entfernungen von 18 Zoll von den beiden Enden zwei Reihen von Erhöhungen angebracht sind. Dieses Instrument erzeugt, wenn es über einen gut geeggten Aker gezogen wird, in Entfernungen von 14 Zoll von einander kleine Grübchen, deren Parallellinien durch einen Zwischenraum von 3 Fuß von einander geschieden sind. In diese Gräbchen sollen die Rübensamen, welche vorher zum Keimen gebracht worden seyn sollen, von Weibern gelegt und mit Erde bedekt werden. Die Bestellung einer Hectare Landes nach diesem System soll nur auf 6 Fr. zu stehen kommen.

II. Hr. Magendie hat eine ähnliche, aber wohlfeilere Walze angegeben, über die Hr. Vilmorin bemerkt, daß ihm für die Linien, in denen die Samen gelegt werden sollen, eine Entfernung von 18 bis zu 22 Zoll als die passendste erscheint.

III. Als eine der besten neueren Methoden in den langen, zur Aufbewahrung der Rüben dienenden Silos eine Ventilation zu erzeugen, die die Temperatur zu erniedrigen im Stande ist, wird angegeben, daß man nach der ganzen Länge des Silo eine Furche von der Breite und der Tiefe eines Spatens graben soll. Ueber diese Furche soll man, damit sie nicht verlegt werden kann, zuerst der Quere nach einige Rüben legen, bevor man die übrigen Rüben darauf schichtet. Die äußere kühle Luft, welche auf diese Weise frei unter die mit Rüben gefüllten Silos gelangt, soll die durch die Wärme ausgedehnten Gase ersezen. Würde ein zu bedeutender Frost eintreten, so brauchte man, um dessen nachtheilige Ginwirkung auf die Rüben zu verhüten, nur die beiden Enden der Furche zu verstopfen.

IV. Hr. Bouchet Saint-Arnoult hat einen neuen Apparat, Saturateur genannt, erfunden, welcher, indem die Runkelrüben mechanisch in rechtwinkelige parallelopipedische Stüke zerschnitten der Einwirkung des Dampfes ausgesezt werden, deren Zellen sehr gut zerreißt, und die Ausziehung des zukerhaltigen Saftes sowohl in der Kälte, als bei einer auf 100° gesteigerten Wärme sehr erleichtert. Die mit diesem Apparate erzielten Säfte sollen klar und sehr schwach gefärbt seyn.

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V. Einige Fabrikanten und darunter namentlich Hr. Hamoir, bewerkstelligen die Filtration von Unten nach Oben, wodurch die Verlegung der Knochenkohle durch den Schaum, der sich zu Boden sezt, verhindert wird. Diese sinnreiche Vorrichtung beseitigt auch die meisten der in den Fabriken bestehenden Niveau-Unterschiede.

VI. Der von den HH. Roth und Baydet erfundene Apparat zum Eindiken und Versieden der Syrupe (Polyt. Journ. Bd. LVII. S. 78 und Bd. LX. S. 365) arbeitet dermalen sehr regelmäßig und liefert so günstige Resultate, daß viele Fabrikanten ihre bisherigen Apparate gegen denselben vertauschten. Er erfordert dermalen bei weitem weniger Condensationswasser als früher; auch machte man ihn durch Hinzufügung eines neuen Kessels doppeltwirkend.

VII. Man probirt dermalen einen neuen, von Hrn. Sorel erfundenen Abdampfapparat, in welchem der im Marienbade erwärmte Syrup durch den Druk des Dampfes emporgehoben, und bann dadurch, daß man ihn an einer von Innen geheizten Säule herabfließen läßt, beinahe auf die Hälfte seines Volumens eingedikt wird.

VIII. Die HH. Ingenieurs Thomas und Laurent haben an der allgemeinen Einrichtung mehrerer Apparate eine wichtige Verbesserung angebracht. Die gänzliche Ausschließung der Luft und anderer Gase, welche die Uebertragung der Wärme beeinträchtigen, und wohl verstandene Verhältnisse zwischen den Durchschnitten des Dampfcanales in den Röhren und Hähnen haben zu unerwarteten Resultaten geführt. Es gelang ihnen unter Anwendung der Hallette'schen Kessel zur Klärung und der von Moulfarine verbesserten Kessel von Taylor-Martineau zum Eindampfen und Versieden, 9 1/2 Hectoliter in 16 Minuten zu klären, in 6 Minuten die erste Verdunstung vorzunehmen, und in 6 bis 10 Minuten je nach der Qualität der Gyrupe das Kochen zu vollbringen. Die ganze Operation ward demnach in den Kesseln unter einem Druke von 4 Atmosphären in 30 Minuten beendigt. Jeder Quadratmeter Heizoberfläche verdünstet hiebei 180 Kilogr., während das gewöhnliche Maximum nur 75 bis 80 Kilogr. beträgt.

IX. Einer der neuesten, von den HH. Bouchet und Péan erfundenen Abdampfapparate scheint sowohl in großen, als in kleinen Fabriken bedeutende Vortheile zu versprechen, indem er die Vorzüge der Continuität mit der größten bisher bekannten Geschwindigkeit verbindet. Die Abdünstung des geklärten Saftes wird mit diesem Apparate in 3 Minuten bewerkstelligt. Der Kessel besteht aus einer schrägen Flächt mit Cannelirungen, die sowohl nach der Quere, als nach der Länge laufen; er wird durch circulirenden Dampf von 4 Atmosphären Spannung geheizt; über ihn läuft der geklärte Saft ab, wobei dieser beständig unter freiem Zutritte der Luft eingedikt wird. Drei Kessel dieser Art mit dazwischen gestellten Filtern reichen für jede Fabrik hin. Die Heizung kann sehr gut auch mit freiem Feuer geschehen, wie sie z.B. Hr. Monier in Blois mit Vortheil betreibt.

X. Gemäß einer neuen, bereits in mehreren Fabriken angenommenen Wiederbelebungsmethode der thierischen Kohle von der Erfindung des Hrn. Fremy ist die Anwendung der Metallplatten nicht länger mehr von nöthen. Die Erfindung besteht in einem Reverberirofen, welcher nach Belieben offen oder geschlossen seyn, und sowohl zur Fabrikation neuer thierischer Kohle als auch zur Wiederbelebung alter gebraucht werden kann. Hr. Duchemin, Dirigent der Fabrik des Hrn. 2 arge bei Paris, erzeugt in 24 Stunden mit einem Aufwand von nicht mehr als 4 1/2 Hectoliter Steinkohlen 45 Hectoliter wiederbelebte Kohle. (Aus dem Mémorial encyclopédique, März 1837, S. 160.)

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